STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen1933 - 1945


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Von NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Schweigenden und Zuschauer/innen

Dr. Alfred Meyer

Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz

Gustav Alfred Julius Meyer, geboren am 5. Oktober 1891 in Göttingen, war Staatssekretär im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete während der Zeit des Nationalsozialismus. Meyer entstammt einem evangelischen Elternhaus in Göttingen. Sein Vater war Regierungs- und Baurat. Nach seinem Abitur im Jahr 1911 wurde er 1912 Fahnenjunker, 1914 Kompanie- und später Bataillonschef. 1917 kam er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1920 als Hauptmann entlassen wurde.

Meyer arbeitete als kaufmännischer Angestellter und studierte Rechts- und Staatswissenschaften sowie Nationalökonomie. 1922 promovierte er zum Dr. rer. pol. 1923 bis 1930 war er juristischer Referent auf der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen. 1928 trat er der NSDAP bei und wurde Ortsgruppenleiter. 1929/30 stieg er zum Leiter des Bezirks Emscher-Lippe auf. Im September 1930 zog er als Abgeordneter in den Reichstag ein.

Im Zuge des Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde ein neues Ministerium geschaffen, dessen Leiter der 'Chefideologe' der NSDAP, Alfred Rosenberg, wurde. Da er Meyer schon in der Zeit als Reichstagsabgeordneter kannte, machte er diesen zu seinem Stellvertreter im neu geschaffenen Ostministerium. In dieser Funktion und als Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 wurde er endgültig zum Schreibtischtäter und somit mitverantwortlich für Deportation, Zwangsarbeit und Judenvernichtung. Das Leben des Mannes, dessen politische Karriere in Gelsenkirchen begann, endete im April 1945 im Alter von 53 Jahren als von den Alliierten gesuchter Kriegsverbrecher bei Hessisch Oldendorf im Selbstmord.

Abb.: Lokole Führerehrung. Dem damaligen Wohnhaus Alfred Meyers in der Gelsenkirchener Zoosiedlung (Kleine Emscherstr. 64) wird von der Staatspartei der Charakter einer Kultstätte zugewiesen. (Foto: STDA GE, Otto Müller)

1931 war Meyer NSDAP-Gauleiter für Westfalen-Nord in Münster, ab Mai 1933 Reichsstatthalter von Lippe und Schaumburg-Lippe, 1936 Führer der lippischen Landesregierung. 1938 ernannte man ihn zum Oberpräsidenten der Provinz Westfalen und SA-Obergruppenführer.

Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz

Abb.: Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz. Alfred Meyer war von 1923 bis 1930 zunächst Zechenbeamter auf der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen. Im November 1929 wurde er als einziges NSDAP-Mitglied in den Rat der Stadt Gelsenkirchen gewählt. Im September 1930 zog er als Abgeordneter in den Reichstag für den Wahlkreis Westfalen-Nord ein.

Als Stellvertreter des Ministers Alfred Rosenberg war Meyer vom Sommer 1941 bis November 1942 verantwortlich für die drei Hauptabteilungen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich an der Ausbeutung und Plünde- rung der besetzten sowjetischen Gebiete, der Unterdrückung und Ermordung ihrer Bewohner, besonders der jüdischen Bevölkerung. Zur Wannsee-Konferenz war Meyer eingeladen, weil in den seiner Behörde unterstellten eroberten Gebieten der Sowjetunion bereits die "Einsatzgruppen" der SS mit Wissen und Unterstützung Meyers wüteten, der "Holocaust durch Kugeln", diese Verbrechen ereichten unfassbare Dimensionen. In Wannsee forderte Meyer, "gewisse vorbereitende Arbeiten" jeweils an Ort und Stelle durchzuführen, ohne jedoch die Bevölkerung zu beunruhigen. Im Juli 1942 schlug Verwaltungsmassenmörder Alfred Meyer vor, in der Sowjetunion gegen "Mischlinge" dieselben Maßnahmen wie gegen Juden zu treffen. Im November 1942 wurde Meyer zum Reichsverteidigungskommissar für Westfalen-Nord ernannt. Das Leben des Mannes, dessen politische Karriere in Gelsenkirchen begann, endete im April 1945. Im Alter von 53 Jahren beging der von den Alliierten gesuchte Kriegsverbrecher Alfred Meyer bei Hessisch Oldendorf Selbstmord.


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Juli 2017.

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