STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen 1933–1945


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Von NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Schweigenden und Zuschauer/innen

Großmann, Hermann

Kriegsverbrecher Hermann Großmann, 1947Abb.: Kriegsverbrecher Hermann Großmann, 1947

SS-Obersturmführer Hermann Großmann war ab Ende August 1939 im KZ Buchenwald ein- gesetzt. Ab Mai 1940 fungierte er als Komman- deur der Wachmannschaft des KZ Buchenwald und wurde von dort im März 1943 als Leiter des Buchenwalder Außenlagers Wernigerode einge- setzt. Dort wurden durch KZ-Häftlinge in den Rautalwerken GmbH (auch Wernigwerke AG genannt), die 1938 zu einer modernen Leicht- metallgießerei ausgebaut worden waren, Zulie- ferteile für die Rüstungsindustrie gefertigt. Im Juni 1944 wurde Großmann von Wernigerode in ein weiteres Buchenwalder Außenlager, den "Bochumer Verein" in Bochum, als Lagerleiter bis zur Auflösung des Lagers im März 1945 versetzt. Im Dezember 1944 waren dort über 1.600 registrierte, vorwiegend jüdische KZ-Häft- linge für Bau- und Erdarbeiten sowie in der Ge- schossproduktion tätig.

Am 18. September 1944 traf ein Transport von 400-500 jüdischen Gefangenen vom KZ Stutthof über KZ Buchenwald in Bochum ein. Zum über- wiegenden Teil kamen die Gefangenen aus dem zuvor aufgelösten KZ Riga-Kaiserwald. Darunter waren auch viele jüdische Menschen aus dem nördlichen Ruhrgebiet und Westfalen, bspw. aus Gelsenkirchen, Recklinghausen, Marl und weite- ren Städten. Nach Kriegsende wurde Großmann im Rahmen der Dachauer Prozesse im Buchenwald-Hauptprozess mit 30 weiteren Beschuldigten angeklagt. Grossmann wurde beschuldigt, alliierte Gefan- gene misshandelt und getötet zu haben, insbesondere die Erschießung sowjetischer Häftlinge während eines Luftangriffs wurde von Augenzeugen glaubhaft belegt. Am 14. August 1947 wurde Großmann zum Tode durch den Strang verurteilt und am 19. November 1948 im Kriegsverbrecherefängnis Lands- berg hingerichtet.

Ein weiteres Außenlager des KZ Buchenwald bestand in Bochum bei der Eisen- und Hüttenwerke AG (nach dem Krieg: Stahlwerke Bochum AG, SWB; heute: EBG Gesellschaft für elektromagnetische Werkstoffe mbH). Es wurde im August 1944 eingerichtet und ebenfalls im März 1945 aufgelöst. In diesem Unternehmen wurden circa 650 Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. Auch in Gelsenkirchen gab es ein Außenlager von Buchenwald bei der Gelsenberg Benzin AG.

Vgl. Jan Erik Schulte (Hg.) "Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933-1945, Zentrale Steuerung - Regionale Initiative", darin Ingrid Wölk, Das Außenkommando "Bochumer Verein" des Konzentrationslagers Buchenwald, S.245-258


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Januar 2019.

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