STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort JOSEF GUTGOLD

JG. 1897
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
TOT 28.2.1945



Verlegeort HELENE GUTGOLD

GEB. WEINRIEB
JG. 1896
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
ERMORDET IN AUSCHWITZ

Verlegeort: Eckenerstraße 14

Der aus Lodz stammende Kaufmann Josef (Juda Majr bzw. Meir) Gutgold, geboren am 12. Mai 1897, war mit Helene (Helena,Gena), geborene Weinrieb (Veinrab), geboren am 24. April 1896 in Lodz, verheiratet. Das Ehepaar lebte zunächst in Hamborn, dort wurden die zwei Kinder der Eheleute Gutgold geboren. Leo (Arie) am 8. Juli 1921 und Eva (Chava) am 12. April 1925. Laut der Einwohnermeldeunterlagen kam die Familie Gutgold am 12. Juni 1925 nach Horst-Emscher. Die Familie lebte bis zur Flucht aus Nazi-Deutschland an der Eckenerstraße 14 in Gelsenkirchen-Horst. [1]

Der heute in den USA lebende Herman Neudorf, einer der wenigen Horster Juden, der den Holocaust überlebte, erinnert sich in einem Gespräch im August 2011 an Josef Gutgold: "Er war Reisender in Haus- und Tischwäsche, verkaufte in Horst seine Waren an den Türen der Häuser. Er war ein großer, stattlicher Mann. Ich weiß jedoch nicht, was aus ihm geworden ist."

Ein anderer Zeitzeuge berichtete bereits 1988 im Zuge einer Befragung [2] über die Familie Gutgold:

"In unserem Haus, in Gelsenkirchen-Horst, wohnte oben, in einer 3-Zimmer­Wohnung, die Familie Gutgold mit ihren beiden Kindern, Evi und Leo. Mit dieser Familie bestand eine nette Hausgemeinschaft. Einige Wochen vor der "Kristallnacht", fiel mir auf, dass die beiden Kinder nicht mehr zur Schule gingen und den ganzen Tag auf der Straße spielten. Auf meine Frage, warum sie nicht mehr zur Schule gingen, erwiderten sie: "Wir werden weggeschickt, nach Sachsen."

Am Morgen des 10. November - gegen 5 Uhr in der Frühe - schellte es an allen Schellen unseres Hauses Sturm. Ich blickte durch das Fenster, und sah eine Horde SA-Männer vor unserem Hause. Kaum war die Haustür geöffnet, stürmte diese Horde in die Wohnung der Familie Gutgold, zerschlug die Möbel und verhaftete das Ehepaar mit ihren Kindern. Ich habe nie wieder etwas von dieser Familie gehört (...)."

Die Patin für den Stolperstein, der Josef Gutgold gewidmet wird, erzählt: "Meine Großmutter hatte nicht genug Geld, um eine zweite Garnitur Bettlaken als Geschenk für ihre Eltern von Herrn Gutgold zu kaufen. Sie hatte in den Jahren zuvor schon mehrfach Wäsche bei ihm gekauft, über die Zeit hatte sich so eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung aufgebaut. Herr Gutgold ließ ihr die Laken da und wollte das Geld bei seinem nächsten Besuch abholen. Meine Mutter kann sich heute noch gut an diese Bettlaken erinnern, denn immer, wenn Großmutter diese Laken aufzog, sagte sie: Mein Gott, er ist nicht wiedergekommen... So blieb diese Zweitgarnitur Bettlaken unbezahlt."

Wir wissen heute, dass die Familie Gutgold im Januar/Februar 1939 zunächst nach Rotterdam in den Niederlanden flüchten konnte. Eva Gutgold konnte mit einem der Kindertransporte von den Niederlanden nach England fliehen und von dort weiter nach Palästina emigrieren. Sie schloss sich der "Hachshara" an und lernte dort den 15 Jahre älteren Dr. Marchfeld kennen. Die beiden heirateten und hatten zwei Kinder. Eva Marchfeld, geborene Gutgold, heiratete später ein zweites Mal und lebte unter dem Namen Chava Ben-Avram in Israel. Ihr Bruder Leo wurde zusammen mit seiner Frau und einer unbekannten Anzahl Kinder von den Nazis ermordet, dass berichten Nachfahren der Familie Gutgold, die heute in Israel leben.

Der Leidensweg von Leo und seiner Familie ist derzeit nicht bekannt. Auch die Eltern wurden von der Mordmaschinerie der Nazis 1942 in den Niederlanden eingeholt und zunächst in dem "Durchgangslager" Westerbork eingesperrt. Helene Gutgold wurde am 4. September 1944 mit dem Transport XXIV/7 in das Ghetto Theresienstadt, am 4. Oktober weiter in das KZ Auschwitz verschleppt und dort ermordet. [3] Josef Gutgold wurde am 28. Februar 1945 von den Nazis an einem unbekannten Ort ermordet. [4]

Für den Stolperstein, der an Josef Gutgold erinnert, hat Rita Rosslan-Hoberg die Patenschaft übernommen. Jesse Krauß und Astrid Becker sind Stolperstein-Paten für den Stolperstein, der an Helene Gutgold erinnert.

Quellen und Anmerkungen:

[1] Einwohnermeldeunterlagen, Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen. (1928 wurde Horst-Emscher mit Buer und Gelsenkirchen zur Stadt Gelsenkirchen zusammengeschlossen)
[2] Die Novemberpogrome in Gelsenkirchen - Dokumente zur Reichskristallnacht. Herausgeber: Schul- und Kulturdezernat der Stadt Gelsenkirchen, Evangelischer Kirchenkreis Gelsenkirchen, Schulamt für die Stadt Gelsenkirchen, 1988.
[3] Angaben von Nachfahren der Familie Gutgold, Israel.
[4] Joods Monument - Digitaal Monument Joodse Gemeenschap in Nederland. www.joodsmonument.nl (Abruf Dezember 2011)

Die Geburtsdaten in den verschiedenen Quellen weichen von den Angaben in den Meldeunterlagen in Gelsenkirchen ab, ebenso finden sich unterschiedliche Schreibweisen und Angaben von Vor- und Nachnamen. Hier werden die Daten und Schreibweisen der Einwohnermeldeunterlagen aus Gelsenkirchen genannt, in Klammern die in anderen Quellen genannten Namensangaben.

Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Dezember 2011

Stolpersteine für Josef und Helene Gutgold, verlegt am 29. April 2013

Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Gutgold

Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Gutgold Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Gutgold Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Gutgold

Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Gutgold


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