STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN
Ausgrenzung erinnern

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HIER WOHNTE
CHANA STEINHARD
GEB. WALDHORN
JG. 1869
1939 ABSCHIEBUNG POLEN
ZURÜCKGEKEHRT
DEPORTIERT 27.1.1942
RIGA
ERMORDET
2.11.1943
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HIER WOHNTE
ISIDOR WALDHORN
JG. 1892
VERHAFTET 9.9.1939
SACHSENHAUSEN
1941 KZ DACHAU
KZ BUCHENWALD
ERMORDET
18.10.1941
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HIER WOHNTE
ETTI WALDHORN
GEB. STEINHARDT
JG. 1897
DEPORTIERT 27.1.1942
GHETTO RIGA
KZ STUTTHOF
BEFREIT
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HIER WOHNTE
FRIEDA WALDHORN
JG. 1925
DEPORTIERT 1942
GHETTO RIGA
BEFREIT
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HIER WOHNTE
JAKOB WALDHORN
JG. 1928
DEPORTIERT 27.1.1942
GHETTO RIGA
1944 KZ Stutthof
ERMORDET
NOV. 1944
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Verlegung geplant 2027, 45897 Gelsenkirchen, Horster Straße 36
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Kaufmann Isidor Waldhorn, geboren am 20. Oktober 1892 in Kalusz (Galizien) führte in den 1920er Jahren in Gelsenkirchen ein Altwaren An- und Verkauf. Er war mit der ebenfalls in Kalusz am 10. August 1897 geborenen Etti, geborene Steinhardt verheiratet. Das Ehepaar Waldhorn hatte drei in Gelsenkirchen-Buer geborene Kinder. Der älteste Sohn, Sali Waldhorn geboren am 22. September 1923 starb bereits wenige Tage nach der Geburt am 28. September 1923, berdigt wurde das Kind auf dem jüdischen Friedhof an der Mühlenstraße in Buer. Weitere Kinder waren Frieda, geboren am 21. September 1925 und der am 16. Februar 1928 geborenen Jakob.
Familie Waldhorn lebte zunächst an der an der Essener Straße 33 in Buer (heutige Horster Straße) von dort verzog die Familie zur Horster Straße 36. Im Haushalt lebte auch die am 3. Mai 1869 in Bohorad- czany (Galizien) geborene Chana Steinhardt, die verwitwete Mutter von Elli Waldhorn.
Abb.1: Überweisungsbeleg Nachlass Isidor Waldhorn.
Am 9. September 1939, wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, wurden die noch in Gelsenkirchen verbliebenen jüdischen Männer mit polnischen Wurzeln als "feindliche Ausländer" im Rahmen der 2. 'Polenaktion' verhaftet. Zunächst wurde diese Gruppe der Gelsenkirchener Juden im Polizeigefängnis in Herne inhaftiert.
Am 20. März 1940 wird Isidor Waldhorn in das KZ Sachsenhausen verbracht, am 6. September 1940 wird er in das KZ Dachau überstellt, am 6. Juli 1941 erfolgt die Verlegung in das KZ Buchenwald. Dort wird Isidor Waldhorn am 18. Oktober 1941 ermordet.
Sein auf der erhaltenen Geldverwaltungskarte des KZ Buchenwald verzeichneter "Nachlass" in Höhe von 74,55 RM wurde am 8. November 1941 an die Kripostelle Gelsenkirchen zur Aushändigung an seine Frau übersandt.
Ob der Geldbetrag - ebenso wie die auf der Effektenkarte verzeichneten persönlichen Kleidungsstücke, Wertsachen wie eine Uhr mit Kette und ein Ring - tatsächlich an seine Witwe übergeben wurden, bleibt im Dunkeln. Die Urne mit den vorgeblich sterblichen Überresten von Isidor Waldhorn wird 1941 nach Gelsenkirchen geschickt und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt.
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Abb.2: Effektenkarte KZ Buchenwald Isidor Waldhorn, Arolsen Archives
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Am 27. Januar 1942 werden Chana Steinhardt, Etti, Frieda und Jakob Waldhorn mit dem ersten großen Deportationstransport von Gelsenkirchen nach Riga verschleppt. Zuvor mussten sie einige Tage und Nächte in der Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz verbrigen, die Nazis hatten dort ein temporäres 'Judensammellager' eingerichtet. In den frühen Morgenstunden des 27. Januar 1942 setzte sich der Deportationszug Richtung Osten in Bewegung. Die Fahrkarten mussten die Betroffenen zuvor selber kaufen - einfache Fahrt - denn eine Rückkehr war nicht vorgesehen.
 Abb.3: Mitteilung zum Tod von Jakob Waldhorn im KZ Stutthof.
Zunächst wurden die deportierten Menschen im Ghetto Riga interniert. Mit der schrittweisen Auflösung des Ghettos Riga wurde bereits im Juli 1943 begonnen, mit einer großen Selektion und Mordaktion wird die Ghetto-Räumung am 3. November 1943 abgeschlossen. Unter den Ermordeten ist auch Chana Steinhardt. Die Überlebenden werden in das neu errichtete KZ Riga-Kaiserwald überstellt. Mit dem Näherrücken der Front im Sommer 1944 wird auch das KZ Kaiserwald aufgelöst, die in den Augen der SS als noch 'arbeitsfähigen' KZ-Häftlinge werden per Schiff Richtung Westen in Marsch gesetzt. Unter ihnen sind auch Etti und ihre Kinder Frieda und Jakob Waldhorn. Sie werden Ende September 1944 im KZ Stutthf bei Danzig registriert. Dort wird Jakob Waldhorn am 8. Oktober 1944 ermordet. Frieda und ihr Mutter Etti Waldhorn erleben ihre Befreiung und kehrten zunächst nach Gelsenkirchen-Buer zurück. Dort wohnen sie in der Urbanusstr.21. Frieda Waldhorn heiratet nach dem Krieg den aus Riga stammenden Hirsch Schloßberg, gemeinsam emigrieren das Ehepaar Schloßberg und Mutter Etti Anfang Januar 1951 über Bremen-Grohn in die USA.
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Exkurs: Warum weichen Namen in den Quellen ab
In Deportationslisten, Transportakten oder Lagerregistern wurden Namen in der Bürokratie des NS-Regimes oft fehlerhaft, nach Gehör oder absichtlich in eingedeutschter Form eingetragen.
Viele Betroffene änderten ihre Vornamen oder die Schreibweise ihrer Nachnamen nach Flucht und Emigration, z. B. von Schmuel zu Samuel oder Cohn zu Cohen. Je nach Herkunftsland existieren amtliche Dokumente in unterschiedlichen sprachliche Varianten, z. B. Hebräisch, Jiddisch, Polnisch oder Deutsch mit abweichenden Transkriptionen. Häufig weichen die Namen in Geburtsurkunden durch Heirat von den Namen in späteren Melderegistern ab.
Um die historisch korrekte oder die von der Person selbst bevorzugte Schreibweise zu ermitteln, nutzen wir folgende Primärquellen: Gedenkbuch des Bundesarchivs: Die zentrale wissenschaftliche Datenbasis für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland; Arolsen Archives: Das weltweit umfassendste Archiv über die Opfer und Überlebenden des NS-Regimes (enthält originale KZ-Karten, Transportlisten und Effektenverzeichnisse); Yad Vashem Datenbank: Die zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, die auch Gedenkblätter von Angehörigen enthält. Diese zeigen oft, wie die Familie den Namen selbst schrieb; Lokale Stadtarchive: Geburtsregister, Heiratsurkunden und historische Einwohnermeldeämter/Adressbücher liefern die Schreibweise aus der Zeit vor der Verfolgung. Wenn unterschiedliche Schreibweisen vorliegen, wird in der Regel der Name aus den amtlichen Personenstandsurkunden (wie der Geburtsurkunde) gewählt oder die Variante, die die Person zeitlebens selbst genutzt hat. Gibt es begründete Zweifel oder abweichende Wünsche von Nachfahren, wird die Inschrift in enger Absprache mit uns als Koordinierungsstelle und den ggf. vorhandenen Angehörigen festgelegt.
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Die Patenschaften für die Familie Waldhorn hat die Gesamtschule Buer-Mitte übernommen.
Abbildungen:
1: Überweisungsbeleg, DocID: 7365344 (ISIDOR WALDHORN)
2: Effektenkarte, Arolsen Archives, DocID: 87394184 (ISIDOR WALDHORN)
3: Mitteilung zum Tod von Jakob Waldhorn Arolsen Archives, DocID: 4673468 (JAKOB WALDHORN)
Quellen:
Franz-Josef Wittstamm, Spuren im Vest https://spurenimvest.de/2024/06/13/waldhorn-friedel/ (Abruf 10/2026)
Gedenkbuch Bundesarchiv, Abruf 10/2026
Datenbank der in den Jahren 1933 bis 1945 in Gelsenkirchen verfolgten Jüdinnen und Juden (Institut für Stadtgeschichte, ISG), Abruf 10/2026
Mapping the Lifes, Abruf 10/2026
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Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Oktober 2026
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