STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam erinnern statt Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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HIER WOHNTE

Verlegeort IDA REIFENBERG

JG. 1878
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
20.11.1941

Verlegung geplant 2022, Verlegeort: Von der Recke Straße 11, Gelsenkirchen

Ida Rothstein, geboren am 9. März 1878 in Coppenbrügge als Tochter von Louis Rothstein und Lina Oppenheim heiratete am 22. Januar 1900 in Coppenbrügge den am 7. August 1856 in Horn (Hunsrück) geborenen Benjamin Reifenberg. Das Ehepaar Reifenberg hatte zwei Kinder, die am 18. Oktober 1900 in Menden geborene Helene und den am 17. Juli 1903 in Menden geborenen Hans. Ida Reifenbergs Ehemann Benjamin starb bereits am 4. September 1907 in Menden. Tochter Helene heiratete am 3. Mai 1927 in Hannover den Dermatologen Dr. Hugo Alexander. Nach ihrer Hochzeit zog Helene nach Gelsenkir- chen, wo ihr Ehemann Dr. Hugo Alexander an der Bahnhofstraße 42 eine dermatologische Praxis betrieb. Kurze Zeit später zog auch Witwe Ida Reifenberg nach Gelsenkirchen.

Beide Kinder des Ehepaars Reifenberg konnten aus Nazideutschland fliehen und so überleben. Hans, der am 10. April 1940 in London Edith Sternberg geheiratet hatte, starb im Alter von 49 Jahren am 20. Dezember 1952 in London. Seine Frau Edith, die später wieder in Deutschland lebte, starb 1997 im Alter von 95 Jahren in Neustadt an der Weinstrasse.

Ida Reifenbergs Bruder Ernst Rothstein, der eigentlich in Hamburg lebte, war ebenfalls von Ausgrezung, Diskriminierung und dem sich ständig erhöhenden Verfolgungsdruck betroffen. 1936 kam er für einige Zeit nach Gelsenkirchen, um hier eine auskömmliche Arbeit zu finden. Für jüdische Menschen zu die- sem Zeitpunkt schon beinahe aussichtslos. Nach zum Stichtag der Volkszählung 1939, dem 17. Mai 1939, gibt er zwei Anschriften an: Carolinenstr. 4 II., Zoo / St. Pauli-Nord, Hansestadt Hamburg und die seiner Schwester Ida: Augustastr. 4, II. Etage, Gelsenkirchen. Nach diesem Zeitpunkt kehrte Ernst Rothstein nach Hamburg zurück. Auch er gehört nicht zu den Überlebenden, 1942 wird er in das deut- sche Vernichtungslager Auschwitz im besetzten Polen deportiert und dort ermordet. In Hamburg erinnert ein Stolperstein an Ernst Rothstein.

Ida Reifenberg zog nach dem 17. Mail 1939 (Stichtag der Volkszähling 1939) von der Augustastraße zur Von-Der-Recke-Straße 11, dieses Haus hatte dem früheren Möbelkaufmann Hugo Broch gehört.

Grabstein Ida Reifenberg

Abb.1: Grabstein Ida Reifenberg auf dem Jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf

Mit dem Erhalt der ersten schriftlichen Ankün- digungen der so genannten "Evakuierung in den Osten" im November 1941 entschieden sich in der Folge verschiedene, zumeist ältere jüdische Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener zur Flucht in den Tod. Auch Ida Reifenberg wählte diesen Weg, am 20. November 1941 nahm sie sich das Leben.

Entrechtung, Resignation, Angst, Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und Einsamkeit hatten die Menschen zu diesem letzten, selbstbestimmten Schritt gebracht. Um sich dem physischen und psychischen Terror der NS-Machthaber, der gesellschaftlichen und der persönlichen Ächtung in Deutschland zu entziehen, bendeten sie ihr Leben selbstbestimmt. Wenigstens die Entscheidung über ihren Tod wollten diese Menschen nicht den Nazis überlassen. Nur auf diesem Wege wussten sie sich ihrer Würde bewahrt. Ida Reifenberg wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf beigesetzt.

 Zählkarte der Bezirksstelle Westfalen, Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Büro Gelsenkirchen. Orginal in Arolsen Archives, 12669450

Abb. 2: Sterbefall Ida Reifenberg. Zählkarte der Bezirksstelle Westfalen, Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Büro Gelsenkirchen. Orginal in Arolsen Archives, 12669450

Die Patenschaft und damit auch die Finanzierung des Stolpersteins, der an Ida Reifenberg erinnern wird, hat Knut Maßmann übernommen.

Quellen:
Abbildungen
1: Gelsenzentrum e.V.
2: Arolsen Archives

Gedenkbuch Bundesarchiv
Mapping the Lives, https://www.mappingthelives.org/ (Abruf 7/2021)
Wolfgang Kißmer, Familien- und Heimatforschungforschung in Menden und im umliegenden Sauerland, hier: Stammbaum Familie Reifenberg; https://www.wolfgang-kissmer.de/menden-2-1/j%C3%BCdische-familien-in-menden/familie-reifenberg/ (Abruf 7/2021)

Biografische Zusammenstellung: Andreas Jordan, STOLPERSTEINE Gelsenkirchen, 7/2021.


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