Stolpersteine Gelsenkirchen

Gemeinsam gegen das Vergessen


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Verlegeort JULIE LICHTMANN

GEB. HAMBERG
Jg. 1882
Deportiert 1942 Riga
1943 KZ Kaiserwald
1944 Ermordet in Riga Strasdenhof
Für tot erklärt

Julie Lichtmann, georene Hamberg, geboren am 16. August 1882 in Breuna war mit Bernhard Lichtmann, der bereits am 6. April 1918 als deutscher Soldat im ersten Weltkrieg starb, verheiratet. Das Ehepaar Lichtmann hatte zwei Töchter, Flora und Berta. Flora zog 1931 nach Thüringen und heiratete dort Dr. Walter Eichenbronner. Familie Eichenbronner wurde von den Nazis nach Polen deportiert und gilt als verschollen. Berta konnte am 21. Juli 1939 von Gelsenkirchen nach Großbritannien fliehen. Sie ging 1947 in die USA, wo sie 1951 Emanuel Moss heiratete.

Die Witwe Julie Lichtmann wohnte ab Mai 1933 bis Dezember 1938 am Schalker Markt 9, später wurde sie von den NS-Verfolgungsbehörden in eines der so genannten "Judenhäuser" an der Von-Der-Recke-Straße 4 eingewiesen. Unter der Adresse Schalker Markt 9 betrieb sie zusammen mit Sally Meyer, der mit ihrer Schwester Henriette verheiratet war, das Textilkaufhaus "Rode & Co". Der Fußballer Fritz Szepan, Spieler des FC Schalke 04, "erwarb" das Kaufhaus im Zuge der Enteigungen und "Arisierung" jüdischen Eigentums Ende 1938 zu einem Spottpreis und führte es dann unter dem Namen "Kaufhaus Szepan am Schalker Markt" bzw. nach 1945 als "Wäschehaus Szepan" bis Anfang der 1970er Jahre weiter.

Während Fritz Szepan als Arisierungsgewinnler im Rahmen der so genannten "Entjudung" ein gutes Geschäft machte, wurde Julie Lichtmannn - ebenso wie ihr Schwager Sally Meyer und dessen Frau Henriette - am 27. Januar 1942 nach Riga verschleppt. Noch 1940 hatte Julie Lichtmann versucht, aus Deutschland zu fliehen, als Zielland gab sie Chile an. Es gelang ihr jedoch nicht mehr, Deutschland zu verlassen.

Julie Lichtmann war zunächst im Ghetto Riga, nach Auflösung des Ghettos im KZ Kaiserwald (Frauen-Außenlager Strasdenhof) eingesperrt. In Strasdenhof mußte sie mit anderen Frauen und Mädchen für die AEG (Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft) Batterien zerlegen und reinigen. Es ist davon auszugehen, dass Julie Lichtmann bei Auflösung des Außenlagers Strasdenhof Ende August 1944 aufgrund ihres Alters, sie war zu diesem Zeitpunt 62 Jahre alt, ermordet wurde. Zur "Evakuierung" in das KZ Stutthof bei Danzig waren von der SS nur Menschen im Alter zwischen 18-30 Jahren vorgesehen, alle anderen wurden vor Ort von der SS ermordet. Julie Lichtmann wurde durch Beschluss des Amtsgerichts Gelsenkirchen vom 28. Februar 1961 zum 31. Dezember 1945 für tot erklärt.

Email an die Projektleiterin Heike Jordan schreiben Email an Heike Jordan, Projektleiterin Stolpersteine Gelsenkirchen


Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Oktober 2011

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