STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Ausgrenzung erinnern


Stolpersteine Gelsenkirchen

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HIER WOHNTE

Verlegeort MARTHA ANNA
WOLTSCHLÄGER

GEB. STÜBNER
JG. 1895
MEHRFACH EINGEWIESEN
1939 HEILANSTALT LENGERICH
1941 HEILANSTALT EICHBERG
'VERLEGT' 11.8.1941
HADAMAR
ERMORDET
'AKTION T4

Verlegung geplant 2027, 45883 Gelsenkirchen, Karolinenstraße 20

Martha Anna Woltschläger, Stolpersteine Gelsenkirchen

Abb.1: Anna Maria Woltschläger, Gelsenkirchen

Über die Lebens- und Leidenswege von Anna Maria Woltschläger ist vergleichsweise wenig bekannt. Die spärlichen Informationen hat die Schalker Fan-Initiative (AG Laufend Erinnern) in Kooperation mit dem Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte (ISG) 2023 in einer Broschüre Link veröffentlicht.

Ihre Biografie wird auch im GE:schichte-Blog des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) nachgezeichnet:

"Martha Anna Woltschläger wurde 46 Jahre alt. Sie wurde laut Geburtsurkunde am 14. Januar 1895 in Gelsenkirchen geboren, ihr Geburtsname war Stübner. Auf der Urkunde steht als Beruf des Vaters Emil "Arbeiter"; der Name der Mutter war Louise. Sie waren evangelisch. Die Geburtsurkunde vermerkt auch Martha Woltschlägers Sterbedatum und den Ort ihres Todes: Demzufolge starb sie vorgeblich am 23. August 1941 in Hadamar-Limburg.

Der Meldekarte zufolge lebte Martha Woltschläger seit 1914 mit ihren Mann Christian Woltschläger zusammen. Ihr gemeinsamer Sohn Walter kam am 3. Mai 1917 zur Welt. Die Familie lebte ab 1918 in der Karolinenstraße 20.

Weitere Auskünfte gibt das Hausstandsbuch dieser Wohnadresse. Dort steht, dass Martha Woltschläger im November 1938 nach Lengerich abgemeldet wurde, in eine "Anstalt". In Lengerich befand sich die Provinzial-Heilanstalt, wohin seinerzeit psychisch Erkrankte häufig gebracht wurden. Von Lengerich, so ist zu lesen, kehrte sie im Januar 1939 wieder zurück.

Im Oktober 1939 findet sich erneut ein Eintrag, der die Abmeldung nach Lengerich belegt. Welche Erkrankung Martha Woltschläger hatte, ist nicht bekannt. Da keine Patientenakte überliefert ist, können keine vertiefenden Überlegungen angestellt werden.

Martha Anna Woltschläger war ein Opfer der staatlich organisierten Krankenmorde, der "Euthanasie" genannten Krankentötungen. Ihr Name findet sich auf einer Liste des Bundesarchivs, die nachvollziehen lässt, dass sie am 1. Juli 1941 in die "Zwischenanstalt Eichberg" in Eltville am Rhein verlegt wurde. Von dort kam sie am 11. August 1941 in einem Transport mit weiteren 107 Personen in die Tötungsanstalt Hadamar. Fast 15.000 Menschen wurden von 1941 bis 1945 allein in der damaligen Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Hierzu gehörten psychisch Erkrankte und Menschen mit Behinderung, es waren Alte und Junge, Männer, Frauen und Kinder. Diese Menschen stammten aus weiten Teilen Deutschlands sowie aus vielen Ländern Europas.

Mit aller Wahrscheinlichkeit wurde Martha Anna Woltschläger noch am Tag ihrer Ankunft in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet, auch wenn die Geburtsurkunde, auf der ihr Todesdatum notiert wurde, ein anderes Datum angibt."


Zitat

"Martha Anna Woltschlägers Geschichte steht stellvertretend für die mehr als 70.000 Menschen, die im Deutschen Reich im Rahmen der zentral organisierten "Aktion T4" ermordet wurden. Insgesamt wurden während der nationalsozialistischen Krankenmorde bis zum Kriegsende über 200.000 Menschen getötet. Ihre Namen und Lebensgeschichten dürfen nicht in Vergessenheit geraten.


Rauchfahne aus dem Krematorium über der Tötungsanstalt Hadamar

Abb.2: Rauchfahne des Krematoriums über der Tötungsanstalt Hadamar. (Foto: RomkeHoekstra, CC BY-SA 4.0 Link )

Vgl.: plenz (24. Januar 2023). Martha Anna Woltschläger (1895 – 1941). GE:schichte. Abgerufen am 31. August 2026 von GE:schichte Link

Die Stolpersteinpatenschaft wurde von dem Urenkel der Schwester von Anna Martha Woltschläger übernommen.

Abbildungen
1: Martha Anna Woltschläger, Privat.
2: RomkeHoekstra


Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. August 2026

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