STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort WOLFGANG MAAS

JG. 1920
FLUCHT 1936 HOLLAND
MIT HILFE
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET 21.1.1945

Verlegung März 2020, Lernort Leibnitz-Gymnasium Gelsenkirchen, Breddestr. 21

Wolfgang Maas wurde am 20. Februar 1920 in Buer / Westfalen als Sohn des Hugo Maas, geboren 9. Juli 1883 in Gelsenkirchen und dessen Ehefrau Adele, geb. Bornheim, geb. am 7. Juni 1885 in Düs- seldorf geboren.

Ostern 1931 wird der begabte Wolfgang Maas am Gymnasium Buer (heutiges Leibniz-Gymnasium) aufgenommen. Mit der Machtübergabe an die Nazis beginnt der Terror, der sich gegen die jüdische Bevölkerung richtet. Das ist auch in den Gelsenkirchener Schulen zu spüren, zu Ostern 1934 verlässt Wolfgang Maas das Buersche Gymnasium. Die ständigen antisemitischen Pöbeleien und Beschimp- fungen seiner Mitschüler und auch die gegen den jüdischen Jungen gerichteten Anfeindungen von Seiten der Lehrkräfte werden für ihn unerträglich.

Auch wird es Juden vom NS-Regime in der Folgezeit verboten, einen Beruf zu erlernen. Die Zukunft in Deutschland scheint unmöglich, Hugo und Adele sehen für ihren Sohn keine Perspektive nehr. Im Alter von 16 Jahren flieht Wolgang Maas mit Hilfe aus Deutschland. Im holländischen Winterswijk findet er eine zweite Heimat. Die dortige jüdische Gemeinde kümmert sich um Wolfgang, besorgt ihm vor Ort eine Unterkunft. Wolfgang besucht die Technische Schule, um Maler zu werden. Sein Leben wendet sich zunächst wieder zum Guten. Auch seinen Eltern gelingt die Flucht aus Nazi-Deutschland, sie kön- nen nach Brasilien entkommen.

Wolfgang Maas und Thea Windmüller in Holland

Abb. 1 Wolfgang Maas und Thea Windmüller in Holland

In Winterswijk lernt Wolfgang die junge Jüdin Thea Windmüller kennen, gemeisam mit anderen Jugendlichen genießen die beiden in der Folge relativ unbeschwert ihre gemeinsame Zeit. Dann, im Mai 1940 überfällt Nazideutschland Holland, Wolfgang und Thea sind mittlerweile ein Liebes- paar. Mit dem Überfall installieren die Deutschen auch in Holland ihren Überwachungs- und Verfol- gungsapparat, die bisher in veremeintlicher Sicherheit lebenden jüdischen Flüchtlige aus Deutschland sehen sich jetzt auch in Holland der Verfolgung ausgesetzt. Wolfgang und Thea tauchen 1942 getrennt voneinander unter. Es geling beiden, noch bis Dezember 1943 versteckt zu leben, sie stehen mit Briefen in Kontakt. Aber dann werden sie verraten und vom den NS-Ver- folgern eingeholt.

Am 16. Dezember 1943 erden Wolfgang und Thea im Lager Westerbork interniert, am 25. Januar 1944 gehen sie auf Transport nach Auschwitz. Thea wird am 28. Januar unmittelbar nach Ankunft vergast, Wolfgang wird als Häftling in Auschwitz registriert und mit der eintätowierten Häftlingsnummer 172959 entmenschlicht.

Aussage Abraham Matuszak

Abb.2: Aussage von Mithäftling Abraham Matuszak, der ebenfalls aus Gelsenkirchen stammte

Wolfgang Maas wird am 8. März 1944 aus dem Häftlingskrankenbau Monowitz [1] entlassen, erneut aufgenommen und am 1. Mai nach Birkenau (Auschwitz II) [2] überstellt - seine letzten Lebensspuren, dokumentiert von der Bürokratie einer monströsen Mordmaschinerie. In einem so genannten Wie- dergutmachungsverfahren, das Wolfgangs Mutter nach dem Krieg angestrengt hat, wird als Wolfgang Maas Todesdatum der 21. Januar 1944 genannt.

Warum schreibst du mir nicht - Waarom schrijf je me niet POST UIT DE VERGETELHEID

78 Briefe von Wolfgang an Thea und auch Fotos sind erhalten geblieben. In fünf Tagebüchern folgen wir Thea von 1939 an, beginnend mit einer fröhlichen, sorgenfreien Jugend, immer besorgter wegen der Transporte nach Polen werdend, durch ihre Zeit als Untergetauchte hindurch bis zum Ende, als Wolfgang und sie verhaftet und auf Transport nach Auschwitz gestellt werden. Wanderausstellung: Wolfgang und Thea - mit Video

Quellen:
Abb.1: "We hebben ze allemaal gekend..." bij de namen van de vermoorde joodse inwoners van Winterswijk, een gedenkboek door Henk Vis, m.m.v. Mirjam Schwarz http://www.werkgroeplvdo.com/whzag/persoon/195/ (Abruf Januar 2020)
Abb.2: Abraham Matuszak, WGM 5291
[1]:ITS Archives, Bad Arolsen, 1.1.2.1 / 530459 Namenverzeichnisse von kranken Häftlingen, die im Häftlingskrankenbau Monowitz behandelt wurden
[2]: ebda., 1.1.2.1 / 507548 Auszug aus dem Zu- und Abgangsverzeichnis des Häftlingskrankenbaus Monowitz
WGM 5291, ISG Gelsenkirchen
Ausstellung online: https://www.pudv.nl/wolfgang-und-thea/?lang=de (Abruf Januar 2020)


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Januar 2020

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