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Der Viehhändler Carl Posner wurde am 27. Juni 1890 in Gelsenkirchen geboren. Seine Frau Ella, geb. Stessmann, stammte aus Medebach, wo sie am 8. September 1901 geboren wurde. Die gemeinsame Tochter Lotte wurde am 26. Februar 1930 in Gelsenkirchen geboren.
 Abb. 1: Grabstein der Eltern von Carl Posner auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf
Carl war ein Sohn von Benjamin Posner, der aus Norden stammte, wo er am 1. September 1864 geboren war. Auch Benjamin Posner arbeitete als Viehhändler und kam offenbar 1916 mit seiner Familie nach Gelsenkirchen. Benjamin Posner starb am 2. März 1940 in Gelsenkircher und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf beerdigt. Benjamin Posners Frau war eine geborene Mendel, sie stammte aus Linnich im Kreis Jülich und wurde dort am 1. Juni 1860 geboren. Sie starb bereits vor ihrem Mann am 12. September 1933 und wurde ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf beerdigt.
 Abb. 2: Grabstein von Curt Posner auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Bulmke, Wanner Straße
Neben einem frühzeitig gestorbenen Kind hatten Benjamin und Sophie Posner neben dem Sohn Karl einen weiteren Sohn namens Curt, der am 16. März 1894 geboren wurde. Curt Posner starb am 5. Dezember 1917 vermutlich als deutscher Soldat. Weiterhin hatte das Ehepaar eine Tochter mit Namen Carola, ihr Lebens- bzw. Leidensweg ist derzeit nicht bekannt.
Familie Posner lebte in einer Wohnung an der Arminstraße 1, bis sie von den Verfolgungs-behörden Ende September 1939 zum Umzug in eines der so geannten Gelsenkirchener "Juden-häuser" an der Ringstraße 54 gezwungen wurden. Die Menschen lebten dort bis zur Depor-tation auf engstem Raum unter menschen-unwürdigen Bedingungen zusammen.
 Abb. 3: Randvermerke des Standesamts Gelsenkirchen auf der Geburtsurkunde von Carl Posner: Der von den Nazis angeordnete Zwangsvorname "Israel" wird gelöscht
Die Familie Carl Posner wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert. Dort wurde Carl Posner von den Nazis nach den Schilderungen von Überlebenden vermutlich im Februar/März 1942 bei einer der so genannten "Aktionen" (Selektionen) ermordet. Bei den Selektionen wurden im Konzen-trationslager Jungfernhof als auch im Ghetto Riga allein in diesen beiden Monaten annähernd 3000 Häftlinge, darunter vorwiegend Kranke, Kinder unter 14 Jahren mit ihren Müttern und Häftlinge über 45 Jahren als "arbeitsunfähig" erklärt - das Todesurteil.
Unter dem Vorwand, die Menschen in eine Fischkonservenfabrik nach Dünamünde zu bringen, wo es für sie angeblich leichtere Arbeitsbedingungen gäbe, transportierte man die von der SS zur Tötung bestimmten zu den bereits ausgehobenen Massengräbern im Bikernieker Wald und erschoss sie dort. Ella und Lotte Posner wurden von Riga weiter in das KZ Stutthof verschleppt und dort im Dezember 1944 ermordet. Familie Posner wurde laut einem Beschluss des Amtsgerichts Gelsenkirchen vom 17. Januar 1953 für tot erklärt, amtlich festge-setzter Zeitpunkt des Todes: 31. Dezember 1945.
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