Stolpersteine Gelsenkirchen

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Familie Schönenberg

Verlegeort SELMA SCHÖNENBERG

GEB. ROSENTHAL
Jg. 1890
Deportiert 1942
Theresienstadt
Tot 8.7.1942


Verlegeort ERNA GRADENWITZ

GEB. SCHÖNENBERG
Jg. 1915
Flucht 1939 Holland
Lager Westerbork 1942
Ermordet 30. November 1943
Auschwitz


Verlegeort GÜNTER SCHÖNENBERG

Jg. 1920
Flucht 1938 Holland
Flucht 1943 Frankreich
Überlebt

Verlegeort: Wanner Straße 119

Julius Schönenberg, wurde am 30. September 1875 in Hörde geboren, seiner Frau Selma, die aus der Familie Rosenthal aus Annen (Witten-Annen, Kreis Hörde) stammte, wurde am 13. Mai 1890 geboren. Die beiden haben 1914 geheiratet, kurz bevor Julius Schönenberg als Soldat für das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg ziehen musste. Das Ehepaar Schönenberg hatte zwei in Gelsenkirchen geborene Kinder, die am 1. April 1915 gebore Erna und den am 7. September 1920 geborenen Günter.

Wanner Straße 119 in Gelsenkirchen-Bulmke heute

Abb.: Wanner Straße 119 in Gelsenkirchen-Bulmke heute

Die Familie Schönenberg übernahm von den Eltern Julius Schönenbergs in den 1920er Jahren ein Geschäft für Manufakturwaren und Herren-bekleidung an der Wanner Straße 119. Salomon Schönenberg und seine Frau Lina, geborene Weinberg waren mit fünf Kindern im Jahr 1885 in die damalige Gemeinde Bulmke gekommen und hatten das Geschäft gegründet. Lina Schönenberg starb 1923, Salomon Schönenberg 1928, beide wurden auf dem jüdischen Friedhof an der Wanner Straße beerdigt.

Grabstätte von Julius Schönenberg auf dem jüdischer Friedhof an der Wanner Straße in Gelsenkichen

Grabstätte von Salomon und Lina Schönenberg auf dem jüdischer Friedhof an der Wanner Straße in Gelsenkichen

Abb.: Die Gräber von Salomon, Lina und Julius Schönenberg auf dem jüdischen Friedhof an der Wanner Straße in Gelsenkichen

Testimony für Selma Schönenberg

Abb.: Gedenkblatt für Selma Schönenberg

Seit der Ubergabe der Macht an die National-sozialisten 1933 war die Familie wie die anderen jüdischen Familien Gelsenkirchens einem stetig zunehmenden Verfolgungsdruck ausgesetzt, der sich auch auf die Geschäftsentwicklung neagtiv auswirkte.[1] Die Eltern nahmen Günter Schönenberg 1934 vom Realgymnasium, das er seit 1930 besucht hatte, weil auch dort die antisemi-tischen Übergriffe durch Lehrer und Schüler zunahmen. Günter Schönenberg sollte nun auf seine Auswanderung vorbereitet werden und einen Beruf erlernen.

Zunächst begann er eine kaufmännische Ausbildung, die er jedoch abbrechen mußte, nur weil er Jude war. Danach sollte er eine Ausbildung als Schweißer bei der Schrottgroßhandlung Moses Stern in Gelsenkirchen machen. Als auch diese Firma "arisiert" wurde, mußte Günter im Juni 1938 den Betrieb verlassen. Am 18. August 1938 gelang ihm die Flucht in die Niederlande. Selma und Erna Schönenberg betrieben nach dem Tod des Vaters und Ehemannes Julius Schönenberg am 7. Mai 1936 das Geschäft an der Wanner Straße weiter, bis es in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 - wie auch die Wohnung der Schönenbergs - zerstört wurde.

Nach der Vernichtung der Existenzgrundlage floh Selma Schönenberg zu ihrer Schwester Antonie Meyer, geb. Rosenthal nach Kachtenhausen bei Lemgo. Am 19. März 1942 wurde sie von den Nazis unter Polizeibewachung in das jüdische Altersheim an der Stapenhorststraße 35 in Bielefeld gebracht. Selma Schönenberg wurde von Bielefeld nach Theresienstadt deportiert, in den Meldeunterlagen und dem Hausbuch Stapenhorststrasse 35 vermerkt: "Unbekannt abgewandert" / "Mit unbekanntem Ziel abgewandert". Dort starb Selma Schönenberg vermutlich bereits am 8. Juli 1942. [2][3][4]

Jüdisches Altenheim in Bielefeld, Stapenhorststrasse 35

Abb.: Jüdisches Altenheim in Bielefeld, Stapenhorststrasse 35. (Foto: Stadtarchiv Bielefeld)

Heiratsurkunde von Josef Gradenwitz und Erna Schönenberg

Die letzten persönlichen Lebensspuren: Unterschriften von Josef Gradenwitz und Erna Schönenberg auf der Heiratsurkunde der Gemeinde Westerbork aus dem Jahr 1942

Im Juni 1939 konnte Erna Schönenberg in Niederlande flüchten. Doch auch hier war sie - wie ihr Bruder auch - vor der Verfolgung nicht mehr sicher, als die Nazis im Mai 1940 die Niederlande besetzten. 1942 wurde Erna Schönenberg von ihrem Wohnort Leeuwarden in das KZ-Durchgangslager Westerbork gebracht. In Westerbork heiratete sie am 16. Oktober 1942 [5] den aus Tarnowitz stammenden Joseph Gradenwitz. Erna wurde am 30. November 1943 in Auschwitz, ihr Mann Joseph 1943 im Vernichtungslager Majdanek ermordet. [6]

Günter Schönenberg gelang am 3. November 1943 die Flucht aus den Niederlanden nach Frankreich. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ging er zunächst nach Amsterdam, um von dort im Juni 1947 in die USA auszuwandern. Günter Schönenberg nahm dort den Namen George G. Shelton an. Er verstarb im November 2002.

→ Bericht von George G. Shelton (PDF)

Unsere Frage: Wer erinnert sich an das Geschäft Schönenberg auf der Wanner Strasse 119 (Nach Arisierung und Enteigung in der NS-Zeit Zigaretten- und Spirituosengeschäft Walbröl) ?

Email an die Projektleiterin Heike Jordan schreiben Email an Heike Jordan, Projektleiterin Stolpersteine Gelsenkirchen

Uwe Kaczmirzak und Ursula Möllenberg haben je eine Patenschaft für einen Stolperstein, der einem Angehörigen der Familie Schönenberg gewidmet wird, übernommen.

Stolpersteine Gelsenkirchen - Schönenberg, Wanner Strasse 119

Abb.: Über dem Eingang des Ladenlokals an der Wanner Strasse 119 läßt sich noch der Name Schönenberg entziffern

Quellen:

Vgl. auch: "Einziger Überlebender seiner Familie - George G. Shelton" in: Stefan Goch, "Jüdisches Leben, Verfolgung-Mord-Überleben", S.144 ff. Essen 2004.
1: StA Bielefeld, Unterlagen 109,3/Amt für Wiedergutmachung, Nr. 177 und 186 liefern Hinweise auf die Geschäftsentwicklung in Gelsenkirchen ab 1933
2: Testimony, The Central Database of Shoah Victims' Names, eingereicht von Reuwen Schoenenberg, Verwandter.
3: Ihr amtliches Todesdatum ist der 31. Dezember 1945. Lit. Monika Minninger/Joachim Meynert/Friedhelm Schäffer, Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte, Bd. 4), Bielefeld 1985, S. 199.
4: StA Bielefeld, Meldekartei Bielefeld-Mitte 1920-1958 (Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18),
Hausbuch Stapenhorststr. 35, S. 18.
5: Huwelijksakte 36322 van Gradenwitz en Schönenberg uit het archief van de voormalige Gemeente Westerbork. In Archief Gemeente Midden-Drenthe
6: Testimony, The Central Database of Shoah Victims' Names, eingereicht von Rudi Gradenvitz, Bruder

Fotos: Heike Jordan


Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Oktober 2011, Nachtrag Februar 2012

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