STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

← STOLPERSTEINE Gelsenkirchen

HIER WOHNTE

Verlegeort ROSA COHN

GEB. HAMBERG
JG. 1859
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
SOBIBOR
ERMORDET 16.4.1943

HIER WOHNTE

Verlegeort SIEGFRIED COHN

JG. 1887
FLUCHT 1939
1940 USA


HIER WOHNTE

Verlegeort THERESA COHN

GEB. HARTOG
JG. 1900
FLUCHT 1939
1940 USA


HIER WOHNTE

Verlegeort WALTER COHN

JG. 1924
FLUCHT 1937
USA


HIER WOHNTE

Verlegeort HERMANN COHN

JG. 1921
FLUCHT 1938
USA

Verlegeort: Wittekindstraße 21

Siegfried Cohn wurde am 20. Mai 1887 geboren. Nach dem ersten Weltkrieg, in dem er bei der Flieger- truppe Dienst für sein Vaterland verrichtete, heiratete er in Wien Ilonka Stein. Das Ehepaar zog dann nach Essen-Katernberg und übernahm dort das Möbelgeschäft des Großvaters. In Katernberg wurden am 8. September 1921 Hermann und am 11. Februar 1924 Walter geboren. Nach dem Tod der Mutter, sie starb 1926 bei der Geburt eines weiteren Kindes, kümmerte sich die im gemeinsamen Haushalt lebende Groß- mutter Rosa Cohn um die beiden Kinder. 1928 heiratete Siegfried Cohn seine zweite Frau, Theresa.

Anfang der Dreißiger Jahre verkaufte Siegfried Cohn das Möbelgeschäft in Essen und zog etwa 1932 mit der Familie nach Gelsenkirchen. Siegfried Cohn übernahm in Gelsenkirchen die Firma Hudes & Co., eine Leinen-Manufaktur. Zunächst wohnte die Familie an der Overwegstraße 55, dann bis zur Flucht aus Deutschland an der Wittekindstraße 21. Im Januar 1933 zog Rosa Cohn dort ein, nachdem sie eine kurze Zeit bei der Familie von Siegfrieds Bruder Alfred in Bottrop gelebt hatte.

Heutiges Grillo-Gymnasium in Gelsenkirchen, dass damalige Realgymnasium. Hier wurden Jungen unterrichtet, Mädchen gingen auf das Lyzeum.

Abb. 1: Heutiges Grillo-Gymnasium in Gelsenkirchen, das damalige Realgymnasium. Hier wurden nur Jungen unterrichtet, Mädchen gingen damals auf das Lyzeum

Bereits kurz nach der Machtübergabe an die Nazis im Januar 1933 war auch die Familie Cohn dem ständig zunehmenden, offenen und aggressiven Antisemitismus durch Behörden und der Gelsen- kirchener Stadtgesellschaft ausgesetzt, der sich in Misshandlungen und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung manifestierte. Auch am Realgymna- sium, dass Hermann seit Anfang 1932 besuchte, verschlechterten sich die Bedingungen für die jüdischen Schüler kontinuierlich, sie wurden beson- ders von Lehrern diskriminiert und geschlagen.

Unter dem sich ständig verschärfenden Verfolgungsdruck wollte auch Familie Cohn Deutschland verlas- sen. Walter Cohn wurde bereits 1937 zu Verwandten in die USA geschickt. 1937/38 wurde ein von den NS-Behörden bestimmter "Abwickler", der Rechtsanwalt Dr. Nowack, mit der "Entjudung" des Geschäftes von Siegfried Cohn beauftragt. So wurde der Familie auch die berufliche Existenz und Lebensgrundlage entzogen und die Firma Hudes & Co. schließlich "arisiert".

In der sogenannten "Kristallnacht" wurde Siegfried Cohn von Nazi-Schergen fürchterlich zusammenge- schlagen, die Wohnung der Cohns verwüstet. Hermann wird einige Tage danach im Hauptquartier der Gelsenkirchener Gestapo massiv misshandelt und mit dem Tod bedroht. Der damals siebzehnjährige Hermann Cohn konnte einige Tage danach zunächst nach Holland fliehen. Im Dezember 1939 erhielten die Eltern endlich die nötigen Visa für sich und Sohn Hermann und verließen fluchtartig die Stadt Richtung Holland. Gemeinsam mit ihrem Sohn gingen sie in Rotterdam an Bord eines niederländischen Schiffes, dass Sie endgültig in die USA in Sicherheit brachte.

Geburtsanzeige in Aufbau, 27. September 1946<

Abb. 2: Geburtsanzeige des Ehepaars Cohn in "Aufbau", 27. September 1946

Die Familie Siegfried Cohn ließ sich in Chicago nieder, dort heiratete Hermann Cohn im Frühjahr 1944 Else Kahn. Hermann Cohn kehrte als Soldat der US-Army mit der Invasion der Alliierten in der Nor- mandie am 6. Juni 1944 nach Europa zurück. Seine Einheit erreichte Süddeutschland, hier wurde Cohn als Dolmetscher im kurz zuvor befreiten KZ Dachau eingesetzt. Im Dezember 1945 ging er zurück in die USA und verließ die Armee. Er machte sich selbstständig, eröffnete in Chicago eine Reinigung mit Schneiderei, später kam mit einem Partner ein Unternehmen für Herrenbeklei- dung hinzu.

Zeitungsartikel: Herman Cohn besucht seine alte Schule (Grillo Gymnasium) in Gelsenkirchen Abb.3: Herman Cohn besucht seine alte Schule (Grillo Gymnasium) in Gelsenkirchen. Die Lokalpresse berichtete seinerzeit über den Besuch, Herman Cohn hat uns die Zeitungsartikel [1] und sein Redemanuskript [2] von 1998 zur Verfügung gestellt

Herman Cohn besuchte Gelsenkirchen 1998, seinerzeit sprach er auf seinen ausdrücklichen Wunsch zu Schülerinnen und Schülern des Grillo-Gymnasium, dem früheren Realgymnasium an der Hauptstraße. Mit dabei waren auch die ehemaligen Gelsenkirchener George Shelton (vormals Günter Schönenberg) und Albert Gompertz. Alle drei waren Schüler des Städt. Realgymnasiums, bis sie unter dem zunehmenden Rassismus in seiner antisemitischen Ausprägung und dem ständig zunehmenden Verfolgungsdruck gegen Juden in der NS-Zeit das Realgymnasium verlassen mussten.


Herman Cohn erinnert sich

Herman Cohn, 1996

"Mein Vorname schrieb sich ursprünglich mit zwei "N", erst als ich amerikanischer Staats- bürger wurde, wurde ein "N" gestrichen. Ich wurde am 8. September 1921 in Essen geboren. Meine frühesten Kindheitserinnerungen habe ich an die Zeit, als meine Mutter starb. Ich war damals 5 Jahre alt. Wir lebten zu dieser Zeit in Essen-Katernberg. Oft ist Mutter mit mir zum Markt gegangen. Auf dem Rückweg hat meine Mutter ihre Einkäufe an Bedürftige verteilt, es kam vor, dass sie mit leeren Händen zu Hause ankam, weil sie alles verschenkt hatte. Ich war der ältere von zwei Kindern dieser Mutter. Sie starb bei der Geburt ihres dritten Kindes, auch das Neugeborene überlebte nicht.

Zu dieser Zeit lebte meine Großmutter väterlicherseits mit uns in einem Haus. Mein Vater hatte vom Großvater ein Möbelgeschäft von beachtlicher Größe in Essen-Katernberg übernommen - ich erinnere mich an den Slogan "Das führende Möbelhaus Cohn". Bis etwa 1932 lebten wir in Essen, dann zogen wir nach Gelsenkirchen. Dort übernahm Vater eine Leinen-Manufaktur. Das Geschäft hatte er, bis er Deutschland verlassen musste. Mein Vater traf meine Mutter, als er im 1. Weltkrieg bei der deutschen Armee war. Auf einer Schabbat-Feier bei Familie Stein in Ungarn traf er Ilonka Stein. Direkt nach Kriegsende heirateten mein Vater und Ilonka in Wien. Erst war er als Soldat beim Heer, dann bei den Fliegern auf dem Balkan, aber er war kein Pilot. Vater war ein deutscher Patriot, einer seiner Brüder fiel im 1. Weltkrieg, in Vaters Familie waren alle sehr patriotische Deutsche. Wir fühlten uns an erster Stelle als Deutsche, erst an zweiter Stelle als Juden. Vater war Mitglied im "Reichsbund jüdischer Frontsol- daten", er hatte im 1. Weltkrieg unter anderem das Eiserne Kreuz II. Klasse erhalten.

Wir waren sehr deutsch, aber auch jüdisch. Wir gingen regelmäßig in die Synagoge, feierten die hohen Festtage, entzündeten Kerzen am Schabbat. Meine Eltern waren eher liberal, wir lebten auch zuhause nicht koscher. Wir hatten viele jüdische, aber auch nichtjüdische Freunde. Die deutsche Juden lebten ganz normal mit Ihren nichtjüdischen Nachbarn zusammen, es gab keine Judenviertel oder so etwas. Ich kann mich nicht an Antisemitismus erinnern, dass änderte sich erst nach der Machtübergabe an Hitler im Januar 1933 schlagartig. Es war, als ob jemand einen Schlüssel umgedreht hat.

Zwei Jahre bin ich in Katernberg zur Schule gegangen, mit unserem Umzug nach Gelsenkirchen kam ich auf die jüdische Schule an der Ringstraße. Als ich alt genug für die weiterführende Schule war, schickten meine Eltern mich auf das Realgymnasium. Als ich in der Untertertia war (8. Schuljahr) hielten es meine Eltern vor dem Hintergrund der geplanten Auswanderung für sinnvoller, dass ich die Schule verlasse und einen Beruf erlerne. Mit einer entsprechenden Ausbildung hätte ich in den USA sofort eine Arbeit. Meine Eltern nahmen mich vom Realgymnasium und ich begann eine Ausbildung in einer Schneiderei in Köln.

Nach dem Tod meiner Mutter kümmerte sich unsere Oma Rosa um uns, dann hat mein Vater ein weiteres Mal geheiratet. Unsere Stiefmutter hieß Theresa, und bald bekamen wir einen kleinen Bruder namens Helmut. Dieser Bruder starb eines natürlichen Todes, da war er etwa 5 oder 6 Jahre alt. Von diesem Zeitpunkt war unsere Stiefmutter sehr verbittert. Sie hatte "ihr" Kind verloren, und wir Stiefkinder lebten... Ich hatte eine schwierige Kindheit, sie war sehr streng, gab uns wenig Liebe. Das änderte sich auch später in den USA nicht. Mit meinem Bruder Walter hatte ich ein gutes Verhältnis. Wenn wir uns stritten, haben wir uns auch genauso schnell wieder vertragen, wie Brüder eben so miteinander umge- hen. Vaters Familie, seine Brüder und Schwestern lebten alle in unserer Nähe, nicht alle in Gelsenkir- chen, aber in den umliegenden Städten. Oma lebte bei uns, und all unsere Verwandten kamen üblicher- weise am Sonntag Nachmittag zu uns. Wir hatten ein offenes Haus, die Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen waren immer willkommen. Meistens gab es Kaffee und Kuchen, wir feierten gemeinsam die Geburtstage, dabei ich erinnere mich besonders an die Geburtstagsfeiern für meine Großmutter. Wir Kinder spielten dann auch im Möbelgeschäft, dort konnte man so wunderbar "Verstecken" spielen. Den Sederabend begingen wir aber meistens sehr traditionell bei unserem Onkel Louis. Das war die schönste Zeit in meinem Leben.

Wenn ich an meine frühe Schulzeit denke, fallen mir Fräulein Goldblatt und Lehrer Katz ein, sicher da gab es auch andere, aber an diese beiden erinnere ich mich besonders gut. Es war ja damals üblich, wenn man in der Schule gegen bestehende Regeln verstieß, dass man auch körperlich gemaßregelt wurde. Da ich ja nicht der Klassenprimus war, hatte ich des öfteren dieses "Vergnügen". Meine Bar Mizwa hatte ich in Gelsenkirchen. Dr. Galliner, ein wundervoller Rabbiner, und Kantor Schul bereiteten mich vor und unterrichteten mich. Das war noch eine richtige Bar Mizwa, nicht so wie heute. Ich konnte auch nur einige wenige Freund einladen, es gab nur eine kleine Familienfeier. Damals stand der religiöse Aspekt mehr im Vordergrund.

Bei uns wurde ausschließlich Deutsch gesprochen, in meinem Umfeld wurde kein kein Jiddisch gesprochen. Es gab die Zuwanderer aus Osteuropa, die sprachen Anfangs, als sie nach Deutschland, meistens nur jiddisch. Wir verstanden das, es war mehr ein "deutsches Jiddisch". Sie lernten jedoch schnell, sprachen bald fließend Deutsch. Zwischen den deutschen Juden und den aus Osteuropa zugewanderten Juden gab es eine Kluft, im sozialen wie auch im religiösen Leben, mir gefiel das überhaupt nicht. In der Schule war ich mit den Kindern der osteuropäischen Juden befreundet, für mich gab es da keinen Unterschied, aber die Eltern waren so eingestellt. Wir waren ihnen zu "deutsch" und sie uns zu "jüdisch". Es hätte nicht sein dürfen, ein trauriges Kapitel in der Geschichte der deutschen Juden, aber es war leider so.

Bei Familie van Engel, Pythagorasstraat 49 in Amsterdam hat Rosa Cohn  gewohnt

Abb. 4: Bei Familie van Engel, Pythagorasstraat 49 in Amsterdam hat Rosa Cohn gewohnt

Manchmal haben wir Verwandte in Holland besucht. Einzelne aus unserer Familie hatten Holländer oder Holländerinnen geheiratet. Sie waren so die ersten aus der Familie, die Deutschland verlassen haben. Manche, wie Schwestern von meinem Vater mit Ihren Familien und Kindern, haben in Holland im Versteck den Holocaust überlebt. Eine der holländischen, nichtjüdischen Familien, die damals geholfen hat, unsere Lieben zu retten, ist von Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt worden. Aber nicht alle unserer Verwandten in Holland haben überlebt. Als meine Eltern Ende 1939 Deutschland verlassen hatten, flüchtete auch unsere Großmutter Rosa nach Holland, um dort mit ihren Töchtern zu leben. Nachdem die Deutschen Holland besetzten, wurde auch Großmutter verhaftet, im Lager Westerbork interniert, nach Sobibor deportiert und dort ermordet - da war sie 84 Jahre alt.

Schon bevor Hitler an die Macht kam, gab es Straßenkämpfe zwischen Kommunisten und den Nazis in Gelsenkirchen. Ich habe die vielen Aufmärsche der SA und der Kommunisten in Gelsenkirchen gesehen, mit ihren Fahnen und Plakaten. Wir waren ja davon noch nicht betroffen, meine Eltern waren Sozialdemokraten. Vater sagte immer, diese Bewegungen kommen und gehen... wir dachten zu der Zeit noch, es wäre wie in der Weimarer Republik, eine Regierung kommt und stürzt wieder. Aber es sollte ganz anders kommen... 1933, ich war bereits auf dem Realgymnasium, begannen die nichtjüdischen Mitschüler und Kinder sich als "Arier" zu sehen, direkt von Anfang an, der Antisemitismus war plötzlich überall. Alle Deutschen folgten wie die Schafe, die Kinder haben es ihren Eltern nachgemacht. Wir jüdischen Kinder wurden auf der Straße beschimpft und auch geschlagen. Auch meine engeren, nichtjüdischen Freunde wollten mit mir nichts mehr zu tun haben. Die Hetze gegen uns Juden war allgegen- wärtig. Wir lasen es in den Zeitungen, hörten es im Radio, in den Reden von Hitler... Dann wurde es auch in der Schule schlimmer.

Die Lehrer, die ich mochte, wurden einfach entlassen. Sie waren meist Angehörige der katholischen Zentrumspartei oder Sozialdemokraten. Die anderen Lehrer wurden plötzlich Nazis. Ich erinnere mich an unseren Musiklehrer, ein wirklich ein guter Musiklehrer, auch der wurde weggejagt. Der neue Musiklehrer war der Anführer der SA-Kapelle, ein fürchterlicher Antisemit. Wir waren elf jüdische Schüler, wir mussten in seiner Klasse jetzt hinten sitzen. Er redete grundsätzlich nicht mit uns, einer meiner Freunde war ein sehr guter Klavierspieler, bei diesem Lehrer scheiterte er. So etwas geschah in allen Klassen. Von Monat zu Monat wurde es für uns jüdischen Schüler schwieriger, viele verließen die Schule. Ich gehörte zu den letzten drei oder vier, die am Ende noch noch in der Schule waren. Auf dem Realgymnasium waren nur Jungen, die Mädchen gingen auf das Lyzeum. Keiner meiner nichtjüdischen Freunde hielt mehr zu mir. Auch die nichtjüdischen Kinder aus der Nachbarschaft spielten nicht mehr mit mir, so wie sie es früher getan haben.

Wir lebten in einem gewissen Wohlstand, uns ging es gut. Meine Eltern haben hart dafür gearbeitet, einen guten Kundenstamm aufgebaut. Wir hatten etwa in der Mitte der Dreißiger noch eine Haushäl- terin, eine Putzfrau, eine Gouvernante, einen Chauffeur, wir hatten einen Mercedes-Benz, eben geho- bene deutsche Mittelklasse der damaligen Zeit. Aber die Zeit wurde auch für meinen Vater wirtschaftlich immer schwieriger. Die Nazis platzierten dann im Betrieb meines Vaters einen so genannten "Abwickler", der die Firma meines Vaters, die Leinen-Manufaktur Hudes & Co., kontrollierte und langsam runterwirtschaftete. Vater hatte vorher viele Geschäftspartner, in Bielefeld und sonst wo, reisende Verkäufer waren in Deutschland für ihn unterwegs, meine Eltern arbeiteten wirklich sehr hart.

Und dann kam dieser Abwickler mit einem Hakenkreuz am Revers jeden morgen in unser Büro, sein Name war Nowack, ich erinnere mich genau. Dieser Mann sorgte dafür, dass es der Firma immer schlechter ging, er bereicherte sich an unserem Geld, lenkte es in dunkle Kanäle. Das passierte in vielen jüdischen Geschäften in dieser Zeit. Natürlich hat mein Vater mehrfach protestiert, aber es nütze ja nichts, wir mussten ja auch vorsichtig sein. Die Gesetze wurden manipuliert, die Nazis erließen Gesetze so, wie sie es brauchten. Alles wurde Gesetz, extrem hohe Steuern gegen Juden, aber das alles war legal, war ja Gesetz. Am Ende war das Geschäft am Boden.

Ich erinnere mich nicht an den Boykott vom 1. April 1933, aber an den 20. April, Hitlers Geburtstag. Daran erinnere ich mich so genau, weil wir zu der Zeit in einem schönen Neubau wohnten. Ich hörte draußen Musik, ging zum Fenster und öffnete es, und da kam eine SA-Kapelle die Straße runter marschiert, und die sangen ein Lied, "Wenn das Judenblut vom Messer spritzt". Ich war so entsetzt, rannte zum Vater und rief "Hör nur, hör dir das an, was singen die da?" Vater ging zum Fenster, hörte einen Moment zu und sagte dann: "Mach dir keine Sorgen, die kommen und gehen", er war immer noch überzeugt, dass die Nazis sich nicht lange halten würden. Ich dagegen war zu Tode erschreckt. Es gab viele solche und ähnliche Tage, aber daran erinnere ich mich ganz besonders.

Die Stiefmutter stand nicht mit am Fenster, aber sie dachte wie mein Vater. Sie kam aus Norden, ihre Eltern hatten dort ein Kaufhaus, Hartog. Der Name Hartog war ihr Geburtsname, auch sie kam aus guten Verhältnissen. Alle deutschen Juden dachten anfangs so, dachten, dass mit den Nazis geht vorüber. Aber wir Kinder, die dem Antisemitismus und Rassismus ständig in der Schule ausgesetzt waren, glaubten nicht daran. Dann kamen die "Nürnberger Gesetze", wir durften nicht mehr einfach so heiraten, nicht mehr überall einkaufen, durften nicht mehr ins Schwimmbad, durften nicht mehr in Parks. All diese Gesetze kamen nach und nach, Jahr für Jahr wurde es schlimmer für uns. Langsam änderte auch Vater seine Meinung. Den Chauffeur, den so er viele Jahre beschäftigt hatte, musste er entlassen. Die nichtjüdischen Kunden kauften schon lange nicht mehr bei meinem Vater. Ich wurde von Kindern als "dreckiger Jude" beschimpft und geschlagen und dann kam der 9. November 1938.

Bereits 1936 oder 1937 verließen meine Onkel und meine Tante Deutschland. Sie gingen in die USA, zu Verwandten, die bereits in Chicago lebten. (Heinz-Henry und Helga, Onkel Fritz und Onkel Hermann) Sie schrieben uns, es sei höchste Zeit, Deutschland zu verlassen. Doch wo sollten wir hin? Sicher, wir hatten die Verwandten in USA, die für uns bürgen konnten, also kam nur die USA in Frage. Aber die ameri-kanischen Gesetze und das Quoten-System machten es für uns Juden extrem schwierig, einzuwandern - deshalb kamen so viele um. Palästina war bei uns kein Thema, natürlich, am Ende wären meine Eltern überall hingegangen, auch nach Palästina.

Ich war Lehrling in einer Schneiderei in Köln. Eines Morgens ging ich wie gewöhnlich zur Arbeit. Mein Chef war nicht jüdisch, aber er war mit einer jüdischen Frau verheiratet. Er sagte zu mir: " Hermann, heute solltest du nicht hier sein", Ich fragte erstaunt: "Warum nicht?" Er antwortete "In der Nacht gab es Pogrome gegen Juden in Köln, "sie" haben die Synagoge in Brand gesteckt, ich habe von Verhaftungen gehört. Die Nazis wissen ganz genau, dass du hier bist. Und wenn sie kommen, dich zu holen, bist du einfach nicht da." Also ging ich, die Straße runter, dann als erstes zur Synagoge in Köln. Dort lagen angebrannte Gebetbücher auf der Straße, viele Leute standen herum - aber keine Juden. Ich ging näher ran, mein Chef hatte also die Wahrheit gesagt. Ich ging weg, über die Ringstraße, überall liefen SA-Leute mit Fahnen herum und brüllten antisemitische Parolen. Plötzlich hielt ein LKW auf meiner Höhe, SA-Männer sprang heraus. Ich stand auf dem Bürgersteig, ich hatte nicht wirklich Angst, denn ich sah nicht besonders jüdisch aus, keiner kannte mich in Köln. Die SA lief in ein jüdisches Bekleidungsge- schäft, sie hatten Latten und Eisenstangen dabei. Sie schlugen die Scheiben und den Laden kaputt, warfen die Kleidungstücke raus auf die Straße, zerrissen Hosen, jeder packte ein Hosenbein und rissen sie entzwei. Neben mir stand ein deutscher Straßenbahnschaffner, der sagte: "Die sind ja verrückt, die sollten die Sachen armen Leuten geben, nicht kaputt reißen." Seine Logik war nicht, hier wird den Juden großes Unrecht angetan, nein, dass war für ihn in Ordnung. Aber die Sachen einfach zerreißen, statt sie ihm oder anderen zu geben, das störte ihn ungemein!

Langsam verließ ich die Menge, suchte ein Telefon und rief meine Eltern in Gelsenkirchen an. Meine Stiefmutter war ganz panisch: "Du musst sofort nach Hause kommen, sofort! Nimm den ersten Zug und komm nach Hause! Wir vermissen deinen Vater, wir wissen nicht, wo er ist! "Sie" (Damit meinte sie die Nazi-Schergen) sind in unser Haus eingebrochen, heute Nacht!" Und dann hat sie mir alles erzählt, was in Gelsenkirchen in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 passiert war. Schnell ging ich zurück in meine Unterkunft, packte ich meine Sachen und fuhr mit dem Zug von Köln nach Gelsenkir- chen. Vater wurde also vermisst.

Er hatte in der Nacht einen Anruf von seinem Bruder Alfred bekommen, der in Bottrop ein Möbelge- schäft hatte. Die Nazis haben die Wohnung überfallen, das Möbelgeschäft zerschlagen und in Brand gesteckt. Onkel Alfred war am Telefon voller Panik und völlig hilflos, so ist Vater von Gelsenkirchen nach Bottrop gefahren, um zu schauen, ob er irgendwie helfen kann. Er kam dort an und sah, dass brennen- de Geschäft. Er wollte zu seinem Auto zurück, alles war voller SS und SA. Er wollte also zurück zum Auto, er hatte es gerade neu gekauft, einen Mercedes Benz. Er dachte, er könne etwas Materielles aus Deutschland mitnehmen, er dachte, vielleicht sagen sie "kein Geld, aber nehm das Auto mit", was natürlich völliger Quatsch war.

Alfred und Erna Cohn aus Bottrop


Abb. 5: Alfred und Erna Cohn aus Bottrop

Alfred Cohn, seine Frau Erna und die Kinder Herbert und Gerda und auch Großmutter Rosa Cohn, die zunächst noch nach Holland geflohen war, konnten der NS-Mordmaschinerie nicht mehr entkommen, sie starben in den Vernich- tungslagern. Zur Erinnerung an die Familie Alfred Cohn wurden 2005 in Bottrop an der Essener Straße 2 vier Stolpersteine verlegt.

Einer von den SS-Leuten erkannte ihn und rief: "Da geht der Bruder vom Juden Cohn!" Sofort sie rannten auf ihn zu. Vater lief weg so schnell er konnte. Er rannte, bis er an eine Baumschule kam. Im hinteren Bereich war eine Grube, in der Laub gesammelt wurde. Da sprang er rein und versteckte sich unter dem nassen Blättern. Dort blieb er bis Sonnenaufgang, er hörte, dass die SS mit Hunden nach ihm suchte, aber er konnte unter dem Laub atmen, hatte genug Sauerstoff. Im Morgengrauen kletterte er wieder heraus, raus, wollte zu seinem Auto - aber das war weg, gestohlen oder was auch immer. Er fuhr mit dem Zug nach Gelsenkirchen. In dem Moment, wie er Zuhause ankam, verließ die SS unsere Wohnung. Sie entdeckten meinen Vater, rannten zu ihm, er war ja völlig erschöpft und konnte nicht mehr weglaufen. Sie schlugen ihn fürchterlich zusammen und ließen ihn im Schmutz der Straße liegen. Von all dem wussten wir nichts, wir dachten nur, er ist nicht nach Hause gekommen.

Am Nachmittag des 10. November 1938 war ich wieder in Gelsenkirchen, von Vater kein Lebens- zeichen. Doch dann bekamen wir einen Anruf, er befand sich in einem Krankenhaus in Essen. In Gelsenkirchen wollte keiner helfen, weil er Jude war jeder ihn kannte. Irgend jemand hat in nach Essen ins Krankenhaus gebracht, wir wissen bis heute, nicht wer das war. Nach einer gewissen Zeit konnte er dann wieder nach Hause. Wir wussten nun, dass es wirklich allerhöchste Zeit war, Deutschland zu verlassen. Walter war ja schon mit Kindertransport weg, er war schon in Chicago. Meine Eltern drangen darauf, das es auch für mich soweit war: "Hermann, sie verhaften Jungen in deinem Alter, einfach so, von der Straße weg. Die werden nie wieder gesehen. Du kannst nicht länger bleiben!" Damals war ich war siebzehn, sie schafften es, mir einen Platz in einem Kindertransport nach Holland zu sichern, einer der letzten Transporte für unter 18jährige. Zuvor musste ich jedoch meine Papiere haben, Bescheinigungen, dass die Sozialversicherungen und alle Steuern bezahlt sind, um Deutschland verlassen zu können, durfte ein Jude keine Schulden beim Staat oder sonst wo haben. Also machte ich mich auf dem Weg zum Finanzamt und zur Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK)

Da war ein junger Mann hinter dem Schalter, ungefähr mein Alter. Als ich näher kam, fragte er mich: "Bist du nicht Herman Cohn?" Ich bejahte, und erkannte ihn, er war ein ehemaliger Mitschüler vom Realgymnasium. Er arbeitete jetzt bei der Ortskrankenkasse, warum auch immer er die Schule verlassen hat. Ich trug mein Anliegen vor und er fragte mich: "Darf ich dich was fragen? Ich habe ein Gerücht gehört, dass sie die Synagoge angesteckt haben. Stimmt das?" Ich konnte das nur bestäti- gen: "Natürlich stimmt das! Jeder in der Stadt weiß das. Die Feuerwehr kam nicht, bis die Synagoge abgebrannt war!" Er sagte darauf nur: "Ok, ich kümmere mich um deine Papiere ich komme gleich wieder." Er ging und ich wartete. Es dauerte 20 Minuten, bis er endlich wiederkam. Mit den Worten: "Der Chef will dich sehen." gab er mir meine Papiere ich ging in die zweite Etage zum Büro des Chefs der Ortskrankenkasse. Im Büro saß ein Deutscher hinter dem Schreibtisch, den ich nicht kannte und davor saß auf einem Stuhl ein Typ, der hohe Stiefel trug. Er trug keine Uniform, aber diese hohen schwarzen Stiefel, die unter den Hosenbeinen raus guckten... das waren genau solche Stiefel, wie sie nur die SS oder SA trug. Der Chef der Ortskrankenkasse fragte mich: "Bist du Hermann Cohn?" Ich antwortete:"Ja, der bin ich." Er fragte: "Kennst du diesen Mann?" und zeigte auf den im Stuhl. "Weißt du, wer das ist?" Ich verneinte.

An den Namen erinnere ich mich nicht, aber in dem Moment, wo er den Namen nannte, wusste ich, dass ist der Gestapo-Chef von Gelsenkirchen. Ich hatte ihn nie zuvor gesehen, aber ich kannte den Namen, jeder Jude in Gelsenkirchen hatte diesen Namen schon gehört. Und da saß er, der Gestapo- chef, beim Chef der Ortskrankenkasse. Der Gestapochef fragte mich: "Was für Geschichten hast du da erzählt?" Ich verstand nicht und fragte: "Was meinen sie?" Er sagte: "Gräuelmärchen!" Ich antwortete: "Ich habe keine Gräuelmärchen oder Gerüchte erzählt." Fragend starrte er mich an: "Wieso erzählst du, wir hätten die Synagoge angesteckt?" Es platzte so aus mir heraus: "Weil ihr es getan habt! Jeder weiß das! SA oder SS hat die Synagoge angesteckt, die Feuerwehr kam nicht, keiner hat gelöscht und die Synagoge ist bis auf die Grundmauern abgebrannt!" Drohend sagte er: "Wir werden dir beibringen, wie man die Wahrheit sagt. Du wirst keine Lügengeschichten mehr verbreiten. Wir werden dir das schon beibringen! Du wirst nie wieder Gräuelmärchen erzählen." Er stand auf und sagte: "Wir beide gehen jetzt zum Gestapo-Hauptquartier. Ich gehe genau fünf Schritte hinter dir, gehst du schneller, oder werden es sechs Meter, werde ich dich wegen Fluchtversuch erschießen. Ich möchte nur, das du das weißt. Halte den Abstand, geh' nicht schneller, versuch nicht wegzulaufen - ich erschieße dich."

Ich war zwar nie dort, aber jeder Jude in der Stadt wusste, wo sich das Gestapo-Hauptquartier war, so ging ich also los. Es befand sich in der zweiten Etage im Hans-Sachs-Haus. Ich lief durch die Straßen Gelsenkirchens wie ein Zombie, ich habe nicht weiter nachgedacht, bin nur gelaufen, habe den Abstand gehalten um ihm bloß kein Grund liefern, mich zu erschießen. Wir kamen am Hans-Sachs-Haus an, und da war eine große Stahltür im zweiten Stock, und als diese Tür hinter mir ins Schloss fiel, war ich fest davon überzeugt, hier kommst du nicht mehr lebend raus. Er schubste mich in eine Ecke des Raumes, Gesicht zur Wand. Der waren noch mehr Typen, alle in SS-Uniform. Der Gestapochef sagte etwas zu den anderen, ich weiß es nicht was, ich stand unter Schock.

Bestimmt eine Stunde musste ich in der Ecke stehen, und dabei traten alle mich abwechselnd mit diesen schweren, schwarzen Stiefeln, schlugen mich, immer wieder, bis ich zusammenbrach. Und mit jedem Tritt, mit jedem Schlag brüllten sie:"Wo hat dein Vater das Geld versteckt?" Das war alles, was sie wissen wollten! Und sie schlugen immer weiter. Der Gestapochef sah auf meine Hände: "Du hast noch nie in deinem Leben gearbeitet, das sehe ich an deinen Händen. Wir werden dir das Arbeiten beibringen. Du wirst Kohlen schüppen, Steine schleppen, dass alles wirst du in Dachau lernen. Du wirst das Arbeiten lernen!" Und sie schlugen weiter auf mich ein.

Dann kam jemand und sagte: "Wir können ihn nicht festhalten." Der Typ, der meisten geschlagen hatte, der mich, wie er sich ausdrückte "an meinen Eiern draußen am Fahnenmast aufhängen" wollte, sagte: "Wir lassen dich gehen. Du hast genau zwei Minuten, dieses Gebäude zu verlassen. Bist du in zwei Minuten nicht verschwunden, werden wir dich wegen Fluchtversuch erschießen!" Mit diesen Worten öffnete er die große Stahltür und ich rannte. Ich sehe diese Stufen heute noch vor mir! Ich rannte, ich flog nach Hause. Dort angekommen, fragte meine Stiefmutter: "Was ist mit dir passiert? Ich sagte ihr nur: "Ich werde krank." Ich habe ihr nicht erzählt, was ich erlebt hatte. Da geschah so viel, ich wollte sie nicht noch mehr belasten. Das wichtigste für mich war, ich hatte die Bescheinigung von der Ortskrankenkasse, vom Finanzamt und ich wusste, damit würde ich mein Visum bekommen und kann endlich aus Deutschland raus. Meine Mutter glaubte mir, ich bekam tatsächlich eine Art Grippe,durch das, was mir da geschehen war. Ich lag im Bett, hatte sogar Temperatur.

Ein, zwei Tage später war es dann soweit. Der Kindertransport, ich denke, es war einer der letzten aus Gelsenkirchen, brachte mich nach Holland. Alle diese Kindertransporte waren von ausländischen Hilfs- organisationen organisiert und finanziert, in Deutschland konnte das keiner machen. Mit dem Kinder- transport kamen wir zunächst in ein Camp in der Nähe von Amsterdam. Dort war ich ca. eine Woche, dann ging es weiter in eine Jugendherberge bei Utrecht, schließlich kam ich in eine Art Camp in der Nähe von Deventer. Da war es ganz gut, wir arbeiteten dort auf den Erdbeer- und Gemüsefeldern, einige von uns arbeiteten dort in einer Schreinerei. Wir kriegten ja keine richtigen Jobs, konnten nur dort im Camp arbeiten. Meine Eltern warteten derweil sehnsüchtig und voller Angst bis Ende Dezember 1939 in Gelsenkirchen auf ihr Visum und auf ihre Nummer. Dann endlich hatte das Konsulat in Stuttgart die Visa für meine Eltern und mich ausgestellt. In Rotterdam gingen wir gemeinsam an Bord eines Schiffes, dass uns in die USA brachte."

Mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie konnte das alles geschehen. Dabei ist die Antwort sehr einfach. Da kommt jemand, hetzt die Menschen auf, hat Macht über sie. Jeder hat seine Gründe für den eigenen Antisemitismus, ökonomische, religiöse - Die Kirche in Deutschland war antisemitisch, bei den Katholiken steht es im Neuen Testament, bei den Protestanten hat schon Luther gegen Juden gehetzt. Antisemitismus gab es schon seit dem Mittelalter, war latent bei den meisten Deutschen vorhanden, da war es leicht, diesen Hass zu wecken. Einmal habe ich Hitler selbst erlebt, dass war in Essen. Ich bin da so rein geraten, alle Leute rissen den Arm hoch zum Hitlergruß, nur ich nicht. Neben mir stand jemand, der mich sofort energisch aufforderte, auch diesen Hitlergruß zu zeigen. Aus Angst machte ich mit. Die Leute waren außer sich, als ob da ein Engel vom Himmel stieg - einfach unglaublich. Die Leute, die Kommunisten und Sozialdemokraten waren, konnte man in zwei Gruppen einteilen: die einen wurden plötzlich Nazis und an die anderen wurden eingesperrt ... die kamen alle nach Dachau. Das war ja Anfangs mehr ein Konzentrationslager für politische Häftlinge als für Juden." (...)

Vgl. englischsprachiges Video-Interview der "Survivors of the Shoah Visual History Foundation" mit Herman Cohn 1996, Chicago. (Deutsche Übersetzung: Andreas Jordan)


Herman Cohn liest aus einem Brief an seine Frau

Brief vom 3. Mai 1945

Abb. 6: Video: Herman Cohn liest aus einem Brief an seine Frau

Im Zuge der "Operation Overlord" (Landung der Westalliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 - D-Day) kehrte Herman Cohn als Soldat der United States Army nach Europa zurück und war als Dolmetscher an der Befreiung des KZ Dachau beteiligt.

"Ich hoffe, Du wirst diesen Brief ertragen können" – In einem Brief vom 3. Mai 1945 an seine Frau, versucht Herman Cohn den Horror zu beschreiben, den er gesehen hatte. Herman Cohn starb im Alter von 94 Jahren am 21. März 2016 in Hyde Park, Chicago, USA.

Quellen:
[1][2] Privatbesitz Herman Cohn, mit freundlicher Genehmigung
Gedenkbuch Bundesarchiv
www.ancestry.com
www.joodsmonument.nl
Mitchell G. Bard: 48 Hours of Kristallnacht: Night of Destruction/Dawn of the Holocaust, S. 76, "Father is missing"
Vgl. Stefan Goch: Jüdisches Leben-Verfolgung-Mord-Überleben, Lebensgeschichtliche Eckdaten Familie Siegfried Cohn S. 96-97
Abb.1: Gelsenzentrum e.V.
Abb.2: Aufbau
Abb.3: Herman Cohn
Abb.4: www.communityjoodsmonument.nl
Abb.5: Stadtarchiv Bottrop
Abb.6: Screenshot HISTORY
Foto Herman Cohn, 1996: USC Shoah Foundation Institute, University of Southern California


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. November 2012. Nachtrag April 2016

↑ Seitenanfang