Stolpersteine Gelsenkirchen
Gemeinsam gegen das Vergessen

← STOLPERSTEINE Gelsenkirchen
Familie Neudorf
SIMON NEUDORF
Jg. 1899
Verhaftet 1938
Ermordet 1941
in Sachsenhausen
|
FRIEDA NEUDORF
GEB. GRÜNEWALD
Jg. 1894
Deportiert 1942
Ermordet 1944 in Riga
|
HERMANN NEUDORF
Jahrgang 1925
1942 Deportiert Riga
1944 Stutthof
1945 Buchenwald
Überlebt
|
Die Verlegung des Stolpersteins für Herman Neudorf findet im Herbst 2012 statt.
 Hermann Neudorf
Hermann Neudorf wurde am 3. Juni 1925 in Horst-Emscher als einziges Kind von Simon Arie und Frieda Neudorf, geborene Grünewald, geboren. Am 28. Oktober 1938 holten ihn die Nazis aus dem Schulunterricht und wiesen Mutter und Sohn nach Polen aus. (So genannte " Polen-Aktion") Hermann besuchte zu dieser Zeit das Realprogymnasium in Horst, die heutige Gesamtschule Horst. In Polen kam Hermann nach einer kurzen Zeit im Internierungslager Bentschen (Zbsaszyn) bei Verwandten unter. Aus dem Ghetto Litzmannstadt gelingt im die Flucht. Am 24. Juni 1940 kann er zunächst nach Gelsenkirchen zurückkehren. Am 27. Januar 1942 wird Hermann zusammen mit seiner Mutter von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert. Mutter Frieda Neudorf wurde bei Auflösung des KZ Kaiserwald am 28. Juli 1944 erschossen.
Hermanns weiterer Leidensweg führt in das KZ Kaiserwald in Riga, über das KZ Stutthof in das KZ Buchenwald. Von dort in das KZ-Außenlager von Buchenwald beim Bochumer Verein und wieder zurück nach Buchenwald. Schließlich wird Hermann wurde am 13. April 1945 auf einem der Todesmärsche von Buchenwald von US-Truppen befreit. Heute lebt er unter dem Namen Herman Neudorf in den USA.
|
Aus dem Leben von Herman D. Neudorf
The Memorys of Herman D. Neudorf - That was Riga
 Frieda und Simon Neudorf
Simon Neudorf, der aus Lodz in Polen stammte, wurde am 7. Februar 1899 geboren. Seine Frau Frieda Neudorf, geborene Grünewald wurde am 20. April 1894 in Herford geboren. Simon Neudorf wurde nach dem deutschen Überfall auf Polen in das KZ Sachsenhausen verschleppt und dort am 14. März 1941 ermordet. Die Urne mit seinen sterblichen Überresten wurde der Familie gegen Gebühr zugestellt. Die Beisetzung der Urne fand am 16. April 1941 auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf statt.
|
|

"Ich betrachte diese Steine als Symbole der Wiedergutmachung"
Herman D. Neudorf, USA
Herman Neudorf konnte altersbedingt nicht persönlich an der Verlegung der STOLPERSTEINE für seine Eltern seligen Angedenkens teilnehmen. Andreas Jordan hat ihn auf seinen Wunsch vetreten und seine Gedanken und Worte, die er zu Papier gebracht hatte, an der Markenstrasse 19 verlesen. Den englisch-sprachigen Text verlas Lothar Lange. Der jüdische Kantor Yuriy Zemskyi betete das "El Male Rachamim" für die Opfer des Holocaust.
|
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde!
Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen, um meine lieben Eltern - Simon und Frieda Neudorf - zu ehren. Mein seeliger Vater wurde im KZ Sachsenhausen umgebracht. Er verliess Polen als junger Mann, um In Deutschland eine bessere Zukunft zu finden. Er liebte sein Horst-Emscher von ganzen Herzen. Meine selige Mutter kam aus Herford, eine geborene Grünewald - Ein Name, der seit Generationen in Westfalen bekannt ist. Ihr Bruder Sigfried Grünewald zog als Freiwilliger 1914 in den Krieg und ist in Russland gefallen. Frieda wurde 1944 in Riga erschossen. Mögen diese Steine eine Ehre und Andenken sein an zwei liebe gute Menschen, aber auch eine Mahnung ,dass Rassenwahn und Intoleranz keinen Platz mehr hat. Ich halte diesen Tag als ein Zeichen der Versöhnung im Herzen.
Lieber Andreas: Ich weiss, das es ohne Deine Hilfe zu diesem Tag nie gekommen wäre und danke Dir nochmals von ganzem Herzen. Mein Dank geht auch an die Stadt Gelsenkirchen für deren Unterstützung und Befürwortung. Ich wäre gerne selbst gekommen, aber mein Alter und die Entfernung erlauben mir das nicht mehr.
Nur Gutes wünscht ihnen allen,
Herman Neudorf
Ladies & Gentlemen, dear friends,
How can I adequately describe to you my deep appreciation for what you and your community have accomplished by honoring my beloved parents Frieda and Simon Neudorf, the untimely victims of NAZI-persecution. My Vater loved his adopted Germany with all his heart. Escaping in his youth from his native Poland who denied him any opportunity for advancement in life,he found Germany friendly and wide open to his resourceful spirit.
My mother Frieda, a kind soul, born in Herford, nee Grünewald, a name in Westfalia known for Generations and whose brother Siegfried Grünewald volunteered for the Kaiser in 1914 and was killed on the Russian front. May this notable deed of placing these STOLPERSTEINE in their memory today serve as a remainder for Generations to come to be constantly aware of what blind prejudice can lead to. I consider these Stones as emblems of redemption!
My gratitude for my friend Andreas Jordan,the City of Gelsenkirchen, where I was born has no boundary. You must forgive me for not beeing able to be with you in person. Unfortunately, old age has its limitations. but Andreas Jordan will repesent me with all his heart.
With good wishes and greetings to all,
yours Herman Neudorf
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
Wie kann ich meine tiefe Anerkennung für das, was Sie und ihre Stadt vollbringen, dadurch dass sie meine geliebten Eltern Frieda und Simon Neudorf, die frühen Opfer der Nazi-Verfolgung, ehren, angemessen ausdrücken? Mein Vater liebte sein angenommenes Deutschland von ganzem Herzen. Nachdem er als Jugendlicher seiner Heimat Polen entkommen war, wo ihm eine erfolgreiche Zukunft verwehrt wurde, fand er Deutschland freundlich und offen für seinen einfallsreichen Geist vor.
Meine liebe Mutter Frieda war eine geborene Grünwald, ein Name, der in Westfalen seit Generationen bekannt war. Ihr Bruder Siegfried Grünewald kämpfte freiwillig für den Kaiser und starb 1914 an der russischen Front. Möge dieser denkwürdige Akt der Stolpersteinlegung in ihrem Gedenken als Mahnung an kommende Generationen dienen, sich ständig dessen bewusst zu sein, wozu blinde Vorurteile führen können. Ich betrachte diese Steine als Symbole der Wiedergutmachung.
Meine Dankbarkeit gegenüber meinem Freund Andreas Jordan und der Stadt Gelsenkirchen ist grenzenlos. Sie müssen verzeihen, dass es mir nicht möglich ist, persönlich anwesend zu sein. Unglücklicherweise hat das Alter seine Einschränkungen, aber Andreas Jordan wird mich mit ganzem Herzen vertreten.
Mit guten Wünschen und Grüßen an alle,
Hochachtungsvoll,
Herman Neudorf

Foto:Herman Neudorf schreibt 1997 in das Goldene Buch der Stadt Gelsenkirchen
|

Foto: Die Markenstrasse in Gelsenkirchen um 1910. Blickrichtung Industriestrasse in Richtung Schlossstrasse. In der Nazi-Zeit befanden sich an der Markenstrasse zwei sogenannte "Judenhäuser", die Häuser Markenstrasse Nr. 28 und Nr. 29.
|
→ Fotostrecke von der Verlegung der STOLPERSTEINE an der Markenstrasse 19