STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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„Was keiner geglaubt haben wird, was keiner gewusst haben konnte, was keiner geahnt haben durfte, das wird dann wieder das gewesen sein was keiner gewollt haben wollte.“ (Erich Fried)

Aktuelles & Termine

In loser Folge veröffentlichen wir in dieser Rubrik Aktuelles rund um das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

+ + + Nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen in der zweiten Jahreshälfte 2017 + + +

 


Völkermord: 74. Jahrestag der Deportation Gelsenkirchener Sinti und Roma  

Internierungslager Reginenstraße in Gelsenkirchen

Abb.: Internierungslager Reginenstraße in Gelsenkirchen, ca. 1938/39. Das Foto stammt aus einer Serie der so genannten "Rassehygienischen Forschungstelle" (RHF) und zeigt eine vorgebliche Lebenssituation Sinti und Roma, in Szene gesetzt von den "Rassebiologen" der RHF. Das die Aufnahme in einem Internierungslager entstand, ist für den Betrachter nicht ersicht- lich. Diese Art von Fotos sollte die menschenverachtende NS-Darstellung des "Zigeunerlebens" unterstreichen.

Am 9. März 1943 wurden die noch in Gelsen- kirchen in einem Internierungslager an der damaligen Reginenstraße lebenden deutschen Sinti und Roma festgenommen und in das so genannte "Zigeunerfamilienlager" Auschwitz-Birkenau verschleppt. In den Lagerbüchern des KZ ist die Ankunft der aus Gelsenkirchen verschleppten Menschen am 13. März 1943 festgehalten. Die Lebenswege von 164 Menschen endeten mit der Ermordung im „Zigeunerlager“ Auschwitz-Birkenau und die von 48 mit einem unbekannten Schicksal in Auschwitz. 31 als "Zigeuner" verfolgte Menschen mit Lebensmittelpunkt in Gelsenkirchen konnte eine Deportation nach Polen im Mai 1940 nachgewiesen werden, fünf weitere Menschen, ebenfalls Angehörige dieser Minderheit, wurden in anderen Lagern des so genannten "Dritten Reiches" ermordet.

Im Schlußwort der bisher einizigen in Buchform erschienen Dokumentation zu den Lebens- und Leidens- spuren Gelsenkirchener Sinti und Roma im so genannten "Dritten Reich" von Stefan Goch aus dem Jahr 1999 schreibt der Autor zusammenfassend:

"Die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma wurde bürokratisch korrekt überwiegend vom Verwaltungsapparat der Stadt Gelsenkirchen und einigen weiteren Verwaltungs- und Verfolgungsbehörden des "Dritten Reiches" abgewickelt. (...) Im Gesamtprozeß kann festgestellt werden, daß die Gelsenkirchener Akteure keineswegs nur übergreifende Regelungen anwendeten und gewissermaßen "von oben" geführt und angewiesen handelten, sondern ein beträchtliches Maß an Eigeninitiative bei der Verfolgung von Sinti und Roma entwickelten. An der Verfolgung und Ermordung dieser Menschen nahmen zahlreiche "ganz normale" Gelsenkirchener teil. Wie deren schriftliche Hinterlassenschaften widerspiegeln, wußten diese, was sie taten, und sie hatten keinerlei nachweisbare Gewissensbisse. Keiner der an der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma im Raum Gelsenkirchen Beteiligten wurde für die Beteiligung an der Verfolgung der Sinti und Roma in Gelsenkirchen zur Rechenschaft gezogen.

Diejenigen, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg mit der "Bekämpfung der Zigeunerplage" in Gelsenkirchen mit den hier dargestellten Ergebnissen befaßten, kamen aus der Mitte der lokalen Gesellschaft Gelsenkirchens und Deutschlands und spiegelten in ihrem Verhalten, ihren Denk- und Verhaltensweisen die lokale und die deutsche Gesellschaft wider. Am Beispiel Gelsenkirchens zeigt sich auch die zentrale Rolle der Zweige des Polizeiapparates, die gewissermaßen "im Schatten der Gestapo" an den Verbrechen während des "Dritten Reichs" beteiligt waren. Auch wird die umfassende Beteiligung von Teilen der Stadtverwaltung an den Verbrechen während des "Dritten Reiches" sichtbar.

Terror und Mord waren nicht das Werk einiger weniger Unterdrücker, sondern an der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma im Raum Gelsenkirchen waren viele Gelsenkirchener und vor allem Gelsenkirchener Beamte beteiligt, die keineswegs allesamt überzeugte Nationalsozialisten waren. Weiterhin ist für die ganze deutsche ebenso wie für die lokale Gesellschaft festzustellen: Die hier dargestellten Ereignisse fanden mitten in der Gesellschaft statt. Die Ausgrenzung, Diskriminierung und offensichtliche Verfolgung von Sinti und Roma in Deutschland und in den besetzten Gebieten rief keine Proteste hervor."

(Schlußwort in: Stefan Goch, „Mit einer Rückkehr nach hier ist nicht mehr zu rechnen“ – Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma während des "Dritten Reiches" im Raum Gelsenkirchen; 1. Auflage 1999, Klartext, Essen. ISBN: 3-88474-785-1.)


Sohn übernimmt Patenschaft für Stolperstein - Angehörige wollen selbst zahlen  

Grillo-Gymnasium Gelsenkirchen

Abb.: Grillo-Gymnasium Gelsenkirchen

Sein Vater Fritz Gompertz gehörte ebenso zu den vom heutigen Grillo-Gymnasium unter der NS-Gewaltherrschaft vertriebenen jüdischen Schülern wie sein Onkel Albert Gompertz. Am Freitag begab sich Ron Gompertz gemeinsam mit Andreas Jordan (Gelsenzentrum e.V.) auf Spuren- suche zu seinen familiären Wurzeln in Gelsenkir- chen. Einer der ersten Wege führte zum Grillo-Gymnasium, dem damaligen "Städt. Realgym- nasium an der Adolf-Hitler-Straße". Vor dem Schulgebäude an der Hauptstraße erinnern seit Anfang Oktober letzten Jahres die ersten sechs von insgesamt vierunddreißig zu verlegenden Stolpersteinen an von dieser Schule vertriebene jüdischen Schüler. Eines der kleinen Mahnmale ist Albert Gompertz gewidmet, einer der drei Söhne von Leo und Betty Gompertz. Von den Nazis in die Flucht getrieben, gelangte Familie Gompertz Ende der 1930er Jahre über Holland in die rettende USA.

Aus einem Bericht von Leo Gompertz:

"Am Mittag des 10. November (1938) kam dann Herr Hohnroth, der einige Jahre vorher Lehrer meines Sohnes Albert gewesen war, mit einer Gruppe von Gymnasiasten in unser Geschäft und zerstörte die Inneneinrichtung vollständig und alles, was noch nicht in der vorherigen Nacht verwüstet worden war. Meine jüdischen Angestellten wurden gezwungen, alles zu reinigen und die Glassplitter mit bloßen Händen aufzuheben. Mein zweiter Sohn Fritz, der zu dieser Zeit 14 Jahre alt war und als Lehrling in unserer Werkstatt gearbeitet hatte, wurde ebenso gezwungen, beim Aufräumen zu helfen. Für diese Zeit muss ich unseren jüdischen Frauen, die in dieser Zeit, ohne eine Träne zu vergießen und sich durch die Männer, die ihre Männer blutig geschlagen hatten, einschüchtern zu lassen, Haltung bewiesen, großes Lob aussprechen. Sie taten alles, um ihre Männer so schnell wie möglich zu befreien." Unvergessen - Leo Gompertz, jüdischer Aktivist

Im Spätsommer diesen Jahres sollen vor dem Grillo weitere Stolpersteine verlegt werden, darunter dann auch ein Stolperstein für Fritz Gompertz. "Der Stolperstein für meinen Vater Fred (der früher den Vornamen Fritz trug) soll neben dem seines Bruders Albert liegen." wünscht sich Ron Gompertz, und weiter: "Es tut gut zu wissen, dass die Namen meiner Vorfahren in Gelsenkirchen nicht vergessen sind." In Absprache mit den Nachfahren werden schon bald an der Bahnhofstraße22/Ecke Kloster- straße Stolpersteine für die damals dort lebende Familie Gompertz verlegt. Im Gedenken wird die Familie so symbolisch wieder zusammengeführt - genau dort, wo sie einst ihren Lebensmittelpunkt hatten, bevor sie dem NS-Rassenwahn nur knapp entrinnen konnten.

An diesem Ort betrieb die Familie auch ein altein-gesessenes und weit über Gelsenkirchen hinaus bekanntes Pelzgeschäft - bis das Geschäft staatlich legitimiert enteignet wurde - bei den Nazis "Arisierung" genannt. Für Montag steht noch das Institut für Stadtgeschichte und der Besuch des Jüdischen Friedhofs an der Wanner Straße/Oskarstraße auf Ron Gompertz Agenda. "Zur Verlegung der Stolpersteine komme ich wieder nach Gelsenkirchen, wenn es mir zeitlich möglich ist." sagt Ron, der seit kurzem neben der amerikanischen auch die deutsche Staatsbürger- schaft hat, die seinen Vorfahren während des "Dritten Reiches" entzogen worden war. "Ich habe meinen deutschen Reisepass erst vor zwei Wochen bekommen, damit hat sich jetzt für mich mit meinem dritten Besuch Gelsenkirchens ein Kreis geschlossen." so Ron Gompertz. Die Stolpersteine, die für Leo, Betty, Albert, Fritz (später Fred) und Rolf Gompertz an der Bahnhofstraße 22 verlegt werden, wollen die Nachfahren aus verschiedenen Gründen selbst bezahlen.


Holocaust-Gedenktag 2017: Jugendorganisationen putzen Stolpersteine vor dem MIR 

Feiga Jeckel, Gelsenkirchen

Abb.: Von li. n. re.: Salomon Tepper, Hanna Ramer, Sara Tepper und Leib Steuer. Die kleine Hanna Ramer konnte mit einem Kindertransport nach England gerettet werden.

Am Freitag, den 27. Januar findet am Kennedy-platz/Florastraße (Bushaltestelle vor dem MIR) eine Gedenkveranstaltung statt. DGB-Jugend Emscher-Lippe, Jusos und Falken Gelsenkirchen wollen um 14.30 Uhr die dort verlegten Stolpersteine putzen, eine Schweigeminute ist geplant. Acht Stolper-steine erinnern an dieser Stelle an die Lebens- und Leidenswege der jüdischen Familien Ramer und Tepper. Hanna Ramer konnte mit einem Kinder-transport nach England gerettet werden, ihr Vater Jakob Ramer wurde 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen, Mutter Lisa Ramer in Riga ermordet. Max Tepper überlebte versteckt in Holland, seine Schwester Anna wurde in Sobibor, Schwester Dora in Auschwitz ermordet. Die Spur seines Vaters Salomon verliert sich im so genannten " Durchgangsghetto" Izbica bei Lublin, Mutter Sara wurde in Riga ermordet.

Im Anschluss findet dann im Foyer des Großen Hauses im MIR ab 15.30 Uhr eine Veranstaltung in Koope- ration mit dem Institut für Stadtgeschichte (ISG) und der Jüdischen Gemeine Gelsenkirchen im Rahmen des Internationalen Gedenktages der Opfer des Holocaust statt. Der Einritt ist frei.


Briefe an einen geretteten Sohn 

Unter Mitwirkung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland konnte Ernst Alexander nach Amerika in Sicherheit gebracht werden

Abb.: Unter Mitwirkung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland konnte Ernst Alexander nach Amerika in Sicherheit gebracht werden. Zum Vergrößern anklicken

Der Gelsenkirchener Ernst Alexander konnte 1938 mit einem Kindertransport in die USA in Sicherheit gebracht werden. Eine jüdische Familie in Nebras- ka adoptierte den Jungen. Aus dieser Zeit ist ein Konvolut von Briefen und Postkarten erhalten, die Frieda Alexander zwischen September 1938 und November 1941 u.a. an ihren geliebten Sohn schrieb, darunter ist auch der Briefwechsel zwischen den Freunden Ernest Alexander (Er änderte in den USA seinen Vornamen "Ernst" in "Ernest") und Isidor Jeckel. Die in Israel lebenden Söhne von Ernest Alexander hatten uns diese Briefe als digitale Kopien nebst von Ernest Alexander gefertigten Abschriften vor geraumer Zeit zu lokalgeschichtlichen Forschungs-zwecken zur Verfügung gestellt.

Es sind bewegende Zeugnisse, die tiefe Einblicke in das jüdische Leben unter der NS-Gewaltherr-schaft in Gelsenkirchen geben. Frieda Alexander beschreibt darin Warten und Bangen, ob eine Flucht aus Nazi-Deutschland doch noch gelingen kann. Sie beschreibt, wie sich Freude über All- täglichkeiten und Hoffnungslosigkeit im Alltag der jüdischen Menschen gegen Ende der Dreißiger Jahre abwechseln. Sie berichtet in ihren Briefen auch von der Vertreibung aus ihrer der Wohnung an der Ringstraße und den zwangsweisen "Umzug" in eines der so genannten "Judenhäuser" Gelsenkirchens an der Wanner Str. 4. Im letzten Brief deutet Frieda Alexander an, dass sie von der anstehenden Deportation erfahren hat. Am 27. Januar 1942 wird sie von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert. Bei einer der Mordaktionen im Ghetto, bei denen die als gesund und "arbeitsfähig" geltenden Menschen von der SS selektiert und zunächst weiterleben "durften", wurde Frieda Alexander am 26. März 1942 ermordet.

Unserer Anregung folgend, ist das Brief-Konvolut zwischenzeitlich von der Familie an Yad Vashem über- geben worden. Aufgenommen in die digitale Kollektion der Gedenkstätte Yad Vashem sind diese Briefe jetzt online verfügbar. Auf der verlinkten Seite "2-Scanned File" anklicken, es öffnet sich ein Viewer, in dem die Briefe einzelnd in hoher Auslösung gelesen werden können.


Familiengeschichte: Tochter bringt Licht ins Dunkel  

Feiga Jeckel, Gelsenkirchen

Abb.: Feiga Jeckel entkam den Nazis, ein evangelischer Pfarrer rettete ihr Leben

Am Samstag traf ich mich mit Cindy in Gelsen-kirchen, die mit ihrem Mann David eigens aus England anreiste, um die für die Familie ihrer Mutter Feiga verlegten Stolpersteine zu besuchen. David hatte bei Recherchen im Internet mehr zufällig ein Foto von Cindys Großmutter entdeckt. Seine Verwunderung war groß, hing doch genau dieses Foto seit vielen Jahren zuhause an der Wand. Doch wie kam es ins Internet?

Die Auflösung des Rätsels war nur einige wenige Mausklicks entfernt. Stolpersteine für Markus, Cilla und Isidor Jeckel, verlegt an der Hauptstraße 63, dokomentiert im Web auf unserer Internetpräsenz. Dort fand David genau das Foto, dass die bereits verstorbene Rosa Jeckel 1977 als Abzug an Yad Vashem gegeben hatte - niemand in der Familie hatte davon gewusst.

Unsere Recherchen hatten zwar auf die Spuren der drei Schwestern Else, Rosa und Feiga Jeckel geführt, auch stand fest, das diese ihr nacktes Leben Ende der Dreißiger durch die Flucht nach England retten konnten. Doch die schlechte Quellenlage ließ bisher keine Stolpersteinverlegung für die Tanten und die Mutter von Cindy zu, zu vage waren unsere Rechercheergebnisse. Erst Cindy brachte durch mitgebrachte Dokumente und Fotos sowie weiteren biografischen Details aus der Familiengeschichte Licht ins Dunkel. Wir konnten so die Dokumentation der Lebens- und Leidenswege der Familie Jeckel auf unserer Internetpräsenz ergänzen. Die drei Stolpersteine sollen nachverlegt werden, so wird Familie Jeckel im Gedenken symbolisch wieder zusammengeführt. Nun ist die Bürgerschaft gefordert: Zur Finanzierung der Stolpersteine für Else, Rosa und Feiga Jeckel werden Stolperstein-Paten gesucht. Info: (0209) 9994676 oder per Email: Email an die Projektleitung senden Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Hans-Sachs-Haus im Dritten Reich: Hier regierten die Diener Hitlers  

Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen. Zwischen 1933-1945 Unrechtsort und Sitz der Stadtverwaltung

Abb.: Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen. Zwischen 1933-1945 Unrechtsort und Sitz der Stadtverwaltung. Foto:ISG, Fotosam-mlung, Bild-Nr. 409

Die Rolle der Kommunen bei der NS-Verfolgungs-politik werden noch immer unterschätzt. Dabei führten die Rathäuser nicht nur Weisungen aus, sondern gingen immer wieder über zentrale Vorgaben hinaus. Städte und Gemeinden spielten im Dritten Reich eine wichtige Rolle, hatten sie doch als untere Verwaltungsbehörden die NS-Politik auf kommunaler Ebene umzusetzen.

Die Kommunalverwaltungen standen in engem Kontakt mit der Bevölkerung und erfuhren deren Reaktionen - zustimmender wie ablehnender Art - unmittelbarer als jede andere Behörde. Aus Sicht des Regimes erfüllten sie eine wichtige Funktion: Für den Durchhaltewillen und die Moral der Bevöl-kerung ist zum Beispiel die Bedeutung des kommu- nalen Krisenmanagements nach Bombenangriffen kaum zu überschätzen.

Aufgrund ihrer integrativen Funktion waren die Kommunen auch in die NS-Verfolgungspolitik involviert - sonst wäre diese nicht so "effektiv" durchzusetzen gewesen. Es gibt wohl kaum eine Verfolgungsmaßnahme, bei der kommunale Stellen nicht einbezogen oder wenigstens darüber unterrichtet gewesen wären. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Mitwirkung der Kommunen an der NS-Verfol-gungspolitik lange Zeit wenig beachtet wurde. Lokalgeschichtliche Abhandlungen beschränken sich häufig auf die "Gleichschaltung" der Rathäuser und brechen danach ab. Die NS-Verfolgungspolitik durch die Kommunen ist weithin noch immer nur unzureichend erforscht.

Die Städte und Gemeinden waren stärker in die NS-Verfolgungspolitik einbezogen als bislang angenommen. Sie entließen Mitarbeiter aus rassischen und politischen Gründen. Sie wirkten an der Judenverfolgung und an Deportationen mit, "arisierten" Kunstgegenstände, private Bibliotheken, Gold- und Silbergegenstände sowie Immobilien. Die kommunalen Gesundheitsämter sorgten für die massenhafte Sterilisierung von "Erbkranken". Die Stadtverwaltungen vertrieben Sinti und Roma aus ihren Wohnungen und verfolgten sie. Die städtischen Bauämter beschäftigten in großer Zahl Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Besonders bemerkenswert ist, dass die kommunalen Beamten und Angestellten ihre Handlungsspielräume häufig nicht im Sinne der Opfer nutzten, sondern immer wieder über Direktiven "von oben" hinausgingen bzw. sogar Verfolgungsmaßnahmen aus eigenem Antrieb ersannen. Auf dem Gebiet der Verfolgungspolitik lassen sich keine nennenswerten Gegensätze zwischen den Kommunen und den örtlichen Parteistellen ausmachen, die sich ansonsten heftige Konflikte lieferten. Daher muss das Bild von einem Gegensatz zwischen der "alten Bürokratie" und der neuen NSDAP-Bürokratie, wie es in der älteren Literatur entwickelt wurde, in Frage gestellt werden.

Für die Lokalgeschichtsschreibung tut sich hier ein weites Forschungsfeld auf, wie sich am Beispiel der Edelmetallabgabe zeigen lässt, die Juden 1939 aufgezwungen worden war. Binnen zweier Wochen hatten sie alle Gegenstände aus Silber und anderen Wertmetallen in den städtischen Pfandleihhäusern abzuliefern. Der Ankauf war ein verkappter Raub, denn gezahlt wurden lediglich zwei Pfennig pro Gramm Silber. Diese zentrale, organisatorisch aufwändige Verfolgungsmaßnahme wurde nicht von der Partei oder der Gestapo, sondern von den Kommunen ausgeführt. In rund 60 kommunalen Pfandleihanstalten im Reich wurden so genannte öffentliche Ankaufstellen eingerichtet, in denen Verwaltungsmitarbeiter die abgegebenen Gegen-stände registrierten, ihren Wert abschätzten, den Juden eine geringe Entschädigung dafür auszahlten, die Gegenstände einschmelzen ließen, versteigerten oder an eine zentrale Stelle nach Berlin weiterleiteten. Die Leihämter schickten insgesamt 135 Tonnen Silber und 1,3 Tonnen Gold an die Schmelzanstalten. Die Gesamteinnahmen der öffentlichen Ankaufstellen für Wertsachen von Juden werden mit reichsweit mit rund 54 Millionen RM beziffert.

Andere Verfolgungsfelder in der lokalgeschichtlichen Darstellung

Auch andere Verfolgungsfelder fehlen in vielen lokalgeschichtlichen Darstellungen. Letztlich ließe sich über die erwähnten Beispiele hinaus anhand jedes beliebigen kommunalen Amtes die Mitwirkung der Städte an der NS-Verfolgungspolitik dokumentieren:

Die Personalämter entließen nach dem Berufsbeamtengesetz Mitarbeiter aus politischen und rassischen Gründen.
Die Sportämter beschlagnahmten die Sportanlagen von jüdischen Vereinen und der Arbeiterbewegung.
Die Gartenverwaltungen vertrieben Juden aus den öffentlichen Grünanlagen.
Die Statistischen Ämter ermittelten die Anzahl von Juden und "Mischlingen" im Stadtgebiet in Zusammenarbeit mit der Geheimen Staatspolizei.
Die Einwohnerämter führten Suchkarten des Gesundheitsamtes für Geschlechtskranke.
Die Wohlfahrtsämter lieferten Informationen in Sterilisations- sowie Ehegesetzgebungsverfahren und waren an der Verfolgung von "Asozialen" beteiligt.
Die Standesämter arbeiteten bei der Umsetzung der Ehegesetzgebung mit den Gesundheitsämtern Hand in Hand.
Die Stadtarchive lieferten Material zur "Sippenforschung".
Die Schulämter gaben Beurteilungen von Hilfsschülern zur Verwendung in Sterilisationsverfahren weiter und schlossen jüdische Kinder vom Unterricht aus.
Die Wohnungsämter vertrieben Juden, Sinti und Roma aus ihren Wohnungen und bereiteten Deportationen vor.
Die Fürsorgebehörden schlossen Juden von Sozialleistungen aus.
Die Oberbürgermeister genehmigten in vielen Kommunen die "Arisierungen" von Einzelhandelsgeschäften.
Die Grundstücksämter kauften Immobilien von jüdischen Eigentümern, die auswandern mussten oder deportiert wurden.
Die Kämmereien verbuchten das "arisierte" Vermögen in den städtischen Haushalten.
Die Bauämter organisierten die städtischen Kriegsgefangeneneinsätze.
Die Wirtschafts- und Ernährungsämter waren für die Lebensmittelrationierung für sämtliche Einwohner zuständig - inklusive der Juden sowie der Insassen in Gefängnissen, Gefangenen- und Konzentrationslagern. Kaum eine Behörde verfügte über einen solch umfassenden Überblick über das NS-Lagersystem.

Die Liste ließe sich fortsetzen. War es in Gelsenkirchen anders? Davon ist nicht auszugehen. Im Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939 sind beispielsweise die jeweiligen Leiter der einzelnen Ämter innerhalb der Stadtverwaltung namentlich aufgeführt - Wer war wann in welche Entrechtungs- und Verfolgungsmaßnahme involviert? Den Kommunen bleibt viel Arbeit, wenn sie ihre Mitwirkung an der NS-Verfolgungspolitik aufar-beiten wollen. Dabei darf der Blick sich nicht nur auf das antidemokratische und rassistische Verwaltungs-handeln vor 1945 beschränken, dazu gehören auch erste Formen des Umgangs mit der eigenen Vergan-genheit, etwa Fragen der Entnazifizierung, die Entschädigung Betroffener oder auch die Wiedereinglie-derung "belasteter" Beamter.

Anregung findet keine Mehrheit - Gedenktafel abgelehnt

Die von Andreas Jordan (Gelsenzentrum e.V.) jüngst angeregte Errichtung einer Gedenktafel am Hauptein- gang des Hans-Sachs-Hauses, die expliziet auf die Beteiligung der Gelsenkirchener Stadtverwaltung an Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im so genannten "Dritten Reich" verweisen sollte, wurde vom zustän- digen Kulturausschuss in der Sitzung vom 1. Februar 2017 mehrheitlich abgelehnt. Begründet wurde die Ablehnung u.a. mit dem Hinweis auf eine im Foyer des HSH angebrachte Tafel, die jedoch lediglich die Baugeschichte des Hans-Sachs-Hauses beleuchtet und zudem "verdeckt" angebracht worden ist. Erinnerungs- und Geschichtspolitik erfordert auch Mut, mit der Ablehnung einer Gedenktafel wurde eine Chance vertan, jenseits von fragwürdigen Entlastungstrategien eine Deutung der Lokalgeschichte wach zu halten, die nichts abschwächt oder verharmlost. Das es auch anders geht, hat vor einiger Zeit das Polizei- präsidium in Gelsenkirchen-Buer gezeigt. Am Gebäude erinnert nun eine öffentlich zugängliche Erinnerungs- orte-Tafel u.a. an die Beteiligung Gelsenkirchener Polizeibeamter während der NS-Gewaltherrschaft in den Polizeibataillonen 65 und 316 an Massenmord und Verbrechen hinter der Front.


Am 20. Januar jährt sich zum 75. Mal der Tag der so genannten Wannseekonferenz 

Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz

Abb.: Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz. Alfred Meyer war von 1923 bis 1930 zunächst Zechenbeamter auf der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen. Am 1. April 1928 trat er der NSDAP bei und wurde sogleich Ortsgruppenleiter der Partei in Gelsenkirchen. 1929/30 stieg er zum Leiter des Bezirks Emscher-Lippe auf. Im November 1929 wurde er als einziges NSDAP-Mitglied in den Rat der Stadt Gelsenkirchen gewählt. Im September 1930 zog er als Abgeordneter in den Reichstag für den Wahlkreis Westfalen- Nord ein. Klick: Besprechungsprotokoll lesen Besprechungsprotokoll lesen

Der Massenmord an Juden sowie an Sinti und Roma war längst beschlossene Sache und schon im Gange. Die ersten Züge mit ihrer Menschen-fracht rollten bereits Richtung Osten, als die berüchtigte Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee bei Berlin stattfand. Hauptzweck der Konferenz - in den Einladungen als "Besprechung mit Frühstück" bezeichnet - war die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten zu organisieren und zu koordinieren. Einziger Tagesordnungspunkt: "Die Endlösung der Judenfrage". Die Teilnehmer, 15 führende Nazis, darunter Vertreter der SS und aller betroffenen Staatsbehörden, legten den zeitlichen Ablauf für die weiteren Massentötungen fest, grenzten die dafür vorgesehenen Opfergruppen genauer ein und einigten sich auf eine Zusammenarbeit unter Leitung von Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts. Adolf Eichmann, der "Judenreferent" Heydrichs, war für das Protokoll zuständig.

Heydrichs Plan sah die systematische Vertreibung und Vernichtung von rund elf Millionen Menschen vor. Er nannte ihn "Endlösung der europäischen Judenfrage", das bedeutet nichts anderes als die Koordination des Massenmordes, geplant war die systematische Vertreibung und Vernichtung von rund elf Millionen jüdischer Menschen. Vorgesehen war der Einsatz der Verschleppten zum Straßenbau im Osten, "wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird". Der "verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden". Hundert-tausende der deutschen "Volksgenossen" halfen dabei mit, allein 6 Millionen jüdische Menschen fielen der Massenvernichtung zum Opfer - eines der größten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte. Weiterlesen: Koordination des Massenmordes


75. Jahrestag der Riga-Deportation: Ausstellungshalle in Gelsenkirchen war "Juden-Sammellager" 

Symbolfoto: Juden in Coesfeld werden am 10. Dezember 1941 für den Abtransport in das Ghetto Riga 'gesammelt'

Abb.: Symbolfoto, Juden in Coesfeld werden am 10. Dezember 1941 für den Abtransport in das Ghetto Riga "gesammelt". Foto: YIVO Institute for Jewish Research, New York

Am 27. Januar 1942 vollzog sich mit der Depor-tation in das Ghetto Riga einer der letzte Schritte zur Vernichtung der jüdischen Gemeinde Gelsenkir-chens. Der 27. Januar sollte nach meinem Dafürhalten zum zentralen Gedenktag für die örtliche Geschichte des Holocaust werden. Nicht zuletzt symbolisiert dieser Tag exemplarisch auch die kommunale Mitwirkung an der NS-Politik, denn die Stadt Gelsenkirchen hatte als untere Verwal-tungsbehörde die NS-Vernichtungspolitik auf kommunaler Ebene umzusetzen. Zeitgleich wird am 27. Januar der Internationale Holocaust-Gedenktag begangen: Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die letzten Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Aus diesem Anlass wird inzwischen jedes Jahr am 27. Januar in vielen Städten Europas an den industriellen, millionenfachen Massenmord der Nazis erinnert.

Einige Tage vor dem Abtransport in das Ghetto Riga wurden die von der Deportation Betroffenen zur Aus- stellungshalle am Wildenbruchplatz verschleppt. In dieser Halle, von den Nazis zum temporären “Juden-sammellager“ umfunktioniert, wurden rund 360 jüdische Frauen, Männer und Kinder jeden Alters aus Gelsenkirchen eingepfercht, etwa 150 weitere jüdische Menschen wurden aus umliegenden Städten nach Gelsenkirchen transportiert. Die NS-Verfolgungsbehörden stellten in diesen Tagen ab Gelsenkirchen einen der so genannten „Judensammeltransport“ zusammen. Die Menschen wurden im Sammellager ihrer Wertsachen beraubt, Frauen und Mädchen wurden gynäkologisch untersucht, um so jedes mögliche Versteck für Schmuck oder Geld aufzuspüren.

Vor 75 Jahren sahen an diesem 27. Januar die in der Ausstellungshalle 506 eingesperrte Menschen einer schrecklichen, von den Nazis bereits vorbestimmten Zukunft entgegen. Die Menschen wussten nicht, was sie am Bestimmungsort erwarten sollte. Einige Wochen vor der Deportation hatten die Betroffenen bereits Briefe erhalten, darin wurde dem Empfänger mitgeteilt, dass er zur „Evakuierung in den Osten“ eingeteilt ist und sich an einem bestimmten Tag für den Transport bereit zu halten habe.

Die Menschen glaubten zu diesem Zeitpunkt noch an einen "Arbeitseinsatz" im Osten, wurde doch in dem Brief detailliert aufgelistet, welche Ausrüstungsgegenstände mitzunehmen sind: Schlafanzüge, Nachthemden, Socken, Pullover, Hosen, Hemden, Krawatten, warme Kleidung, Näh- und Rasierzeug, Bettzeug, Medikamente und Verpflegung. Arbeit im Osten, daran glaubte man. Denn Arbeit bedeutet Brot, und Brot bedeutet Leben, bedeutet Überleben, so dachte man. Niemand konnte sich vorstellen, dass das alles nur Lug und Trug war, perfider Teil eines Mordplans, den die Nazis „Endlösung“ nannten. In den frühen Morgenstunden des 27. Januar 1942 wurden die Menschen dann zum alten Güterbahnhof getrieben, ihr weniges Gepäck wurde verladen. Der Zug verließ schließlich Gelsenkirchen in Richtung Riga. Dieser Menschentransport war der erste aus Gelsenkirchen, weitere in das Ghetto Warschau und in das Ghetto und "Durchgangslager" Theresienstadt sollten in den nächsten Monaten folgen.

Die von der Deportation betroffene jüdische Bevölkerung Gelsenkirchens musste den Transport in das Ghetto Riga, der für die meisten eine Reise in den Tod war, selbst bezahlen. Aus dem Nachlass von Lewis R. Schloss aus Gelsenkirchen-Horst sind Benachrichtigungen im Zusammenhang mit der Deportation erhalten. Die staatlich legalisierte Ausplünderung jüdischer Menschen setzte sich auch bei der Deportation fort: Für drei Familienmitglieder mussten 150,- RM als „Gebühr Evakuierung“ und 120,- RM „Transportkosten“ für die Mitnahme der beweglichen Habe gezahlt werden – gegen Quittung. Die Waggons mit den wenigen Habseligkeiten der Verschleppten wurden jedoch bereits in Hannover abgehängt, ihren Besitz haben die Menschen nie wiedergesehen. Diese Dokumente weisen wie kaum andere auf die perfide und zynische Handlungsweise der Nazis, mit der diese die Deportation vorbereiteten und organisierten. Die so genannte „Endlösung“ war zu diesem Zeitpunkt längst beschlossene Sache.

Die Deportationsrichtlinien erließ das so genannte "Judenreferat" des Reichssicherheitshauptamtes. Die örtlichen Stapoleitstellen fassten sie für den lokalen Bereich zusammen und organisierten für ihren Zuständigkeitsbereich den gesamten Abtransport. So waren der Dienstsitz der Stapoleitstellen das Zentrum, zu dem die Judentransporte der umliegenden Städte und Gemeinden zumeist zusammengeführt wurden, um dann den Transport gemäß den Absprachen mit der Deutschen Reichsbahn auf seinen verhängnisvollen Weg zu schicken. Die lokale Schutzpolizei begleitete die Transporte bis nach Riga. Diese Männer waren natürlich in Besitz einer Rückfahrkarte.

Die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ und die noch bestehenden jüdischen Gemeinden, die unter dem Kuratel der Gestapo standen, wurden gleichermaßen mit einbezogen. Sie waren gezwungen, die Deportationslisten nach den Richtlinien der Gestapo zusammenzustellen, die dann von der Staatspolizei überarbeitet und genehmigt wurden. Sie „betreuten“ die Menschen bis zum Abtransport. Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten – u.a. in Dortmund, Bielefeld und Hannover – in den Zug gezwungen. Der Deportationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 das Ghetto Riga in Lettland.

Plan des Rigaer Ghettos mit den verschiedenen Zonen nach dem 8. Dezember 1941

Plan des Rigaer Ghettos mit den verschiedenen Zonen nach dem 8. Dezember 1941. (Erstellt von Peter Palm, Berlin.) Die Juden aus Gelsenkirchen und Umgebung, die so genannte "Dortmunder Gruppe" war in der Ludzas iela 36 (Nähe Prager Tor) untergebracht.

Die allermeisten der am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga verschleppten jüdischen Menschen wurden von den Nazis ermordet. Die oftmals einzigen Spuren ihres Lebens finden sich heute meist nur noch in den alten Meldeunterlagen der Stadtverwaltung. Es sind verschleiernde bürokratischen Vermerke wie „amtlich abgemeldet“, „nach dem Osten abgeschoben“ oder „unbekannt verzogen“. Es blieben von den Verschleppten nur wenige Menschen am Leben, die zurückkehrten und Zeugnis ablegen konnten.

Heute erinnert an diesem Gelsenkirchener Tatort am Wildenbruchplatz (fast) nichts mehr an das „Juden-sammellager“ und die Deportation vom 27. Januar 1942. Im Gehweg vor der Polizeiwache liegt ein Stolperstein. Das kleine Denkmal erinnert an die Jüdin Helene Lewek, die sich in der Ausstellungshalle der bevor-stehenden Deportation durch Flucht in den Tod entzog. Derzeit erinnert nur dieser Stolperstein symbolisch auch an die jüdischen Menschen aus Gelsenkirchen und Umgebung, die in der Aus-stellungshalle "gesammelt" und am 27. Januar 1942 nach Riga in Lettland verschleppt worden sind. Die von mir im Frühjahr 2014 an den Rat der Stadt Gelsenkirchen gerichtete Anregung, am damaligen Standort des Sammellagers einen Gedenk- und Erinnerungsort zu errichten, ist bisher nicht realisiert worden. (aj)

Detaillierter Bericht von Jeanette Wolff aus dem Jahre 1947: "Ich habe Riga überlebt."

 

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Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

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