STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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„Was keiner geglaubt haben wird, was keiner gewusst haben konnte, was keiner geahnt haben durfte, das wird dann wieder das gewesen sein was keiner gewollt haben wollte.“ (Erich Fried)

Aktuelles & Termine

In loser Folge veröffentlichen wir in dieser Rubrik Aktuelles rund um das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

+ + + Nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen in der zweiten Jahreshälfte 2017 + + +

 


Am 20. Januar jährt sich zum 75. Mal der Tag der so genannten Wannseekonferenz 

Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz

Abb.: Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz. Alfred Meyer war von 1923 bis 1930 zunächst Zechenbeamter auf der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen. Am 1. April 1928 trat er der NSDAP bei und wurde sogleich Ortsgruppenleiter der Partei in Gelsenkirchen. 1929/30 stieg er zum Leiter des Bezirks Emscher-Lippe auf. Im November 1929 wurde er als einziges NSDAP-Mitglied in den Rat der Stadt Gelsenkirchen gewählt. Im September 1930 zog er als Abgeordneter in den Reichstag für den Wahlkreis Westfalen- Nord ein. Klick: Ganzes Besprechungsprotokoll lesen

Der Massenmord an Juden sowie an Sinti und Roma war längst beschlossene Sache und schon im Gange. Die ersten Züge mit ihrer Menschen-fracht rollten bereits Richtung Osten, als die berüchtigte Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee bei Berlin stattfand. Hauptzweck der Konferenz - in den Einladungen als "Besprechung mit Frühstück" bezeichnet - war die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten zu organisieren und zu koordinieren. Einziger Tagesordnungspunkt: "Die Endlösung der Judenfrage". Die Teilnehmer, 15 führende Nazis, darunter Vertreter der SS und aller betroffenen Staatsbehörden, legten den zeitlichen Ablauf für die weiteren Massentötungen fest, grenzten die dafür vorgesehenen Opfergruppen genauer ein und einigten sich auf eine Zusammenarbeit unter Leitung von Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts. Adolf Eichmann, der "Judenreferent" Heydrichs, war für das Protokoll zuständig.

Heydrichs Plan sah die systematische Vertreibung und Vernichtung von rund elf Millionen Menschen vor. Er nannte ihn "Endlösung der europäischen Judenfrage", das bedeutet nichts anderes als die Koordination des Massenmordes, geplant war die systematische Vertreibung und Vernichtung von rund elf Millionen jüdischer Menschen. Vorgesehen war der Einsatz der Verschleppten zum Straßenbau im Osten, "wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird". Der "verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden". Hundert-tausende der deutschen "Volksgenossen" halfen dabei mit, allein 6 Millionen jüdische Menschen fielen der Massenvernichtung zum Opfer - eines der größten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte. Weiterlesen: Koordination des Massenmordes


75. Jahrestag der Riga-Deportation: Ausstellungshalle in Gelsenkirchen war "Juden-Sammellager" 

Symbolfoto: Juden in Coesfeld werden am 10. Dezember 1941 für den Abtransport in das Ghetto Riga 'gesammelt'

Abb.: Symbolfoto, Juden in Coesfeld werden am 10. Dezember 1941 für den Abtransport in das Ghetto Riga "gesammelt". Foto: YIVO Institute for Jewish Research, New York

Am 27. Januar 1942 vollzog sich mit der Depor-tation in das Ghetto Riga einer der letzte Schritte zur Vernichtung der jüdischen Gemeinde Gelsenkir-chens. Der 27. Januar sollte nach meinem Dafürhalten zum zentralen Gedenktag für die örtliche Geschichte des Holocaust werden. Nicht zuletzt symbolisiert dieser Tag exemplarisch auch die kommunale Mitwirkung an der NS-Politik, denn die Stadt Gelsenkirchen hatte als untere Verwal-tungsbehörde die NS-Vernichtungspolitik auf kommunaler Ebene umzusetzen. Zeitgleich wird am 27. Januar der Internationale Holocaust-Gedenktag begangen: Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die letzten Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Aus diesem Anlass wird inzwischen jedes Jahr am 27. Januar in vielen Städten Europas an den industriellen, millionenfachen Massenmord der Nazis erinnert.

Einige Tage vor dem Abtransport in das Ghetto Riga wurden die von der Deportation Betroffenen zur Aus- stellungshalle am Wildenbruchplatz verschleppt. In dieser Halle, von den Nazis zum temporären “Juden-sammellager“ umfunktioniert, wurden rund 360 jüdische Frauen, Männer und Kinder jeden Alters aus Gelsenkirchen eingepfercht, etwa 150 weitere jüdische Menschen wurden aus umliegenden Städten nach Gelsenkirchen transportiert. Die NS-Verfolgungsbehörden stellten in diesen Tagen ab Gelsenkirchen einen der so genannten „Judensammeltransport“ zusammen. Die Menschen wurden im Sammellager ihrer Wertsachen beraubt, Frauen und Mädchen wurden gynäkologisch untersucht, um so jedes mögliche Versteck für Schmuck oder Geld aufzuspüren.

Vor 75 Jahren sahen an diesem 27. Januar die in der Ausstellungshalle 506 eingesperrte Menschen einer schrecklichen, von den Nazis bereits vorbestimmten Zukunft entgegen. Die Menschen wussten nicht, was sie am Bestimmungsort erwarten sollte. Einige Wochen vor der Deportation hatten die Betroffenen bereits Briefe erhalten, darin wurde dem Empfänger mitgeteilt, dass er zur „Evakuierung in den Osten“ eingeteilt ist und sich an einem bestimmten Tag für den Transport bereit zu halten habe.

Die Menschen glaubten zu diesem Zeitpunkt noch an einen "Arbeitseinsatz" im Osten, wurde doch in dem Brief detailliert aufgelistet, welche Ausrüstungsgegenstände mitzunehmen sind: Schlafanzüge, Nachthemden, Socken, Pullover, Hosen, Hemden, Krawatten, warme Kleidung, Näh- und Rasierzeug, Bettzeug, Medikamente und Verpflegung. Arbeit im Osten, daran glaubte man. Denn Arbeit bedeutet Brot, und Brot bedeutet Leben, bedeutet Überleben, so dachte man. Niemand konnte sich vorstellen, dass das alles nur Lug und Trug war, perfider Teil eines Mordplans, den die Nazis „Endlösung“ nannten. In den frühen Morgenstunden des 27. Januar 1942 wurden die Menschen dann zum alten Güterbahnhof getrieben, ihr weniges Gepäck wurde verladen. Der Zug verließ schließlich Gelsenkirchen in Richtung Riga. Dieser Menschentransport war der erste aus Gelsenkirchen, weitere in das Ghetto Warschau und in das Ghetto und "Durchgangslager" Theresienstadt sollten in den nächsten Monaten folgen.

Die von der Deportation betroffene jüdische Bevölkerung Gelsenkirchens musste den Transport in das Ghetto Riga, der für die meisten eine Reise in den Tod war, selbst bezahlen. Aus dem Nachlass von Lewis R. Schloss aus Gelsenkirchen-Horst sind Benachrichtigungen im Zusammenhang mit der Deportation erhalten. Die staatlich legalisierte Ausplünderung jüdischer Menschen setzte sich auch bei der Deportation fort: Für drei Familienmitglieder mussten 150,- RM als „Gebühr Evakuierung“ und 120,- RM „Transportkosten“ für die Mitnahme der beweglichen Habe gezahlt werden – gegen Quittung. Die Waggons mit den wenigen Habseligkeiten der Verschleppten wurden jedoch bereits in Hannover abgehängt, ihren Besitz haben die Menschen nie wiedergesehen. Diese Dokumente weisen wie kaum andere auf die perfide und zynische Handlungsweise der Nazis, mit der diese die Deportation vorbereiteten und organisierten. Die so genannte „Endlösung“ war zu diesem Zeitpunkt längst beschlossene Sache.

Die Deportationsrichtlinien erließ das so genannte "Judenreferat" des Reichssicherheitshauptamtes. Die örtlichen Stapoleitstellen fassten sie für den lokalen Bereich zusammen und organisierten für ihren Zuständigkeitsbereich den gesamten Abtransport. So waren der Dienstsitz der Stapoleitstellen das Zentrum, zu dem die Judentransporte der umliegenden Städte und Gemeinden zumeist zusammengeführt wurden, um dann den Transport gemäß den Absprachen mit der Deutschen Reichsbahn auf seinen verhängnisvollen Weg zu schicken. Die lokale Schutzpolizei begleitete die Transporte bis nach Riga. Diese Männer waren natürlich in Besitz einer Rückfahrkarte.

Die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ und die noch bestehenden jüdischen Gemeinden, die unter dem Kuratel der Gestapo standen, wurden gleichermaßen mit einbezogen. Sie waren gezwungen, die Deportationslisten nach den Richtlinien der Gestapo zusammenzustellen, die dann von der Staatspolizei überarbeitet und genehmigt wurden. Sie „betreuten“ die Menschen bis zum Abtransport. Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten – u.a. in Dortmund, Bielefeld und Hannover – in den Zug gezwungen. Der Deportationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 das Ghetto Riga in Lettland.

Plan des Rigaer Ghettos mit den verschiedenen Zonen nach dem 8. Dezember 1941

Plan des Rigaer Ghettos mit den verschiedenen Zonen nach dem 8. Dezember 1941. (Erstellt von Peter Palm, Berlin.) Die Juden aus Gelsenkirchen und Umgebung, die so genannte "Dortmunder Gruppe" war in der Ludzas iela 36 (Nähe Prager Tor) untergebracht.

Die allermeisten der am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga verschleppten jüdischen Menschen wurden von den Nazis ermordet. Die oftmals einzigen Spuren ihres Lebens finden sich heute meist nur noch in den alten Meldeunterlagen der Stadtverwaltung. Es sind verschleiernde bürokratischen Vermerke wie „amtlich abgemeldet“, „nach dem Osten abgeschoben“ oder „unbekannt verzogen“. Es blieben von den Verschleppten nur wenige Menschen am Leben, die zurückkehrten und Zeugnis ablegen konnten.

Heute erinnert an diesem Gelsenkirchener Tatort am Wildenbruchplatz (fast) nichts mehr an das „Juden-sammellager“ und die Deportation vom 27. Januar 1942. Im Gehweg vor der Polizeiwache liegt ein Stolperstein. Das kleine Denkmal erinnert an die Jüdin Helene Lewek, die sich in der Ausstellungshalle der bevor-stehenden Deportation durch Flucht in den Tod entzog. Derzeit erinnert nur dieser Stolperstein symbolisch auch an die jüdischen Menschen aus Gelsenkirchen und Umgebung, die in der Aus-stellungshalle "gesammelt" und am 27. Januar 1942 nach Riga in Lettland verschleppt worden sind. Die von mir im Frühjahr 2014 an den Rat der Stadt Gelsenkirchen gerichtete Anregung, am damaligen Standort des Sammellagers einen Gedenk- und Erinnerungsort zu errichten, ist bisher nicht realisiert worden. (aj)

Detaillierter Bericht von Jeanette Wolff aus dem Jahre 1947: "Ich habe Riga überlebt."


Nachfahren aus Südafrika auf Spurensuche in Gelsenkirchen 

Siegfried Block und seine Ehefrau Hedwig, um 1919

Abb.: Siegfried Block und seine Ehefrau Hedwig, um 1919

Marion Block begab sich in an Heiligabend in Gelsenkirchen-Schalke auf Spurensuche zu ihren familiären, deutschen Wurzeln. Begleitet von Peter Joseph, auch aus seiner Familie sind Menschen von den Nazis ermordet worden, daran erinnern bereits Stolpersteine in Düsseldorf und Berlin.

"Wir stehen seit längerer Zeit im Dialog, die Familie wünscht sich Stolpersteine zur Erinnerung an ihrer unter der NS-Gewaltherrschaft ermordeten Ange- hörigen" sagt Andreas Jordan, Projektleiter der Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen, "Heute haben wir uns endlich persönlich kennengelernt".

Nachdenklich steht Marion Block im Hof des Hauses an der Schalker Straße 75. "Ich war niemals vorher in Deutschand, spreche die Sprache nicht - obwohl ich einen deutschen Pass habe. Hier haben meine Großeltern gelebt, mein Vater Kurt und seine Geschwister wurden in dieser Stadt geboren, Vater hat hier seine Kindheit und Jugend verbracht. Es ist ein seltsames Gefühl, hier zu sein." sagt sie leise.

Bereits 1868 hatte Siegfried Blocks Vater Gumpel Block an der Liboriusstraße 37 das Möbelgeschäft der Familie gegründet. Nach dem Tod von Gumpel Block wurde der alteingesessene Familienbetrieb 1905 mit einem Neubau an der Schalker Strasse 75 erweitert. Mit der Machtübergabe 1933 an die Nazis und den in der Folgezeit ständig zunehmenden Repressionen gegen Juden verschlechterte sich die gesamte Lebens- situation der Familie Block zusehends. Das Möbelgeschäft Block nebst Immobilien wurde schließlich 1937 "arisiert" - wie die Nazis die Enteignung jüdischen Eigentums verschleiernd nannten. Neue Eigentümer der Möbelhandlung Block wurden die "arischen" Eheleute Theodor und Christine Ernsting, geborene Rosing, die das Geschäft - jetzt unter dem Namen "Rosing" - an gleicher Stelle fortführten. Unternehmen wie Rosing konnten mit der "Arisierung" ihren Profit enorm steigern und ihre wirtschaftliche Stellung so weiter ausbauen.

Die Kinder der Familie Block konnten 1936 Gelsenkirchen noch rechtzeitig verlassen. Siegfried Block starb 1937, seine Frau Hedwig wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga verschleppt. Bei dem Versuch, Brot ins Ghetto zu schmuggeln, wurde Hedwig erwischt. Die SS bestrafte Schmuggel mit dem Tod, Hedwig Block wurde im Rigaer Zentralgefängnis ermordet. Im nächsten Jahr werden vor dem Haus an der Schalker Straße 75 fünf Stolpersteine zum Gedenken an Familie Block verlegt, die Finanzierung ist durch die Übernahme von Patenschaften bereits gesichert.


Grillo-Gymnasium: Weitere Stolpersteine sollen an jüdische Schüler erinnern  

Weitere Stolpersteine sollen ehemaligen jüdischen Schülern des Gelsenkirchener Grillo-Gymnasiums gewidmet werden

Abb.: Die ersten sechs von insgesamt vierundreißig Stolper-steine im Gedenken an ehemalige jüdische Schüler des Grillo-Gymnasiums hat Gunter Demnig Anfang Oktober 2016 vor dem Schuleingang an der Hauptsraße 60 verlegt.

Zwischen 1933 und 1938 lernten insgesamt 34 jüdische Schüler an damaligen Städtischen Real- gymnasium, dem heutigen Grillo-Gymnasium. Der sich ständig verschärfenden Antisemitismus im so genannten "Dritten Reich" bewegte viele Eltern zur Flucht ins Ausland. Zwischen Mai 1933 und Okto- ber 1934 waren 14, zwischen Januar 1935 und Oktober 1936 insgesamt 16 und 1938 die letzten 4 jüdischen Schüler gezwungen, das Realgymnasium zu verlassen. Wer von den Eltern zu lange mit der Flucht gezögert hatte, konnte oftmals nur noch das Leben der Kinder retten. Weitere Stolpersteine für von dieser Schule vertriebene Schüler sollen in nächster Zeit verlegt werden, jüdische Schüler in anderen Klassen waren: Walter Josef Hes, Fritz Gompertz, Fred, Leo, Saul und Diament, Max Rosenbaum, Herbert Werner Wolff, Leo Weißmann, Leo Flescher, Helmut Lieber, Jakob Winter, Josef und Manfred Kamiel, David Blitz, Peter Jakobsohn, Benno Sass, Willy Landsmann, Otto Plaat, Heinz vom Ments, Viktor Cohen, Erich Silberberg, Heinz Löwenthal, Hans Schul, Kurt und Werner Alexander, Hans Alexander, Hermann und Salo Jampel. Für diese jungen Menschen können ab sofort Stolperstein-Patenschaften zur Finanzierung der kleinen Denkmale übernommen werden.


74. Jahrestag des Auschwitz-Erlasses: "Ich habe Angst, Auschwitz könnte nur schlafen."  

Der so genannte 'Auschwitz-Erlass', festgehalten auf einem Stolperstein

Zum Gedenken an den Erlass hat der Künstler Gunter Demnig in Kooperation mit dem Verein Rom e. V. am 16. Dezember 1992, dem 50. Jahrestag des Erlasses, einen Stolperstein vor dem historischen Kölner Rathaus in das Pflaster eingelassen. Auf dem Stein zu lesen sind die ersten Zeilen des den Erlass zitierenden Schnellbriefs. (Zum Vergrößern anklicken) Foto:© Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0

Vor 74 Jahren, am 16. Dezember 1942, ordnete Heinrich Himmler (Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei) die Deportation aller Sinti und Roma aus dem “Deutschen Reich” in das Konzen-trationslager Auschwitz an. Mit diesem sogenannten “Auschwitz-Erlass” begann die Deportation von 23.000 Sinti und Roma aus elf Ländern Europas in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Der Völkermord an Sinti, Roma und anderen Fahrenden begann jedoch nicht erst mit den Deportationen nach Auschwitz. Bereits im Mai 1940 wurde eine große Zahl Sinti und Roma in das so genannte "Generalgouvernement" deportiert. Unter diesen Menschen befanden sich auch zahlreiche Familien, die zuvor lange in Gelsenkirchen gelebt hatten. Sie waren, um den Schikanen von Kriminalpolizei, städtischen Dienststellen und der SA in Gelsenkirchen zu ent- kommen, nach Köln gegangen und lebten dort in einem Lager in Köln-Bickendorf. Dieses Lager war bereits 1934 erbaut und im April 1935 fertiggestellt worden.

Zielsetzung des Terrorregimes war dabei - wie auch in Gelsenkirchen bei Einrichtung der (Zwangs)-Lager- plätze bzw. Internierungslager an der Cranger Straße und der Reginenstraße - die konzentrierte, systema- tische Unterbringung und Überwachung dieser Bevölkerungsgruppe fernab des Stadtzentrums. Damit wollte das NS-Gewaltregime auch die Stigmatisierung dieser Ethnie als "am äußersten Rand der Gesellschaft stehend" hervorheben. Unter den Menschen, die aus dem Sammellager auf dem Gelände der Kölner Messe bereits im Mai 1940 nach Polen verschleppten worden sind, waren auch die Familien Rosina Lehmann, die Familie Rosenberg, das Paar Malla Müller und Josef Wer- nicke, die Familie Michael Wernicke und die Familie Johann Wernicke. Sie alle haben zuvor längere Zeit in Gelsenkirchen gelebt.

März 1943 - Deportation der Gelsenkirchener Sinti und Lovara nach Auschwitz-Birkenau

Die Organisation und praktische Durchführung der Deportation der Gelsenkirchener "Zigeuner" nach Auschwitz-Birkenau oblag der staatlichen Kriminalpolizei, und hier dann der Kriminalpolizeistelle Reckling- hausen mit ihrer Kriminal-Inspektion III Gelsenkirchen. Zur Aus- und Durchführung wurden weitere Dienst- stellen der verschiedenen Verfolgungsbehörden hinzugezogen. Aufgrund des "Auschwitz-Erlasses" wurden auch die noch in Gelsenkirchen lebenden deutschen Sinti und Lovara am 9. März 1943 auf dem Zwangs- Lagerplatz an der Reginenstraße im Zuge der anstehenden Deportation festgenommen und in das Polizei- gefängnis Gelsenkirchen gebracht. In den Lagerbüchern von Auschwitz ist die Ankunft der aus Gelsenkirchen verschleppten Sinti am 13. März 1943 festgehalten. Die Menschen wurden fast alle in Auschwitz-Birkenau ermordet, nur wenige der Geschunden und Gequälten überlebten.

„Ich habe Angst, Auschwitz könnte nur schlafen.“ ist ein Zitat von Ceija Stojka, Künstlerin und Schriftstellerin (1933 – 2013).

Mitteilung der Kriminal-Inspektion III Gelsenkirchen der Staatlichen Kriminalpolizei an den Gelsenkirchener Oberbürgermeister über die Deportation der in Gelsenkirchen lebenden "Zigeuner" in das Konzentrationslager Auschwitz und Begleitschreiben zur Übersendung der eingezogenen Ausweispapiere vom 16. März 1943. (Dokument: Stadtarchiv/Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen)


Neue Stolpersteine für schwule NS-Opfer in NRW
Morde im KZ mit fingierter Todesursache "Kopfschuss bei Fluchtversuch" 

Im Oktober 2016 wurden in NRW vier neue Stolpersteine in Erinnerung an Männer verlegt, die im so genannten 'Dritten Reich' als Homosexuelle verfolgt wurden

"Die Erinnerung wachhalten und aus dem Gesehe- nen lernen" ist das Motto der Gedenkinstallation Stolpersteine vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Die Initiative für die Verlegung von Stolpersteinen von verfolgten Schwulen in der NS-Zeit und die Recherchen für NRW gehen von Jürgen Wenke aus, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Rosa Strippe. Der Verein, der auf seiner Homepage ausführlich über die Homosexuellen-Verfolgung im Nationalsozialismus und in der frühen Bundesrepu- blik informiert, sucht weitere Paten für zukünftige Stolpersteine. So wurden in Remscheid und Gel- senkirchen Mitte Oktober vier neue Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Josef Wesener aus Gelsenkirchen sowie an die Remscheider Max Penz, Hans Hagen und Alfred Sigismund, die im Dritten Reich als Homosexuelle verfolgt wurden. Die drei Männer aus Remscheid starben in Konzentrationslagern, während Lokführer Josef Wesener (Jahrgang 1903) die Verfolgung und die KZ-Deportationen nach Neuengamme, Buchenwald und Mittelbau-Dora überlebte. Er konnte nach 1945 nicht in seinen Beruf zurückkehren, wurde Bergmann, erkrankte an den Folgen der KZ-Drangsalierung psychisch, wurde später unter Betreuung gestellt und starb dement 1987 in Düsseldorf. Der Eisenbahnschlosser Hans Hagen (Jahrgang 1904) war Jugendobmann und wurde als Vorsitzender des Fußballvereins Lüttringhausen verhaftet, er starb nach einer Haftstrafe wegen Verstoßes gegen die Nazifassung des Paragrafen 175 im KZ Sachsenhausen im Jahr 1941. Der Arbeiter Max Penz (Jahrgang 1899) starb bei einer zielgerichteten Mordaktion gegen Homosexuelle im Sommer 1942 im KZ Sachsenhausen, bei der allein im Juli und August fast 100 Homosexuelle ermordet wurden. In vielen Totenscheinen stand wie bei Max Penz die fingierte Todesursache: „Kopfschuss bei Fluchtversuch". Alfred Sigismund (Jahrgang 1902), verheiratet in Belgien, Vater eines Sohnes, von Beruf Dreher und Schiffskoch, wurde wegen gemeinsamer Onanie mit Auszubildenden im Betrieb verurteilt, nach Haft deportiert in das KZ Sachsenhausen, von dort in das KZ Neuengamme bei Hamburg, wo er zu einem unbekannten Zeitpunkt im Jahr 1943 starb.

Die Verwandten von Alfred Sigismund und Hans Hagen stellten nach 1945 in der Bundesrepublik Anträge auf Anerkennung der Ermordeten als NS-Verfolgte. Diese Anträge wurden von den Behörden abgelehnt. Zu verantworten hatte das die Adenauer-Regierung, die im Bundesentschädigungsgesetz ausdrücklich Homosexuelle nicht berücksichtigte. Schwule Männer wurden statt dessen erneut massiv diskriminiert. Die Nazifassung des Paragrafen 175 blieb bis 1969 unverändert in Kraft. Die Verfolgung ging nach 1945 unvermindert weiter, lediglich KZ-Deportationen entfielen. (Artikel erschienen in FRESH, Queer-Mag für NRW, Ausgabe November 2016, S.17)


Pogromnacht: 9. November 1938 - Es geschah vor aller Augen 

Alljährlich finden an vielen Orten in ganz Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an die jüdischen Mit- bürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer rassistisch motivierter Gewalttaten gegen Leben und Eigentum wurden, so auch in Gelsenkir- chen. In dieser Nacht der Schande wurden hunderte Menschen von Nazis und ihren Helfershelfern verge- waltigt, zusammengeschlagen, beraubt, ermordet oder in den Suizid getrieben. Fast alle Synagogen, Betsäle und Geschäfte jüdischer Eigentümer, Wohnungen und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Öster- reich wurden in der Pogromnacht zerstört. Ab dem 10. November wurden ca. 30.000 jüdische Menschen in Konzentrationslagern inhaftiert, wo viele ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.

Für diese Gewalttaten seitens des Terrorregimes wurden den jüdischen Menschen deutscher Staatsange- hörigkeit die Zahlung einer "Sühneleistung" in Höhe von einer Milliarde Reichsmark auferlegt. Außer dieser "Sühneleistung" wurde den Juden die "Wiederherstellung das Straßenbildes" auf eigene Kosten auferlegt, d.h. sie mussten den jeweiligen Abriss zerstörter Synagogen und anderer Gebäude und auch die Reinigung der Straßen von Glassplittern, zerstörten Mobilar und Geschäftsinventar bezahlen. Erstattungen von Versiche- rungen dagegen wurden zu Gunsten des "Reiches" eingezogen.

Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse, 1924. Links die Fassadenwerbung der Gebr. Goldblum

Einen Höhepunkt der gegen jüdische Menschen gerichtete Verfolgung und Gewalt erlebte beispiels- weise die Gelsenkirchener Bahnhofstraße in der so genannten "Kristallnacht" am 9. November 1938 - in den 1930er Jahren wurde die Einkaufsmeile im Volksmund auch "Jerusalemer Straße" genannt, weil sich dort viele Kaufleute aus der jüdischen Minderheit angesiedelt hatten. Nazi-Schergen zertrümmerten Schaufensterscheiben der Geschäf- te jüdischer Inhaber, demolierten und brandschatz- ten deren Geschäftseinrichtungen und Warenaus- stellungen, bereicherten sich an ihnen durch Plünderungen. Das jüdische Geschäftsleben an der Bahnhofstraße wurde vom NS-Gewaltregime vollständig beseitigt. Am 10. September 1941 schrieb die NS-Postille "Völkischer Beobachter": "Nun ist die Bahnhofstraße Judenrein." Auch auf der Bahnhofstraße sollen schon bald Gunter Demnigs Stolpersteine an Unrecht, Gewalt, Ausgrenzung und Mord unter dem NS-Terrorregime erinnern. Von dem, was in der Nacht der Schande in Gelsenkirchen geschah: Gedenken und Erinnern an die Opfer der so genannten "Reichskristallnacht"


Paten für neue Stolpersteine gesucht 

Gelsenkirchen: Paten für neue Stolpersteine gesucht

Auch im nächsten Jahr werden sie wieder in Gelsenkirchen verlegt, die Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig. Stolpersteine werden flächenbündig in das Pflaster der Gehwege einge-lassen – sie verursachen natürlich kein tatsäch-liches Stolpern. Gunter Demnig drückt es so aus: “Man soll mit dem Herzen und dem Kopf darüber stolpern”. Doch wer finanziert sie eigentlich, die Stolpersteine?

"Es sind meist Einzelpersonen oder Gruppen, die mit der Übernahme einer Patenschaft oder einer zweckgebundenen Spende die Verlegung von Stolpersteinen ermöglichen. Hinter den Stolper-steinen, die verlegt werden, stehen auch Menschen, der sich entschieden haben, an andere Menschen zu erinnern, die zwischen 1933-1945 unter der NS-Gewaltherrschaft verfolgt und in den allermeisten Fällen ermordet wurden. Bildhauer Demnig berechnet derzeit 120 Euro für Herstellung und Verlegung eines Stolper-steins, ein Betrag, den sich auch mehrere Personen oder eine Gruppe, etwa eine Schulklasse, teilen können. Wir suchen fortwährend Menschen, die Patenschaften übernehmen, auch für die in 2017 geplante Verlegung werden noch Paten gesucht. Selbstverständlich sind auch kleinere Beträge zur Unterstützung der Aktion willkommen” so Andreas Jordan, Initiator der Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative, "Spenden können unter Angabe des Verwendungszwecks “Stolpersteine” auf das Konto des gemeinnützigen Vereins Gelsen-zentrum e. V. überwiesen werden, Verwendungszweck: Stolpersteine. Auf Wunsch wird eine Spenden-quittung ausgestellt." Info: (0209) 9994676 oder per Email: Email an die Projektleitung senden Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen

Spendenkonto: Gelsenzentrum e.V., Sparkasse Gelsenkirchen, IBAN: DE79 4205 0001 0132 0159 27


Stolpersteine: Fenster in die Vergangenheit 

Stolpersteine sind starke Erinnerungszeichen und gleichwohl auch kleine Fenster in die Vergangenheit. Sie zeugen von den Auswirkungen einer barbarischen Politik, von Rassenwahn und Herrenmenschenideologie. Wie weit diese Fenster aufgestoßen werden, muß jeder für sich selbst entscheiden. 22 der kleinen Mahn- male hat Bildhauer Gunter Demnig am 6. Oktober 2016 in Gelsenkirchen in den Boden eingelassen. Gleich zwei Gelsenkirchener Schulen haben sich in diesem Jahr am Erinnerungsprojekt Stolpersteine beteiligt.

22 neue Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an NS-Opfer

Schüler*innen der Gesamtschule Ückendorf übernehmen Patenschaften für Stolpersteine

An der Ahstraße/Ecke Husemannstraße erinnern jetzt zwei Stolpersteine an Selma Müller und ihren Sohn Walter, die dort gelebt haben, bevor beide vor den neuen braunen Machthabern 1933 nach Hol- land geflohen sind. Dort wurden sie jedoch von der NS-Mordmaschinerie eingeholt, Selma wurde in Sobibor, Walter in Auschwitz ermordet.

Hier waren es Schüler*innen der Gesamtschule Ückendorf (Jahrgangsstufe 13), die sich in einem Geschichtszusatzkurs mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte beschäftigt haben. Sven Sörensen, didaktischer Leiter der Gesamtschule Ückendorf und Kursleiterin Wahls nahmen eben- falls an der Verlegung teil, die Jugendlichen verlasen Kurzbiografien von Selma und Walter Müller, Rabbiner Kornblum sprach auch an diesem Verlegort ein Gebet. Schülerin Salma Younis trug den Text des Dauchauliedes vor.

Das Ehepaar Hanna und Peter Schmitz, Nachfah- ren der Familie Müller, hatten den Kontakt zur Gesamtschule Ückendorf hergestellt. Ihr Wunsch war es, dass Schüler die Patenschaft für Mutter und Sohn Müller übernehmen.

Die Inschriften auf den Stolpersteinen vor dem Grillo-Gymnasium an der Hauptstraße 60, dem damaligen Städtischen Realgymnasium an der Adolf-Hitler-Straße verlegten sechs Stolpersteine beginnen mit "Hier lernte", sie sind ehemaligen jüdischen Schülern dieser Schule gewidmet. Erich Lilienthal wurde in Riga ermordet, Horst Karl Elias ist in Auschwitz umgekommen. Günter Schönberg, Hermann Cohn, Albert Gompertz und Ernst Back konnten aus Nazi- Deutschland fliehen und so ihr Leben retten.

22 neue Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an NS-Opfer

22 neue Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an NS-Opfer

Schüler*innen der Klassen 6a und 7a des Grillo-Gymnasiums hatten mit ihrer Lehrerin Susanne Knorth und Schulleiterin Christhilde Schwindt die Verlegezeremonie an der Hauptstraße gestaltet, die Schüler trugen erläuternde Texte zu den Lebens- und Leidenswegen der ehemaligen Schüler vor und legten weiße Rosen am Verlegeort nieder. Mitglie- der der jüdischen Gemeinde, deren Vorsitzende Judith Neuwald-Tasbach und Rabbiner Kornblum nahmen trotz terminlicher Schwierigkeiten ebenfalls an dieser Verlegung teil. Der Förderverein des Grillo-Gymnasiums hat vier, Paten aus der Bürger- schaft zwei Stolpersteine finanziert.

34 jüdische Schüler wurden im so genannten "Dritten Reich" vom damaligen Städtischen Real- gymnasium (heute Grillo-Gymnasium) zwischen 1933-1938 vertrieben. Einigen gelang eine Flucht ins rettende Ausland, andere wurden von den Nazis ermordet. Auch für diese jungen Menschen sollen in nächster Zeit Stolpersteine vor dem Grillo verlegt werden. Schon jetzt wurde daher der Verlegeort vom Bauhof für weitere Verlegungen entsprechend vorbereitet, Patenschaften für die noch zu verle- genden Stolpersteine werden ab sofort vergeben.

Auf privatem Grund verlegte Demnig am Morgen den ersten Stolperstein an diesem Tag. Vor dem Haus 'Im Quartiermeister', eine kleine, beschau- liche Seitenstraße in Buer, gibt es keinen Gehweg. Hauseigentümer Kulick, der das Haus Nr. 18 im Jahr 1976 gekauft hat, war sofort damit einverstanden, als er im Januar von der Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative um sein Einverständnis zur Verlegung eines Stolpersteines auf seinem Grundstück gebeten wurde. Der Stolperstein erinnert an Julius Less, der bis zu seiner Flucht nach Holland in diesem Haus gelebt hat. Julius Less konnte der Mordmaschinerie der Nazis dennoch nicht entkommen, er wurde 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

In Horst erinnern jetzt an der Markenstraße/Ecke Schloss- u. Strundenstraße Stolpersteine an Familie Schloss. Am frühen Morgen nach der so genannten "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 hatte die SA Inventar aus Wohnung und Ladengeschäft von Familie Schloss an dieser Kreuzung aufgetürmt und in Brand gesteckt, wie sich eine an der Stolpersteinsetzung teilnehmende Zeitzeugin erinnerte. Max, seine Frau Julia und Sohn Ludwig Schloss wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert, Max und Ludwig später weiter in ein Arbeitslager beim Bochumer Verein verschleppt. Aus diesem Lager in Bochum-Stahl- hausen gelang Vater und Sohn mit Hilfe des deutschen Vorarbeiters Heinrich Hoppe die Flucht. Die Brüder Heinrich und Theo Wilmes versteckten die beiden Männer zunächst in Gelsenkirchen-Heßler, später in Essen. Hildegard Schloss wurde in Theresienstadt befreit, Susanne Schloss hat in den Niederlanden versteckt gelebt und konnte so ihre Befreiung erleben. Julia Schloss starb kurz nach der Befreiung aus Bruss-Sophienwalde, ein Außenlager des KZ Stutthof, an den Folgen der erlittenen KZ-Gefangenschaft.

Stolpersteine für die kommunistischen Widerstandskämpfer Johannes Eichenauer an der Schlangenwallstr. 9 und für Rudolf Littek vor dem Haus Liebfrauenstraße 38 erinnern an mutige Männer, die sich den Nazis nicht beugen wollten. Beide starben auf KZ-Schiffen in der Neustädter Bucht. An der Josefstraße/Ecke Knappen- straße wurde der Stolperstein eingesetzt, der an Josef Wesener erinnert. Der als schwuler Mann verfolgte Josef Wesener konnte mit viel Glück die Gefangenschaft den KZ Neuengamme, Mittelbau-Dora und Buchen- wald überleben. Jürgen Wenke erforscht die Lebensgeschichten von schwulen Männern, die während der NS-Diktatur verfolgt und ermordet wurden. Seine Recherchen haben die Verlegung zahlreicher Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig ermöglicht, darunter auch der Stolperstein, der jetzt an Josef Wesener erinnert. An der Munckelstraße 5 wurden zwei Stolpersteine für das Ehepaar Galliner verlegt. Rosalia Elise Galliner starb 1938 im Jüdischen Krankenhaus Köln an den Folgen einer Krebserkrankung. Nach dem Tod seiner Frau floh Gemeinderabbiner Siegfried Galliner 1939 buchstäblich in letzter Minute nach England.

Ein Stein aus  Jerusalem

An der Ringstraße 67 wurden drei Stolpersteine in Erinnerung an Familie Joseph in das Gehweg- pflaster eingelassen - ebenso wie ein Stein, den Angehörige eigens dafür aus Jerusalem geschickt hatten - es war ihnen nicht möglich, zu Verlegung aus Israel anzureisen. Der Schneider Hermann Joseph wurde in Riga ermordet, seine Frau Marianne im KZ Stutthof. Einzig Sohn Siegfried Joseph überlebte die Jahre der Gefangenschaft im Ghetto Riga, im KZ Stutthof und das KZ Buchen- wald. 161 Stolpersteine wurden bisher in Gelsen- kirchen verlegt. Im nächsten Jahr wird Gunter Demnig wieder nach Gelsenkirchen kommen. Mit neuen Stolpersteinen im Gepäck.

"Im Namen der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen danke ich allen Menschen, die uns bei der Stolper-steinverlegung 2016 wohlwollend, hilfreich und unterstützend zur Seite gestanden haben. Ohne ihre Hilfe wäre diese Verlegung nicht möglich gewesen."

Andreas Jordan (Projektleitung Stolpersteine Gelsenkirchen)


Neubaugebiet Im Bahnwinkel: Stolperstein erinnert an Robert Mäusert 

Stolperstein Im Bahnwinkel erinnert an Robert Mäusert

Als der Stolperstein für Robert Mäusert im August 2011 verlegt wurde, erinnerte nichts mehr an die ehemalige Bebauung auf dem Brachgelände in Höhe Im Bahnwinkel 10, dem letzten selbstgewähl- ten Wohnort von Robert Mäusert, bevor er als Angehöriger der Glaubensgemeinschaft 'Zeugen Jehovas' in die Verfolgungs- und Mordmaschinerie der Nazis geriet. Mittlerweile sind dort Neubauten errichtet worden. Gestern haben wir Stolpersteine im Gelsenkirchener Norden geputzt - darunter auch der Stolperstein für Robert Mäusert Im Bahnwinkel.

Robert Mäusert erlebte seine Befreiung im KZ Ra- vensbrück und machte sich am 6. Mai 1945 auf den Heimweg nach Gelsenkirchen. Wie überleben- de Mitgefangene später der Ehefrau Frieda Mäusert berichteten, war ihr Mann zu diesem Zeit- punkt bereits völlig erschöpft, so dass er mit einer Transportkarre befördert werden musste. Doch seine Kräfte reichen nicht aus. Auf dem Weg über die Elbe in Richtung Westen starb Robert Mäusert am 8. Mai 1945 im Alter von 53 Jahren an Folgen der erlittenen KZ-Haft. Seine Glaubensbrüder beerdigten ihn in Wittenberge an der Elbe auf dem Ehrenfriedhof.


Stolpersteinverlegung: Jeder Stein ein Leben  

Mit der Verlegung der Stolpersteine wird die Erinnerung an das Leben und Leiden der verfolgten Menschen im so genannten “Dritten Reich” lebendig. Stolpersteine erinnern auch an Wendepunkte in den individuellen Lebenswelten, an eine oftmals glückliche Zeit, bevor Angst, Ausgrenzung und Rassenwahn das Sein der Verfolgten bestimmten. Namen kehren mit der Verlegung eines Stolpersteins zurück in unseren Alltag. Und zwar genau dort, wo die verfolgten Menschen vor ihrer Verhaftung, Flucht, Verschleppung oder Ermordung ihre Lebensmittelpunkte hatten, inmitten der Stadtgesellschaft – Vor den Türen ihrer Häuser.

In die Messingoberfläche der Stolpersteine werden Inschriften eingeprägt, die meist mit den Worten “Hier wohnte” beginnen, darunter Name, Geburtsjahrgang, Eckdaten der Verfolgung und der Todesort. Derart unauslöschlich gemacht, erinnert die Inschrift dauerhaft an Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder politischen Gesinnung von den Nazis verfolgt bzw. ermordet worden sind. Im Gedenken sollen Familien wieder symbolisch “zusammengeführt” werden, so werden auch Familienmitglieder einbezogen, die überleben konnten.

Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen 2016

Zur Teilnahme an den Verlegungen am 6. Oktober sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich ein- geladen. Wir weisen darauf hin, dass im zeitlichen Ablauf Verschiebungen möglich sind, planen Sie bitte jeweils ein Zeitfenster von +/- 15 Min. zu den angegebenen Uhrzeiten ein. Die Projektleitung ist am Verlegetag unter 0174-5463829 zu erreichen. Stolpersteine werden verlegt für:

Stolperstein Julius Less
10.00 Uhr, Im Quartiermeister 18

Stolperstein Rudolf Littek
12.00 Uhr, Liebfrauenstr. 38

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Max Schloss
10.20 Uhr, Markenstr. 28

Stolperstein Stolperstein Ehepaar Siegfried u. Rosalia Elise Galliner
12.20 Uhr, Munckelstr. 5

Stolperstein Johann Eichenauer
10.40 Uhr, Schlangenwallstr. 9

Stolperstein Stolperstein Familie Hermann Joseph
12.40 Uhr, Ringstr. 67

Stolperstein Josef Wesener
11.00 Uhr, Josefstr. 32/Ecke Knappenstraße

Stolperstein Stolperstein Selma u. Walter Müller
13.00 Uhr, Ahstraße/Ecke Husemannstraße

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Albert Gompertz, Günter Schönenberg,
Hermann Cohn, Ernst Back, Horst Karl Elias, Erich Lilienthal

11.20 Uhr, Grillo-Gymnasium, Hauptstraße 60


Stolperstein während Bauarbeiten eingelagert 

Stolperstein während Bauarbeiten eingelagert

Der Stolperstein, der "Am Rundhöfchen" in der Gelsenkirchener Altstadt an den von einem SS-Mann ermordeten Widerständler Erich Lange erinnert, ist nicht 'versehentlich verschwunden'. Beim Oberflächenrückbau im Zuge der Neuge-staltung wurde der Stolperstein durch die Baufirma gesichert und eingelagert. In rund drei Wochen wird der Stein wieder an gleicher Stelle eingesetzt.

Erich Lange war zunächst bis zum Sommer 1932 Mitglied der so genannten "Schutzstaffel" der NSDAP. Lange stellte sich, als im klar wurde, wo der Weg hingehen sollte, noch vor der Machtüber- gabe gegen die Nationalsozialisten. Er wurde Mitglied der KPD und des 'Kampfbundes gegen den Faschismus". Die Nazis sahen darin einen "Verrat an der nationalen Sache". Erich Lange wurde 'Am Rundhöfchen' von einem SS-Mann in der Nacht vom 21. auf den 22.3.1933 erschossen. Der Mord an Erich Lange war ein Racheakt und auch Machtdemonstration, er geschah nach dem Fackelzug, der von der NSDAP als Siegeszug für den Wahlsieg bei den Stadtparlamentswahlen vom 12. März 1933 veranstaltet worden war.


Jüdische Schüler: Ihr Schulweg war ab 1933 oftmals auch ein Angstweg 

Stolpersteine für ehemalige jüdiche Schüler in Gelsenkirchen

Vor dem Grillo-Gymnasium in Gelsenkirchen wer- den noch in diesem Jahr Stolpersteine verlegt. Damit soll an Ausgrenzung, Verfolgung, Entrech- tung, Demütigung, Flucht, Emigration und Ermor- dung ehemaliger jüdischer Schüler an dieser Schule erinnert werden.

Das Grillo-Gymnasium hat die Patenschaft für zu- nächst vier Stolpersteine übernommen, damit soll auch ein Stück Schulgeschichte aufgearbeitet werden. Für zwei weitere Stolpersteine, die eben- falls im Oktober verlegt werden, können noch Patenschaften übernommen werden.

Verlegt werden die Stolpersteine für Günter Schö- nenberg, Hermann Cohn, Albert Gompertz, Horst Karl Elias, Erich Lilienthal und Ernst Back, deren Inschriften mit den Worten "HIER LERNTE" begin- nen, von Gunter Demnig bei der nächsten Verlege-Aktion in Gelsenkirchen am 6. Oktober vor dem Schul- gebäude an der Hauptstraße 60. Weitere Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Schüler dieser Schule sollen im nächsten Jahr folgen. Mehr erfahren: Dokumentation: HIER LERNTE... Es können noch weitere Patenschaften übernommen werden. Info: (0209) 9994676 oder per Email an die: Email an die Projektleitung senden Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Stolpersteine sollen an Familie eines jüdischen Schalke-Sponsors erinnern  

Stolpersteine sollen an Familie eines jüdischen Schalke-Sponsor erinnern

Werner Sauer hat seine blau-weiß gestreifte KZ-Häftlingsmütze durch die Zeit gerettet. Sie befindet sich seit 1994 im United States Holocaust Memorial Museum

Kurz vor seiner Deportation, gegen Ende des Jahres 1941 arbeitete Werner Sauer als Maurer im Katholischen Krankenhaus in Gelsenkirchen. “Ich werde nicht mehr wiederkommen.” sagte er eines Tages zur Schwester Oberin. “Warum nicht?” fragte die Ordensschwester. “Ich bin Jude.” sagte Werner Sauer leise. Die Oberin antwortete traurig: “Wenn die jüdischen Menschen Deutschland verlassen müssen, wird es sehr dunkel. Denn sie nehmen die Sterne, den Mond und die Sonne mit”. – Sie konnte ja nicht wissen, wie recht sie damit hatte. An der Schalker Str. 184 sollen schon bald Stolpersteine an Leopold "Leo" Sauer, seine Frau Auguste und Sohn Werner erinnern. Dort betrieb der frühe Schalke-Sponsor Leopold Sauer seine gutgehende Metzgerei.

Leo, wie der allseits bekannte und beliebte Metzgermeister meist genannt wurde, unterstützte neben dem Verein auch viele Spieler des Schalke 04 privat. So bezahlte er dem Schalker Spieler Ernst Kuzorra den Führerschein und stellte ihn als Fahrer an. Anlässlich einer Meisterfeier des FC Schalke präsentierte Leopold Sauer ein Schwein, das er zuvor in den Vereinsfarben blau-weiß angestrichen hatte und trieb es beim Triumphzug durch die Straßen. Von den Nazis enteignet und aus ihrem Haus vertrieben, wurde Familie Sauer im Januar 1942 zunächst in das Ghetto Riga deportiert. Das Ehepaar Sauer wurde im KZ Stutthof ermordet, Sohn Werner konnte mit viel Glück den Holocaust überleben. Nach seiner Befreiung lebte er in Berlin und emigrierte 1949 in die USA. Mehr erfahren: Dokumentation Für die drei Stolpersteine, die Familie Sauer gewidmet werden, können Patenschaften übernommen werden. Info: (0209) 9994676 oder per Email: Email an die Projektleitung senden Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Israel Yaoz: Warum habe ich überlebt?  

Israel Yaoz spricht über seine Gefangenschaft im KZ Bergen-Belsen. Als Israel Häusler am 14. November 1928 in Gelsenkirchen geboren, ist der heute in Israel lebende Israel Yaoz der einzige Überlebende seiner Familie. Vater Mordechai, Mutter Sima und seine Geschwister Recha, Esther, Meier und Mali wurden von den Nazis ermordet. Am 15. April 1945 wurde Israel Yaoz (damals noch Israel Häusler) von britischen Soldaten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Seither plagt ihn die Frage: Warum grade ich? Warum habe ich überlebt?


Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen wird 10 Jahre alt 

Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen wird 10 Jahre alt

Zahlreiche Lebens- und Leidenswege von Men- schen, die der Rassenideologie der selbsternann- ten Herrenmenschen zwischen 1933-1945 zum Opfer gefallen sind, hat die Projektgruppe Stolper- steine des Gelsenkirchener Vereins Gelsenzentrum in den letzten 10 Jahren recherchiert und auf dieser Internetpräsenz dokumentiert. 2009 konnten dann erste Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt werden, mittlerweile sind bereits 139 Stolpersteine in das Gehwegpflaster eingelassen worden.

Weitere 19 Stolpersteine sollen im Herbst diesen Jahres hinzukommen. Das von bürgerschaftlichem Engagement und Spenden getragene Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen - Gemeinsam gegen das Vergessen wird laufend fortgesetzt.

Unterstützen sie mit einer Spende die Erinnerungs- arbeit der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen. Helfen Sie mit, den Menschen Ihre Namen zurück zu geben, dort wo sie einmal gewohnt haben – vor den Türen der Häuser. Der Preis für einen Stolperstein ein- schließlich Installation beträgt € 120,-. Spenden unter Stichwort “Stolpersteine”, Konto: Gelsenzentrum e. V. bei der Sparkasse Gelsenkirchen, IBAN DE79 4205 0001 0132 0159 27, SWIFT-BIC: WELADED1GEK. Ihre Spenden sind steuerlich abzugsfähig, sie erhalten auf Wunsch eine Zuwendungsbestätigung.


Trauer um Herman Cohn: Überlebender und Befreier stirbt mit 94 Jahren 

Trauer um Herman Cohn: Überlebender und Befreier stirbt mit 94 Jahren

Herman Cohn starb am 21. März 2016 in Hyde Park, Chicago, USA.

Herman Cohn wurde am 8. September 1921 in Essen geboren. Als er gerade fünf Jahre alt war, starb seine Mutter. Großmutter Rosa Cohn kümmerte sich fortan um Herman und Bruder Walter. In den frühen 1930er Jahren zog die Familie ins benachbarte Gelsenkirchen. Mit der Machtübergabe an die Nazis 1933 sahen sich auch die Cohns mit einem zunehmend aggressiven Antisemitismus konfrontiert.

Im Jahr 1937 brachte die Familie Sohn Walter in Sicherheit, sie schickten ihn zu Verwandten in die USA. Nur ein Jahr später wurden die Cohns enteignet, auch das Familienunternehmen in Gelsenkirchen wurde "arisiert". In der Pogrom- nacht wurde Siegfried Cohn von einem Nazi-Mob verprügelt, während Herman Cohn in der Gestapo-Zentrale in Gelsenkirchen gefoltert wurde.

Im Dezember 1939 erhielten die Cohns schließlich das erforderliche Visum für die Einwanderung in die USA. Umgehend floh die Familie von Deut- schland nach Holland. Gemeinsam mit ihrem Sohn Herman gingen sie in Rotterdam an Bord eines niederländischen Schiffes, dass Sie endgültig in die USA in Sicherheit brachte.

Die hochbetagte Rosa Cohn wollte in Holland bleiben, sie wurde 1943 von den Nazis im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Herman Cohn kehrte im Zuge der Invasion in der Normandie (D-Day, 6. Juni 1944) als Soldat der US-Army nach Europa zurück und war an der Befreiung des KZ Dachau beteiligt. Weiterlesen >>


Aktives Gedenken: Stolperstein-Putzaktion in Gelsenkirchen 

139 Stolpersteine erinnern bisher in Gelsenkirchen an Opfer des NS-Gewaltregimes

Auch in diesem Jahr werden wir unsere jährliche Putzaktion der Gelsenkirchener Stolpersteine fort- setzen. Die Aktion soll symbolisch die Lebens- und Leidenswege ehemaliger Mitbürgerinnen und Mitbürger in Erinnerung rufen. In der letzten April- woche 2016 werden alle 139 in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine poliert, an jeder der Verlegestellen sollen Blumen niedergelegt werden. Unterstützer*innen und Sponsoren für die zwischen dem 25.-28. April 2016 stattfindenden Putzaktion sind herzlich willkommen. Menschen, die sich beteiligen wollen, wendet sich direkt an die Projektgruppe Stolpersteine, Tel.: (0209) 9994676, Email: Email an die Projektleitung senden Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Verlegeaktion 2016: Weitere Stolperstein-Paten gesucht 

139 Stolpersteine erinnern bisher in Gelsenkirchen an Opfer des NS-Gewaltregimes

Abb.: 139 Stolpersteine erinnern bisher in Gelsenkirchen an Opfer des NS-Gewaltregimes

Im Herbst diesen Jahres wird Gunter Demnig wieder in Gelsenkirchen zu Gast sein, um mit der Verlegung weiterer Stolpersteine im öffentlichen Raum an neunzehn Menschen zu erinnern, die zwischen 1933-1945 Opfer von Rassenwahn und Herrenmenschenideologie geworden sind - Wider- ständler, Angehörige der jüdischen Religion und ein Mann, der wegen seiner Homosexualität verfolgt worden ist.

Die europaweite Aktion Stolpersteine wurde von dem Bildhauer Gunter Demnig vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufen, Demnig hat seither rund 57.000 Stolpersteine in 20 Ländern Europas verlegt. Stolpersteine sind mit einer Messingtafel versehene 10x10 Zentimeter große Betonsteine, die vor bestimmten Gebäuden in das Pflaster des Gehwegs eingebaut werden. Die Messingtafeln nennen unter der Überschrift "Hier wohnte" Name, Geburtsjahrgang, Eckdaten der Verfolgung und den Todesort der vom Nazi-Terrorregime verfolgten Menschen, die in den Häusern früher einmal gewohnt haben und dort bis zu ihrer Flucht, Vertrei- bung, Zwangsumsiedlung oder Ermordung den letzten frei gewählten Wohnsitz hatten. Derart unauslösch- lich gemacht, erinnern die Inschriften dauerhaft an Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sexu- ellen Orientierung oder politischen Gesinnung von Nazis verfolgt bzw. ermordet worden sind.

Die Aktion Stolpersteine wird nicht mit öffentlichen Geldern, sondern mit Beiträgen von Einzelpersonen oder Gruppen finanziert. Dazu werden Paten gesucht, die bereit sind, jeweils mit 120 Euro die Herstellung und Verlegung von Stolpersteinen zu unterstützen. Für einzelne Stolpersteine (Verlegung im Herbst 2016) werden noch Paten gesucht. Wer Interesse hat, eine Patenschaft zu übernehmen, meldet sich bitte per Mail oder unter Telefon (0209) 9994676 bei Andreas Jordan, Initiator der Gelsenkirchener Stolpersteine.


Videos geben Einblicke in Stolpersteinverlegungen 

Stolpersteine erinnern an Familie Höchster

Abb.: Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen-Feldmark an Familie Bernhard Höchster

Stolpersteine erinnern an Menschen aus allen Verfolgtengruppen gleichermaßen. Genau dort, wo die Menschen einst lebten, wo sie gewohnt, gelebt, geglaubt, getanzt, geträumt, gelacht und geweint haben, bevor sie dem Rassenwahn und Überlegen- heitsideologie der Nazis zum Opfer fielen - vor den Türen ihrer Wohnhäuser oder Wirkungsstätte. Die allermeisten Lebens- und Leidensgeschichten der verfolgten Menschen endet mit deren Ermordung in den Unrechtstätten und Vernichtungslagern der Nazis, nur ganz wenige überlebten das NS-Lager-system. Einem kleinen Teil der Verfolgten gelang es, das nacktes Leben durch rechtzeitige Flucht aus Deutschland zu retten. Auch aus dem öffentlichen Raum der Stadt Gelsenkirchen sind die mittlerweile 139 hier verlegten Stolpersteine vor den letzten Wohnorten von Menschen, die den deutschen Faschisten zwischen 1933-1945 zum Opfer fielen, nicht mehr wegzudenken. Jesse Krauß begleitete Bildhauer Gunter Demnig mit der Kamera bei der Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen. Die so entstandenen Videos geben Einblicke in die Verlegungen vom August 2015.

 

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Hier finden Sie Beiträge von April 2009 - Dezember 2015 aus der Rubrik → Aktuelles & Termine


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

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