STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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„Was keiner geglaubt haben wird, was keiner gewusst haben konnte, was keiner geahnt haben durfte, das wird dann wieder das gewesen sein was keiner gewollt haben wollte.“ (Erich Fried)

Aktuelles & Termine

Auf dieser Seite veröffentlichen wir 'Aktuelles' rund um das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

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+ + Nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen ist im Mai 2019 geplant.
Ab sofort können weitere Patenschaften übernommen werden. + +

+ + + Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen + + +

+ + + Buchprojekt Stolperstein-Geschchten Gelsenkirchen sucht Sponsoren. + + +

 


Lynchjustiz an Bomberpilot: "Der soll nicht lebend ankommen"  

Avro Lancaster lost over Gelsenkirchen, hit by Flak

Lynchjustiz durch NS-Funktionsträger oder ein- zelne Volksgenossen an abgestürzten bzw. ab- geschossenen Besatzungen alliierter Bomber war in Nazi-Deutschland in den letzten beiden Kriegsjahren weit verbreitet, so auch in Gelsen- kirchen. Kurz vor dem Ende des Zweiten Welt- krieges überlebte ein Pilot den Abschuss seines Flugzeuges über Gelsenkirchen, wurde jedoch anschließend Opfer brutaler Misshandlungen durch NS-Schergen.

Am 27. Februar 1945 stürzte gegen 14:30 Uhr über Gelsenkirchen ein englischer Lancaster-Bomber nach Flakbeschuss ab. Laut der Aus- sage des Zeugen Heinrich Langer im Jahr 1946: "(...) auf dem Zechengelände der Zeche Ewald 3/4 Buer Resse, Nord-Östlich der Bahngleise, nahe bei den beiden Wasserkühlern. (...)." Der Pilot, der mit dem Fallschirm abgesprungen war, wurde festge- nommen und sollte dem Fliegerhorst Buer zugeführt werden. Laut der Aussage des Zeugen Albert Meier soll es sich um den Piloten gehandelt haben. Es wurde ganz im Sinne des so genannten "Flie- gerbefehls" Albert Hoffmanns befohlen, den Festgenommenen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß zum Fliegerhorst Buer zu bringen, damit "er dort nicht lebend ankommt". So wurde der Flieger durch die Straßen Richtung Fliegerhorst Buer geprügelt, kurz darauf starb dieser an den Folgen der erlittenen brutalen Misshandlungen.

Die Indentität des Piloten konnte erst viele Jahrzehnte nach dem Prozess geklärt werden, es handelt sich um den 22jährigen Flight Lieutenant (F/L) Norman Coatner Cowley, Angehöriger der Royal Air Force (RAF), 186 Squadron. Cowley stammt aus Boston ( Lincolnshire) an der Ostküste Englands. Nun werden zunächst Angehörige gesucht, denn schon bald soll in Gelsenkirchen ein Stolperstein an Norman Coatner Cowley erinnern. Info: info(ätt)stolpersteine-gelsenkirchen.de


Bomber pilot victim of lynch law: „he will not arrive alive“  

Avro Lancaster lost over Gelsenkirchen, hit by Flak

During the last two years of World War II lynch law practised by NS officials or some individual „Volksgenossen“ (fellow citizens following the Nazi regime) against shot-down or crashed allied pilots was quite common in Nazi-Germany, also in Gelsenkirchen. Shortly before the end of World War II a pilot having survived the shooting down of his aircraft above the city of Gelsenkirchen, be- came a victim of lethal battering by NS henchmen.

On 27th February, 1945 against 2.30 h p.m. a British Lancaster bomberpilot got under heavy Flak fire and was finally shot down. According to Heinrich Langer who witnessed the scene on the premises of the coal pit EWALD 3/4 in Gelsenkir- chen-Buer-Resse, north-easterly of the traintracks adjacent to the two water coolers gave evidence in 1946:“ The pilot who parachuted down was seized and was supposed to be delivered to the airbase of Buer. According to the witness Albert Meier it was the pilot himself who got caught. Strictly according to the command („Fliegerbefehl“) of Albert Hoffmann it was ordered NOT to take the arrestee to the airbase by car but he should walk on foot „so that he will not arrive there alive“. So the airman was chased and beaten through the streets in the direction of the airbase, and succumbed to his injuries shortly after.

LOOKING FOR NEXT OF KIN/RELATIVES

It took many decades following the process to find the final proof of identity of the victim: Mr. Flight Lieutenant (F/L) NORMAN COATNER COWLEY, member of the Royal Air Force (RAF), 186 Squadron. Cowley originates from Boston (Lincolnshire) at the East coast of England. Now we are seeking relatives, as in due course a so-called „Stolperstein“ (stone of remembrance) will be installed in Gelsenkirchen in memory of Norman Coatner Cowley. Info: info(ätt)stolpersteine-gelsenkirchen.de


Nachruf auf Lore Buchheim  

Nachruf auf Lore Buchheim

Hannelore 'Lore' Grünberg, verheiratete Buch- heim, geboren am 9. März 1925 in Gelsenkir- chen, war die ältere von zwei Töchtern des Ehe- paars Grüneberg. Ihr Vater, der Metzgermeister Paul Grüneberg erkannte trotz antisemitischer Verfolgung in den 1930er Jahren kurz nach der Machtübergabe nicht die dringende Notwendig- keit, Deutschland möglichst bald zu verlassen. Auch eine Gelegenheit für eine Flucht der Töch- ter aus Nazi-Deutschland nutzte die Familie nicht. Paul Grüneberg kämpfte um seine Rech- te, erlebte dabei jedoch die stetige Verschärfung der Diskriminierungen, Verfolgung und Ausgren- zung jüdischer Menschen. Der Familie Grüne- berg wurde - staatlich legitimiert - das Geschäft geraubt ("Arisierung"), 1941 musste die Familie in ein so genanntes "Judenhaus" an der Schal- ker Strasse 49 ziehen.

Mit dem größeren Teil der Gelsenkirchener Ju- den wurde auch die vierköpfige Familie Grüne- berg am 27. Januar 1942 in das Ghetto Riga deportiert. Die Familie überlebte das Ghetto, wurde vor der heranrückenden Roten Armee von den Nazis in das KZ Stutthof verschleppt. In Stutthof wurden Paul Grüneberg, seine Frau Helene und Tochter Hella ermordet. Als einzige ihrer Familie, die bereits beim Abtransport von Riga getrennt worden war, überlebte Hannelore Grüneberg auch das KZ Stutthof.

Hannelore Grüneberg wurde von der Roten Armee am 9. März 1945 bei einem der berüchtigten Todes- märsche befreit. Danach kehrte sie im Juli 1945 für einige Monate nach Gelsenkirchen zurück. Von dort zog sie im Dezember 1946 nach Hamburg, um eine Ausbildung als Krankenschwester zu absolvieren. Schließlich wollte sie aber doch nicht mehr in Deutschland bleiben, wo ihre Familie verfolgt worden war und wo sie keine Verwandten mehr hatte. 1948 wanderte sie zu Verwandten nach Bolivien aus. Nach einem Aufenthalt in Chile, der Rückkehr nach Bolivien und der Heirat in Bolivien ging sie 1953 in die USA, wo sie eine eigene Bäckerei mit zwei Geschäften aufbaute. Das Ehepaar Buchheim hatte zwei Töchter, Hella Buchheim-Block und Paulette Buchheim. Nach dem Tod ihres Mannes Fred lebte Lore Buchheim in Boca Raton, Florida/USA, wo sie am 20. April 2017 im Alter von 92 Jahren starb.

An Lore Buchheims Eltern Paul und Helene und ihre Schwester Hella erinnern seit 2010 vor dem Haus Hauptstraße 16 in Gelsenkirchen drei Stolpersteine. Nun soll im Rahmen einer Nachverlegung ein Stol- perstein für Lore Buchheim hinzukommen - dafür wird zur Finanzierung ein(e) Pate/Patin gesucht. Info: info(ätt)stolpersteine-gelsenkirchen.de


Stolpersteine: Vergangenheit wird mit Gegenwart konfrontiert 

An vier weiteren Orten wird in Gelsenkirchen seit gestern Vergangenheit mit Gegenwart konfrontiert. Bildhauer Gunter Demnig verlegte am Mittwoch (23.5.) im Rahmen seines europaweiten Erinnerungs- projektes Stolpersteine zwölf weitere der kleinen Denkmale im Stadtgebiet. Damit wächst die die Anzahl der im öffentlichen Raum Gelsenkirchens verlegten Stolpersteine auf 198 an. Weitere sollen nach den Plänen der Gelsenkirchener Stolpersteininitiative im nächsten Jahr folgen.

Ein Stolperstein erinnert in Gelsenkirchen-Horst nun an Lothar Keiner

In der Regel werden die Stolpersteine vor dem letzten, selbstgewählten Wohnort der von den Nazis zwischen 1933-1945 verfolgten und in den allermeisten Fällen ermordeten Menschen ver- legt. Das Haus an der Koststraße 13, in dem Lothar Keiner zuletzt wohnte, existiert jedoch nicht mehr. Einge Meter weiter, vor einem Ver- waltungsgebäude der BP Gelsenkirchen GmbH (Im NS Hydrierwerk der Gelsenberg Bezin AG) hat der Stolperstein für Lothar Keiner seinen Platz gefunden. Im Gelsenkirchen ist es nach den Stolpersteinen zur Würdigung und Erinne- rung von Arthur Herrmann (Verlegung 2012) und Ernst Papies (2015) und Josef Wesener (2016) der vierte Stein für einen Menschen, der als homo- sexueller Mann stigmatisiert wurde. Lothar Keiner wurde am 27. November 1942 im KZ Neuengamme bei Hamburg ermordet.

Die zweite Station an diesem denkwürdigen Tag führte die Initiatoren zum Heinrichplatz 1. Hier lebte die Familie Siegfried Rosenbaum. Selma Rosenbaum starb nach langer schwerer Krankheit 1941 im Gelsen- kirchener Marienhospital, ihre Mutter Esther Lippers, die ebenfalls in dem Haus wohnte, wurde im Ghetto Theresienstadt ermordet. Siegfried und seine beiden Kinder Ilse und Werner wurden in das Ghetto Warschau deportiert, danach verlieren sich ihre Lebensspuren.

Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen-Bulmke nun an Familie Siegfried Rosenbaum und Esther Lippers

Die Patenschaften für diese Stolpersteine hat Klaus Brandt übernommen. Er war es auch, der uns auf die Menschen aufmerksam gemacht hat, die aus dem Haus Heinrichplatz 1 in Bulmke von deutschen Faschisten in den Tod verschleppt wurden. Die Kulturwissenschaftlerin Dora Os- borne über Gunter Demnigs Kunstprojekt gegen das Vergessen: "Die Verlegung der Stolperstei- ne ist ein Akt des Archivierens, des Archivierens der Geschichte, die zumeist nur noch aus Asche und Staub besteht. Die Biografien der Menschen wären niemals recherchiert worden und somit für immer verloren gewesen."

Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen-Resse nun an das Ehepaar Otto und Paula Lieber

In Resse wurden an der Ewaldstraße 29 zwei Stolpersteine im Gedenken an das von dort vertreibene Ehepaar Otto und Paula Lieber verlegt. Das Ehepaar gehörte ebenfalls zu den "Ver- schwundenen" - Menschen, die während der Herrschaft des NS-Gewaltregimes plötzlich von einem auf dem anderen Tag aus dem nachbar- schaftlichen Umfeld verschwanden. Liebers konnten ihr nacktes Leben retten, ihnen gelang die rechtzeitige Flucht nach England. Auch an diesem Ort sorgten die begleitenden Polizeibe- amten für einen ungestörten Ablauf.

Gleich fünfzehn Nachfahren der Familie Löwenstein waren aus den USA, Niederlanden und München angereist, um in Gelsenkirchen-Buer an der Verlegung von Stolpersteinen für ihre Vorfahren teilzuneh- men. Dichtgedrängt standen die Menschen auf dem Bürgersteig vor dem Haus Horster Straße 17, das einst dem Kaufmann David Löwenstein gehörte, bevor ein Arisierungsgewinnler 1939 neuer "Eigentü- mer" wurde. Am Seitenflügel des Hauses in der Maloestraße prangt an den Fenstern noch sein Nach- nahme. Hatten die Eltern Löwenstein zunächst nur die beiden Söhne in das rettende Ausland schicken können, folgten sie jedoch 1941 - buchstäblich in allerletzter Minute.

Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen-Buer nun an Familie David Löwenstein

Vor dem Eingang des Hauses erinnern nunmehr vier Stolpersteine an Verfolgung und Vertreibung der Familie Löwenstein. "Für uns hat dieser Tag eine große Bedeutung, wir feiern heute letztlich unser Leben." sagte Miriam Zimmermann, Toch- ter von Dr. Werner Löwenstein, und weiter: "Ge- meinsam mit meinem Vater habe ich Gelsenkir- chen in der Vergangenheit besucht, Vater begab sich mit mir auf Spurensuche, zeigte mir Orte seiner Kindheit und Jugend. Wir standen eben- falls vor diesem Haus, Vater hat sich jedoch ge- weigert, es jemals wieder zu betreten".

Stolpersteine erinnern in  Gelsenkirchen-Buer an Familie David Löwenstein

Ihren Abschluß fand die Verlegung auch in Buer an der Horster Straße mit jüdischen Gebeten. Der aus- gebildete Opernsänger und freie Kantor Juri Zemski sang das El male Rachamim. Ein Kaddisch, das Gebet zum Totengedenken, wurde von den Nachfahren der Familie Löwenstein gesprochen.

Alle am Projekt "Stolpersteine" direkt oder indirekt Beteiligten tragen ihren Teil dazu bei, der Erinnerung an Menschen, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung geworden sind, den Platz zu geben, der ihr zusteht: in der Mitte der Gesellschaft. Die Projektgruppe "Stolpersteine Gelsenkirchen" des gemein- nützigen Vereins Gelsenzentrum bedankt sich auch auf diesem Wege bei diesen Menschen, die auf vielfältige Art und Weise die Recherchen, Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen unterstützt und damit erst möglich gemacht haben.


Todesmarsch von Gelsenkirchen-Buer - Initiative plant Stolperschwelle 

Stolperschwelle soll an ermordete Zwangsarbeiter erinnern

Abb.: Blumen erinnern am damaligen Tatort an die vor 73 Jahren ermordeten Menschen. Am Sonntag fand ein Gedenkgang auf den Spuren ermordeter Zwangsarbeiter in Gelsenkirchen-Buer statt. Der Todesmarsch führte 1945 vom Polizeipräsidium Buer über die Goldbergstraße in den Westerholter Wald.

Die Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative will die Verlegung einer Stolperschwelle vor dem Polizeipräsidium in Buer durch Bildhauer Gunter Demnig in die Wege leiten. Von dort wurden am Karfreitag 1945 wurden kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Gelsenkirchen-Buer 25 russi- sche Mädchen und Männern im Alter von 19 bis 25 Jahren in den frühen Morgenstunden von Gestapo und Kripo aus dem Polizeigefängnis Buer geholt, barfuß über die Goldbergstraße in den Westerholter Wald getrieben und dort durch Genickschuß ermordet. Da die Kosten für eine Stolperschwelle um ein vielfaches höher sind als für einen Stolperstein, bitten wir um Spenden auf das Konto Stolpersteine Gelsenkirchen, IBAN: DE79 4205 0001 0132 0159 27, Stichwort "Stolperschwelle".


Stolperstein-Geschichten: Buchprojekt sucht Sponsoren - Gastbeiträge willkommen 

Stolperstein-Geschichten Gelsenkirchen

Abb.: Ein erster Umschlagentwurf für das geplante Buch „Stolperstein-Geschichten Gelsenkirchen“.

Die Arbeit am Buchprojekt hat Fahrt aufgenom- men. Der Weimarer Eckhaus-Verlag druckt in einer Editionsreihe regional Biografien von NS-Opfern vor allem für den Schulgebrauch. Das Gelsenkirchener Stolperstein-Buch soll im näch- sten Jahr erscheinen. Zur Finanzierung des Pro- jektes rufen wir zu Spenden auf. Auf Wunsch kann eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden. Die Bankverbindung lautet: Stolper- steine Gelsenkirchen, IBAN: DE79 4205 0001 0132 0159 27. Als Verwendungszweck bitte angeben: "Buchprojekt". Mehr erfahren

Gastbeiträge willkommen

Das Buchprojekt bietet auch Stolperstein-Paten die Gelegenheit, einen Text bzw. Beitrag im Rahmen der übernommen Patenschaft zu verfassen. Sen- den sie ihren Beitrag per Mail bis zum 15. Juli 2018: Andreas Jordan (Projektleitung Stolpersteine Gel- senkirchen) (info(ätt)stolpersteine-gelsenkirchen.de) Aus den eingesandten Texten wird eine Auswahl von Beiträgen getroffen, die dann im Buch erscheinen.

Der Eckhaus-Verlag teilt uns jüngst mit: „Es ist vorgesehen“, schreibt der OB, der unser Vorhaben aus- drücklich begrüßt, „die Bücher in die Präsenzbibliothek der Dokumentationsstelle Gelsenkirchen im Nationalsozialismus aufzunehmen.“ Der Förderverein für Stadt- und Verwaltungsgeschichte hat bereits 90 Exemplare geordert, lässt uns Herr Baranowski wissen.


UPDATE: Was hat diese alte Vitrine mit Gelsenkirchen zu tun? (II)  

Vitrine aus ehemals jüdischem Eigentum

Abb.: Heute steht diese Vitrine aus dem Besitz einer jüdischen Familie aus Gelsenkirchen in einer Wohnung in Braunschweig.

Anneliese Scheibner geb. Schott ist heute 91 Jahre alt. Als 14jähriges Mädchen lebte sie mit ihrem Vater, dem Gesenkschmiedemeister Emil Schott und ihrer Mutter 1939/40 rund ein Jahr an der Bergmannstraße 43. In dem Haus lebten zu dieser Zeit zwei jüdische Familien, beiden stand der Zwangsumzug in eines der so genannten "Judenhäuser" Gelsenkirchens bevor, in diesem Fall in das Nebenhaus Bergmannstr. 41. Eine dieser somit freiwerdenden Wohnungen bezog Emil Schott im März 1939 mit Frau und Tochter.

In der Familie Schott/Scheibner wurde jahrzehn- telang folgende Schilderung überliefert: "Emil Schott war allein bei der Wohnungsübergabe und hatte dabei mit der jüdischen Familie ge- sprochen und dabei auch einige Möbelstücke der Familie 'abgekauft': einen großen Schrank, eine Vitrine und einen Tisch mit 6 Stühlen. Es gibt nur noch die Vitrine und die hat heute ein Familienmitglied in seinem Haus. Die Juden seien dann später einfach "ausgreist". So habe es ihre Mutter immer erzählt, schildert Uta Mey- höfer, die Tochter von Anneliese Scheibner.

Zunächst wollten sie anonym bleiben, nun ha- ben sich Mutter und Tochter dazu entschlossen, dass ihre Familienamen veröffentlicht werden sollen. Auch ein → Brief, den Anneliese Scheibner im Februar diesen Jahres an uns gerichtet hat, soll nun- mehr einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nicht zuletzt deshalb, damit Licht in die dunkle Familienvergangenheit kommt und großes Unrecht nicht dem Vergessen anheim fällt.

Wie bereits im ersten → Artikel geschildert, sollen bald Stolpersteine für die beiden jüdischen Familien Moritz Heymann und Moritz Löwenstein vor dem Haus Bergmannstraße 43 verlegt werden. Die Paten- schaft für vier Stolpersteine hat Uta Meyhöfer übernommen.


Stolpersteinverlegung 2018: Denkanstöße für den Alltag 

Stolpersteine Gelsenkirchen: Verlegung weiterer Stolpersteine am 23. Mai 2018

Abb.: Diese Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen seit 2012 vor dem Haus Kirchstrasse 65 an Familie Benjamin Spiegel

Mit Gunter Demnigs Stolpersteinen, die am letzten frei gewählten Wohnort von Opfern der Nazidiktatur verlegt werden – und das sind bei weitem nicht nur jüdische Mitbürger, sondern auch Sinti und Roma, politisch Andersdenkende, Homosexuelle, kritische Christen, Zeugen Jeho- vas und Personen mit psychischen oder physi- schen Erkrankungen – gedenken wir dauerhaft Menschen, die früher hier gelebt haben und wegen ihren Auffassungen, ihren Neigungen, Veranlagungen und Erkrankungen verfolgt, gequält und getötet wurden. Einbezogen werden dabei auch Menschen, denen die Flucht gelang und jene, die als letzte autonome Handlung ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Die kleinen Denkmale sollen nicht zuletzt auch darauf aufmerksam machen, wozu Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und Dehumanisierung letztendlich führen können.

Zur Teilnahme an den Verlegungen am 23. Mai 2018 sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich eingeladen. An 4 Orten in Gelsenkirchen wird Gunter Demnig 12 weitere Stolpersteine in das Pflaster Gelsenkirchener Gehwege einsetzen:

Stolperstein → Lothar Keiner 9.00 Uhr, Koststraße 13

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein → Familie Siegfried Rosenbaum 9.30 Uhr, Heinrichplatz 1

Stolperstein → Esther Lippers 9.30 Uhr, Heinrichplatz 1

Stolperstein Stolperstein → Ehepaar Otto u. Paula Lieber 10.00 Uhr, Ewaldstraße 29

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein → Familie David Löwenstein 10.30 Uhr, Horster Straße 17

Wir weisen darauf hin, dass im zeitlichen Ablauf der Verlegeaktionen Verschiebungen möglich sind, planen Sie bitte jeweils ein Zeitfenster von +/- 15 Min. zu den genannten Uhrzeiten ein.


Kurt Rosendahl - Zeitzeugenbericht in der AHS 

Der Zeitzeuge und Holocaustüberlebende aus Gelsenkirchen berichtet in einer Schulklasse* über seine Deportation ins Ghetto nach Riga. Kurt Rosendahl Jahrgang 1928 kam kurze Zeit später ins Lager Kai- serwald bei Riga. Nach dessen Schließung wurde der jüdische Teenager dann über Stutthof (Bei Dan- zig) in das KZ Buchenwald (bei Weimar) und dort in das berüchtigte "Kleine Lager" verbracht. Es war als der "Sterbeort" bekannt denn dort waren primär die Kranken und Sterbenden einquartiert. Bei der Be- freiung durch die US Armee unter General George S. Patton war Rosendahl 16 Jahre alt. Heute lebt Kurt Rosendahl in Karlsruhe. * Der Zeitzeugenbericht wurde 03/2017 in der G9 der Aloys-Henhöfer-Schule in Pfinztal (Kleinsteinbach) aufgenommen.


"Ich lebe auf geborgte Zeit" - Zum Tod von Israel Yaoz 

Israel Yaoz, geboren als Isarel Häusler 1928 in Gelsenkirchen, starb am 16. März 2018 in Israel

Abb.: Israel Yaoz (früher Häusler), 1928 in Gelsenkirchen gebo- ren, starb am 16. März 2018 in seiner Wahlheimat Israel

Als Israel Häusler am 14. November 1928 in Gelsenkirchen geboren, war er der einzige Überlebende seiner Familie. Vater Markus, Mutter Sima und die Geschwister Recha, Esther, Meier und Mali und weitere Angehörige wurden von den Nazis ermordet. Am 15. April 1945 wurde er von britischen Soldaten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. In Israel baute er sich dann ein neues Leben auf, gründete eine Fa- milie. 2001 besuchte er letztmals seine Geburts- stadt Gelsenkirchen. Gemeinsam mit ihm haben wir in den letzten zwei Jahren die Verlegung von Stolpersteinen für seine ermordeten Angehöri- gen in Gelsenkirchen geplant. Wir werden seine Botschaft weitertragen und ihre Namen dorthin zurückbringen, wo diese von den Nazis ermor- deten Menschen einst gelebt haben - vor die Türen ihrer Häuser.

Ein außergewöhnlicher Brückenbauer - Nachruf auf Israel Yaoz

An die Brüder Sacher und Markus Häusler und deren Familien sollen schon seit längerem insgesamt 14 Stolpersteine verlegt werden. Eine erste Patenschaft für Israel Yaoz (Früher Israel Häusler) ist jetzt übernommen worden. Zur Finanzierung der übrigen Stolpersteine rufen wir zu Spenden auf. (Verwen- dungszweck: Stolpersteine Häusler) Auf Wunsch stellen wir eine Spendenbescheinigung aus. Unsere Bankverbindung und weitere Infos zur Übernahme von Patenschaften finden sie → hier.


Vor 75 Jahren: Deportation Gelsenkirchener Sinti und Roma nach Auschwitz 

Virtuelle Gedenktafel erinnert an Gelsenkirchener Sinti und Roma

Abb.: Virtuelle Gedenktafel erinnert an Gelsenkirchener Sinti und Roma

Porajmos, so wird der Völkermord der Nazis an Sinti und Roma genannt. Am 9. März jährt sich zum 75. Mal die Deportation der Gelsenkirche- ner Sinti und Roma 1943 in das Konzentra- tions- und Vernichtunglager Auschwitz.

83 Verfolgte jeden Alters wurden von Gelsen- kirchen nach Auschwitz verschleppt, nur drei von ihnen erlebten ihre Befreiung. Ein öffent- liches Erinnerungszeichen für deportierte und ermordete Sinti sucht man in Gelsenkirchen (noch immer) vergeblich. Anlässlich des 75. Jahrestages der Verschleppung Gelsenkirche- ner Sinti nach Auschwitz haben wir eine virtuelle Gedenktafel online gestellt. Nichts und niemand ist vergessen. Gedenktafel lesen: "Eure Leiden, Euer Schmerz sind die Narben im Fleisch der Welt"


Wanderausstellung: "Warum schreibst du mir nicht" 

Wolfgang und Thea

Abb.: Wolfgang und Thea

Die niederländisch-deutsche Wanderausstellung "Warum schreibst Du mir nicht" beschäftigt sich mit dem Leben von fünf Menschen in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs. Einer davon ist Wolfgang Maas aus Gelsenkirchen.

Der jüdische Junge Wolfgang Maas und seine Familie leben in Gelsenkirchen, Deutschland. Wolfgang ist 16 Jahre alt, als er 1936 aus Nazi-Deutschland flüchtet. Er landet in den Nieder- landen, in Winterswijk, wo er durch die Jüdische Gemeinde aufgefangen wird und eine Ausbil- dung machen kann. Wolfgang verliebt sich heftig in Thea Windmuller. Inzwischen ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Jetzt brechen auch in den Niederlanden schwere Zeiten für die Juden an. Wolfgang und Thea tauchen unter, fern von- einander. Von diesem Zeitpunkt an besteht ihr Leben nur noch aus der letzlich erfolglosen Flucht vor den Nazis. Beide werden in das Ver- nichtungslager Auschwitz verschleppt. Thea wird am 28. Januar in Auschwitz 1944 vergast, Wolfgangs "Entlassung" aus der Krankenba- racke von Auschwitz-Monowitz/Buna, doku- mentiert von der Bürokratie einer monströsen Mordmaschinerie ist seine letzte Lebensspur. Die Verlegung von Stolpersteinen im Gedenken an Wolfgang Maas und seine Familie am letzten selbstgewählten Wohnort in Gelsenkirchen ist in Planung. Mehr erfahren: Die Geschichte von Wolfgang Maas und Thea Windmuller


Was hat diese alte Vitrine mit Gelsenkirchen zu tun? (I) 

Vitrine aus ehemals jüdischem Eigentum

Abb.: Heute steht diese Vitrine aus ehemals jüdischem Eigen- tum in einer Wohnung in Braunschweig.

Der Anruf aus Hamburg kam eines Morgens im Januar. Es gehe um eine sich noch heute im Familienbesitz befindliche alte Vitrine, die ur- sprünglich aus Gelsenkirchen stammt. Der An- ruferin fiel es nicht leicht, den Einstieg in das Gespräch zu finden. Deutlich war aus ihrer Stim- me herauszuhören, das sie emotional sehr auf- gewühlt war.

Ihr Opa, von Beruf Gesenkschmiedemeister, sollte 1939 in Gelsenkirchen eine neue Arbeits- stelle antreten und war zunächst allein nach Gelsenkirchen gereist, um eine Wohnung für die Familie vorzubereiten. Die Wohnung, die er dann fand, wurde noch von einer jüdischen Familie bewohnt, die jedoch "im Auszug" begrif- fen war. So kaufte der Opa nach seiner Darstel- lung bei der Wohnungsübergabe der Familie einige Möbelstücke ab, darunter einen großen Schrank, ein Tisch mit sechs Stühlen und eben diese Vitrine. Den aus ihren Wohnungen vertrie- benen Menschen war bekannt, das sie fortan unter beengten Verhältnissen leben müssen und das sie daher einen Teil ihrer Einrichtung nicht mitnehmen können.

In der Familie der Anruferin war bekannt, das diese Vitrine aus ehemals jüdischem Eigentum stammt. Die Anruferin beschrieb es so: "Nach den Erzählungen meiner Mutter hörte es sich über die Jahrzehnte immer so an, als ob die jüdische Familie einfach ausgereist sei und das bis zum heutigen Tag. Meine 91-jährige Mutter, deren Kopf sehr klar ist, sagte mir heute, dass sie die Hausnummer nicht mehr weiß, dass es aber wohl die Bergmannstrasse gewesen sei. Sie konnte ihr Zuhause leicht zu Fuß von der Rhein-Elbe-Schule aus, die sie zu dieser Zeit besuchte erreichen und man konnte von der Wohnung aus sehr schön auf den Fußballplatz des Vereins Gelsenguß schauen. Es war das Jahr, indem Schalke Meister oder so wurde und das Jahr des Anfang des Krieges."

Bergmannstrasse und Rhein-Elbe-Schule in Gelsenkirchen

Abb.: Bergmannstraße und Rhein-Elbe-Schule in Gelsenkirchen

Die Dame am Telefon sagte weiter, das sie seit ihrer Jugend nicht an die Geschichte der "ein- fachen Ausreise" geglaubt habe und nun endlich Klarheit über die Lebenswege dieser Familie haben will und Stolpersteine zur Erinnerung stiften möchte. Also begann ich zu recher- chieren. Adressbücher, Datenbanken, altes Kartenmaterial wurden gesichtet, schon bald stand fest, es kann sich nur um die Häuser Bergmannstr. 41 u. 43 gehandelt haben. Dort haben um 1939 jüdische Familien gewohnt, von dort hatte man den beschriebenen Blick auf einen Sportplatz.

Das Haus Bergmannstr. 41 aus dem Eigentum des jüdischen Malermeisters Hartog Heymann wurde 1939 zum so genannten "Judenhaus" deklariert. In dieses "Judenhaus" wurden 1939 auch jüdische Bewohner des Hauses Berg- mannstr. 43 zwangsweise einquartiert, die Fami- lien Moritz Heymann und Moritz Löwenstein. Einige Tage später erhielt ich Antwort auf die zwischenzeitlich an das Institut für Stadtge- schichte gerichtete Frage, wo der Opa der Anru- ferin auf der Bergmannstraße gewohnt hat: Laut Einwohnermelderegister "vom 25.3.1939 bis zum 29.11.1939 an der Bergmannstraße 43" teilte Stefan Goch vom ISG mit. Somit war offensichtlich, das die Vitrine nur aus dem Besitz dieser beiden Familien stammen konnte. Von wem genau lässt sich wohl nicht mehr klären. Was mit den 1939 aus ihren Wohnungen an der Bergmannstr. 43 vertriebenen jüdischen Männern und Frauen weiter geschah, ist weithin aufgeklärt: Beide Familien wurden am 31. März 1942 in das Ghetto Warschau deportiert, seither fehlt jedes Lebenszeichen von ihnen. Von einer "einfachen Ausreise" kann nun nicht mehr die Rede sein. Im nächsten Jahr sollen Stolpersteine im Gedenken an die Familien Moritz Heymann und Moritz Löwenstein vor dem Haus an der Bergmannstraße 43 verlegt werden.


Familie Leopold Plaut: Flucht aus Nazi-Deutschland gelang mit falschen Papieren  

Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1934: Cleffmann, D. Nachf. Inh. Grete Plaut, Putz-, Mode-, u. Pelzwaren, Bochumer Straße 23

Abb.: Ein altes Foto führte auf die Lebensspuren der Familie Leopold Plaut aus Gelsenkirchen

Ein altes Foto aus einem Nachlass, wie es un- zählige gibt. Bekannt war uns bisher nur, das um 1925/35 in Gelsenkirchen aufgenommen worden ist. Bekannt war auch, das es aus dem Nachlass eines jüdischen Bürgers stammt, der rechtzeitg vor den Nazis aus Gelsenkirchen fliehen konnte: Heinz Katzenstein. Die Recherche in alten Gel- senkirchener Adressbüchern brachte des Rätsels Lösung, in der 1934er Ausgabe fand sich der entscheidene Hinweis auf Familie Plaut.

Leopold Plaut und seine Frau Helene (Beide Jahrgang 1887) hatten zwei Kinder, den am 14 April 1915 geborenen Hans (später Juan) und die am 15. Juni 1921 in Gelsenkirchen geborene Grete. Im so genannten "Dritten Reich" beteiligte sich Hans Plaut aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In einem Verfahren des Oberlandesgerichts Hamm gegen die trotzkis- tische Widerstandsgruppe aus Gelsenkirchen wurde er wegen Vorbereitung zum Hochverrat am 24. Juli 1936 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein Kontakt zum Ausland wirkte straf- verschärfend auf das Urteil der NS-Richter. Während seiner Haft bemühte sich die Familie um Ausreisepapiere, was aber offensichtlich auf Schwierigkeiten stieß.

Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1934: Cleffmann, D. Nachf. Inh. Grete Plaut, Putz-, Mode-, u. Pelzwaren, Bochumer Straße 23

Abb.: Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1934: Cleffmann, D. Nachf. Inh. Grete Plaut, Putz-, Mode-, u. Pelzwaren, Bochumer Straße 23

Nach der Haftverbüßung gelang Hans Plaut, seinen Eltern und seiner Schwester 1939 mit gefälschten Papieren die Flucht auf ein Emigrantenschiff mit dem Ziel Lateinamerika. Mit Hilfe des Kapitäns und der jüdischen Gemeinde Caracas konnte die Familie Plaut in Venezuela einreisen und sich hier eine neue Existenz aufbauen. Hans Juan Plaut starb am 22. Februar 1978 in New York, seine Schwester Grete Olschki, geborene Plaut, verheiratete Nussbaum starb am 7. Dezember 2002 in Cara- cas, Venezuela. An Familie Leopold Plaut sollen an der Bochumer Str. 23 schon bald Stolpersteine erinnern, hierfür suchen wir zur Finanzierung der kleinen Denkmale noch Stolpersteinpat*innen bzw. Spender*innen.


27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag  

27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und ande- ren Verfolgten. Auschwitz ist Ausdruck des Ras- senwahns und das Kainsmal der deutschen Ge- schichte. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im üb- lichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versiche- rung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschis- mus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. In Gelsenkirchen ist der 27. Januar ein zweifacher Gedenktag: Es wird der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 gedacht, außerdem der Deportation jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga, die am 27. Januar 1942 vom NS-Terrorregime mit Hilfe der örtlichen Stadt- verwaltung durchgeführt wurde.


Paten gesucht für weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen-Buer  

Grabstein Brüder Alpern auf dem Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf

Abb.: Grabstein der Brüder Alpern auf dem Friedhof in Gelsen- kirchen-Ückendorf. (Foto: M. Golenser)

Die Brüder Max und Aaron Alpern kehrten nach ihrer Befreiung aus der Hölle der Lager 1945 zurück nach Gelsenkirchen-Buer und bauten ihr Wäsche- und Textilhaus an der Hochstraße 30 wieder auf. Stolpersteine sollen schon bald an die Brüder Alpern erinnern.

Zudem sollen weitere Stolpersteine in ehrendem Andenken an Menschen, die Opfer national- sozialistischer Verfolgung wurden, schon bald in Buer verlegt werden. Dafür werden Stolperstein-Paten gesucht, die bereit sind, die Kosten zu übernehmen. Das können beispielsweise Einzel- personen, Schulklassen, Vereine oder ähnliche Einrichtungen sein. Ein Stolperstein kostet derzeit incl. Herstellung und Verlegung 120 Euro, auch Teilspenden sind willkommen.


Gelsenkirchen-Buer: Wer erinnert sich an Dr. Caro? 

Reisepass von Dr. Erich Caro, Gelsenkirchen 1939

Abb.: Ausschnitt aus dem Reisepass von Dr. Erich Caro, ausge- stellt am 8. Februar 1939 vom Polizeipräsidenten Recklinghau- sen, Polizeiamt Gelsenkirchen.

Auf Druck der Gestapo floh die Familie Caro schließlich am 9. Mai 1940 von Gelsenkirchen in die Niederlande, um sich von Rotterdam aus in die USA einzuschiffen. Die in Loosdrecht (NL) nur sporadisch durchgeführten Kontrollen haben eine Festnahme der Familie Caro bis 1945 ver- hindert, so dass Caros die Verfolgung, Depor- tation und Ermordung der Juden in Holland überlebten. Ende 1945 kehrte Dr. Caro nach Gelsenkirchen-Buer zurück und praktizierte hier auch wieder als Arzt. Seine Frau folgte im Januar 1946. Die Eheleute lebten bis in die 1970er Jahre in Buer, wie vor ihrer Flucht auf der Buer-Gladbecker Straße 12. Stolpersteine sollen an das Ehepaar und Sohn Klaus erinnern, es werden Stolperstein-Paten gesucht.

 

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Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

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