Es ist ja nicht nur ein alter Kleiderbügel...
 Mitte der Dreißiger Jahre: Die Schalker Straße in Gelsenkirchen. Rechts im Bild das Geschäft der Gebr. Goldblum
"Als ich am Dienstag den Artikel zur "Woche der Erinnerung" in der WAZ las, mußte ich sofort an den Kleiderbügel denken" sagt Anita Sontopski (87). "Deshalb habe ich sie angerufen. Seit meiner Hochzeit 1947 habe ich diesen Bügel aufgehoben. Nun will ich ihn in guten Händen wissen." Es ist ein einfacher, hölzerner Kleider-bügel, den uns die alte Dame da übergibt. Einer, wie man ihn unzählige Male findet. Doch dieser Kleiderbügel ist ein besonderer: "Gebr. Goldblum, Gelsenkirchen" steht in schwarzen Buchstaben darauf. Die Aufschrift zeugt von jüdischem Leben im Gelsenkirchen der NS-Zeit, zeugt von einer zerstörten jüdischen Existenz, von Entrechtung, Verfolgung und Enteignung.
Anita Sontopski erzählt: "Gebr. Goldblum, das waren zwei jüdische Brüder, die an der Schalker Straße, Ecke Grillostraße ein Geschäft hatten. Der eine Bruder war Herrenausstatter, der andere verkaufte Schuhe. Mein späterer Mann hat sich dort 1936 von Herrn Goldblum einen Anzug machen lassen, und zu diesem Anzug gab es damals diesen Kleiderbügel. Als mein Mann Soldat wurde, wanderte der Anzug nebst Bügel in einen Karton, der die Kriegszeit im Keller überdauerte. Erst 1947, zu unserer Hochzeit, wurde der Anzug wieder hervorgeholt. Seither bewahre ich diesen Kleiderbügel als besonderes Erinnerungsstück an die Familie Goldblum auf."
Auch die Kaufmannsfamilie Isidor Goldblum gehörte zu den frühen Unterstützern des FC Schalke 04. Bereits 1904 nach Gelsenkirchen gekommen, hatte das Ehepaar das bekannte Bekleidungsgeschäft in Schalke aufgebaut. Die Söhne des Ehepaars Isidor und Rosa Goldblum, geborene Katzenstein führten das Geschäft, bis sie 1935 und 1937 vor den Nazis in die USA flüchten konnten. Das Geschäft der Familie Goldblum "übernahm" ein "arischer" Deutscher. Den Eltern gelang erst nach der so genannten "Reichskristallnacht" im November 1938 mit der Tochter die Flucht in die USA.
"Ich kann mich gut an jüdische Geschäfte in Schalke erinnern, an Jampel, an Katzenstein, an das Kaufhaus am Schalker Markt, dass dann Szepan "übernahm", an die kleinen Geschäfte an der Gewerken-straße. Da gab es den Herrn Blitz, der war Jude. Als Hausierer ging er mit Bett- und Tischwäsche in Schalke von Tür zu Tür. Einmal ließ er meiner Mutter eine Tischdecke da, obwohl sie kein Geld hatte. Herr Blitz kam dann alle 10 Tage und holte den Kaufpreis in kleinen Raten ab. Auch der Herr Blitz war eines Tages plötzlich verschwunden" erinnert sich Frau Sontopski nachdenklich. "Dieser Kleiderbügel hat mich Zeit meines Lebens an das Unrecht erinnert, dass den jüdischen Menschen in Gelsenkirchen und anderswo angetan wurde. Wenn ich nicht mehr bin, soll er nicht einfach "entsorgt" werden. Es ist ja nicht nur ein alter Kleiderbügel" sagt uns Anita Sontopski zum Abschied.
Zum Leidensweg des Ehepaar Blitz fanden wir anschließend heraus: Der aus Galizien stammende Hermann Hersch Blitz wurde am 22. November 1939 in Gelsenkirchen verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingewiesen, wo er am 26. Januar 1940 ermordet wurde. Sein Leichnam wurde eingeäschert, eine Urne an seine Frau gegen Gebühr übersandt. Die Urne wurde auf dem jüdischen Friedhof in Ückendorf bestattet. Seine Frau Cilli wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga und weiter in das KZ Riga-Kaiserwald und von von dort in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt. Cilli Blitz wurde schließlich im KZ Stutthof ermordet.
Für das Ehepaar Hersch und Cilli Blitz können Stolperstein-Patenschaften übernommen werden! Info: Heike Jordan, Projektleiterin Stolpersteine Gelsenkirchen
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1. Dezember 2011:
Holocaust-Gedenktag 2012 - Woche der Erinnerung in Gelsenkirchen

Der Internationale Holocaust-Gedenktag, der am 27. Januar europaweit begangen wird, erinnert an alle Menschen, die Opfer des national-sozialistischen Rassen- und Größenwahns geworden sind. An diesem Tag wurden auch die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Allein in der Mordfabrik Auschwitz starben etwa 1,5 Millionen Menschen auf grausamste Weise. Auschwitz, der deutsche Name eines kleinen Ortes in Südpolen, ist weltweit zum Synonym für die Mordpolitik der Nazis geworden.
Gedenken zum 70. Jahrestag der Deportation nach Riga
Im Januar wird in Gelsenkirchen vom 20.-27. Januar 2012 eine "Woche der Erinnerung" zum Internationalen Holocaust-Gedenktag stattfinden. Die Gedenkwoche mahnt zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der so genannten "Wannseekonferenz" (20.1.) und den 70. Jahrestag des Deportations-transportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga (27.1.), nur die wenigsten der verschleppten Menschen überlebten. Die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine werden mit in die Gedenkveranstaltungen einbezogen - wie auch die im Rahmen des Projektes "Erinnerungsorte" aufgestellten Gedenktafeln, die an Verbrechen im so genannten "Dritten Reich" erinnern.
Zum Auftakt der "Woche der Erinnerung" zeigt der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum am 19. Januar 2012 im Kulturzentrum "die flora" in Gelsenkirchen den Film "Nacht und Nebel" von Alain Resnais. Hartmut Hering wird an diesem Abend einen einführenden Vortrag halten. Am 26. Januar wird ab 19 Uhr in der "flora" der Videomitschnitt eines zeitzeugenschaftlichen Vortrages von Rolf Abrahamsohn gezeigt.
Der 86jährige Überlebende des Holocaust spricht über seine Gewalterfahrungen in den KZ der Nazis. Titel des Films: "Alles weiß ich noch... und das ist das Schlimme an der Geschichte". mehr...
Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei. Es wird um eine Spende für das Projekt "Stolpersteine Gelsenkirchen - Gemeinsam gegen das Vergessen" gebeten.
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13. November 2011:
NS-Zeit: Juden im Umfeld des FC Schalke 04 - Stolpersteine sollen erinnern

Den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, sollen Stolpersteine gewidmet werden. Die ersten Gedenksteine werden im Herbst 2012 verlegt.
Die Projektgruppe Stolpersteine hat bereits Ende Januar 2011 beim Verein angefragt, ob man dort die Patenschaften für Stolpersteine übernehmen will, die den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04 gewidmet werden, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terror-regimes geworden sind. Ein erstes Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Vereins und Heike Jordan, der Projektleiterin der Stolper-steine Gelsenkirchen fand im Juni 2011 statt. Eine abschließende Antwort des FC Schalke 04 steht derzeit noch aus.
Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, "verabschiedete" der FC Schalke 04 ganz im Sinne der neuen Machthaber seinen 2. Vorsitzenden, den jüdischen Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün ebenso wie den Leiter des Presseauschusses, Franz Nathan und andere "nichtarische" Funktionsträger. 1935 wurden dann auch die letzten jüdischen Mitglieder und Spieler aus dem Verein ausgeschlossen, sofern sie ihn bis dahin nicht bereits "freiwillig" verlassen hatten. Leopold "Leo" Jacobs spielte in einer der Juniorenmannschaften des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.
Nur allzu bereitwillig ließen sich auch der FC Schalke und seine Spieler ab 1933 auf das Unrechtsregime ein und profitierten dadurch auf vielfältige Art und Weise von den sich daraus ergebenden Vorteilen. So "kaufte" Fritz Szepan im November 1938 das Kaufhaus Rhode & Schwarz in Gelsenkirchen-Schalke zu einem außerordentlich günstigen Preis. Die so genannte "Arisierung" fand Eingang in die Stadtchronik, unter dem 5. November 1938 heißt es dort: "Das bisherige jüdische Kaufhaus Julius Rode & Co. ist in arische Hände übergegangen. Es wird geführt von Fritz Szepan, dem Schalker Mittelstürmer, der ein Spezialgeschäft für Textilwaren in den Verkaufsräumen eingerichtet hat."
Die ehemaligen jüdischen Inhaber des Kaufhauses am Schalker Markt, Sally Meyer und Julie Lichtmann, zum Verkauf gezwungen, wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Der Schalker Spieler Hermann Koriath konnte das Haus Margaretenstrasse 6 aus dem Besitz des jüdischen Bauunter-nehmers Max Ferse günstig "erwerben". Max Ferse und seine Frau Antonie wurden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet.
Auch die frühen Förderer und Unterstützer des FC Schalke 04 jüdischer Herkunft waren der Diskrimi-nierung und Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. So wurden beispielsweise der Metzgermeister August Kahn zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenentzündung. Der Metzgermeister Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Die Recherchen zu den jüdischen Mitgliedern und Unterstützern Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander, die ebenfals mit dem FC Schalke 04 verbunden waren, sind noch nicht abgeschlossen.
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10. November 2011:
Erinnerung an die "Nacht der Schande"

Ihren Auftakt nahm die Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der so genannten "Reichskristallnacht" an einem der Erinnerungsorte in Gelsenkirchen - die Erinnerungsorte sind ein Projekt der "Demokratischen Initiative" - am Südeingang des Hauptbahnhofs. Hier erinnert eine Tafel an die in der NS-Zeit aus Gelsenkirchen verschleppten und zum überwiegenden Teil ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen.
Professor Dr. Stefan Goch vom Institut für Stadt-geschichte betonte in seiner Ansprache, dass man auch in Zukunft weitere "Erinnerungsorte" errichten werde. Die Route des anschließenden Marsches "Gegen Hass und Gewalt" der "Demokratischen Initiative" zum Gedenken an die Opfer der so genannten "Reichskristallnacht" sorgte bei einigen TeilnehmerInnen für Verwunderung. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Veranstalter mit der gewählten Marschroute den im Bereich der Gelsenkirchener Innenstadt verlegten Stolpersteinen, die dort an das Leben, die Verfolgung und die Ermordung jüdischer Menschen erinnern, ausweichen wollten.
Nach einem Halt an der Grasreiner/Klosterstraße, dort hielt Oberbürgermeister Baranowski eine Erinnerungsrede, ging es weiter zur Begegnungsstätte "Alter Betsaal" der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen an der Von-Der-Recke-Straße 9. Auch den vor dem gegenüberliegenden Haus verlegten Stolpersteinen, die an das von den Nazis ermordete jüdische Ehepaar Wollenberg erinnern, schenkte jedoch keiner der TeilnehmerInnen Beachtung. "Die Stolpersteine erinnern an Orte jüdischen Lebens, sie erinnern an Menschen, die Gewalt und Hass in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 miterleben mussten, an Menschen, die in den Jahren danach zu Opfern der bis ins letzte Detail durchgeplanten NS-Vernichtungsmaschinerie wurden. Das Verhalten der Verantwortlichen kann ich nicht nachvollziehen" sagte Heike Jordan, Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen.
Dagegen hatte Oberbürgermeister Baranowski noch in seiner Begrüßungsansprache am 1. August 2011 anlässlich der Stolpersteinverlegungen an der Bismarckstrasse gesagt: "(...) Wir wissen, dass das 'sich Erinnern' an die Opfer des Nationalsozialismus in Gelsenkirchen eine Tradition hat. Es ist Tradition, dass wir uns jedes Jahr versammeln zum Tag der "Reichsprogromnacht". Wir haben in dieser Stadt eine Geschichte, Orte der Erinnerung wach zu halten und wir erinnern uns durch Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus. (...)" Zitat Ende. Bereits im Vorfeld der Gedenkveranstaltung zum 9. November hatte die Stolpersteininitiative öffentlich ihr Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine nicht in die "offizielle" Veranstaltung der Stadt einbezogen werden. Auf die Frage nach dem "Warum" wollten am Abend weder Oberbürgermeister Baranowski in seiner Eigenschaft als Schirmherr der veranstaltenden "Demokratischen Initiative" noch Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, eine Antwort geben.
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2. November 2011:
9. November 2011 - Gedenken an die Pogrome in der "Reichskristallnacht"
 Abb.: Stolpersteine in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse
Am 9. November 2011 jährt sich zum 73. Mal die so genannte "Reichskristallnacht". Die Ereignisse in dieser Nacht markierten einen weiteren Höhepunkt der stetig zunehmenden Diskrimi-nierung der Juden im Alltag. Auch in Gelsen-kirchen brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November Synagogen und Geschäfte, waren Menschen jüdischer Herkunft brutaler Gewalt ausgesetzt, wurden erniedrigt, gedemütigt, vergewaltigt, verhaftet und verschleppt. Wie viele von ihnen später an den Folgen der erlittenen Misshandlungen oder den Haftfolgen starben, ist heute nicht mehr feststellbar.
In unserer Stadt erinnern 28 von 41 bisher verlegten Stolpersteinen an die Leidenswege und die Ermordung jüdischer Menschen durch das NS-Regime. "Jeder dieser 28 Stolpersteine erinnert an einen Menschen, der auch von den Angriffen gegen Leib und Leben in der Pogromnacht betroffen war. Wir hätten uns gewünscht, dass die Stolper-steine mit in die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Gelsenkirchen einbezogen worden wären, führt doch die Wegstrecke des von der "Demokratischen Initiative" geplanten Schweigegangs auch an einigen Stolpersteinen vorbei" so die Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen, und weiter: "Wir rufen Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger auf, an den im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen am Abend des 9. November Kerzen aufzustellen und zu entzünden".
Von den Gelsenkirchener Juden, die den 9. November 1938 miterleben mussten, haben die wenigsten den Holocaust überlebt. Die Leidenswege der hochbetagten Überlebenden der NS-Vernichtungsmaschinerie, die heute weltweit verstreut leben, sollen am 9. November im Mittelpunkt unseres Gedenkens stehen. "Die zum Leben Verurteilten sind die wahren Opfer des Holocaust. Die Toten sind schon zur Ruhe gekommen" sagte einst die Holocaust-Überlebende Batja Gurfinkel, "Der Schmerz wird mit den Jahren nicht weniger, eher stärker."
Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen vom 2. November 2011
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29. Oktober 2011:
Nur wenige Teilnehmer bei Gedenkveranstaltung
 Abb.: Nur wenige Menschen nutzten die Chance, den jüdischen Opfern des NS-Terrors ein ehrendes Andenken zu erweisen. Die Stolpersteine in der Kolpingstrasse erinnern an Fritz und Grete Goldschmidt, geb. Löwenstein und an Mathilde Wertheim, geb. Goldschmidt.
Die örtliche Stolperstein-Initiative erinnerte gestern Abend zum Abschluss der diesjährigen Stolperstein-Putzaktion in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse an die so genannte "Polenaktion" , einer großangelegten Ausweisungsaktion von so genannten "Ostjuden" aus dem deutschen Reichsgebiet, von der am 28. Oktober 1938 rund 17.000 Juden jeden Alters betroffen waren, daruter rund 80 Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen. Diese Ausweisungsaktion der Nazis war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.
Der heute in den USA lebende Herman Neudorf ist der einzige Gelsenkirchener Jude, der von der Ausweisungsaktion noch aus eigenem Erleben berichten kann. Seine Gedanken zum 28. Oktober wurden gestern an der Kolpingstrasse von Heike Jordan, die als Projektleiterin die Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, verlesen:
 Abb.: Herman Neudorf
"An einem trüben Herbsttag nahm meine Kindheit ein tragisches Ende. Es war der 28. Oktober 1938, ich war damals 13 Jahre alt. Ich hatte mich grade umgezogen und trug meinen Turnanzug, die übliche Turnstunde am Freitag stand bevor, als plötzlich ein Polizist in unsere Klasse am Realprogymnasium in Gelsenkirchen-Horst kam. Vor meinen überraschten Mitschülern befahl er mir in barschem Ton, mit ihm zu kommen. Ich traute mich nicht, den Mund aufzumachen, ich konnte mich nicht einmal mehr umziehen. Völlig verängstigt, verwirrt und frierend folgte ich ihm zum Polizeigefängnis am Horster Stern. Dort sperrte man mich in eine Zelle, in der sich schon meine Mutter und andere Juden befanden.
Sie alle waren völlig betäubt und erschrocken. Am Abend wurden wir von Polizisten zum Bahnhof gebracht und mußten in einen wartenden Zug einsteigen, niemand sagte uns, wo die Fahrt hingehen sollte. Später fanden wir heraus, dass man uns an die polnische Grenze in die Nähe eines Ortes Namens Bentschen gebracht hatte. Nachdem der Zug angehalten hatte, warf man uns hinaus und wir standen mitten im Niemandsland an der deutsch-polnischen Grenze.
Aus den Gesprächen der deutschen Grenzer mit den Polen entnahmen wir, das wir nicht als Deutsche galten, obwohl viele von uns in Deutschland geboren waren. Da mein Vater in Polen geboren wurde, sah man seine ganze Familie als polnische Staatsangehörige an, obwohl meine Mutter in Herford und ich in Gelsenkirchen geboren worden war. Zwei schreckliche Tage folgten, ich bekam eine beidseitige Lungenentzündung. Meine hilflose und verzweifelte Mutter pflegte mich, so gut sie konnte. Glücklicherweise konnte Mutter Kontakt mit der Familie meines Vaters in Lodz aufnehmen, sie schickten uns Bahnfahrkarten, so konnten wir zu ihnen fahren. Dort erholte ich mich langsam von meiner Krankheit, dank Mutters liebevoller Pflege und der Hilfe eines Arztes.
Zwei Wochen später fand dann in Deutschland die "Kristallnacht" statt. Unser Geschäft und unsere Wohnung an der Markenstraße 19 in Gelsenkirchen-Horst wurden völlig zerstört, wir hatten alles verloren. Diese Odysee in die Hölle, die am 28. Oktober 1938 für mich als 13jähriger begann, endete auf wundersame Weise im April 1945, als ich ausgemergelt und dem Tode nahe während eines Todesmarsches von amerikanischen Soldaten befreit wurde. Meine Eltern und alle meine Angehörigen waren tot, ermordet vom Nazi-Regime".
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28. Oktober 2011:
Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (IV)

Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Heute, am 28. Oktober 2011, dem Jahrestag der so genannten "Polenaktion", ist die Summe von 120 Euro für eine Patenschaft erreicht. Der Stolperstein der Friedensbewegten wird an Selig Uscher Krämer erinnern, der im Rahmen der so genannten "Polenaktion" am 28. Oktober 1938 nach Bentschen "abgeschoben" wurde. Dort wurde Selig Uscher Krämer bis zum Sommer im Internierungslager Bentschen festgehalten. Währenddessen wurden seine Frau mit den beiden gemeinsamen Kindern in das so genannte "Judenhaus" an der damaligen Hindenburgstrasse 38 (Heute Husemannstrasse) zwangseingewiesen.
Am 13. April 1939 "durfte" Selig Uscher Krämer nach seiner Internierung in Bentschen zunächst nach Gelsenkirchen zurückkehren. Nach den Einwohnermeldeunterlegen "wohnte" er ab dieser Zeit ebenfalls in dem "Judenhaus" an der Hindenburgstrasse 38. Die NS-Verfolgungsbehörden ließen Selig Uscher Krämer nur deshalb zurückkehren, damit er an der so genannten "Arisierung" bzw. "Liquidierung" seines Geschäftes mitwirken konnte. Die ganze Familie Krämer wurde dann im Mai 1939 nach den Melde-unterlagen "nach Polen abgemeldet", wie es damals beschönigend im Amtsdeutsch hieß. Ab diesem Zeitpunkt verliert sich jede Spur der Familie Krämer, es gibt bis heute kein Lebenszeichen von ihnen.
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24. Oktober 2011:
Stolperstein-Putzaktion endet mit Gedenkveranstaltung
 Foto: Stolpersteine in Gelsenkirchen werden geputzt
Mit der Stolperstein-Putzaktion, die am Freitag den 28. Oktober um 18:00 Uhr an der Kolping-strasse an den dort verlegten Stolpersteinen mit einer kleinen Gedenkveranstaltung ihren Abschluss findet, soll auch in diesem Jahr an die Opfer der so genannten “Polen-Aktion” erinnert werden. Bei der von den Nationalsozialisten als “Polen-Aktion” bezeichneten Abschiebung wurden am 28. Oktober 1938 deutschlandweit mehr als 17.000 Juden in das deutsch-polnische Grenzgebiet verschleppt. In Gelsenkirchen waren 80 Juden von der Austreibungsaktion betroffen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte ein ersten Höhepunkt der physischen Verfolgung der jüdischen Minderheit dar und war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.
Etwa eine Woche nach der Ausweisung seiner Eltern im Rahmen der so genannten “Polen-Aktion” erschoss der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber und um die Welt aufzu-rütteln einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris. Diese Tat nahmen die Nationalsozialisten bekanntermaßen zum Anlaß, um die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren. Vor dem Hintergrund der antijüdischen November-pogrome 1938 sind die Vorgänge um diese bis dato größte Ausweisungsaktion in der deutschen Geschichte fast völlig vergessen.
Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf.
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20. Oktober 2011:
Stolperstein soll an Peter August Blandenier erinnern
 Foto: Peter August Blandenier
Peter August Blandenier wurde am 19. November 1905 in Gelsenkirchen geboren. Im Oktober 1938 legte er in Asparn a.d. Zaya in Niederösterreich sein Gelübde als Minoritenfrater ab. Schon bald schloss sich Blandenier der legitimistischen Widerstandsgruppe "Hebra" an. Am 31. Mai 1939 wurde er von der Gestapo wegen Verdachts der "Vorbereitung zum Hochverrat" festgenommen. Nach Entlassung aus der "Schutzhaft" am 20. Dezember 1939 und der Einstellung des Ermittlungsverfahrens wurde er am 4. März 1940 wegen legitimistischer Betätigung erneut verhaftet. Blandenier wurde schließlich in das KZ Dachau überstellt, wo er am 20. April 1941 starb. In seiner Geburtstadt Gelsenkirchen soll bald ein Stolperstein an den Märtyrer Peter August Blandenier erinnern.
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15. Oktober 2011:
Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (III)

Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Beteiligt euch, so sind die 120 Euro für den Stolperstein schnell zusammen!
Eine Spende von Joseph P. Krause und Richard Weishuhn ist eingegangen.
Spendenkonto der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen
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14. Oktober 2011:
Kinder hatten viele Fragen
Eigentlich wollten Mitglieder der Projektgruppe heute lediglich Fotos für die diesjährige Putzaktion der Stolpersteine machen. Plötzlich sahen sie sich von Kindern umringt. Die Mädchen und Jungen der Klasse 5c der Gesamtschule Berger Feld, die heute Mittag ebenfalls im Nordsternpark unterwegs waren, beteiligten sich spontan an der Säuberung des dort verlegten Stolpersteins für den belgischen Zwangs-arbeiter Charles Ganty. Die Kinder erfragten dabei ganz genau den Hintergrund und Sinn des Projektes Stolpersteine und Einzelheiten zum Verfolgungschicksal von Charles Ganty. "Man soll mit dem Kopf und dem Herzen darüber stolpern - nicht mit den Füßen. Diese Steine sind oftmals das einzige, was noch an die ermordeten Menschen erinnert" erklärte Projektleiterin Heike Jordan. Einhelliger Wunsch der Kinder: "Wir wollen auch einen Stolperstein spenden."
Die Bürste ging von Hand zu Hand, jeder wollte bei der Reinigung mitmachen. Gemeinsam reinigten und polierten die Mädchen und Jungen den Stolperstein, der schon nach kurzer Zeit wieder glänzte. "Jetzt kann man wieder darüber stolpern" sagte eines der Mädchen nachdenklich.



Fotos: Andreas Jordan
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30. September 2011:
Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (II)

Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Beteiligt euch, so sind die 120 Euro für den Stolperstein schnell zusammen!
Eine Spende von Karl-Heinz Klaiber ist eingegangen.
Spendenkonto der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen
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28. September 2011:
Stolpersteine sollen an Ehepaar Isacson erinnern
 Werbeanzeige von 1927 der Firma Fisch-Engros I. Isacson, Gelsenkirchen, Ringstrasse 4.
Die Patenschaft für die beiden Stolpersteine hat Else Rogalla (82) übernommen. Ihre Mutter, eine geborene Fastabend, war als junge Frau viele Jahre als Haushälterin bei der Familie Isacson angestellt - sie nahm sogar 1921 an der Hochzeit von Betty Isacson und Leo Gompertz in Gelsen-kirchen teil. Für Else Rogalla war es ein lange gehegter Herzenswunsch, dass in Gelsenkirchen an das jüdische Ehepaar Isacson, das von den Nazis im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde, erinnert wird.
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20. September 2011:
Stolpersteine: Wattenscheider Maria Sybilla Merian-Gesamtschule engagiert sich
 Foto: Stolpersteine für Albert, Irma und Gerd Kaufmann
In Wattenscheid finden sich bereits zahlreiche Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. An der Vödestraße 63 verlegte Demnig am Montag weitere drei Stolpersteine, die jetzt an die jüdische Familie Kaufmann erinnern.
Die Recherchen der Biografien und der Leidenswege haben Schülerinnen und Schüler (8c) der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule mit ihrer Lehrerin Dr. Andrea Kleffmann geleistet. Die aus Wattenscheid stammende Familie Albert, Irma, Günther,Elfriede und Gerd Kaufmann hatte zunächst ihren Lebensmittelpunkt in Wattenscheid, dort wurden auch die Kinder des Ehepaares geboren. Die Familie ging 1934 nach Gelsenkirchen, wohnte hier zunächst an der Bismarckstrasse 64, ab 1935 an der Johannesstrasse 16. Günther gelang 1938 die Flucht nach Palästina. Die übrigen Familienmitglieder werden im Januar 1942 von Gelsenkirchen nach zunächst Riga verschleppt und später in verschiedenen Lagern von den Nazis ermordet. Einzig Elfriede, in der Familie liebevoll Friedel genannt, überlebt den Holocaust. Sie lebt heute unter dem Namen Friedel Magun in Mexiko-City.
Zwei weitere Stolpersteine verlegte Gunter Demnig an der Hüller Straße 2. Dort wohnten einst Isaak und Emma Salomon. Auch diese Biografien haben die Schülerinnen und Schüler der Merian-Gesamtschule recherchiert, unterstützt von Lehrerin Monika Willkowski und Stadtarchiv-Mitarbeiter Andreas Halwer. Die Kosten für die Patenschaften hat die Maria Sibylla Merian-Gesamtschule übernommen. Das jüdische Ehepaar Salomon betrieb ein Bekleidungsgeschäft am heutigen August-Bebel-Platz. Sie flohen vor den Nazis 1939 in die Niederlande, wurden dort aber von der NS-Mordmaschinerie eingeholt, verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von Westerbork wurde das Ehepaar Salomon in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort in der Gaskammer ermordet.
Die Maria Sybilla Merian-Gesamtschule mit Schulleiter Martin Breuer engagiert sich bereits seit Jahren in beispielhafter Weise für das mittlerweile größte dezentrale Mahnmal der Welt - Gunter Demnigs Stolper-steine gegen das Vergessen.
Zusammenfassung und Dokumentation: Familie Kaufmann aus Wattenscheid - eine Familie und ihr Leidensweg

Fotos: Heike Jordan
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19. September 2011:
Ein Name kehrt zurück - Stolperstein für Friedrich Wessel
 Der Stolperstein für Friederich Wessel. Foto: Heike Jordan
Die dürren Angaben in den Akten der NS-Verfolgungsbehörden zeichnen dem ersten Anschein nach eine kriminellen Karriere auf, die aber in Wirklichkeit eine Opferkarriere war, denn Friederich Wessel wurde allein wegen seiner Homosexualität verfolgt und ermordet. Im KZ Buchenwald haben ihn die Nazis zur Nummer degradiert. Haben ihn gedemütigt, kahlgeschoren und entpersönlicht, in gestreifte Einheitskleidung gesteckt, mit einem Rosa Winkel als äußerlich sichtbares Zeichen seiner Homosexualität gekennzeichnet. Ständig war er der Willkür und der brutalen Folter seiner Bewacher ausgeliefert, ständig vom Tod bedroht. Als Nummer wurde er schließlich von den Nazis ermordet - in den NS-Akten wird daraus "auf der Flucht erschossen". Heute gab Gunter Demnig dem in Ückendorf geborene Plakatmaler Friederich Wessel mit der Verlegung eines Stolpersteins an der Sedanstrasse 7 in Bochum-Wattenscheid seinen Namen zurück.
Bericht von Jürgen Wenke: → Wir erinnern an Friedrich Wessel
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14. September 2011:
"Eine andere als die oben erwähnte Gewalteinwirkung ist mit Sicherheit auszuschließen"
In Wattenscheid wird am 19. September 2011 der erste Stolperstein für einen wegen seiner Homosexualität im "Dritten Reich" verfolgten und ermordeten Mann verlegt. An der Sedanstrasse 7 erinnert dann ein Stolperstein an Friedrich Wessel.
 Foto: "Geldkarte" aus dem KZ Buchenwald, ausgestellt für Friederich Wessel. "Von Friedrich Wessel konnten kein Foto, kein persönliches Schriftstück, kein Brief und andere Dinge aus seinem Besitz gefunden werden. Allerdings existiert ein einziges Dokument aus dem KZ Buchenwald, auf dem handschriftlich der Name zu lesen ist. Das ist die einzige persönliche Hinterlassenschaft von Friedrich Wessel." schreibt Jürgen Wenke in seiner Dokumentation.
"Eine andere als die oben erwähnte Gewalt-einwirkung ist mit Sicherheit auszuschließen" - mit diesem Satz schließt ein Dokument, in dem der Lagerarzt des KZ Buchenwald, Waldemar Hoven, detailliert die Schußverletzungen dokumetierte, die Friederich Wessel bei seinem angeblichen Fluchtversuch aus dem KZ Buchenwald erlitt. Den Lebens- und Leidensweg von Friedrich Wessel hat Jürgen Wenke in einer Dokumentation zusammengefasst, die Friedrich Wessel, seine Herkunftsfamilie und die Umstände seiner Ermordung in den Mittelpunkt stellt. Mit freundlicher Genehmigung steht die Dokumentation von Jürgen Wenke "Eine andere als die oben erwähnte Gewalteinwirkung ist mit Sicherheit auszuschließen" hier als PDF-Datei zum Download bereit.
Ein Stolperstein für Friedrich Wessel
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13. September 2011:
Stolpersteine in Gelsenkirchen sollen am 28. Oktober 2011 geputzt werden

Die Projektgruppe Stolpersteine lädt zur Putzaktion ein: Die 41 bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine sollen am 28. Oktober 2011 geputzt werden. Dieser Termin ist nicht willkürlich gewählt worden, mit der Putzaktion soll an die so genannte "Polenaktion" - die Massenvertreibung von Juden aus dem "Reichs-gebiet" am 28. Oktober 1938 - erinnert werden.
Mehr als 80 Juden mit polnischer Staats-angehörigkeit allein aus Gelsenkirchen wurden am 28. Oktober vor 73 Jahren gewaltsam aus ihrem Alltag gerissen und mit Massentransporten an die polnische Grenze verschleppt. Deutschlandweit waren es über 17.0000 jüdische Bürger, die von dieser Vertreibungsaktion betroffen waren. Diese Maßnahme des NS-Regimes gegenüber den so genannten "Ostjuden" stellte einen ersten Höhepunkt der physischen und staatlich organisierten Judenverfolgung dar und war der Auftakt zur geplanten Vernichtung der europäischen Juden.
Etwa eine Woche nach der Vertreibung seiner Eltern im Rahmen der "Polen-Aktion" erschoss der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber in Paris einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Dieses Attentat nahmen die Nazis bekanntermaßen zum Anlass, um die Pogrome (sogenannte "Reichskristallnacht") in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren.
Mit einer kleinen Gedenkveranstaltung, zu der die Projektgruppe Stolpersteine herzlich einlädt, findet die Putzaktion an den in der Kolpingstrasse verlegten Stolpersteinen am Abend des 28. Oktober 2011 um 18:00 Uhr ihren Abschluss.
Beteiligung von Schulklassen
Die Putzaktion der Stolpersteine stellt auch eine pädogisch wertvolle Möglichkeit zur Auseinander-setzung mit der NS-Terrorherrschaft für Schulklassen dar. Beteiligte Schülerinnen und Schüler finden so bereits im Vorfeld über die Biografien und Leidenswege der ermordeten Menschen einen ganz direkten Zugang zur lokalen NS-Geschichte.
Für die Putzaktion 2011 sind Helferinnen und Helfer herzlich willkommen! Interessierte wenden sich bitte bis zum 25. Oktober 2011 an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen unter Telefon: 0209-9994676 oder per Email an: Heike Jordan, Projektleiterin
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8. September 2011:
Arthur Herrmann: Im KZ zu Tode geschunden
Günter Demnigs Stolpersteine erinnern an alle Opfer des Naziregimes: An Juden als größte Opfergruppe, an die Vertreibung und Vernichtung der Sinti und Roma, an die Opfer politischer und religiöser Verfolgung wie die Zeugen Jehovas, an Opfer der NS-Krankenmorde ("Euthanasie") und an die Verfolgung Homosexueller. Bei der nächsten Verlegeaktion wird ein Stolperstein für Arthur Herrmann verlegt. Das ist dann der erste Stolperstein in Gelsenkirchen, der an einen wegen seiner Homosexualität verfolgten Mann erinnert.
Arthur Herrmann wurde als Homosexueller in so genannt "Schutzhaft" genommen, im KZ Buchenwald mit dem "Rosa Winkel" erniedrigt und dort zu Tode geschunden. Am letzten Wohnort von Arthur Herrmann an der Cranger Strasse 185 wird der Stolperstein im Herbst nächsten Jahres in das Gehweg-pflaster eingefügt. Bereits am 19. September 2011 wird in Wattenscheid an der Sedanstrasse 7 ein Stolperstein für den aus Gelsenkirchen stammenden Friederich Wessel verlegt, der wegen seiner Homosexuallität im KZ Buchenwald ermordet wurde.
Auf der Suche nach Männern aus dem Ruhrgebiet, die wegen ihrer Homosexualität Opfer der NS-Verfolgung geworden sind, recherchierte der Bochumer Diplom-Psychologe Jürgen Wenke in den Archiven der Gedenkstätte Buchenwald. Dabei stieß er dort auch auf den Leidensweg von Arthur Herrmann. Die Patenschaft für den Stolperstein, der in Gelsenkirchen bald an Arthur Herrmann erinnern wird, übernimmt die "Rosa Strippe" - Beratungsstelle für Schwule und Lesben in Bochum.
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3. September 2011:
Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (I)

Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Beteiligt euch, so sind die 120 Euro für den Stolperstein schnell zusammen!
Spendenkonto der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen
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2. September 2011:
Wichtige Mitteilung
Gunter Demnig teilt mit: (...) Wir haben den Preis für die Steine 1o Jahre stabil gehalten und wurden immer wieder gefragt: Wie macht ihr das eigentlich? Aber die Preise sind in dieser Zeit zum Teil erheblich gestiegen: für Messing allein um 100%; die Fahrtkosten schlagen höher zu Buche; das HelferTeam ist größer geworden; ... Deshalb müssen wir auch den Preis für Patenschaften anheben.
Ab Januar 2012 werden für jeden STOLPERSTEIN 120 € berechnet. Wir bitten um Verständnis und dementsprechende Informationen an die Paten.
1. September 2011:
Ein Stolperstein für Hermann Neudorf
Foto: Familie Neudorf im Jahre 1928
Simon Neudorf wurde im KZ Sachsenhausen ermordet, Frieda Neudorf bei Auflösung des KZ Kaiserwald in Riga von den Nazis erschossen. Die ersten Stolpersteine in Gelsen-kirchen wurden im Sommer 2009 in Erinnerung an das Ehepaar Neudorf an der Markenstrasse 19 im Ortsteil Horst verlegt. Hermann, einziger Sohn des Ehepaars Neudorf, überlebte die Schreckensherrschaft der Nazis. Symbolisch wird die Familie wieder "zusammengeführt" - ein Stolperstein wird in Horst bald auch an den Leidensweg von Hermann Neudorf erinnern.
Geboren 1925 in Horst-Emscher, verbrachte Hermann Neudorf seine Kindheit in der damals noch selbstständigen Landgemeinde Horst-Emscher, die im Rahmen der kommunalen Neuordnung seit 1928 zu Gelsenkirchen gehört. Heute lebt er in den USA und ist noch immer auf vielfältiger Weise mit seiner Heimatstadt Gelsenkirchen verbunden. Die Verlegung des Stolpersteins für Hermann Neudorf soll im Herbst 2012 stattfinden.
Aus dem Leben von Herman D. Neudorf
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21. August 2011:
Stolpersteine - stumme Zeugen
Vier Stolpersteine verlegte die Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative am Samstag. Die kleinen Mahnmale erinnern jetzt im Stadtgebiet an die wegen ihres Glaubens verfogten Zeugen Jehovas Robert Mäusert und Wilhelm Gorny, an Astrid Steiner, die an den Folgen der Unterbringung in der NS-Psychatrie starb und an den Widerständler Andreas Schillack junior.
Stolpersteinverlegung Im Bahnwinkel
Mit dichtem Buschwerk ist das Grundstück Im Bahnwinkel 10 bewachsen. Nichts erinnert mehr an das Haus, dass dort einst stand, nichts an Robert Mäusert, der hier mit seiner Familie gelebt hat. Das ist seit heute anders. Im Bahnwinkel versammelten sich am Samstag Morgen mehr als 50 Menschen, um der Verlegung eines Stolpersteins für den als Zeugen Jehovas in der NS-Zeit verfolgten Robert Mäusert teilzunehmen. Bereits kurz nach der Machtübergabe 1933 an die Nazis war das Ehepaar Mäusert der Verfolgung durch die Gestapo ausgesetzt.
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Hintergrund war das frühe Bekenntnis von Robert und Frieda Mäusert zu den Zeugen Jehovas. Bei den Nazis galten Zeugen Jehovas als "Staatsfeinde" - sie verweigerten unter anderem den Hitlergruß und auch den Kriegsdienst. Nach Verurteilungen und Haft wurde Robert Mäusert schließlich im Oktober 1937 in das KZ Buchenwald überstellt. Sein Leidensweg führte in der Folgezeit durch weitere Konzentrationslager. Nach seiner Befreiung aus dem KZ Ravensbrück Ende April 1945 war Robert Mäusert so geschwächt, dass er am 8. Mai 1945 an den Folgen der erlittenen KZ-Haft starb. Herbert Thomas von der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas erinnerte in seinem Redebeitrag den Leidensweg von Robert Mäusert. Auch Lothar Jendrny, ein Enkel von Robert Mäusert, nahm an der Verlegung des Stolpersteins teil, der seit heute Im Bahnwinkel 10 an seinen Großvater erinnert.
Stolpersteinverlegung Polsumer Strasse
Astrid Steiners 9. Geburtstag war der letzte, der im Kreis ihrer Lieben im Elternhaus an der Polsumer Strasse 158 gefeiert wurde. Die kleine Mädchen hatte das Down-Syndrom, in der menschenverachtenden Sprache der Nazis "Mongoloide Idiotie" genannt. In den Augen der Nazis hatte Astrid Steiner "kein Recht auf Leben", wurde nach der NS-Rassenideologie als "lebensunwert" klassifiziert. Astrid Steiner wurde schließlich im Frühjahr 1942 in die "Heilanstalt" Aplerbeck eingewiesen und im September 1943 in die "Provinzialheilanstalt" Marsberg verlegt. 1945 starb Astrid Steiner an den Folgen der Unterbringung in der NS-Psychatrie.
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"Wir haben als Kinder zusammen gespielt, wir waren Nachbarn" erzählte uns die Zeitzeugin Ingrid Sauerbaum. "Eines Tages war die "Iri", wie wir Kinder sie nannten, nicht mehr da. 'Sie ist in ein Krankenhaus gekommen' sagte uns Astrids Mutter damals. Meine Spielkameradin aus Kindertagen habe ich nie mehr wiedergesehen". Die Patenschaft für den Stolperstein hat die Familie Sauerbaum übernommen, Anke Sauerbaum verlas am Verlegeort vor dem Haus Polsumer Strasse 158 eine biografische Skizze des kurzen Lebens der Astrid Steiner. Dr. Rolf Heinrich, ehemalige Pfarrer der Lukas-Gemeinde in Hassel, erinnerte an der Polsumer Strasse mit Zitaten aus einem Buch von Janusz Korczak an das Leiden der kleinen Astrid "Iri" Steiner.
Stolpersteinverlegung Königgrätzerstrasse
An der Königgrätzerstrasse 20 erinnert jetzt ein Stolperstein an den Zeugen Jehovas Wilhelm Gorny. Auch das Ehepaar Gorny war bereits Mitte der Dreißiger Jahre wegen ihres Glaubens und ihrer Zugehörigkeit zur religiösen Minderheit der Zeugen Jehovas der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. Wilhelm Gorny wurde 1936 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und daran anschließend in das KZ Buchenwald überstellt. Im April 1945 wurde Wilhelm Gorny auf einem Gefangenentransport, der auf dem Weg ins KZ Dachau war, von den Amerikanern befreit. An den Folgen der in neun Jahren Haft erduldeten Misshandlungen starb Wilhelm Gorny am 16. Mai 1945. Herbert Thomas verlas an der Königgrätzerstrasse die Leidensgeschichte von Wilhelm Gorny und schloss mit einem Gedicht von Franz Wohlfart.
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Zu einem unschönen Vorfall kam es nach der Verlegung an der Königgrätzerstrasse 20. Ein Hausbewohner hatte anonym die Polizei über eine "Zusammenrottung von Sektenmitgliedern" vor dem Haus informiert und auch den Hausbesitzer herbeigerufen. Dieser verlangte lautstark die sofortige Entfernung des Stolpersteins und verunglimpfte das Projekt und die Anwesenden, wobei seine Wortwahl hier nicht zitierfähig ist.
Stolpersteinverlegung Essener Strasse
Ihren Abschluss fand die Verlegeaktion an diesem Tag an der Essener Strasse 71, dort wurde ein Stolperstein für Andreas Schillack junior verlegt. Angehörige der Familie nahmen an der Verlegung teil. Andreas Schillack war wegen seiner Mitgliedschaft in der Widerstandsgruppe um Franz Zielasko im August 1944 von der Gestapo verhaftet worden. Im anschließenden Verfahren vor dem "Volksgerichtshof" wurde Andreas Schillack junior vorgeworfen, er habe Franz Zielasko mit Brotmarken für 600 g, einer Dose Schuhcreme und einer Tube Zahnpasta unterstützt. Aufgrund dieses "Verbrechens" wurde Andreas Schillack junior zum Tode verurteilt und am 20. Oktober 1944 in München-Stadelheim enthauptet. Heike Jordan, ehrenamtliche Leiterin des Projektes Stolpersteine in Gelsenkirchen, schilderte in ihrem Redebeitrag an der Essener Strasse auch, mit welcher Eiseskälte die Nazis minutiös die Hinrichtungen von Andreas Schillack junior und anderen Mitgliedern der Widerstandsgruppe in einem Bericht festhielten.
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Fotos: Werner Neumann, Gelsenzentrum e.V.
Danksagung
Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen dankt allen Menschen, die an den Stolperstein-Verlegungen im August 2011 mitgewirkt haben und so das Projekt "Stolpersteine - Gegen das Vergessen" in Gelsenkirchen unterstützt und zur Fortsetzung beigetragen haben.
Gunter Demnig und sein Team
Patinnen und Paten der Stolpersteine in Gelsenkirchen
Oberbürgermeister Frank Baranowski
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Stadtämter Gelsenkirchen
Prof. Dr. Stefan Goch, Institut für Stadtgeschichte (ISG), Gelsenkirchen
Judith Neuwald-Tasbach, Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen
Arieh Sommerfeld, Vorbeter
Nobert Labatzki, Regina Hölscher-Christ, Jesse Krauß, Ludwig Baum, Knut Massmann, Alexander Behrendt, Ulrich Behrendt, Mark A. Meyer, Lothar Jendrny, Inge Reiners, Dr. Michael Krenzer, Herbert Thomas, Paul Humann, Ursula Möllenberg, Karlheinz Rabas, Familie Sauerbaum, Dr. Rolf Heinrich, Pfarrer i.R., Werner Neumann, Nagirhan Varol, SchülerInnen des Deutsch E-Kurs der Klasse 9d der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, Bärbel Beuermann, Deborah Vogtmann, Volker Bruckmann, Karlheinz Weichelt
Internationaler Suchdienst ITS, Bad Arolsen. Bundesarchiv. Zentralarchiv der Zeugen Jehovas in Deutschland. Prof. Dr. Bernd Walter, LWL-Institut für Regionalgeschichte, Münster. Museum Stutthof, Polen. Archiv LWL, Münster. WASt, Berlin. Stadtarchiv Recklinghausen. Stadtarchiv Hildesheim. Stadtarchiv Freiburg. Stadtarchiv Hannover. ErPort - Dortmunder Erinnerungsportal. Gelsenzentrum - Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen.
17. August 2011:
Pater Vell - Aus der Todeszelle befreit
Rückseite eines von Pater Vell 1946 verfassten Handzettels
Mit der Weitergabe eines Flugblattes der Widerstandsgruppe Weiße Rose der Geschwister Scholl, in dem zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde, begann Pater Vells Leidensweg durch die NS-Mord-maschinerie. Von den Nazis deswegen zum Tode verurteilt, wurde Vell unmittelbar vor seiner Hinrichtung von der vorrückenden Roten Armee aus der Todeszelle befreit. Ein Stolperstein soll in Gelsenkirchen-Schalke bald an Pater Hermann Joseph Vell erinnern.
Vell, der ab April 1941 als Vikar an St. Joseph in Gelsenkirchen-Schalke wirkte, wurde von dem SS-Mann Wilhelm Ferlmann bei der Gestapo denunziert. Ferlmann, selbst Gemeindemitglied, gab bei der Gestapo an, von Vell eines der Flugblätter der Weißen Rose erhalten zu haben. Daraufhin wurde Vell am 1. Februar 1944 in Gelsenkirchen verhaftet und vom "Volksgerichtshof" am 6. April 1945 zum Tode verurteilt. Zur Vollstreckung des Urteils kam es nicht mehr, Pater Vell wurde am 27. April von der Roten Armee aus der Todeszelle im Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit.
Der aus Gelsenkirchen-Schalke stammende Joseph P. Krause, der mit Vell bis zu dessen Tod im Jahr 1965 in engem Kontakt stand, erreichte 1999 die Aufhebung des NS-Unrechtsurteils gegen Pater Vell. Somit war Vell zwar posthum juristisch rehabilitiert, eine moralische und gesellschaftliche Rehabilitierung ist aber in Gelsenkirchen bisher ausgeblieben. Der Stolperstein für Pater Vell soll an dessen letzten Wohnort in Gelsenkirchen-Schalke an der Grillostrasse verlegt werden. Die Patenschaft für den Stolperstein haben Joseph P. Krause und Richard Weishuhn übernommen.
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15. August 2011:
Stolperstein-Patin ruft Gesprächskreis gegen das Vergessen ins Leben
Am Samstag, den 20. August verlegt die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen in Hassel zwei Stolpersteine gegen das Vergessen. Die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig stoßen auch in Gelsenkirchen-Hassel auf breite Zustimmung. Die anstehende Verlegung der kleinen Mahnmale im Ortsteil am 20. August war Impulsgeber für die Gründung eines Gesprächskreises, in dem lokale Heimatgeschichte aufgearbeitet werden soll.
Ingrid Sauerbaum, die mit Ihrer Familie die Patenschaft für den Stolperstein übernommen hat, der Astrid "Iri" Steiner gewidmet wird, hat zusammen mit dem Heimatforscher Egon Kopatz einen Gesprächskreis, der kürzlich erstmalig im Seniorenzentrum an der Oberfeldinger Straße zusammenkam, ins Leben gerufen. Denn auch im Gelsenkirchener Ortsteil Hassel haben die Nazis Menschen verfolgt, gedemütigt, entrechtet und ermordet, auch dort hat der Zweite Weltkrieg gewütet. Der Gesprächskreis wird mit dazu beitragen, dass die Vergangenheit und die damit verbundenen Verbrechen der NS-Zeit nicht vergessen werden.
5. August 2011:
Stolpersteine werden verlegt
Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen lädt ein: am Samstag, den 20. August, werden weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt: Im Bahnwinkel 10 für Robert Mäusert gegen 11:00 Uhr, an der Polsumer Strasse 158 für Astrid "Iri" Steiner gegen 11:20 Uhr, an der Königsgrätzerstrasse für Wilhelm Gorny gegen 11:40 Uhr und an der Essener Strasse 71 für Andreas Schillack jun. gegen 12:10 Uhr. Alle genannten Zeitangaben sind Richtwerte, planen Sie bitte Abweichungen von ca. +/- 15 Minuten ein.
3. August 2011:
Jeder Stolperstein eine Geschichte
Weitere 18 Stolpersteine verlegte Gunter Demnig am Montag in Gelsenkirchen. Die kleinen Gedenksteine, flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen, künden schweigend vom Terror des NS-Regimes, von Rassenwahn und Völkermord. Sie geben den Menschen, die von den Nazis zu Nummern und Aktenzeichen degradiert wurden, mit einer individuell beschrifteten Messingplatte ihre Namen zurück. Und zwar genau dort, wo die Menschen einst zu Hause waren - vor den Türen der Wohnhäuser. Dort funktioniert Verdrängung nicht länger.
Während an den meisten Verlegeorten das Gehwegpflaster durch Gunter Demnig geöffnet wurde, hatte die Stadt diesmal die asphaltierten Flächen entsprechend für die Verlegungen vorbereitet. Wie aus dem Rathaus am vergangenen Freitag mitgeteilt wurde, wird das Tiefbauamt bei zukünftigen Verlegungen tatkräftige Unterstützung für Künstler Gunter Demnig leisten.
Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Isidor Kahn
An allen Verlegungeorten nahmen Stolperstein-Paten oder auch Angehörige der NS-Opfer an den Zeremonien teil. An der Küppersbuschstrasse waren es die Enkel von Oskar Behrendt, die eigens zur Stolperstein-Verlegung anreisten. Dort erinnerten Enkel Alexander Behrendt und auch Bärbel Beuermann an den Widerständler Oskar Behrendt. Am Verlegeort verteilte Ulrich Behrendt, einer der Enkel von Oskar Behrendt, Abzüge von einem Foto. Darauf zu sehen ist Oskar Behrendt, seine Brille und das Klingelschild, welches in den Dreißiger Jahren am Haus Küppersbuschstrasse 25 angebracht war. Diese Gegenstände befinden sich noch heute in Familienbesitz. Alexander Behrendt: "Für uns Kinder stand das "O" auf dem Klingelschild immer für "Oma" - unseren Opa Oskar haben wir ja nie kennengelernt."
Paul Humann, bildungspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen erinnerte am letzten Wohnort von Erich Lange an der Schwanen-strasse an das Leben und Sterben des Widerständlers. Erich Lange wurde von den Nazis 1933 in der Gelsenkirchener Innenstadt erschossen. Am Ort des feigen Mordes Am Rundhöfchen erinnerte die ehemalige Stadträtin Ursula Möllenberg an den Widerständler.
Der ehemalige MiR-Intendant Ludwig Baum sang zur Erinnerung an die im Ghetto Warschau ermordeten Eheleute Isidor und Elfriede Wollenberg an der Von-Der-Recke-Strasse das jiddische Lied von Mordechaj Gebirtig "Undzer Shtetl Brent!" Das Lied entstand 1938 und wurde zur Hymne des jüdischen Widerstandes in den Ghettos. Anschließend betete Arieh Sommerfeld, Vorbeter der jüdischen Gemeinde, die Totenklage El Male Rachamim für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust - wie auch am Lörenkamp. Dort erinnerte Heike Jordan an die Verfolgung und Ermordung von Isidor Kahn. Eine ehemalige Mitbewohnerin aus dem Haus Im Lörenkamp 2, die mit ihrer Schwester die Patenschaft für den Stolperstein für Isidor Kahn übernommen hatte, sagte nach der Verlegung: "Bei Herrn Demnig hatte ich den Eindruck, als führe er bei seiner Arbeit ein lautloses Gespräch mit Herrn Kahn. Als er zum Schluss den Stein säuberte, wirkte es auf mich, als ob er ihn gedanklich streichele. Ich war beeindruckt!"
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An der Liebfrauenstrasse erinnerte Karlheinz Rabas an das Verfolgungsschicksal seines Verwandten Fritz Rahkob, der als Widerständler hingerichtet wurde. An der Vandalenstrasse sprach Dr. Michael Krenzer, Arbeitskreis "Lila Winkel" NRW über die Verfolgung des Zeugen Jehovas Friederich Poburski im so genannten "Dritten Reich". Dr. Krenzer hatte es auch übernommen, an der Neuhüllerstrasse an Peter Heinen zu erinnern, der ebenfalls als Zeuge Jehovas von den Nazis ermordet wurde. Hans Heinen, Neffe des NS-Opfers Peter Heinen, nahm an der Verlegung teil. An der Hohenzollernstrasse erinnerten wir mit der dortigen Steinverlegung und dem Redebeitrag von Heike Jordan an den wegen angeblicher Fahnenflucht enthaupteten Paul Kusz.
Stolpersteine an der Bismarckstrasse
Ihren Abschluss fand die große Verlegeaktion an der Bismarckstrasse 152, dort erinnern jetzt Stolpersteine an
Moritz und Toni Meyer, Hermann, Martha, Heinrich, Käthe und Ruth Hirschhorn sowie Kurt Rosengarten. Hier nahm auch Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski an der Verlegung teil. In seiner Begrüßung betonte er, wie wichtig die Erinnerung ist und fand Worte des Dankes für den Künstler Gunter Demnig und die Organisatoren vor Ort. An der Bismarckstrasse setzte Klezmer-Musiker Nobert Labatzki musikalische Akzente.
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Der in den USA lebender Enkel der Eheleute Moritz und Toni Meyer, Mark A. Meyer, konnte nicht persönlich anwesend sein. Er bat Heike Jordan, seine Gedanken zu verlesen:
"Moritz und Toni Meyer waren bekannte und beliebte Bürger Gelsenkirchens. Die Eheleute betrieben ein Kurzwarengeschäft und beteiligten sich aktiv an der Gemeindearbeit. Nach der so genannten "Kristallnacht" waren sie gezwungen, aus ihrer Heimat Deutschland in die Niederlande zu fliehen. Bis 1942 lebten sie in Amsterdam. Dann wurden sie in einem Viehwaggon nach Polen verschleppt. Toni, zu krank um selbst zu gehen, wurde nackt auf einer Bahre, zusammen mit ihrem Mann Moritz, in die Gaskammer von Auschwitz gebracht. Dort wurden sie vom deutschen Staat ermordet, nur weil sie Juden waren. Ich bin ihr einzig überlebender Enkel. Ich habe meine Großeltern niemals kennen gelernt, Ich habe niemals ihre Stimmen gehört, niemals ihre Liebe gespürt. Niemals habe ich die großen Segnungen empfangen, sowie Enkel sie von ihren Großeltern erhalten.
Moritz und Toni Meyer hatten niemals ein Grab, dass ich hätte besuchen können. Keine Gedenkstätte, an der ich ihnen ein ehrendes Andenken hätte erweisen können. Für mich waren sie nur Gesichter auf einem Foto und Namen auf einer Liste von ermordeten Juden - bis heute. Die kleinen Stolpersteine, die Sie jetzt in dieser Straße verlegen, künden schweigend davon, dass hier in dieser Stadt einst zwei liebenswerte und unschuldige Menschen gelebt und gearbeitet haben, die im Namen des deutschen Volkes ermordet wurden. Die Stolpersteine versinnbildlichen mehr als nur die NS-Opfer. Sie sind Symbole für das ehrende Andenken Deutschlands an die unschuldigen Menschen, die Opfer des Nazi-Regimes geworden sind. Stolpersteine sind wichtige Symbole, um der Wiederholung des Bösen durch die Erinnerung an größtes Unrecht, dem überwältigendem Horror des Holocaust, entgegen zu wirken. Dafür danke ich ihnen, und dafür, dass sie sich an meine Großeltern erinnern".
Stolpersteine erinnern an Familie Hirschhorn
Heike Jordan, ehrenamtliche Leiterin der Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen, erinnerte auch an das Verfolgungsschicksal der Familie Hirschhorn. In ihrem Redebeitrag sprach sie auch von den Schwierigkeiten bei den Recherchen zu den Opfer-Biographien: "Das Verfolgungsschicksal der Familie Hirschhorn ließ sich nur anhand der wenigen erhaltenen Akten der NS-Verfolgungsbehörden rekonstruieren. Diese Aufzeichnungen über die Familie Hirschhorn beschränken sich auf die Orte der Inhaftierung, auf die Zuteilungen von Häftlingsnummern und auf die Angaben zum Zwangsarbeitseinsatz. Vom zunehmenden Verfolgungsdruck, von den Ängsten, Sorgen und Nöten der verfolgten, entrechteten und gedemütigten Menschen berichten diese Akten jedoch nicht. Sie erzählen uns nichts über dass unermessliche Leid, dass Hermann, Martha, Heinrich, Käthe und Ruth Hirschhorn ertragen mussten, bis sie schließlich von den Nazi-Schergen ermordet wurden".
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Stolperstein-Patin Regina Hölscher-Christ trug zu Ehren von Kurt Rosengarten ein Gedicht von Jesse Krauß vor. Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde nahm an allen Orten teil, an denen Stolpersteine für Menschen jüdischer Herkunft verlegt wurden, so auch an der Bismarckstrasse. Sie war es auch, die Vorbeter Arieh Sommerfeld endsandte, der an mehreren Verlegestellen die Totenklage „El Male Rachamim“ für die etwa sechs Millionen ermordeten Juden betete. Bärbel Beuermann, Fraktionsvorsitzende Die Linke im Landtag NRW, sprach zu Beginn der Verlegeaktion an der Küppersbuschstrasse und schloss an der Bismarckstrasse die ihren Redebeitrag mit den Worten "„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg". Heike Jordan sagte in ihrem an die Anwesenden gerichteten Schlusswort: "Mit eurer Teilnahme an der heutigen Verlegung von Stolpersteinen habt ihr dazu beigetragen, die Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors als Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft wachzuhalten."
Denn eines ist sicher: Das Grauen begann nicht erst in Auschwitz, Treblinka und in anderen Lagern - es begann in unserer Stadt, in unserem Alltag, in unserer Straße, vor unserer Tür.
Videomittschnitt eines Zuschauers: Stolperstein-Verlegung an der Bismarckstrasse
Fotos: Werner Neumann, Gelsenzentrum e.V.
18. Juli 2011:
Stolpersteine für Opfer des Naziregimes in Gelsenkirchen Ablaufplan Verlegungen am 1. August 2011

Stolpersteine erinnern an Opfer des National-sozialismus, an Menschen, die in den Jahren des Dritten Reiches verfolgt, entrechtet, gedemütigt, in die Flucht getrieben und schlussendlich ermordet wurden. Im Rahmen des Kunst-projektes „Stolpersteine“ des in Köln lebenden Bildhauers Gunter Demnig werden Stolpersteine vor den Häusern ins Pflaster der Gelsenkirchener Gehwege eingelassen, in denen die Menschen einst gelebt haben.
Gunter Demnig, der am 1. August zunächst in Tönisvorst Stolpersteine verlegt, wird um 14 Uhr an der Küppersbuschstrasse 25 den Stolperstein für Oskar Behrendt verlegen. Alexander Behrendt verliest das
Verfolgungsschicksal des Wider-ständlers, Bärbel Beuermann (MdL) wird an die Verfolgung im NS-Staat erinnern. An der Schwanenstrasse 6 erinnert Paul Humann um 14:15 Uhr an Erich Lange. Der Widerständler Erich Lange wurde von den Nazis 1933 auf offener Strasse erschossen.
Am Rundhöfchen, dem Ort des Mordes, wird um 14:30 Uhr Lothar Wickermann bei der Verlegung des zweiten Stolpersteins für Erich Lange an die zeithistorischen Hintergründe der Bluttat erinnern. Das Ehepaar Wollenberg wohnte an der Von-der-Recke-Strasse 4, hier wird Ludwig Baum um 14:45 Uhr an das Verfolgungsschicksal der Eheleute erinnern, die im Ghetto Warschau starben. Der Kaufmann
Isidor Kahn wohnte Im Lörenkamp 2, bevor er in das Ghetto Riga deportiert wurde. Im Lörenkamp 2 wird der Stolperstein um 15:00 Uhr verlegt. An diesen beiden Verlegeorten wird der Vorbeter der jüdischen Gemeinde Gelsen-kirchen das Totengebet "El Male Rachamim" für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust beten. Gegen 15:15 Uhr spricht Karlheinz Rabas an der Liebfrauenstrasse 38 über das Verfolgungs-schicksal von Fritz Rahkob, hier wird der Stolperstein für den Widerständler Rahkob verlegt.
Für den als Zeugen Jehovas verfolgten und ermordeten Friederich Poburski wird um 15:30 Uhr ein Stolperstein an der Vandalenstrasse 14, für Peter Heinen, ebenfalls als Zeuge Jehovas ermordet, um 15:45 Uhr an der Neuhüller Strasse 27 verlegt. An beiden Verlegeorten wird Dr. Michael Krenzer an das Schicksal dieser Männer erinnern. An Paul Kusz, der wegen Fahnenflucht von den Nazis enthauptet wurde, wird der Stolperstein, der gegen 16:00 Uhr an der Hohenzollernstrasse 272 verlegt wird, erinnern.
Ihren Abschluss finden die Stolperstein-Verlegungen an diesem Tag um ca. 16:15 Uhr an der Bismarckstrasse 152, wo Demnig 8 Stolpersteine für NS-Opfer jüdischer Herkunft verlegen wird. Hier werden Oberbürgermeister Frank Baranowski, der die Anwesenden begrüßen wird und auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, erwartet. Der Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Norbert Labatzki setzt bei der Verlegung an der Bismarckstrasse musikalische Akzente.
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Alle genannten Zeitangaben sind Richtwerte, planen Sie bitte Abweichungen von ca. +/- 15 Minuten ein. Informationen zur Verlegung und zum Projekt unter 0209 9994676.
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An der Bismarckstrasse werden auch Stolpersteine für Moritz und Toni Meyer verlegt. Mark A. Meyer, in New York lebender Enkel der Eheleute Moritz und Toni Meyer, kann leider nicht persönlich teilnehmen: Er befindet sich auf Hochzeitsreise. Stellvertretend wird Projektleiterin Heike Jordan seine Gedanken auf Englisch und Deutsch verlesen. An diesem Ort werden auch Stolpersteine für die Familie Hirschhorn und für Kurt Rosengarten verlegt. Auch hier wird der Vorbeter das "El Male Rachamim" beten. Schülerinnen der Evangelischen Gesamtschule Bismarck, die zusammen mit der muslimischen Lehrerin Nagihan Varol die Patenschaft für den Stolper-stein, der Käthe Hirschhorn gewidmet wird, übernommen haben, werden trotz Ferienzeit an der Verlegung teilnehmen. Die Stolperstein-Patin Regina Hölscher-Christ wird ein Gedicht von Jesse Krauß vortragen. Ein Redebeitrag von Ingrid Remmers (MdB), wird die Verlegungen an diesem Tag abschließen.
Wir laden alle Interessierten herzlich ein, den Verlegungen am 1. August 2011 beizuwohnen, und wünschen uns, dass viele Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens durch ihre Teilnahme dazu beitragen, die
Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus als Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft wach zu halten.
13. Juli 2011:
Gesamtschule Bismarck stellt Stolperstein-Projekt vor
Auf dem diesjährigen Sommerfest der Evangelischen Gesamtschule Bismarck stellen Schülerinnen Gunter Demnigs Projekt "Stolpersteine" vor. Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die vom NS-Gewaltregime ermordet wurden. Es sind pflastersteingroße Betonwürfel, mit einem Messingblech überzogen, die vor dem letzten Wohnort der NS-Opfer flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen werden. Name, Jahrgang und Verfolgungsschicksal der Menschen werden von Hand in das rund 10 x 10 cm große Messingblech eingeschlagen. Über die Stolpersteine "stolpern" heißt stutzen, stehen bleiben, nachdenken. Stolpersteine verursachen selbstverständlich kein tatsächliches stolpern. Seit 2009 werden auch in Gelsenkirchen Stolpersteine verlegt.
Projektleiterin zum Interview eingeladen
Die Schülerinnen haben Heike Jordan, die dass Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, zum Interview in die Schule eingeladen. Elisa Reckort aus der 9c, Denise Heße und Leonie Pawelzik, beide 9d, haben das Interview geführt. Die Schülerinnen wollen nun ein großformatiges Plakat erstellen, auf dem das Gedenk-Projekt Stolpersteine thematisiert wird. Auch Auszüge aus dem Interview sollen darauf vorgestellt werden. Präsentiert wird die Gemeinschaftsarbeit auf dem Sommerfest in der Schulbibliothek. Die muslimische Lehrerin Nagihan Varol war es, die den Schülerinnen den Denkanstoß lieferte und den Kontakt zur Projektgruppe vermittelte. Die Jugendlichen haben die Patenschaft für den Stolperstein übernommen, der Käthe Hirschhorn am 1. August an der Bismarckstrasse 152 gewidmet wird. Dort hatte die Familie Hirschhorn bis zur Deportation gewohnt.
6. Juli 2011:
Einladung zur Stolperstein-Verlegung in Gelsenkirchen
Am 1. und 20. August 2011 werden in Gelsenkirchen weitere 22 Stolpersteine verlegt. Die Projektgruppe Stolpersteine lädt alle Interessierten herzlich zur Teilnahme an den Verlegungen ein. Uhrzeiten und Verlegeorte entnehmen Sie bitte der Einladung.
Download → Einladung zur Stolperstein-Verlegung
2. Juli 2011:
Stolpersteine Gelsenkirchen - Projektgruppe plant Gedenkbuch

Weitere 22 Stolpersteine werden im August 2011 zu den 19 bereits in Gelsenkirchen vorhandenen hinzukommen. Standen der Allgemeinheit bisher die hinter jedem Stolperstein stehenden Lebens- und Verfolgungsschicksale der NS-Opfer ausschließlich auf der Internet-Präsenz der Projektgruppe zur Verfügung, soll jetzt auch eine Dokumentation unter dem Titel „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist ...“ in Buchform entstehen.
Jeder Stolperstein eine Geschichte
Zu Wort kommen in der geplanten Publikation auch Überlebende des Holocaust aus Gelsenkirchen, die heute überwiegend in den USA leben. Aber auch Angehörige und Nachfahren der NS-Opfer, die bisher mit einem Stolperstein gewürdigt wurden, werden ihren Teil zu dem Gedenkbuch beitragen. In die Bearbeitung und Erstellung des Gedenkbuches sollen die Patinnen und Paten der einzelnen Stolpersteine mit einbezogen werden. Neben den Texten mit lebensgeschicht-lichen Eckdaten und Fotos von den im Gelsenkirchener Stadtgebiet bisher verlegten Stolpersteinen soll auch unveröffentlichtes Material, dass überwiegend aus dem Privatbesitz von Überlebenden stammt, mit in das Druckwerk einfließen. Erscheinen soll die Dokumentation bereits im nächsten Jahr.
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29. Juni 2011:
Gesamtschule Bismarck beteiligt sich an Stolperstein-Projekt
Ein Stolperstein für Käthe Hirschhorn
Käthe Hirschhorn war dreizehn Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert wurde. Die Patenschaft für den Stolperstein, der an Käthe Hirschhorn erinnern wird, haben Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck übernommen. Die Jungen und Mädchen des Deutsch E-Kurs der Klasse 9d sammelten in ihrer Klasse 95 Euro, denn soviel kostet ein Stolperstein, darin sind Herstellung und Verlegung enthalten.
Martha Hirschhorn wurde zusammen mit Tochter Käthe, Sohn Heinrich und der jüngsten Tochter Ruth am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga deportiert. Vater Hermann Hirschhorn hatte man bereits 1940 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Sein Leidensweg führte über das KZ Dachau nach Neuengamme, ein Konzentrationslager am östlichen Stadtrand von Hamburg. Dort starb Hermann Hirschhorn am 18. Juni 1942, angeblich an Lungenentzündung. Heinrich wurde am 12. September 1943 in das Ghetto Riga eingeliefert und weiter über das KZ Stutthof in das KZ Buchenwald verschleppt. Er starb bei einem Bombenangriff im Außenkommando "Wille" bei Tröglitz/Rehmsdorf am 30. November 1944. Martha Hirschhorn und ihre Töchter Käthe und Ruth wurden im August 1944 von Riga in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt. Die Spuren der drei weiblichen Mitglieder der Familie Hirschhorn verlieren sich im KZ Stutthof.
"Die Gesamtschule Bismarck ist die erste Schule in Gelsenkirchen, die sich für die Stolpersteine engagiert" sagt Projektleiterin Heike Jordan, und weiter: " Ich wünsche mir, dass sich noch andere Schulen an dem Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen beteiligen. So erhalten die Jugendlichen einen ganz besonderen, persönlichen Zugang zur deutschen Geschichte zwischen 1933-1945."
An der Bismarckstrasse 152 werden am 1. August durch den Künstler Gunter Demnig 8 Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Verfolgte des NS-Regimes verlegt. An gleicher Stelle werden auch Stolpersteine für die Eheleute Moritz und Toni Meyer und für Kurt Rosengarten in den Gehweg eingelassen. Musikalisch begleitet wird die Stolperstein-Verlegung an der Bismarckstrasse von dem Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Nobert Labatzki. Der Vorbeter der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen wird das jüdische Gebet "El male rachamim" singen. An der Bismarckstrasse wie auch Im Lörenkamp werden die Verlegestellen vom Tiefbauamt (Referat 69) entsprechend vorbereitet.
14. Mai 2011:
Stolpersteine für 22 Gelsenkirchener Opfer des Naziregimes
Im August 2011 werden sie wieder in das Pflaster Gelsenkirchener Gehwege eingelassen - die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. 22 weitere Stolpersteine werden dann an im Nationalsozialismus verfolgte und ermordete Menschen aus Gelsenkirchen erinnern. Am Montag, den 1. August verlegt Gunter Demnig ab 14 Uhr an zehn Orten in Gelsenkirchen insgesamt 18 Stolpersteine, 4 Stolpersteine verlegt die Projektgruppe Ende August in Eigenregie.
Verlegt wird am 1. August für Oskar Behrendt an der Küppersbuschstrasse, für Erich Lange an der Schwanenstraße und am Rundhöfchen, für das Ehepaar Wollenberg an der Von-Der-Reckestraße, für Isidor Kahn Im Lörenkamp , für Fritz Rahkob an der Liebfrauenstraße, für Friederich Poburski an der Vandalenstraße, für Peter Heinen an der Neuhüller Straße, für Paul Kusz an der Hohenzollernstrasse (Früher Plutostraße) und für die Familien Meyer und Hirschhorn sowie für Kurt Rosengarten an der Bismarckstraße. Weitere vier Stolpersteine wird die Projektgruppe Stolpersteine in Absprache mit Gunter Denmig am 20. August für Robert Mäusert Im Bahnwinkel, für Astrid "Iri" Steiner an der Polsumer Straße, für Wilhelm Gorny an der Königgrätzerstraße und für Andreas Schillak jun. an der Essener Straße selbst verlegen.
Download → Veranstaltungsflyer 1. August 2011
14. Mai 2011:
Stolperstein in Braunschweig erinnert an Emmy Vosen aus Schalke
Emmy Vosen wurde am 25. Oktober 1881 in Schalke geboren, ab 1894/95 lebte sie an verschiedenen Adressen in Buer. Am 4. Juni 1903 zog sie nach Braunschweig, wo sie bis zu Ihrer Deportation in das KZ Theresienstadt auch lebte und arbeitete.
Das letzte Lebenszeichen von Emmy Vosen findet sich in Form einer Postkarte aus dem KZ Theresienstadt vom 28. Juni 1943. Sie formuliert ihre Zeilen in Kenntnis der Briefzensur durch die Nazis und beschönigt ihre Situation: "Meine sehr Lieben, heute habe ich Gelegenheit Ihnen recht herzliche Grüße zu senden. Hoffentlich geht es Ihnen so gut wie mir. Hab eine Reise, die mir unvergesslich bleiben wird, hinter mir. Bin immer noch im Haushalt beschäftigt. Mein Koffer ist abhanden gekommen, besitze 1 Hemd, 1 Schlüpfer, 1 Rock, 1 Bluse." Im folgenden Jahr starb Emmy Vosen im KZ Theresienstadt - angeblich an Typhus. Eine Recherche im Rahmen des Projektes Stolpersteine Braunschweig von Phillipp Jakob, Freie Waldorfschule Braunschweig: → Emmy Vosen
12. April 2011:
Ermordet in Auschwitz

In Saarlouis erinnern seit dem 8. April 2011 zwölf Stolpersteine an NS-Gewaltopfer. Darunter befinden sich auch die Stolpersteine für Hans, Marta Rosa und Helga Johanna Meyer.
Der in Gelsenkirchen geboren Hans Meyer hat im Dezember 1927 Marta Rosa Hanau in deren Heimatstadt Saarlouis geheiratet. Das Ehepaar lebte an der ehemaligen Neystrasse 2, heute Professor-Notton-Strasse 13. Dort kam im März 1929 die gemeinsame Tochter Helga Johanna zur Welt. Unter dem stetig zunehmenden Verfolgungsdruck verließ Hans mit seiner Familie schließlich Deutschland und emigrierte im Februar 1936 in die Niederlande. Als im Sommer 1942 auch in den Niederlanden die Deportation der Juden begann, wurden Hans, Marta Rosa und Helga Johanna über das Lager Westerbork in das KZ Auschwitz deportiert. Helga und Marta Meyer wurden im Oktober 1942, Hans Meyer im Februar 1943 in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Für diese drei Menschen jüdischer Herkunft wurden jetzt auf Initiative unserer Projektgruppe in Saarlouis Stolpersteine verlegt.
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20. März 2011:
Stolpersteine halten Erinnerungen wach

Der Termin für die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen steht fest. Am 1. August 2011 wird Gunter Demnig nach Gelsenkirchen kommen, um in unserer Stadt 20 weitere Stolpersteine gegen das Vergessen zu verlegen. NS-Gewaltopfer, die verschiedenen Verfolgtengruppen angehörten, werden an diesem Tag mit einem Stolperstein geehrt. Stolpersteine erinnern an die Menschen, die aus politischen, rassistischen oder anderen Gründen ermordet wurden. Es ist geplant, am 1. August in Gelsenkirchen Stolpersteine für Zeugen Jehovas, Widerständler, Menschen jüdischer Herkunft sowie einen Stolperstein für ein Opfer der NS-Psychatrie zu verlegen.
Finanziert werden die Stolpersteine über Patenschaften. Pate kann jede Privatperson werden, aber auch Einrichtungen, Vereine, Firmen, Verbände oder Schulen. So ist es die Zivilgesellschaft, die das Gedenkprojekt “Stolpersteine” trägt. Eine Patenschaft kostet derzeit 120 Euro. Damit werden ausschließlich die Materialkosten und die Verlegung der Stolpersteine durch Gunter Demnig finanziert. Jede Patin oder jeder Pate erhält, soweit möglich, Informationen über das Schicksal des Menschen, für den der Stolpersteinverlegt werden soll. Die Paten werden zur Verlegung der Stolpersteine eingeladen. Wenn Sie eine Patenschaft übernehmen wollen oder Fragen zum Projekt haben, nehmen Sie bitte mit der Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen Kontakt auf:
Email an Heike Jordan, Projektleiterin
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23. Februar 2011:
Spur der Erinnerung - Stolpersteine für Angehörige der Familie Meyer
Mark A. Meyer aus New York ist der Enkel von Abraham Rimpel und der Neffe von Rosa Rimpel. Abraham Rimpel, der ein Schuhgeschäft in Stuttgart hatte, wurde 1940 im KZ Dachau ermordet, seine Tochter Rosa in einem KZ in Polen. Seine Mutter Ottilie Rimpel, geboren und aufgewachsen in Cannstatt, ging in Stuttgart zur Schule, die sie schon bald verlassen mußte, weil sie Jüdin war. Neben seinem Großvater und seiner Tante wurden auch viele andere Mitglieder seiner Familie, die in oder nahe Stuttgart gelebt haben, von den Nazis ermordet. In Stuttgart wurden am 29. April 2010 an der Sophienstrasse 5 für Abraham und Rosa Rimpel Stolpersteine verlegt.
Der in Gelsenkirchen geboren Hans Meyer hat im Dezember 1927 Marta Rosa Hanau in deren Heimatstadt Saarlouis geheiratet. Das Ehepaar lebte an der ehemaligen Neystrasse 2, heute Professor-Notton-Strasse 13. Dort kam im März 1929 die gemeinsame Tochter Helga Johanna zur Welt. Unter dem stetig zunehmenden Verfolgungsdruck verließ Hans mit seiner Familie schließlich Deutschland und emigrierte im Februar 1936 in die Niederlande. Auf die Spur der Familie Hans Meyer sind wir bei unseren Recherchen zur Familie Moritz Meyer mehr zufällig "gestolpert". Bei der Emigration in die Niederlande wurde von den Behörden der Familienname in "Meijer" geändert, so hatte sich über Jahrzehnte die Spur der Familie in den Archiven verloren. Wir fanden heraus, dass die Familie Hans Meyer in Amsterdam gewohnt hat. Als im Sommer 1942 auch in den Niederlanden die Deportation der Juden begann, wurden Hans, Marta Rosa und Helga Johanna über das Lager Westerbork in das KZ Auschwitz deportiert. Helga und Marta Meyer wurden im Oktober 1942, Hans Meyer im Februar 1943 in den Gaskammern ermordet. Für diese drei Menschen werden auf Initiative der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen am 8. April 2011 in Saarlouis Stolpersteine verlegt. Auf Einladung der Stadt Saarlouis nehmen Heike und Andreas Jordan an den Verlegungen und dem Begleitprogramm teil.
Im August 2011 werden in Gelsenkirchen Stolpersteine an der Bismarkstrasse zur Erinnerung an die Großeltern von Mark A. Meyer, Moritz und Toni Meyer, verlegt. Familie Moritz Meyer floh vor den Nazis im März 1939 aus Gelsenkirchen in die Niederlande. Als die Judenverfolgung nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande begann, wurden auch Moritz und Toni Meyer am 20. Januar 1943 in das Durchgangs- und Sammellager Kamp Westerbork verschleppt. Am 2. Februar 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert und dort am 5. Februar 1943 in den Gaskammern ermordet. Überlebende berichteten nach dem Krieg, dass Mutter Toni durch die Deportation von Westerbork nach Auschwitz so geschwächt war, dass sie auf einer Bahre in die Gaskammer getragen werden mußte.
Sohn Paul gelang es 1940 über Rotterdam in die USA zu emigrieren. Auf der Überfahrt lernte er Ottilie Rimpel aus Stuttgart kennen. Paul und Ottilie haben am 16. November 1940 in New York geheiratet, am 19. Dezember 1946 wurde Mark A. Meyer geboren.
5. Februar 2011:
Längere Wartezeiten bei den Stolpersteinen
Das Interesse an den Stolpersteinen ist generell groß. So groß, dass Gunter Demnig mit der Verlegung neuer Stolpersteine kaum nachkommt. Mit längeren Wartezeiten auf einen Verlegetermin muss gerechnet werden. Das ist nicht zu ändern, denn die Stolpersteine dürfen nicht zu einer Fließbandproduktion entwertet werden.
Die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen findet voraussichtlich im August 2011 statt. Das teilte uns Anna Warda, zuständig für die Vergabe von Verlegeterminen, jetzt auf Nachfrage mit. Im Vorfeld der Verlegungen recherchiert die Projektgruppe Verfolgungsschicksale von NS-Opfern, teilweise wird das auch von den Paten übernommen. Die Ergebnisse der Recherchearbeit werden aufbereitet und dann dem Institut für Stadtgeschichte vorgelegt, dort auf sachliche Richtigkeit geprüft. Erst danach kann bei Gunter Demnig ein konkreter Verlegetermin angefragt werden.
3. Februar 2011:
Stolpersteine im Internet
Von Anfang an war beabsichtigt, die Geschichten der Menschen, für die "Stolpersteine" verlegt wurden, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen hat nun ihr Online-Angebot erweitert und PDF-Dateien online gestellt, die barrierefrei für Sehbehinderte sind und sich maschinell erfassen lassen. So können die Informationen über Verfolgungsschicksale und Verlegeorte auch von Sehbehinderten und Blinden mittels Screenreader, Sprachgerät oder Braille-Leiste gelesen werden. "Seit heute stellen wir Hintergrundinformationen zu den Verfolgungschicksalen der Menschen, für die bereits Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt wurden, auch barrierefrei für Sehbehinderte und Blinde im Internet zur Verfügung. Nachdem die Projektgruppe bereits seit Januar auch im sozialen Netzwerk Facebook zu finden ist, haben wir nun das Informationsangebot weiter ausgebaut" freut sich Projektleiterin Heike Jordan.
Die "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig werden seit 2009 auch in Gelsenkirchen verlegt. Sie finden sich an vielen Orten im Stadtgebiet, und zwar genau dort, wo Menschen wohnten, die in der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. "Stolpersteine", das sind kleine Erinnerungszeichen, die zusammengenommen ein außergewöhnliches dezentrales Denkmal bilden. Es entsteht langsam, ist auf viele Orte verteilt und fügt sich erst im Kopf des Betrachters zu einem Ganzen. Das Projekt steht und fällt mit dem Engagement der Bevölkerung.
Denn nur wenn Patenschaften übernommen werden, können neue "Stolpersteine" verlegt werden. In Gelsenkirchen beteiligen sich zahlreiche Menschen: Privatpersonen, Vereine, Verbände, Parteien, Schulen, Auszubildende und andere mehr. Alle am Projekt "Stolpersteine" Beteiligten tragen das Ihre dazu bei, der Erinnerung an die NS-Opfer den Platz zu geben, der ihr zusteht: in der Mitte der Gesellschaft.
25. Januar 2011:
Gunter Demnig für Stolpersteine ausgezeichnet
Seine "Stolpersteine" erinnern vieltausendfach an Opfer des Holocaust. Der Kölner Künstler Gunter Demnig wurde am Montag Abend in Stuttgart mit der undotierten Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet. Die Medaille wird von der Stadt Stuttgart, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs jährlich verliehen. Mit der Medaille soll Demnigs Verdienst um die christlich-jüdische Verständigung geehrt werden. Gunter Demnig will mit seinen Stolpersteinen erreichen, dass Passanten stehen bleiben und sich herunterbeugen müssen, um zu lesen, wer an der bezeichneten Stelle einst wohnte. Mehr als 27.000 der kleinen Gedenksteine hat er seit 1997 vor allem in Deutschland verlegt, aber auch in mehreren anderen europäischen Ländern.
Es gab allerdings auch Kritik an dem Projekt - so wandte sich erst kürzlich die jüdische Gemeinde im badischen Lörrach gegen die Steine, ähnlich wie die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch - sie kritisieren, dass Passanten achtlos auf die Namen der Verstorbenen trampeln könnten. Stolpersteine sind kleine Quader aus Beton, mit einer Messingschicht überzogen. Sie werden vor den Häusern, in denen jüdische und andere Opfer des nationalsozialistischen Massenmords wohnten, in die Gehwege eingelassen.

16. Januar 2011:
Stolpersteine Gelsenkirchen bei Facebook
Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen stellt sich jetzt auch im Internet-Netzwerk Facebook vor. "Wir können jede finanzielle und auch ideelle Unterstützung gebrauchen und sind deshalb auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen", begründet Projektleiterin Heike Jordan diesen Schritt. Seit Sommer 2009 gibt es die Stolpersteine des Kölner Künstlers Guner Demnig in Gelsenkirchen. Die Aktion Stolpersteine wird ausschließlich mit privaten Spenden finanziert. Zum Fortbestand der Aktion sucht die Projektgruppe ständig neue Paten und Sponsoren. Jeder kann mit einer Spende von 120 Euro die Patenschaft für einen neuen Stolperstein übernehmen, Teilbeträge werden zu einer Gruppen-Patenschft zusammengelegt.
In Gelsenkirchen gibt es inzwischen 19 Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus, die einst als Bürger in unserer Stadt gelebt und teilweise durch Mitwirkung in Vereinen das öffentliche Leben in Gelsenkirchen auch aktiv gestaltet haben.
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Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. September 2011
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