STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

← Aktuelles & Termine


"Ich betrachte diese Steine als Symbole der Wiedergutmachung"

Herman D. Neudorf, USA (Gelsenkirchen Shoa Survivors)

Archiv

Hier finden Sie ältere Beiträge der Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen:

32 weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt - Geschichte wird sichtbar 

An der Schalker Str. lebte Familie Ramer

"Meine Großeltern haben kein Grab" sagte Chava Moskowitz, die eigens aus New York mit weiteren Familienangehörigen aus den USA, Israel und Mexiko zur Stolpersteinverlegung nach Gelsen-kirchen anreiste. Sie hatte die Stolpersteine auf eigene Kosten für ihre Großeltern Jakob und Lisa Ramer und deren Tochter Hanna anfertigen lassen.

Am Freitag verlegte Bildhauer Gunter Demnig diese Stolpersteine an der Florastraße - unweit des letzen Wohnortes der Familie Ramer, der sich an einem heute nicht mehr existierenden Teilstück der Schalker Straße befand. "Meine Großeltern wurden von den Nazis ermordet, meine Mutter Hanna konnte mit einem Kindertransport nach England gerettet werden. Heute stehe ich hier in ihrer Heimatstadt und fühle mich meinen Großeltern so nah wie nie zuvor. Ich bin dankbar, daß es nun diesen Ort gibt, an dem Stolpersteine als eine Art symbolischer Grabsteinersatz an meine von den Nazis ermordeten Angehörigen erinnern" sagte Chava Moskowitz in Ihrer Ansprache. Die Verlegezeremonie abschließend, beteten der Gelsenkirchener Rabbiner Chaim Kornblum auch an diesem Erinnerungsort das Kaddish und Kantor Yuri Zemski das El Male Rachamim.

Zuvor hatte Bildhauer Demnig an diesem Morgen bereits in Buer und Horst Stolpersteine verlegt. An der Urbanusstraße 1 erinnern nun Stolpersteine an die Kaufmannsfamilie Zwecher, an der Buerer Straße 8 an Lilly und Alice Brunetta Stein. Beiden Familien gelang zunächst die Flucht nach Holland. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande begann auch dort die Verfolgung jüdischer Menschen. Familie Zwecher, Mutter und Tochter Stein wurden im Lager Westerbork interniert. Die weiteren Leidenswege dieser Familien endeten mit ihrer Ermordung im Vernichtungslager Auschwitz.

An der Ringstraße lebte Familie Georg AlexanderAbb.: Am Freitag verlegte Bildhauer Gunter Demnig - hier bei der Verlegung an der Ringstraße - weitere 32 Stolperstein an sieben Orten im Stadtgebiet - darunter auch den 100sten Stolperstein, der jetzt in Gelsenkirchen zu finden ist.

Von Rotthausen zog Familie Ullendorf im März 1933 in die Hindenburgstraße 33, die heutige Husemannstraße. Ernst Ullendorf betrieb in der Wohnung ein Abzahlungsgeschäft für Herren-artikel, Anzüge und Stoffe. In der so genannten "Kristallnacht" am 9. November 1938 wurde auch die Wohnung der Ullendorfs und das darin befindliche Warenlager von den Nazi-Schergen zerstört. Auch das Ehepaar Ullendorf konnte danach zunächst nach Holland fliehen, wurde aber dann von den Nazis verhaftet und im Vernichtungs- lager Sobibor ermordet. Sohn Hans Heinrich konnte nach West-Indien fliehen und emigrierte später in die USA. An der Ringstraße 54 Ecke Kirchstraße erinnern jetzt fünf Stolpersteine an die Familie Georg Alexander. Johanna Alexander, einzige Überlebende der Familie, wurde am 27. Januar 1945 in Auschwitz befreit. Ihre Mutter Ella hatte unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse in der so genannten "Kristallnacht" im Dezember 1938 die Flucht in den Tod gewählt. Ihr Vater Georg wurde in Riga, Ihr Bruder Ernst in Auschwitz und Bruder Alexander im KZ Mauthausen ermordet. Die Familie Brechner/Stern hat die Stolpersteine finanziert, Johannas Söhne Alfred und Gerschon sprachen zum Abschluss der Verlegezeremonie das Kaddish für ihre Angehörigen.

In Rotthausen wurden an der Karl-Meyer-Straße Stolpersteine für die jüdische Familie Löwenthal verlegt. Emil und Flora Löwenthal wurden von Gelsenkirchen nach Riga deportiert und dort ermordet. Sohn Bruno floh nach Frankreich, wurde schließlich verhaftet und über das Lager Drancy noch Auschwitz deportiert und dort ermordet. Sohn Erwin überlebte die KZ Dachau und Buchenwald. Nach seiner Befreiung kehrte er nach Gelsenkirchen zurück, starb jedoch tragischerweise 1947 bei einem Autounfall in Gelsenkirchen. Sohn Kurt floh nach Belgien und von dort weiter nach Frankreich, wo er mit seiner Familie versteckt überleben konnte.

Zeitzeuge und Stolpersteinpate Adolf Füting war sichtlich ergriffen, als er von seinen Kindheitserinnerungen an Familie Löwenthal sprach. Füting betonte in seiner Ansprache, wie wichtig die mahnende Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis grade in heutiger Zeit ist: "Es ist von großer Bedeutung sich damit auseinander-zusetzen und so dem Vergessen entgegenzuwirken. Die unfassbaren Verbrechen der Nazis erinnern uns daran, welche Folgen menschenverachtender Hass und Verblendung haben können. Die Stolpersteine können helfen, diese Botschaft an nachfolgende Generationen weiterzutragen".

An der Bergmannstr. 34 lebte Familie BöhmerAbb.: Die elfköpfige Familie Böhmer wurde von den Nazis ermordet, weil sie der Minderheit deutscher Sinti angehörten

Siebte und letzte Station der diesjährigen Verlege-aktion war an der Bergmannstr. 34. Dort war Familie Böhmer beheimatet, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt und ermordet wurden. Vater Karl Böhmer, ein aus Bochum stammender Musiker wurde am 10. Februar 1941 in das "Schutzhaftlager" in Wevelsburg einge-liefert, dort starb er am 9. Dezember 1941, angeb- lich an Lungenentzündung. Seine Frau Anna und ihre neun Kinder wurden von Gelsenkirchen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt und dort ermordet.

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen bedankt sich bei allen Menschen, die uns bei der diesjährigen Stolpersteinverlegung wohlwollend und hilfreich durch vielfältige Unterstützung bei Planung, Organisation und Durchführung begleitet haben.

 

Gelsenkirchen: Stolpersteine schaffen Erinnerungsorte

An der Bergmannstraße 34 lebte Familie BöhmerAbb.: An der Bergmannstraße werden Stolpersteine für die Sinti-Familie Böhmer verlegt.

Am Freitag, den 12. Dezember 2014 wird der Bildhauer Gunter Demnig an sieben Orten im Gelsenkirchener Stadtgebiet 32 weitere Stolpersteine einlassen. Zur Teilnahme an den Verlegungen sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich eingeladen. Wir weisen darauf hin, dass im zeitlichen Ablauf Verschiebungen möglich sind. Planen Sie bitte ein Zeitfenster von +/- 15 Min. zu den angegebenen Uhrzeiten ein. Die Projektleitung ist am Verlegetag unter Tel. 0174-5463829 zu erreichen. Stolpersteine werden verlegt für:

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Moses Zwecher
09.00 Uhr, Urbanusstraße 1

Stolperstein Stolperstein Lilly u. Alice Brunetta Stein
09.30 Uhr, Buerer Strasse 8

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Jakob Ramer
10.00 Uhr Florastraße/MIR

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Ernst Ullendorf
10.30 Uhr, Husemannstraße 33

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Georg Alexander
11.00 Uhr, Ringstraße 54

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Emil Löwenthal
11.30 Uhr, Karl-Meyer-Straße 2

Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Karl Böhmer
12.00 Uhr, Bergmannstraße 34

 

Gunter Demnig

Zum Nachhören: Podcast, SWR1

Bildhauer. Spurenleger. Projektkünstler. Verlegte fast 50 000 Stolpersteine und schuf damit das größte dezentrale Mahnmal der Welt. "Dieses Interview gibt einen guten Einblick in die Arbeit unseres Teams." sagt Gunter Demnig.

Zum Nachhören: Gunter Demnig im Gespräch mit dem SWR1 (Podcast, 29:22 min. v. 25.11.2014)

 

Neun Steine gegen das Vergessen

Videodokumentation von der Stolpersteinverlegung am 17. Dezember 2013 in Gelsenkirchen. Jesse Krauß hat bewegende Szenen in Bild und Ton festgehalten.

Die Geschichte hinter den in der Videodokumentation genannten Namen kennenlernen:

Lieselotte Margot Elikan
Werner de Vries
Ehepaar Adolf & Johanna Hirsch (Deutsch & Englisch)
Familie Moritz Back

 

Gedenken an die gegen jüdische Menschen gerichteten Pogrome in der sogenannten "Reichskristallnacht" am 9. November 1938

Die ausgebrannte Synagoge in der Gelsenkirchener Altstadt am Morgen des 10. November 1938Abb.: Die ausgebrannte Synagoge in der Gelsenkirchener Altstadt am Morgen des 10. November 1938

Sonntag, 9. November, ab 15 Uhr in Gelsenkirchen-Horst, Nordsternplatz/vor dem ehem. Spinnrad.

Die Veranstaltung der 'Demokratischen Initiative' beginnt am Nordsternplatz mit einem Schweigezug, der über die Straßen Am Bugapark, Kranefeld-straße, An der Rennbahn, Gelsenbergstraße, Am Schleusengraben bis zur Trauerhalle des Friedhofs Horst-Süd verläuft. Anschließend führt der Schweigezug zum "Kapp-Putsch-Denkmal", wo die Erinnerungsorte-Tafel zum "Kapp-Putsch-Denkmal" durch Schülerinnen und Schüler des Weiterbil-dungskollegs Emscher-Lippe vorgestellt wird. Von dort geht es weiter zur Grabstätte für sowjetische Zwangsarbeiter. Hier wird die Erinnerungsorte-Tafel zur Grabstätte für sowjetische Zwangsarbeiter durch das Institut für Stadtgeschichte vorgestellt. Traditionell endet die Veranstaltung mit dem Moorsoldatenlied. Beziehen Sie mit Ihrer Teilnahme an der Demonstration und der Kundgebung Stellung für Respekt, Toleranz und Zivilcourage - gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit.

Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen

 

Vortrag: Am Tag der Befreiung bin ich wiedergeboren worden

Judith AltmannAbb.: Judith Altmann hält in den USA regelmäßig Vorträge in Schulen und Universitäten. Am 31. August spricht sie in der Gelsenkirchener Bleckkirche.

21. August 2014. Judith Altmann, die heute in den USA lebt, besucht Ende August die ehemaligen Standorte von NS-Unrechtsstätten u.a. in Gelsen-kirchen-Horst und Essen, in denen sie vor fast auf den Tag genau vor 70 Jahren als Zwangsarbeiterin eingesperrt war. Am Sonntag, 31. August ab 17 Uhr wird sie in der Bleckkirche in Gelsenkirchen über ihre Erfahrungen, ihr Überleben und ihre Lehren aus den Verbrechen des Nazi-Systems berichten. “Am Tag der Befreiung bin ich wieder-geboren worden” sagt Judith Altmann, “Ich freue mich darauf, diese Orte im Frieden wiederzusehen.”

Sie überlebte das KZ Auschwitz, die so genannten 'Außenkommandos' des KZ Buchenwald in Gelsen-kirchen, Essen, Sömmerda und das KZ Bergen-Belsen. Judith Altmann, 1924 in Jasina in der damaligen Tschecholowakei geboren, wurde im April 1944 zusammen mit ihrer Familie zunächst in ein Ghetto in Ungarn verbracht. Dann wurde die Familie weiter in das KZ Auschwitz deportiert. Ihre Eltern, ihre Geschwister und die meisten Verwandten überlebten Auschwitz nicht. Von Auschwitz wurde das junge Mädchen zusammen mit 2000 jüdischen Mädchen und Frauen im Sommer 1944 in das KZ-Außenlager von Buchenwald in Gelsenkirchen-Horst (Gelsenberg Benzin AG), dann in das KZ an der Essener Humboldstraße (Krupp) und weiter in das KZ Sömmerda (Rheinmetall-Borsig) verschleppt. In den Lagern mussten die Frauen und Mädchen Zwangsarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft leisten. Judith Altmann: "Wenn du nicht mehr arbeiten konntest, kamst du zurück nach Auschwitz". Mit einem der berüchtigten Todesmärsche gelangte Judith Altmann schließlich über das KZ Buchenwald in das KZ Bergen-Belsen, wo sie im April 1945 von britischen Soldaten befreit wurde.

Eine Veranstaltung des Gelsenzentrum e.V. in Kooperation mit der Bleckkirche – Kirche der Kulturen, Gelsenkirchen, Bleckstraße (an der ZOOM Erlebniswelt). Der Eintritt ist frei. Reservierungen per Email an: sekretariat@gelsenzentrum.de oder Telefon: 0209-9994676

 

Gelsenkirchen: Bald mehr als 100 Stolpersteine

Buerer Straße 8Abb.: Stolpersteine in Gelsenkirchen. Das Bild wurde bei einer der letzten Stolperstein-Aktionen aufgenommen.

12. August 2014. Im Dezember verlegt Bildhauer Gunter Demnig weitere 32 Stolpersteine in Gelsenkirchen. Die Zahl der in unserer Stadt verlegten Stolpersteine wird dann die Grenze von 100 überschreiten – am Ende des Verlegetages werden es 119 sein.

Am 12. Dezember werden die pflastersteingroßen Blöcke in den Straßen vor den Häusern verlegt, in denen Gelsenkirchener*innen lebten, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden. Stolpersteine erinnern an Menschen, die in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom NS-Terrorregime aus politischen, religiösen, rassistischen und ideologischen Gründen verfolgt und ermordet wurden. Auch für Menschen, denen die Flucht aus Nazi-Deutschland gelang, werden Stolpersteine verlegt. "So werden Familien im Gedenken symbolisch wieder vereint" sagt Gunter Demnig.

Die Stolpersteine werden ausschließlich durch Spenden finanziert. Info: (0209) 9994676.

 

Erinnerung wachhalten: Die Sinti-Familie Böhmer 

26. Mai 2014. An die Leidensgeschichte von Rosa Böhmer und ihre Familie erinnert Andreas Jordan von der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen am 5. Juni 2014 um 18.30 Uhr in der Galerie Bild.sprachen, Bergmannstr. 37. Im Gedenken an die in der Nazi-Zeit ermordete Sinti-Familie Böhmer verlegt Bildhauer Gunter Demnig im Herbst diesen Jahres an der Bergmannstraße 34 elf Stolpersteine. Einen Großteil der Patenschaften für diese Stolpersteine haben Kreative der "Gelsenkirchener Galeriemeile" übernommen.

 

Mutter und Tochter wurden in Auschwitz ermordet 

Buerer Straße 8Abb.: Gelsenkirchen-Horst, Buerer Straße 8. Vor diesem Haus, dem letzten frei gewählten Wohnsitz, verlegt Gunter Demnig die Stolpersteine für Lilly Stein und ihre Tochter Alice Brunetta. Beide wurden in Auschwitz ermordet.

31. März 2014. Nach den gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Pogrome in der so genannten "Kristallnacht" am 9. November 1938 floh die Witwe Lilly Stein mit ihren noch in Gelsenkirchen-Horst lebenden Kindern nach Holland. Tochter Bertha war bereits 1936 die Flucht nach Großbritannien gelungen.

Als die Nazis im Mai 1940 die Niederlande besetzten, gerieten auch Lilly Stein und ihre Tochter Alice Brunetta ins Visier der NS-Verfolgungsbehörden. Sie wurden schließlich verhaftet und in Westerbork interniert. Am 14. September 1943 wurden beide in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort am 17. September 1943 direkt nach der Ankunft ermordet.

Die Patenschaften haben der Horster Bezirksbürgermeister Joachim Gill und Marco Langfeldt übernommen. In das Gehwegpflaster eingelassen werden die Stolpersteine von Bildhauer Gunter Demnig nach derzeitigen Planungsstand vorausssichtlich Ende Oktober 2014.

Dokumentation: Familie Phillip Stein

 

Stolpersteine sollen auf der Gelsenkirchener Galeriemeile an ermordete Sinti-Familie erinnern 

Rosa BöhmerAbb.: Das Sinti-Mädchen Rosa Böhmer wurde kurz vor ihrem zehnten Geburtstag in Auschwitz ermordet

31. Januar 2014. Gunter Demnigs Stolpersteine sollen schon bald in Gelsenkirchen an die Lebens- und Leidenswege der Familie Böhmer erinnern. Der Musiker Karl Böhmer und seine Frau Anna wohnten seit 1930 an der Bergmannstraße 34 im Stadtteil Ückendorf. Das Ehepaar hatte neun gemeinsame Kinder.

Vater Karl Böhmer starb 1941 im KZ Niedernhagen (Wevelsburg), die Mutter Anna und ihre Kinder Sonia, Elisabeth, Marie, Sophie, Willy, Karl, Albert, Werner und Rosa wurden von Gelsenkirchen deportiert und 1943/44 in Auschwitz ermordet.

Sinti und Roma wurden im so genannten "Dritten Reich" als "rassisch minderwertig" eingestuft. Der Reichsführer SS Heinrich Himmler befahl am 16. Dezember 1942 die Einweisung aller "Zigeuner und Zigeunermischlinge" in das Vernichtungslager Auschwitz zur "totalen Liquidierung". Insgesamt fielen dem nationalsozialistischen Völkermord europaweit 500.000 Angehörige dieser Minderheit zum Opfer.

Bildhauer Gunter Demnig, geistiger Vater des Stolperstein-Projektes, kommt nach derzeitigen Planungsstand im Oktober wieder nach Gelsenkirchen. Dann könnten auch die Stolpersteine für Familie Böhmer am letzten frei gewählten Wohnort an der damaligen Bergmannstraße 34, mitten im heutigen 'Kreativ.Quartier Ückendorf', verlegt werden. Jedes einzelne Familienmitglied wird mit einem eigenen Stolperstein geehrt, so wird Familie Böhmer symbolisch im Gedenken wieder zusammengeführt.

Finanziert werden die Stolpersteine über Patenschaften. Pate kann jede Privatperson werden, aber auch Einrichtungen, Vereine, Firmen, Verbände oder Schulen. So ist es die Bürgergesellschaft, die das Gedenk-projekt Stolpersteine trägt. Eine Patenschaft kostet 120 Euro, damit werden die Materialkosten und die Verlegung der Stolpersteine durch Gunter Demnig finanziert. Die Stolperstein-Patenschaften für Familie Böhmer haben Knut Maßmann, Peter Liedke, Jesse Krauß, Klaus Brandt, Susanne Becker, Heinrich Szamida, Roman Pilgrim und Renate Brändlein-Wilbertz übernommen. Ein Informationsabend zum Projekt Stolpersteine und der Leidensgeschichte der Familie Böhmer in der Galerie HUNDERT an der Bergmannstraße 37 ist in Planung.

Menschen, die eine Stolperstein-Patenschaft übernehmen wollen, wenden sich an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen: Tel. (0209) 9994676 o. per E-Mail

Dokumentation: Aus der Schule ins KZ - Das kurze Leben der Rosa Böhmer

 

Smartphone-App: Stolpersteine Guide informiert über Lebens- und Leidenswege von NS-Opfern 

Stolpersteine Guide: Gelsenkirchen, Kolpingstr.Steine und App. In der Gelsenkirchener Kolpingstrasse erinnern Stolpersteine an Familie Goldschmidt.

22. Januar 2014. Seit heute liefert eine kostenlose App für Smartphones Informationen zu den Lebens- und Leidenswege von Menschen, an die in Gelsenkirchen Gunter Demnigs Stolpersteine erinnern. Mit den Stolpersteinen kehren die Namen zurück, die App liefert weitere Informationen und auch Fotos - direkt dort, wo die Stolpersteine erinnern - vor den Türen der Häuser.

Die Entwicklung der App startete bereits vor zwei Jahren als Hochschulprojekt der FH Trier in Kooperation mit der Trierer Stolpersteininitiative AG Frieden. Der "Stolpersteine Guide" ist unter der Betreuung von Dozent Marcus Haberkorn zusammen mit den Studenten Alexander Prümm, Peter Nürnberger und Kim-Julian Becker entstanden. Es handelt sich dabei um eine Plattform, über die Inhalte zu Stolpersteinen bereitgestellt werden. Im Auftrag von SWR2 wurde der Stolpersteine Guide für das Projekt der akustischen Stolpersteine erweitert.

“Damit können sich besonders junge Menschen die Menschenverachtung der Nazis vergegenwärtigen, die Naziopfer erhalten mit der Stolpersteinaktion wieder einen Namen, die App ergänzt sie mit Geschichten. So wird an Menschen erinnert, da wo sie Teil der Gesellschaft waren. Wir werden zum Nachdenken angeregt – auch um sich heute für eine menschliche und demokratische Gesellschaft zu engagieren“, so Markus Pflüger von der AG Frieden in Trier.

Als Plattform und "Work in pogress" ist der Stolpersteine-Guide offen für alle Initiativen, die die Erinnerung an die NS-Verbrechen auch mit modernsten Mitteln wachhalten möchten. Diese Möglicheit hat auch die unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum e.V. agierende Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen ergriffen und Hintergrundinformationen und Fotos zu den 87 bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine in die App eingepflegt. Derzeit werden in Gelsenkirchen fünf Führungen mit der App entlang von Stolpersteinen angeboten. Stolperstein-Initiativen in anderen Städten finden auf der Homepage des "Stolperstein-Guide" weitere Infos bzw. ein Kontaktformular zum Mitmachen.

Download AppStore Android App

Stolpersteine-App: Die Geschichte von NS-Opfern erkunden

 

Stolpersteine sollen an Familie Block erinnern 

Möbel Rosing, vor der so genannten 'Arisierung' Möbel BlockAbb.: Möbel Rosing an der Schalker Straße in Gelsenkirchen, vor der so genannten 'Arisierung' Möbelhaus Block

13. Januar 2014. Familie Block lebte an der Schalker Straße 75, direkt an der Kreuzung Liboriusstraße. Im gleichen Haus betrieb die in Gelsenkirchen bekannte und angesehene jüdische Familie ein Möbelgeschäft, dass bereits 1868 von Gumpel Block an der Liboriusstraße 37 gegründet wurde. Nach dem Tod von Gumpel Block wurde der alteingesessene Familienbetrieb 1905 mit einem Neubau an der Schalkerstrasse 75 erweitert.

Mit der Machtübergabe 1933 an die Nazis verschlechterte sich die gesamte Lebenssituation der Familie Block mit dem ständig zunehmenden Verfolgungsdruck durch die NS-Behörden zusehends. Das Geschäft wurde boykottiert, immer mehr Kunden blieben in der Folge aus. So wurde auch der Familie Block die Existenzgrundlage entzogen. Das Geschäft nebst Immobilien wurde schließlich "arisiert" - wie die Nazis die Enteignung jüdischen Eigentums verschleiernd nannten - und ging 1937 in so genannte "arische Hände" über. Neue Eigentümer der Möbelhandlung Block wurden die "arischen" Eheleute Theodor und Christine Ernsting, geborene Rosing, die das Geschäft - jetzt unter dem Namen "Rosing" - an gleicher Stelle fortführten.

Unternehmen wie Rosing konnten mit der "Arisierung" ihren Profit und ihre wirtschaftliche Stellung enorm steigern. In der Festschrift zum 50. Firmenjubiläum der Firma Rosing aus dem Jahre 1960 ist von diesem dunklen Kapitel in Firmengeschichte natürlich keine Rede mehr. Ein exemplarisches Beispiel für die Skrupellosigkeit, mit der die großen und kleinen "Arisierungsgewinnler" in Gelsenkirchen und anderswo - größtenteils bis heute - dreist und plump ihre Firmengeschichte verfälschen oder auch dieses dunkle Kapitel ganz verschweigen.

Mit Hilfe der Tochter von Hans-Helmut Block konnten die die Lebens- und Leidenswege der ehemaligen jüdischen Eigentümerfamilie Block nachgezeichnet werden. Schon bald sollen an der Schalker Straße 75 Gunter Demnigs Stolpersteine an Familie Block erinnern.

Dokumentation: Familie Siegfried Block

 

Film: Stolpersteine Gelsenkirchen - Ihre Namen sind nicht vergessen  

Hier wohnte 1933-1945. Ein Name, ein Stein, ein Mensch. Der neue Film von Jesse Krauß dokumentiert und begleitet den Bildhauer Gunter Demnig bei der Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen im April 2013. Auschnitte aus der Abschlussveranstaltung in der Bleckkirche ergänzen die bewegenden Zeremonien.

 

Stolpersteine: Kleine Steine mit großer Wirkung 

Stolpersteine erinnern an Werner de Vries und Lieselotte ElikanAbb.: Stolpersteinverlegung an der Gelsenkirchener Arminstraße

18. Dezember 2013. Mitten im vorweihnachtlichen Trubel in der Gelsenkirchener Innenstadt verlegte Bildhauer Gunter Demnig gestern neun weitere Stolpersteine vor Häusern, in denen früher jüdische Mitbürger gewohnt haben, die von den Nazis vertrieben oder verschleppt und ermordet worden waren. Die beeindruckenden Zeremonien an den drei Verlegeorten wurden von zahlreichen Menschen jeden Alters begleitet.

Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten im Vorfeld gemeinsam Patenschaften für die Stolper-steine übernommen, die gestern in das Pflaster eingelassen wurden. So war es ein Geschichtskurs des Schalker Gymnasiums, der mit Lehrer Alfons Schindler die Patenschaft für den Stolperstein übernommen hat, der nun an der Arminstraße an Lieselotte Elikan erinnert. Rund 30 Prozent der jugendlichen Kursteil-nehmerinnen und -teilnehmer haben einen Migrationshintergrund. In einem WAZ-Artikel wird heute Lehrer Alfons Schindler zitiert: "Wenn diese Schüler mit ausländischer Abstammung über Deutsche Geschichte sprechen, ist das für mich Integration pur."

Auch für Lieselottes Freund Werner de Vries, der den Holocaust überlebte, verlegte Gunter Demnig gestern einen Stolperstein an der Arminstraße. Im Gedenken sind Lieselotte und Werner nun wieder symbolisch vereint. Die Jugendlichen waren von der Zeremonie, an der auch Schulleiterin Angelika Philipp und Lehrer Alfons Schindler teilnahmen, sichtlich beindruckt. Bereits am Vormittag hatten die Schülerinnen und Schüler im Schalker Gymnasium eine würdige und bewegende Auftaktveranstaltung mit verschiedenen Pogramm-punkten gestaltet.

Enkelin Ingrid Gunther, Urenkelin Nina Hassin und Ururenkelin Dafna Hassin kamen nach GelsenkirchenAbb.: Die (v.li.) Urenkelin, Ururenkelin und Enkelin von Adolf Hirsch kamen nach Gelsenkirchen

Nachfahren des Ehepaars Adolf und Johanna Hirsch kamen eigens aus den USA und Israel zur Stolpersteinverlegung nach Gelsenkirchen. Enkelin Ingrid Gunther aus Washington D.C. und Urenkelin Nina Hassin aus Tel Aviv sprachen vor der Begegnungsstätte Alter Betsaal an der Von-Der-Recke-Straße 9 über ihre von den Stolpersteinen ausgelösten Erinnerungen und Emotionen. Die beiden Wortbeiträge sind hier abrufbar: Ingrid Gunther und Nina Hassin.

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine für Familie BackGelsenkirchenAbb.: Stolperstein-Patin Marianne Wodniczak (re.) erinnerte in ihrer Rede an die Lebens- und Leidenswege der jüdischen Familie Moritz Back.

Dem heute in Schweden lebenden Ernst Back war es zu seinem großen Bedauern nicht möglich, persönlich zur Verlegung der Stolpersteine nach Gelsenkirchen zu kommen. Er und Bruder Klaus konnten 1939 mit Kindertransporten nach Schweden gerettet werden, Schwester Hilde erhielt sprichwörtlich in letzter Minute die rettende Einreiseerlaubnis nach Schweden. Die Eltern Moritz und Paula starben im Holocaust.

Ernst Back übermittelte seinen Redebeitrag per Email, so konnte dieser während der Zeremonie an der Ebertstraße 1 seinem Wunsch entsprechend verlesen werden. Der Familien- und Freundeskreis von Marianne Wodniczak hatte die Patenschaft für die fünf Stolpersteine übernommen, die an Familie Back erinnern. Zahlreiche Menschen aus diesem Kreis nahmen an der Verlegezeremonie teil.

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen dankt allen Menschen, die diese Stolperstein-Verlegungen auf vielfältige Weise wohlwollend und unterstützend begleitet haben, im besonderen

Ingrid Gunther, Nina Hassin, Dafna Hassin, Marianne Elikan-Reusch, Ernst und Hilde Back, Gunter Demnig, Yuriy Zemskyi, Marianne Wodniczak, Angelika Philipp, Alfons Schindler, Deniz Adar, Melike Demirbag, Elisa Dubina, Laura Geiling, Dominik Gruhn, Kevin Hackbarth, Alina Hollmann, Jennifer Islam, Oliver Karski, Alexander Roßbegalle, Nursema Sen, Yudum Sever, Thu Hang Tran, Sally Uwuru, Sarah Zander, Jenny Högemeier, Robert Heidenreich, Jesse Krauß, Thomas Schnitzler und Karlheinz Weichelt.

 

Neun weitere Stolpersteine werden im Dezember in Gelsenkirchen verlegt 

Stolpersteine erinnern Abb.: Gelsenkirchen, Von-Der-Recke-Straße 9. Mit der Verlegung von zwei Stolpersteinen kehren auch die Namen von Adolf und Johanna Hirsch an den Ort zurück, an dem sie einst lebten.

11. November 2013. Mit Kindertransporten konnten die drei Kinder der Familie Back nach Schweden gerettet werden, die Mutter wurde in Auschwitz ermordet, der Vater starb in Theresienstadt. Das Ehepaar Hirsch wurde in der Gaskammer von Treblinka erstickt, Lieselotte Elikan starb in Stutthof. Werner de Vries überlebte Riga und Stutthof und kehrte nach seiner Befreiung zunächst nach Gelsenkirchen zurück. Zur Erinnerung an die Lebens- und Leidenswege dieser Menschen werden am 17. Dezember in Gelsenkirchen neun weitere Stolpersteine verlegt. Zur Teilnahme an den Verle-gungen sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich eingeladen.


Stolperstein Stolperstein Lieselotte Elikan & Werner de Vries
14:30 Uhr, Arminstraße, Höhe Kurt-Neuwald-Platz


Stolperstein Stolperstein Adolf & Johanna Hirsch
15:00 Uhr, Von-Der-Recke-Straße 9


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Moritz, Paula, Hilde, Ernst und Klaus Back
15:30 Uhr, Ebertstraße 1/Ecke Robert-Koch-Straße

→ Biografische Skizzen

(Die genannten Uhrzeiten sind Richtwerte, planen Sie bitte ein Zeitfenster von +/- 15 Minuten ein. Die Projektleitung ist am Verlegetag unter der Handy-Nr.0174 5463829 zu erreichen)

 

GE-Putzt: Nun glänzen sie wieder 

Stolpersteine erinnern an die jüdische Familie TepperAbb.: Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an die jüdische Familie Tepper. Einzig Max Tepper überlebte die NS-Zeit.

Weil die Stolpersteine im Laufe der Zeit eine Patina ansetzen, hatten wir anlässlich des 75. Jahrestages der Pogromnacht zu einer Putzaktion aufgerufen. Am Nachmittag des 9. November endete die Aktion. Freiwillige Helfer_Innen haben alle Stolpersteine im Stadtraum gereinigt, an den Verlegestellen Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Groß war das Interesse an Gunter Demnigs Projekt Stolpersteine auch bei den zufällig des Weges kommenden Passanten. Es entwickelten sich an an den Verlegestellen zahlreiche Gespräche, Fragen konnten beantwortet und Unterstützer gewonnen werden. Einhellige Meinung der Passanten: Die Stolpersteine regen zum Nachdenken an und sind in ihrer unaufdringlichen Schlichtheit ein sinnvolles und wichtiges Projekt der Erinnerungskultur - weil sie eben kein statisches, veordnetes Geschichtsbild transportieren, sondern immer wieder individuelle Denkprozesse anstossen. Wir danken an dieser Stelle den freiwilligen HelferInnen Doris, Mechthild, Heike, Uwe, Michael, Andreas und besonders Karl, der die Aktion finanziell unterstützte.

 

Pötzlich waren die Löwenthals weg 

Kleinkaufhaus Emil Löwenthal in RotthausenAbb.: An das Kaufhaus Löwenthal in der Rotthauser Karl-Meyer-Straße können sich manche Gelsenkirchener noch erinnern.

Emil Löwenthal, geb. am 13. September 1873 in in Grunau/Westpreussen war mit Flora Löwenthal, geb. Heymann, geboren am 15. Oktober 1876 in Gnesen (Gniezno) verheiratet.

Das Ehepaar Löwenthal hatte vier Kinder, die am am 16. August 1900 geborene Erna, den am 6. Januar 1902 geborenen Bruno, den am 10. Dezember 1907 in Gelsenkirchen geborenen Kurt und den am 3. November 1911 geborenen Erwin. Erna und Bruno wurden in Kamen, Kurt und Erwin in Gelsenkirchen geboren. Ansässig war Familie Löwenthal seit etwa 1906 in Rotthausen an der Karl-Meyer-Strasse 2. Vater Emil Löwenthal betrieb dort ein kleines Kaufhaus mit breit gefächerten Warensortiment. Kurt und sein Bruder Erwin waren Inhaber einer Süßwarenhandlung.

Erna verließ Gelsenkirchen bereits 1922, zog nach Essen und heiratete dort. Die Eltern Emil und Flora, Tochter Erna, deren Kinder Inge, Gerd, Max - eine weitere Tochter überlebte die Shoa - und Bruno wurden von den Nazis ermordet. Kurt Löwenthal überlebte den Holocaust in Südfrankreich, Erwin wurde 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit, starb jedoch 1947 bei einem Autounfall in Gelsenkirchen. Schon bald sollen Stolpersteine in Gelsenkirchen-Rotthausen an die jüdische Familie Löwenthal erinnern - eine erste Paten-schaft für den Stolperstein, der Emil Löwenthal gewidmet wird, hat ein Rotthauser Bürger übernommen. Er hat Familie Löwenthal noch persönlich gekannt. Die Patenschaft für den Stolperstein, der an Bruno Löwenthal erinnern wird, hat Dr. Willi Mast übernommen. Für die Stolpersteine, die an Flora, Erwin und Kurt Löwenthal erinnern sollen, können noch Patenschaften übernommen werden. Info: (0209) 9994676.

Dokumentation: → Familie Emil Löwenthal

 

Gedenkaktion "Gelsenkirchen vor 75 Jahren": Stolpersteine werden geputzt 

Rettung mit KindertransportAbb.: In Sicherheit. Jüdische Kinder bei der Ankunft in England

In Gelsenkirchen erinnern Gunter Demnigs Stolpersteine seit 2009 an Menschen, die Opfer des NS-Regimes wurden. Sie erinnern auch an jüdische Menschen, die 1938 nach Polen abgeschoben, Opfer der Novemberpogrome wurden oder mit einem der Kindertransporte in Sicherheit gebracht werden konnten.

Zu einer besonderen Form des Gedenkens ruft der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum auf. Am 8. und 9. November 2013 sollen alle 78 bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine geputzt und an jeder der insgesamt 40 Verlegestellen Blumen niedergelegt werden. UnterstützerInnen und Sponsoren für die Aktion sind herzlich willkommen. Infos unter Tel.: (0209) 9994676.

Im Jahr 1938 erreichte die nationalsozialistische Judenverfolgung ihren Höhepunkt, bevor mit dem II. Weltkrieg die Massenvernichtung begann. In diesen Tagen jähren sich zeithistorische Ereignisse auf dem Weg in den Holocaust: Vor 75 Jahren wies NS-Deutschland am 28. Oktober Oktober über Nacht Tausende polnischstämmige Juden aus. Diese erste NS-Massendeportation, die im Zusammenspiel von Polizei, Reichsbahn, Finanzbehörden und Diplomatie ablief, kann als "Probelauf" für die später folgenden Deportationen jüdischer Menschen gelten. Auf die dabei gemachten Erfahrungen und die logistische Zusammenarbeit mit der Reichsbahn griff der Sicherheitsdienst (SD) zurück, als er wenig später nach den Novemberpogromen vom 9. auf den 10. November 1938 mehr als 26.000 Juden in so genannte Konzentrationslager schaffen ließ. Die so genannte "Polenaktion" stand in direktem Zusammenhang mit den Pogromen vom 9. November 1938.

Kurze Zeit danach begannen mit den "Kindertransporten" die Rettung jüdischer Kinder. In den Wochen nach der so genannten "Kristallnacht" entschloss sich die britische Regierung, bis zu 10.000 unbegleitete jüdische Kinder und Jugendliche aus dem NS-Herrschaftsbereich nach Großbritannien einreisen zu lassen. Rund 2.000 Kinder nahmen die USA auf. Mit den Kindertransporten wurden in neun Monaten, vom 30. November 1938 bis zum 31. August 1939 - einige wenige erfolgten auch noch nach Ausbruch des II. Weltkrieges - insgesamt rund 12.500 Kinder vor dem Terror der Nazis gerettet. Die meisten der Kinder sahen ihre Familien jedoch nicht wieder.

Jüdische Betroffene und Zeitzeugen aus der Mehrheitsgesellschaft schildern ihre Erlebnisse in der sogenannten "Reichskristallnacht": → Dokumentation: Die Pogromnacht vom November 1938 in Gelsenkirchen

 

Grausames Mordprogramm: Die so genannte "NS-Kindereuthanasie"  

Auszug Krankengeschichte

Abb.: Auszug "Krankengeschichte des Jürgen Sommerfeld" Zum Vergrößern anklicken(Quelle: LWL Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Bestand 653/1, Nr. 213 Patientenakte Sommerfeld, Jürgen)

Jürgen Sommerfeld war ein geistig und körperlich behindertes Kind. Der am 11. Januar 1941 in Gelsenkirchen-Schalke geborene Jürgen war gerade zweieinhalb Jahre alt, als er in die so genannte "Kinderfachabteilung" der Provinzialheil-anstalt Aplerbeck in Dortmund aufgenommen wurde. Keine drei Wochen später war das Kind tot.

Körperlich oder geistig behinderte Kinder galten nach der NS-Rassenideologie im so genannten "Dritten Reich" als "lebensunwert" und wurden in eigens dafür eingerichteten Mordstätten, den so genannten "Kinderfachabteilungen" ermordet. Die Bezeichnung "Kinderfachabteilung" sollte bewusst den wahren Zweck der Einrichtungen vertuschen. Die Totenscheine bescheinigten eine natürliche Todesur-sache, so soll Jürgen Sommerfeld an "Kreislaufschwäche" gestorben sein. Die Zahl der zwischen 1939 und 1945 ermordeten Kinder wird auf mindestens 8.000 geschätzt, insgesamt fielen mehr als 200.000 behinderte Menschen jeden Alters im "Dritten Reich" dem grausamen Krankenmord-Programm der Nazis zum Opfer.

Nach 1945 setzte in der Bundesrepublik eine spontane und kollektive Amnesie und Verdrängung an die NS-Krankenmorde ein. Lange hat die deutsche Gesellschaft diesen ermordeten Menschen das Gedenken verweigert. Zur Rechenschaft gezogen worden sind nach Kriegsende die wenigsten der am Mordprogramm beteiligten Mitarbeiter der Gesundheitsämter, Ärzte, Psychater, Hebammen, Krankenschwestern und Fürsorgerinnen. Die Karrieren vieler der Beteiligten gingen in der Bundesrepublik ungebrochen weiter.

→ Jürgen Sommerfeld - als "Lebensunwert" in Aplerbeck zu Tode "behandelt"

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen hat jetzt einen Arbeitskreis initiiert, der sich schwerpunkt- mäßig mit Recherchen zu den Lebens- und Leidenswegen Gelsenkirchener Opfer der „Euthanasiever-brechen“ befasst und die Erinnerung daran wieder in Gang setzen will. Interessierte, die sich ehrenamtlich am Arbeitskreis beteiligen wollen, sind herzlich willkommen. Kontakt per Email: AK Krankenmorde

 

Filmvorführung am 31. Oktober 2013 in der 'flora': "Wir haben es doch erlebt" Das Ghetto von Riga  

Wir haben es doch erlebt - Das Ghetto von Riga

Der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum e.V., der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreis-vereinigung Gelsenkirchen (VVN-BdA) und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammen-arbeit Gelsenkirchen e. V. laden ein zur Präsen-tation des Dokumentarfilms von Jürgen Hobrecht "Wir haben es doch erlebt" - Das Ghetto von Riga (D 2013, 98 Min.).

Donnerstag, 31. Oktober, Kulturraum "flora", Florastraße 26, Gelsenkirchen. Einlass ab 19 Uhr

Regisseur Hobrecht begleitet die Präsentation und wird nach der Vorführung Fragen des Publikums beantworten. Der Eintritt ist frei, um eine Spende zugunsten der Weiterarbeit der Phoenix Medien-akademie am Thema "Riga" und zur Unterstützung einer Hilfsorganisation für baltische Holocaust-Überlebende wird gebeten.

In Gelsenkirchen kann der dokumentarisch angelegte Film aufgrund des Engagements der obengenannten Organisationen gezeigt werden, unterstützt wird die Filmvorführung zudem von der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen. Der Film wird vom 10. Oktober bis 10. Dezember 2013 in einer Reihe von Veranstaltungen bundesweit gezeigt, Gelsenkirchen ist einer von 35 ausgewählten Veranstaltungsorten. Bundesminister a.D. Wolfgang Tiefensee, Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen für Demokratie e.V.“ hat die Schirmherrschaft für die Veran-staltungsreihe übernommen.

Über 25.000 Juden aus dem "Deutschen Reich" wurden ab Herbst 1941 nach Riga verschleppt, Hauptstadt des von Hitlers Wehrmacht besetzten Lettland. Zwischen November 1941 und Oktober 1942 fuhren 25 Züge der Reichsbahn mit ihrer Menschenfracht aus 14 Städten - darunter u.a. Gelsenkirchen, Dortmund, Münster und Bielefeld - nach Riga. Unmittelbar zuvor waren die bis dahin im Ghetto von Riga internierten ca. 27.000 lettischen Juden und Jüdinnen in einem Massaker ermordet worden - das Ghetto wurde "freigeschossen" sagt Margers Vestermanis, selbst Überlebender des Holocaust in Lettland. Die SS schaffte mit dieser Mordaktion Platz für die Neuankömmlinge aus Deutschland. Von den 355 Gelsenkirchener Juden – am 27. Januar 1942 nach Riga verschleppt – wurden 307 in Riga und Umgebung ermordet. Allein bei einer Massen-tötung im Zuge der Auflösung bzw. Räumung des Rigaer Ghettos am 2./3. November 1943 ermordete die SS und ihre Helfer 87 Gelsenkirchener, darunter zwanzig Kinder.

 

Abtransport in das Ghetto Riga musste selbst bezahlt werden 

Quittungen bestätigten die Entrichtung von Kosten für die 'Evakuierung' nach Riga.

Abb.: Die staatlich legalisierte Ausplünderung jüdischer Menschen setzte sich auch bei der Deportation fort: Für seine Frau, für sich und den gemeinsamen Sohn musste Max Schloss 150,- RM als "Gebühr Evakuierung" und 120,- RM "Transport-kosten" für die Mitnahme der beweglichen Habe bezahlen - gegen Quittung. (Quelle: Archiv Gelsenzentrum/Herman Neudorf)

Die Menschen wussten nicht, was sie am Bestim-mungsort Riga erwartete. Einige Wochen vor der Deportation hatten die Betroffenen bereits Briefe erhalten, darin wurde dem Empfänger mitgeteilt, dass er zur "Evakuierung in den Osten" eingeteilt ist und sich an einem bestimmten Tag für den Transport bereit zu halten habe.

Die zur Deportation bestimmten glaubten zu diesem Zeitpunkt noch an den vorgegauckelten "Arbeits-einsatz" im Osten, wurde doch in den Benachrichti-gungen detailliert aufgelistet, welche Ausrüstungs-gegenstände mitzunehmen sind: Schlafanzug, Nachthemd, Socken, Pullover, Hosen, Hemden, Krawatten, warme Kleidung, Näh- und Rasierzeug, Bettzeug, Medikamente und Verpflegung. Arbeit im Osten, daran glaubte man. Denn Arbeit bedeutet Brot, und Brot bedeutet Leben, bedeutet Weiter-leben, so dachte man. Niemand konnte sich vor- stellen, dass das alles nur Lug und Trug war, perfider Teil eines Mordplans, den die Nazis verschleiernd "Endlösung" nannten...

→ Familie Max Schloss - 1942 nach Riga verschleppt

 

75. Jahrestag der Pogromnacht von 1938: Zeit vergeht - Verantwortung nicht  

75. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938

Abb.: Stolpersteine erinnern an vielen Orten in Gelsenkirchen an Opfer des Pogroms vom November 1938. So wie auch diese Stolpersteine vor dem Haus Wanner Straße 119. Das in dem Haus befindliche Geschäft und die Wohnung von Selma, Günther und Erna Schöneberg wurden von den Nazischergen in der Pogromnacht zerstört.

Es geschah vor aller Augen

Die Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren eine vom NS-Terror-regime organisierte und gelenkte Zerstörung von Leben, Eigentum und Einrichtungen jüdischer Menschen im gesamten "Deutschen Reich".

Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in ganz Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer rassistisch motivierter Gewalttaten gegen Leben und Eigentum wurden. So auch in Gelsenkirchen. In dieser Nacht der Schande wurden hunderte Menschen von Nazis und ihren Helfershelfern vergewaltigt, zusammengeschlagen, beraubt, ermordet oder in den Suizid getrieben. Fast alle Synagogen, Geschäfte jüdischer Eigentümer, Wohnungen und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Österreich wurden in der Pogromnacht zerstört. Ab dem 10. November wurden ca. 30.000 Juden in Konzentrations-lagern inhaftiert, wo viele ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Jüdische Betroffene und Zeitzeugen aus der Mehrheitsgesellschaft schildern ihre Erlebnisse in der sogenannten "Reichskristallnacht": → Die Pogromnacht vom November 1938 in Gelsenkirchen

 

Gunter Demnig verlegt im Dezember neun weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen  

Gelsenkirchen: Neun weitere Stolpersteine werden im Dezember 2013 verlegt

16. September 2013. Vor achtzig Jahren begannen in Deutschland Terror, Willkür, Gewaltherrschaft. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden 1933 zu Feinden erklärt, verfolgt, deportiert, ermordet. An die millionenfachen Gewaltverbrechen der Nazis erinnern die Stolpersteine von Gunter Demnig.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr kommt der Bildhauer nach Gelsenkirchen. Am 17. Dezember verlegt Demnig in der Altstadt neun weitere Stolper-steine: an der Arminstraße für Lieselotte Margot Elikan und Werner de Vries, an der Von-Der-Recke-Straße vor der Begegnungstätte Alter Jüdischer Betsaal für Adolf und Johanna Hirsch und an der Ebertstraße für die Familie Moritz Back.

Der Verlegetag beginnt mit einer Auftaktveran-staltung im Schalker Gymnasium, am Nachmittag setzt Gunter Dennig dann die Stolpersteine in das Gehwegpflaster ein. Zur Verlegung wollen Angehö- rige aus Schweden und den USA anreisen, auch die Halbschwester von Lieselotte Margot Elikan will nach Gelsenkirchen kommen - wenn es die Gesundheit der hochbetagten Menschen zulässt.

 

Historischer antifaschistischer Stadtrundgang durch die Gelsenkirchener Altstadt 

Der Stadtrundgang wird von der VHS Gelsenkirchen angeboten, Teilnahme kostenlos

15. September 2013. "Wer lief vor 80 Jahren über diese Straße?" Dieser Stadtrundgang will eine bildhafte Antwort geben. Anhand von Gedenkorten, Erinnerungstafeln und Stolpersteinen führt dieser Stadtrundgang in die Zeit des Nationalsozialismus. Exemplarisch werden Orte des Terrors, der durch die NSDAP ausgeübt wurde, besucht. Wichtige Erinnerungsorte für den Widerstand gegen Hitler werden ebenso Teil des Stadtrundgangs sein, wie die Aufarbeitung dieser Zeit. An jeder Station werden kurz und verständlich die Personen des Widerstandes und die historischen Orte erläutert und in das Zeitgeschehen eingeordnet.

Samstag 19. Oktober 2013, 13:00-15:00 Uhr, Treffpunkt Hauptbahnhof Südausgang

Der Stadtrundgang wird von der VHS Gelsenkirchen angeboten (Kursnummer 1321311), Anmeldung erforderlich. Teilnahme kostenlos.

Freundes- und Familienkreis übernimmt Stolperstein-Patenschaften 

An der Von-Der_Recke-Straße 9 in Gelsenkirchen lebte die jüdische Familie Moritz BackAbb.: Ebertstraße 1 in der Gelsenkirchener Altstadt

9. August 2013. Der jüdische Rechtsanwalt Moritz Back starb in Theresienstadt, seine Frau Paula wurde von dort nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Die drei Kinder des Ehepaars Back konnten mit Kindertransporten nach Schweden gerettet werden. Am letzten selbstgewählten Wohnort der Familie an der Ebertstraße 1 sollen die Stolpersteine an die Lebens- und Leidenswege von Familie Back erinnern.

Möglich gemacht hat das der Freundes- und Familienkreis von Marianne Wodniczak, die in diesem Jahr zu Gunsten des Stolperstein-Projektes auf Geschenke zu ihrem Geburtstag verzichtet hat. Mit dem Erlös konnten die fünf Stolpersteine finanziert werden, für die der Freundes- und Familienkreis die Patenschaften übernommen hat.

Dokumentation: → Familie Moritz Back

 

"Stolpersteine sollen an unsere Großeltern erinnern" 

An der Von-Der_Recke-Straße 9 in Gelsenkirchen lebte die jüdische Familie Adolf-Abraham HirschAbb.: Von-Der-Recke-Straße 9 in Gelsenkirchen. Hier lebte und arbeitete die jüdische Familie Adolf Hirsch

11. Juli 2013. Die Enkelinnen von Adolf und Johanna Hirsch haben Patenschaften für die Stolpersteine übernommen, die vor dem Haus Von-Der-Recke-Straße 9 verlegt werden und an ihre von den Nazis ermordeten Großeltern erinnen sollen. Der jüdische Kaufmann Adolf Hirsch hatte das Haus 1920 gekauft und betrieb dort eine Wachstuch-Großhandlung.

Familie Hirsch lebte in der Erdgeschoßwohnung. In den Dreißiger Jahren wurde Adolf Hirsch enteignet, die Nazis nannten diesen staatlich legalisierten Raub jüdischen Eigentums "Arisierung". Noch bis März 1942 "durfte" das Ehepaar Hirsch an der Von-Der-Recke-Straße 9 wohnen bleiben, dann wurden sie zwangsweise in eines der so genannten "Judenhäuser" Gelsen-kirchens an der Klosterstraße 21 einquartiert und von dort am 31. Juli 1942 in das Ghetto There-sienstadt und zwei Monate später weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort von Nazi-Schergen ermordet.

Dokumentation: → Ehepaar Hirsch

 

Hier waren sie Zuhause ...  

An der Wanner Straße 119 in Gelsenkirchen-Bulmke lebte die jüdische Familie SchönenbergAbb.: An der Wanner Straße 119 in Gelsenkirchen-Bulmke lebte die jüdische Familie Schönenberg. Drei Stolpersteine erinnern jetzt an ihre Lebens- und Leidenswege

21. Mai 2013. Eigens zur Verlegung dieser Stolpersteine mit zwei ihrer Söhne aus San Francisco angereist, schilderte Jackie Shelton in einer sehr bewegenden Rede an der Wanner Straße die Lebens- und Leidenswege ihres Vaters Günter, ihrer Tante Erna und ihrer Großmutter Selma. Am Abend sprach sie auf der Gedenk-veranstaltung in der Bleckkirche. Beide Reden sind hier im Wortlaut abrufbar:

→ Rede Wanner Straße
→ Rede Bleckkirche

 

Auf den Spuren der Kinder von Westerbork 

Die Geschwister Günsberg, geboren in Gelsenkirchen, wurden am 26. März 1943 in der Gaskammer von Sobibór ermordet. Lothar wurde 14, Fanni Susanne 19 Jahre altAbb.: Die in Gelsenkirchen geborenen Geschwister Günsberg wurden am 26. März 1943 in der Gaskammer von Sobibór ermordet. Lothar wurde 14, Fanni Susanne 19 Jahre alt

16. Mai 2013. Vor 70 Jahren deportierte die „Reichsbahn“ tausende Kinder – weil sie Juden oder Sinti und Roma waren. Die „Reichs-bahn“-Züge kamen aus einem Nazi-Lager in den besetzten Niederlanden: Westerbork. In verschlossenen Waggons wurden die Menschen durch Deutschland transportiert, darunter auch Kinder aus Gelsenkirchen.

Nach drei Tagen erreichten die Züge Sobibór in Ostpolen. In dem Nazi-Vernichtungslager wurden die Kinder sofort nach der Ankunft ermordet. Der Verein "Zug der Erinnerung" will im Mai und Juni 2013 auf mindestens 10 deutschen Bahnhöfen gemeinsam mit Initiativen und Projektgruppen aus den verschiedenen Städten von den in Sobibór ermordeten Kindern Abschied nehmen - auf den Bahnhöfen, auf den ihnen vor 70 Jahren niemand half. Von Montag 10. Juni bis Mittwoch 12. Juni 2013 macht der Zug der Erinnerung in Dortmund Station.

Der Zug der Erinnerung ist am Montag (10.6.) und Dienstag (11.6.) von 8 bis 20 Uhr (bei Bedarf länger) sowie Mittwoch (12.6.) von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Der Besuch ist kostenlos. Jugendliche Botschafter und Botschafterinnen der Erinnerung begleiten Schulklassen und Jugendgruppen beim Besuch der Ausstellung. „Dortmund wird die einzige Station des Zugs der Erinnerung in NRW sein, so dass wir mit hohen Besucher-zahlen rechnen. Wir empfehlen Gruppen und Schulklassen daher, sich frühzeitig anzumelden“, sagt Oliver Hein, Mitarbeiter der Arbeitsstelle 'Zukunft braucht Erinnerung'. Gruppenbesuche können unter der E-Mail-Adresse hein.oliver@gmx.net sowie telefonisch unter 0179-3592951 angemeldet werden.

Eine Projektgruppe des Gelsenzentrum e.V. hat sich auf Anregung des "Zug der Erinnerung" in den letzten Monaten auf Spurensuche nach Kindern aus Gelsenkirchen begeben, die in Sobibór ermordet wurden: "Wir zeichnen die Lebens- und Leidenswege nach, die diese Kinder damals gehen mussten. Beim Aufenthalt des Zuges der Erinnerung in Dortmund erinnern wir an ihren gewaltsamen Tod in Sobibór."

Unterstützung bei der Recherche fand der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen. Anhand der dort vorhandenen Unterlagen konnte die Projektgruppe die Namen von neun Kindern und Jugendlichen aus Gelsenkirchen in Erfahrung bringen, die 1943 über Westerbork in das Vernichtungslager Sobibór deportiert und dort ermordet wurden: Lieselotte Grünewald wurde 14 Jahre, Fanni Susanne Günsberg wurde 16 Jahre, Lothar Günsberg wurde 14 Jahre, Karl Werner Kupferschlag wurde 12 Jahre, Hella Grün wurde 13 Jahre, Recha Häusler wurde 13 Jahre, Fanni Landsmann wurde 19 Jahre, Anna Tepper wurde 20 Jahre, Robert Abraham Silberberg wurde 21 Jahre alt. Ernst Levie starb in Auschwitz, er wurde 12 Jahre alt. Die Lebens- und Leidenswege der Geschwister Günsberg werden exemplarisch in der neuen Ausstellung im "Zug der Erinnerung" an die verschleppten und ermordeten Kinder aus Gelsenkirchen erinnern.

Auf Basis der Recherchergebnisse planen wir die Verlegung von Stolpersteinen für diese Kinder und ihre Familien. Es werden Stolperstein-Paten gesucht. Wer eine Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen will, wendet sich an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen, Telefon 0209-9994676 oder E-Mail.

Dokumentation: → Familie Joseph, Fanny und Lothar Günsberg

 

Briefe aus Gelsenkirchen 

15. Mai 2013. Ein besonderes Zeugnis vom Leben der Gelsenkirchener Juden in den späten Dreißiger Jahren und darüber hinaus wurde uns jetzt zur Verfügung gestellt. Ein umfangreiches Konvolut an Briefen und Postkarten, geschrieben in einem der Gelsenkirchener "Judenhäuser" von einer Mutter an ihren in Sicherheit gebrachten Sohn. Die Briefe zeugen vom schwierigen Alltag jüdischer Menschen zwischen 1938 und 1941 im Gelsenkirchen der NS-Zeit.

Es sind bewegende Zeugnisse von Warten und Bangen zwischen Freude und Hoffnunglosigkeit, geprägt von Mutterliebe, tiefer Religiosität und der Kraft des Glaubens an eine bessere Zukunft. In den Briefen werden Namen genannt, Familienstrukturen werden deutlich und sie liefern darüber hinaus auch Hinweise auf Bemühungen von jüdischen Menschen um Ausreise und Flucht. Im letzten Brief vor der Deportation nach Riga richtet die Mutter einen eindringlichen Appell an ihren Sohn. Sie glaubt zu diesem Zeitpunkt noch an den NS-Verfolgungsbehörden vorgegauckelten "Arbeitseinsatz im Osten" und an ein Wiedersehen mit dem geliebten Sohn.

Plötzlich sind die Namen wieder da

Durch diese Briefe wurden wir auch auf die Lebens- und Leidenswege der Familie Jeckel aufmerksam. Als so genannte "Ostjuden" am 28. Oktober 1938 nach Bentschen (Zbąszyń) abgeschoben, verliert sich im dortigen Internierungslager die Spur der Familie. Für Familie Jeckel sollen Stolpersteine an der Hauptstraße 63 verlegt werden. Stolperstein-Paten gesucht!

Dokumentation: → Familie Markus Jeckel

 

Stolpersteine sollen an Frieda, Dorothea Julia, Margot und Ernst Alexander erinnern 

2. Mai 2013. Der in Gelsenkirchen geborene Ernst Alexander konnte als Sechzehnjähriger 1938 in die USA flüchten und entkam so dem Rasse- und Verfolgungswahn der Nazis. Ernst wurde in den USA von einer jüdische Familie in Nebraska adoptiert, sein Vorname wurde zu Ernest geändert. Er heiratete, das Ehepaar bekam vier Söhne. 1979 siedelte die Familie nach Israel um. Dort starb Ernest Alexander im Jahr 2008. Seine Schwester Margot überlebte die NS-Zeit in einem Versteck in Holland, Schwester Dorothea Julia und Mutter Frieda wurden von den Nazis ermordet. Die heute in Israel lebenden Brüder Alexander wollen Stolpersteine zur Erinnerung an ihre Angehörigen in Gelsenkirchen verlegen lassen und haben uns um Hilfe und Unterstützung bei diesem Vorhaben gebeten.

Dokumentation: → Familie Frieda Alexander

 

Stolpersteine - Bleibende Zeichen  

Gelsenkirchen wird erinnert. 19 neue Stolpersteine warten auf VerlegungAbb.: Gelsenkirchen wird erinnert. 19 neue Stolpersteine warten auf Verlegung

1. Mai 2013. "Hier wohnte..." - mit diesen Worten beginnen die Inschriften auf den Stolpersteinen, die Bildhauer Gunter Demnig am Montag begleitet von Stolperstein-Paten und Angehörigen im öffentlichen Raum der Stadt Gelsenkirchen verlegte. "Meine Kunst liegt jedem zu Füßen" sagt Demnig, der sich selbst auch als "Spurenleger" bezeichnet. Ein Stolperstein könnte vor meiner, deiner, eurer Haustür liegen.

Bereits eine halbe Stunde vor dem Beginn der ersten Verlegung parkt der Bildhauer seinen roten Kastenwagen vor dem Haus Karl-Meyer-Straße 10. Mit an Bord: 19 neue Stolpersteine für Gelsenkirchen. Pünktlich um 10 Uhr verlegt Gunter Demnig den ersten Stolperstein an diesem Tag, der Stein erinnert an Hartwig Wurm. An der Steinfurthstraße 26 warten bereits zahlreiche Angehörige von Michael Hojnacki, darunter auch Enkel und Urenkel. Nach dem deutschen Überfall auf Polen hatte der heimatverbundene Michael Hojnacki auf seiner Geige im Hof des Hauses die Polnische Hymne "Noch ist Polen nicht verloren" gespielt - er wurde denunziert, starb im KZ. Am Montag erklang die Hymne erneut an der Steinfurthstraße, eingebunden in die Zeremonie einer Stolpersteinverlegung. An der Ringstraße 48 verlegte Gunter Demnig danach einen Stolperstein zur Erinnerung an Juda Rosenberg.

An der Wanner Straße 119 nahm auch eine große Anzahl SchülerInnen des Grillo-Gymnasiums teil. Günter Schönenberg war Anfang der Dreißiger Jahre dort Schüler. Er konnte dem Naziterror als einziger seiner Familie durch Flucht in die Niederlande entkommen, in Frankreich erlebte er dann unter falscher Identität die Befreiung vom deutschen Faschismus. Seine Schwester und seine Mutter wurden von den Nazis ermordet. Zur Verlegung dieser drei Stolpersteine war Günter Schönenbergs Tochter Jackie Shelton mit zwei ihrer Söhne eigens aus San Francisco angereist. In einer sehr bewegenden Rede schilderte sie an der Wanner Straße die Lebens- und Leidenswege ihrer Angehörigen. Mit dabei: An Huitzing aus Amsterdam. Sie hatte in einer alten Fotokiste ein Bild von Günter Schönenberg gefunden, aufgenommen 1943 in Amsterdam. Ihre Internetrecherche führte zur Website der Stolpersteine Gelsenkirchen - so stieß sie schließlich auf Günter Schönenbergs Tochter - Jackie Shelton.

Nur mit dem Einsatz von schwerem Gerät war die Verlegung an der Gewerkenstraße möglichAbb.: Nur mit dem Einsatz von schwerem Gerät war die Verlegung an der Gewerkenstraße möglich.

Bei der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Tepper an der Florastraße/Höhe MIR und auch an der Gewerkenstraße 2 für die Angehörigen der Familien Lichtmann und Meyer sprachen die Stolperstein-Paten Worte des Gedenkens, an der Florastraße für den Inner Wheel Club Gelsen-kirchen Ulrike Asche-Zeit und an der Gewerken-straße Susanne Franke für die Schalker Fan-Initiative. In Horst wurden an der Eckenerstraße 14 Stolper-steine für das Ehepaar Gutgold und an der Essener Straße 76 für das Ehepaar Berghausen Stolpersteine verlegt. Beide Ehepaare wurden von den Nazis ermordet. An der Essener Strasse waren es SchülerInnen der Schülervertretung der Gesamtschule Horst, die eine Patenschaft übernommen und zur Verlegung einen Beitrag vorbereitet hatten. Die Jungen und Mädchen nutzen im Anschluß an die Verlegung die Gelegenheit, um Fragen an Bildhauer Demnig zu stellen, die dieser gerne beantwortete.

Am Abend versammelten sich viele der Beteiligten und Interessierte zu eine Gedenkstunde in der Bleckkirche. Jackie Shelton betonte in ihrer Ansprache die Bedeutung des Projektes Stolpersteine, denn Stolpersteine erinnern auch an Wendepunkte in den Lebenswelten, an eine oftmals glückliche Zeit, bevor Angst, Ausgrenzung und Rassenwahn das Sein der Verfolgten bestimmten. Schriftsteller Joachim Rönneper las aus seinem Begleitbuch zum Stolperstein-Projekt "Vor meiner Haustür", unterbrochen von Passagen mit sanfter Musik von Leon Gurvitch und nahm so die ZuhörerInnen mit auf eine literarisch-musikalische Reise durch die Zeit. Es heißt: „Ein Mensch ist erst Vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. Mit der Verlegung der Stolpersteine wird die Erinnerung an das Leben und an das Leiden der verfolgten Menschen im so genannten "Dritten Reich" lebendig. Ihre Namen kehren zurück in unseren Alltag. Und zwar genau dort, wo die Menschen vor ihrer Festnahme, Flucht oder Verschleppung ihre individuellen Lebensmittelpunkte hatten, inmitten der Gesellschaft - Vor den Türen ihrer Häuser. So werden Denk- und Lernorte als integraler Bestandteil unseres Alltags geschaffen. Bisher fast 40.000 mal in 13 Ländern Europas.

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen dankt allen Menschen, die diese Stolperstein-Verlegung wohlwollend und unterstützend begleitet haben, im besonderen

Gunter Demnig
Jackie Shelton
An Huitzing
Angehörige, Enkel und Urenkel der Familie Hojnacki
Yuriy Zemskyi, Kantor des Jüdischen Kulturvereins Kinor
Pfarrer Thomas Schöps, Bleckkirche
Dr. Ulrike Asche-Zeit, Inner Wheel Club Gelsenkirchen
Dr. Susanne Franke, Schalker Fan-Initiative
Schülervertretung der Gesamtschule Horst
Anke Käding
Abbas Mordeniz
Uwe Kaczmirzak
Jesse Krauß
den Schülerinnen und Schülern des Grillo-Gymnasiums

Fotoimpressionen von den Verlegungen der Stolpersteine am 29. April 2013

 

Kurs des Schalker Gymnasiums übernimmt Patenschaft 

Lieselotte Margot Elikan

28. April 2013. Der Kurs Geschichte/Deutsch der Stufe 9 des Schalker Gymnasiums hat mit Lehrer Alfons Schindler eine Patenschaft für den Stolperstein übernommen, der an Lieselotte Margot Elikan erinnern wird. Am 27. Januar 1942 wurde Lieselotte Margot Elikan, damals gerade siebzehn Jahre alt, zunächst vom so genannten "Judensammellager" Gelsenkirchen in das Ghetto Riga und dann weiter in das KZ Stutthof verschleppt. Dort verliert sich ihre Spur.

Zur Verlegung will die heute 85jährige Marianne Elikan, Halbschwester von Lieselotte, aus dem Saarland anreisen. Sie wurde 1942 nach Theresienstadt verschleppt und konnte 1945 als einzige der Familie ihre Befreiung erleben.

Dokumentation: → Lieselotte Margot Elikan

 

Stolpersteine werden verlegt: Erinnerung an Lebenswelten 

27. April 2013. 2013 ist ein besonderes Gedenkjahr: Vor 80 Jahren fand die Machtübergabe an Hitler und seine Schergen statt. Die Folgen sind bekannt. Um so wichtiger ist es, in diesem Jahr sichtbare und dauerhafte Zeichen der Erinnerung an Menschen zu setzen, die dem Rassen- und Größenwahn der Nazis zum Opfer gefallen sind. Am Montag, den 29. April 2013 verlegt Bildhauer Gunter Demnig weitere 19 Stolpersteine an 8 Orten in Gelsenkirchen. Alle Bürgerinnen und Bürger sind zur Teilnahme an den Verlegungen und der Gedenkstunde in der Bleckkirche herzlich eingeladen.


Stolperstein Hartwig Wurm
10:00 Uhr, Karl-Meyer-Straße 10


Stolperstein Michael Hojnacki
10:20 Uhr, Steinfurthstraße 26


Stolperstein Juda Rosenberg
10:45 Uhr, Ringstraße 48


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Schönenberg
11:15 Uhr, Wanner Straße 119


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familie Tepper
12:00 Uhr, Florastraße Höhe MIR/Kennedy-Platz


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Familien Lichtmann und Meyer
12:30 Uhr, Gewerkenstraße 2


Stolperstein Stolperstein Ehepaar Gutgold
13:00 Uhr, Eckenerstraße 14


Stolperstein Stolperstein Ehepaar Berghausen
13:20 Uhr, Essener Straße 76

→ Biografische Skizzen

(Die genannten Uhrzeiten sind Richtwerte, planen Sie bitte ein Zeitfenster von +/- 30 Minuten ein. Die Projektleitung ist am Verlegetag unter der Handy-Nr.0174 5463829 zu erreichen)

Gedenkstunde in Kooperation mit der Bleckkirche - Kirche der Kulturen

Der Verlegetag schließt mit einer vom Inner Wheel Club Gelsenkirchen unterstützten Gedenkstunde in der Bleckkirche (Bleckstraße, an der ZOOM Erlebniswelt). Zu der Gedenkstunde, die um 18 Uhr beginnt, laden wir herzlich ein. An die Lebens- und Leidenswege der an diesem Tag mit einem Stolperstein geehrten Menschen wird erinnert, der Schriftsteller Joachim Rönneper liest - musikalisch umrahmt - aus seinem Buch „Vor meiner Haustür“.

 

Stolperstein-Verlegung: Flyer informiert das nachbarschaftliche Umfeld 

Information für das nachbarschaftliche Umfeld

2. April 2013. Mit einem Flugblatt, dass an die Haushalte im nachbarschaftlichen Umfeld der Verlegeorte verteilt wird, macht die Projektgruppe auf die Stolperstein-Verlegungen am 29. April 2013 aufmerksam und lädt die Anwohner herzlich zur Teilnahme an den Verlegungen ein.

Stolperstein-Paten und Angehörige nehmen auch in diesem Jahr aktiv an der Setzung der Stolper-steine teil. So werden der Steinfurthstraße in Rotthausen Angehörige der Familie Hojnacki erwartet, diese erinnern mit Worten des Gedenkens an ihren im KZ umgekommenen Großvater. An der Gewerkenstraße, in Höhe des ehemaligen "Schalker Markt", wird die Schalker Fan-Initiative e.V. die Zeremonie mitgestalten. Jaqueline Shelton, eine Angehörige der Familie Schönenberg, reist mit ihren Kindern eigens aus San Francisco/USA an und wird an der Wanner Straße aktiv an der Verlegezeremonie der Stolpersteine für ihren Vater, dessen Schwester und ihrer Großmutter teilnehmen. In Horst wird die Verlegung der Stolpersteine für das Ehepaar Berghausen an der Essener Straße von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Horst mit einem eigenen Beitrag begleitet. Der Kantor des Jüdischen Kulturvereins KINOR, Yuriy Zemskyi, singt an den Verlegeorten das jüdische Gebet El male rachamim. Mit einer Ausnahme an der Steinfurthstraße: der aus Polen stammende Michael Hojnacki war katholisch.

Download als PDF-Dokument: → Stolperstein-Flyer

 

Bericht von Julius Less: In Buer/Westf. von SA-Männern verfolgt und verprügelt 

1. April 2013. In den ersten Apriltagen des Jahres 1933 wurde Julius Less in der Buerschen Innenstadt zweimal von Nazi-Schergen auf offener Straße zusammengeschlagen - weil er Jude war. Drei Wochen danach erfuhr Julius Less, dass die SA ihn suchte und ihm nach dem Leben trachtete. Er flüchtete daraufhin in Todesangst nach Holland.

Nach der deutschen Besatzung der Niederlande wurde auch Julius Less zunächst im "Durchgangslager" Westerbork interniert, dann über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. In Auschwitz verliert sich seine Spur. Für den Stolperstein, der in Buer an Julius Less erinnern soll, kann eine Patenschaft übernommen werden.

Dokumentation: → Julius Less

 

Im Vernichtungslager Auschwitz ermordet: Familie Moses Zwecher 

31. März 2013. Mit der fortschreitenden Ausplünderung der Juden wurde 1936 das alteingessene Möbel-geschäft der Familie Zwecher an der Urbanusstraße in Gelsenkirchen-Buer "arisiert". Neuer Eigentümer und Nutznießer der Entrechtung von Juden wurde die "arische" Familie Kazmierzak, die das Möbelgeschäft an gleicher Stelle nun unter ihrem Namen fortführte.

Familie Zwecher floh 1938 von Gelsenkirchen nach Holland. Nach der deutschen Besatzung der Niederlande wird auch die Familie Zwecher zunächst im "Durchgangslager" Westerbork interniert, dann über There-sienstadt nach Auschwitz deportiert und 1944 von den Nazis ermordet. Für die Stolpersteine, die in Buer an Familie Zwecher erinnern sollen, können Patenschaften übernommen werden.

Dokumentation: → Familie Moses Zwecher

 

Ein letztes Lebewohl... 

Lieselotte Margot Elikan

3. März 2013. Im Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt/Main lernte Lieselotte Margot Elikan, genannt Lilo, Werner de Fries aus Gelsenkirchen kennen.

Am 5. Dezember 1941 ging sie mit ihm in seine Heimatstadt Gelsenkirchen, ihre letzte Anschrift hier lautete Karl-Laforce-Straße 3a (Heutige Armin-straße). Am 27. Januar 1942 wurde Lieselotte Elikan zusammen mit Werner de Fries und dessen Familie nach Riga deportiert. Zuvor hatte man sie zur Ausstellungshalle auf dem Wildenbruchplatz gebracht, dem Sammelort für die zur ersten Deportation vorgesehenen jüdischen Menschen.

Unmittelbar vor der Deportation, noch von der Sammelstelle aus, schrieben Werner de Fries und Lieselotte Elikan am 26. Januar 1942 gemeinsam eine letzte Grußkarte an Lieselottes Schwester Marianne nach Trier.

Dokumentation: → Lieselotte Margot Elikan

 

Elias Finger - Flucht und Odysee 

Die Pentcho ist vor Chamilonisi gestrandet

2. März 2013. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird Elias Finger in Gelsen-kirchen von den Nazis beinahe totgeprügelt, seine Existenz und Wohnung werden zerstört. Er hat danach nur noch einen Gedanken: Flucht aus Nazi-Deutschland. In Palästina will er sich ein neues Leben aufbauen. Drei Fluchtversuche über die "Grüne Grenze" Richtung Holland scheitern, er wird mehrmals inhaftiert. Elias Finger reist schließlich nach Wien und gelangt in Bratis-lava/Slowakei im Mai 1940 an Bord des Flücht-lingsschiffes "Pentcho", ein eigens für die Flucht umgebauter alter Raddampfer.

Die Fahrt der "Pentcho" donauabwärts verlief mit vielen Hindernissen und Entbehrungen, das Schiff wurde immer wieder aufgehalten. Mal durch die Behörden der durchquerten Länder, mal waren es technische Schwierigkeiten, die Zwangsaufenthalte verursachten. Die "Pentcho" mit rund 500 jüdischen Flüchtlingen an Bord erreichte das Schwarze Meer, passierte den Bosporus und lief schließlich in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober 1940 vor der unbewohnten Felseninsel Chamilonisi, rund 70 Kilometer nördlich von Kreta, auf Grund.

Die Schiffbrüchigen werden gerettet und auf der Insel Rhodos interniert. Nach mehr als einem Jahr werden die Menschen nach Süditalien in das Internierungslager Ferramonti di Tarsia gebracht. Im September 1943 wird dieses Lager durch alliierten Truppen befreit. Elias Finger gelangte nach Rom, sein weiterer Weg führte dann weiter nach Cádiz in Südspanien. Dort ging er im Januar 1944 an Bord des Flüchtlingsschiffs "Nyassa". Das Schiff erreichte im Februar 1945 den Hafen von Haifa in Palästina.

Dokumentation: → Elias Finger - Von Gelsenkirchen nach Palästina

 

Interaktive Karte: Stolpersteine in Gelsenkirchen 

Interaktive Karte: Stolpersteine in Gelsenkirchen

17. Februar 2013. Eine Übersicht der bisher im Stadtraum Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine bietet jetzt eine interaktive Karte. Mit einem Mausklick auf ein Stolperstein-Symbol wird ein Fenster aufgerufen, ein weiterer Klick auf die Namen führt zu den individuellen Dokumentationen von Lebens- und Leidenswegen der Menschen, an die Stolpersteine in unserer Stadt erinnern.

Interaktive Karte: → Stolpersteine in Gelsenkirchen

 

Stolpersteine: Gunter Demnig kommt im April nach Gelsenkirchen 

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Gelsenkirchen

8. Februar 2013. Die kleinen Denkmale des Gunter Demnig mit der griffigen Bezeichnung Stolper-steine haben seit 2009 ihren festen Platz in der Gelsen-kirchener Erinnerungskultur. Am Montag, den 29. April wird Bildhauer Gunter Demnig weitere 19 Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegen. Damit wächst die Zahl der Stolpersteine in Gelsenkirchen auf 78 an.

2013 ist ein besonderes Gedenkjahr: Vor 80 Jahren fand die Machtübergabe an Hitler und seine Schergen statt, die Deportation und Ermordung Gelsenkirchener Sinti und Roma jährt sich zum 70. Mal, ein weiteres Datum ist der 75. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Um so wichtiger ist es, auch in diesem Jahr sichtbare und dauerhafte Zeichen der Erinnerung an Menschen zu setzen, die dem Rassen- und Größenwahn der Nazis zum Opfer gefallen sind. Stolpersteine markieren Erinnerungsorte und verweisen somit auch auf das damalige Lebensumfeld eines NS-Opfers. Die Verlegungen beginnen am 29. April um 10 Uhr an der Karl-Meyer-Straße in Rotthausen, hier wird an Hartwig Wurm erinnert. Weitere Verlegeorte: Steinfurthstraße 26 (Michael Hojnacki), Ringstraße 48 (Juda Rosenberg), Wanner Straße 119 (Familie Schönenberg), Florastraße Höhe MIR/Kennedyplatz (Familie Tepper), Gewerkenstraße 2 (Familien Lichtmann und Meyer), Eckenerstraße 14 (Ehepaar Gutgold) und an der Essener Straße 76 (Ehepaar Berghausen).

Yuriy Zemskyi, Kantor des Jüdischen Kulturvereins KINOR, trägt an den Verlegeorten den Gebetsgesang "El male rachamim" - fester Bestandteil des jüdischen Totengedenkens - zum Andenken an die Opfer der Shoa vor. KINOR und auch Gründungsmitglied Zemskyi stehen der Projektgruppe Stolpersteine Gelsen-kirchen seit Jahren beratend und unterstützend zur Seite. Die Verlegung des Stolpersteins an der Stein-furthstraße zur Erinnerung an Miacheal Hojnacki wird von einem christlichen Gebet begleitet.

Finanziert werden konnten die Stolpersteine dank der Unterstützung vieler Privatleute. Aber auch die Schülervertretung der Gesamtschule Horst, das Projekt "1904 Geschichten", die Schalker Fan Initiative und der Inner Wheel Club Gelsenkirchen haben Patenschaften für Stolpersteine übernommen. Der Verlegetag schliesst mit einer Gedenkstunde in der Bleckkirche . Flankiert wird das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen auch in diesem Jahr von geführten Stadtrundgängen entlang der bereits verlegten Stolpersteine im Stadtraum und Vorträgen in Gelsenkirchener Schulen. Auch eine "Stolperstein-Putzaktion" ist geplant.

→ Lebens- und Leidenswege - Biografische Skizzen

 

Wegweisendes Engagement: Schülervertretung übernimmt Patenschaft  

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Gelsenkirchen-Horst

5. Februar 2013. Die Schülerinnen und Schüler haben Buttons und Rosen zum Valentinstag verkauft und so einen Stolperstein finanziert. Bildhauer Gunter Demnig wird diesen Stolperstein schon bald vor dem Haus Essener Straße 76 in Horst verlegen.

Erinnert wird hier an das jüdische Ehepaar David und Isabella Berghausen, die bis zu ihrer Deportion in das Ghetto Riga am 27. Januar 1942 in dem Haus wohnten. Die Schülerver-tretung der Gesamtschule Horst will mit eigenen Beiträgen die Zeremonie der Stein-Verlegung mitgestalten. Schulsprecherin Güllü Develi: "Für uns ist eine Herausforderung, bei so einem Projekt mitzuwirken - zumal es auch ein Zeichen gegen Rassismus und Menschenverachtung ist.“


Auch die WAZ Gelsenkirchen war auf Wunsch der Gesamtschule Horst bei der gestrigen Sitzung der Schülervertretung dabei und berichtet: → Lebendige Geschichte: Patenschaft für einen Stolperstein

 

Stolpersteine zeichnen Lebensspuren nach 

1. Februar 2013. Sechzig Stolpersteine sind seit 2009 in Erinnerung an NS-Opfer der verschiedenen Verfolgtengruppen im Stadtraum Gelsenkirchen verlegt worden. Weitere neunzehn sollen im Frühjahr diesen Jahres hinzu-kommen. Der genaue Verlegetermin wird im Internet und in der lokalen Presse bekannt gegeben.

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Gelsenkirchen-Horst

Die Stolpersteine werden über Patenschaften finanziert. Um das Projekt in Gelsenkirchen kontinuierlich fortzuführen, ist die Mithilfe vieler Menschen notwendig. Stolperstein-Pate kann jede Einzelperson mit einem beliebig hohen Betrag werden, oder aber auch Schulklassen, Stiftungen, Firmen, Gruppen, Verbände, Parteien und Vereine. Selbstverständlich ist es auch möglich, das Projekt mit Benefizveranstaltungen, Aktionen oder Sammlungen zu unterstützen.

Ein Stolperstein kostet 120 Euro, damit werden Herstellung und Verlegung des Stolpersteins vor dem letzten, selbst gewählten Wohnort oder der Arbeitsstätte des Menschen, der mit einem Stolperstein geehrt wird, finanziert.



Überweisungen erbitten wir unter Angabe des Verwendungszwecks "Stolpersteine" auf das Konto des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum e. V.

Kontoinhaber: Gelsenzentrum e.V.
Institut: Sparkasse Gelsenkirchen
Kontonummer: 132015927
Bankleitzahl: 42050001

Wer sich engagieren will oder Informationen benötigt, wendet sich unter 0209-9994676 oder per E-Mail an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen.

 

Stolpersteine sollen an Selma und Walter Müller erinnern 

Das Grab von Bendix Löwenstein, dem Vater von Selma Müller, geb. Löwenstein auf dem alten Jüdischen Friehof an der Wanner Straße in Gelsenkirchen

31. Januar 2013. Bis zu ihrer Flucht im Mai 1933 in die Niederlande lebten die Witwe Selma Müller, eine geborene Löwenstein und ihr Sohn Walter in Gelsenkirchen. Selmas Ehemann Simon Sally Müller starb 1927 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt, dort befindet sich auch das Grab von Selma Müllers Vater, Bendix Löwenstein.

Selma und Walter Müllers Flucht nach Holland bot beiden für eine begrenzte Zeit Schutz vor den deutschen Verfolgungsbehörden. Nachdem die Wehrmacht im Mai 1940 die Niederlande überfiel und besetzte, begannen auch dort nach kurzer Zeit die gegen Juden gerichteten Maßnahmen der deutschen Besatzer.

Die Verfolgung und Entrechtung nahm in den Niederlanden mit der Registrierung aller Juden ihren Anfang. Auch Selma Müller und ihr Sohn Walter gerieten in den mörderischen Strudel der NS-Mordmaschinerie. Selma Müller wurde 1943 in Sobibor, ihr Sohn Walter 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Für die Stolpersteine, die Selma und Walter Müller gewidmet werden, können Patenschaften übernommen werden. Info unter Tel. (0209) 9994676

Dokumentation: Selma u. Walter Müller

 

Holocaust: Jahrestag der Deportation 

Deportation in das Ghetto Riga

26. Januar 2013. Am 27. Januar 1942 wurden mehr als 500 jüdische Kinder, Frauen und Männer von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert. In den Tagen zuvor hatten die NS-Verfolgungs-behörden unter den Augen der "arischen Volksgemeinschaft" die zur Verschleppung vorgesehenen im so genannten "Judensammel-lager" am Wildenbruchplatz unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht, gedemütigt und erniedriegt. Nur die wenigsten von ihnen überlebten den nachfolgenden Leidensweg durch die Mordstätten der Nazis.

Auf den Tag genau drei Jahre später wurden die Überlebenden im Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. In Anlehnung an diese Befreiung wurde der 27. Januar im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ erklärt.


Gedenken: Gelsenkirchener Lichter 2013

 

Am 27. Januar 1945 in Auschwitz befreit 

Tor zur Hölle auf Erden - Auschwitz-Birkenau

25. Januar 2013. Johanna Alexander überlebte als einziges Familienmitglied den Leidensweg durch die Ghettos und Konzentrationslager der Nazis. Sie konnte am 27. Januar 1945 von der Roten Armee aus dem Vernichtungslager Auschwitz befreit werden. Ihr Vater Georg starb in Riga, Bruder Alfred im KZ Mauthausen. Bruder Ernst, früher Juniorspieler des FC Schalke 04, wurde in Auschwitz ermordet. Die Mutter hatte bereits im Dezember 1938 vor dem Hintergrund des sich ständig steigernden Verfolgungsdrucks und den Erlebnissen in der Pogromnacht die Flucht in den Tod gwählt. An Familie Georg Alexander sollen Stolpersteine erinnern, Patenschaften können übernommen werden.

Dokumentation: Die Familie Georg Alexander

 

Ernst Back: "Ich habe viel Glück gehabt..." 

Klaus Friedhelm Back 1935 auf dem Balkon der elterlichen Wohnung an der damaligen Litzmannstrasse 1, heute Ebertstrasse

Abb.: Klaus Friedhelm Back, der Bruder von Ernst Ludwig, 1935 auf dem Balkon der elterlichen Wohnung an der damaligen Litzmannstrasse 1, die heutige Ebertstrasse

23. Januar 2013. Der 89jährige Ernst Ludwig Back lebt heute in Schweden. Ein Kindertransport nach Stockholm rettete sein Leben, ebenso wie das seiner beiden Geschwister Hilde und Klaus (heute Klas). Ende der Dreißiger Jahre gelang den Eltern mit Hilfe von Freunden, ihre Kinder in letzter Minute nach Schweden in Sicherheit zu bringen.

Die Eltern, der jüdische Rechtsanwalt und Notar Moritz Back und seine Frau Paula, eine geborene Hecht, konnten Deutschland dagegen nicht mehr rechtzeitig verlassen. Mit dem Deportations-transport vom 31. Juli 1942 wurden sie von Gelsenkirchen in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Dort starb Moritz Back im Dezember 1942, angeblich an "Herzmuskel-entartung", penibel festgehalten in einer so genannten "Todesfallanzeige" aus dem Ghetto Theresienstadt. Seine Frau Paula wurde im März 1943 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert. "Unsere Mutter wurde dort in der Gaskammer erstickt" sagte Ernst Back heute in einem Gespräch nachdenklich, "Wir Kinder haben einfach nur unglaubliches Glück gehabt."

An Familie Back sollen Stolpersteine erinnern, die am letzten selbstgewählten Wohnort an der heutigen Ebertstraße verlegt werden. Es können noch Patenschaften übernommen werden.

Dokumentation: Familie Moritz Back

 

Gelsenkirchener Lichter am Internationalen Holocaust-Gedenktag  

17. Januar 2013. Zur Teilnahme an eine besondere Form der Erinnerung und des Gedenkens ruft der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum auf. Mit dem entzünden der Gelsenkirchener Lichter" wird am 27. Januar 2013 ein temporärer Erinnerungsort markiert - in diesem Jahr um 16 Uhr am an der Wildenbruchstraße, Höhe Polizeiwache, dort befand sich in der NS-Zeit ein sogenanntes temporäres "Judensammellager". Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, Kerzen mitzubringen.

 

Schalke 04: Fans übernehmen Patenschaften für Stolpersteine 

Auch der jüdische Kaufmann Siegmund Katzenstein unterstützte den Fußballverein Schalke 04. Das 25jährige Betriebsjubiläum wurde 1928 bei Thiemeyer in Schalke gefeiert. Familie Katzenstein konnte vor den Nazis in die USA fliehen.

Abb.: Auch der jüdische Kaufmann Siegmund Katzenstein unterstützte den Fußballverein Schalke 04. Das 25jährige Betriebsjubiläum wurde 1928 bei Thiemeyer in Schalke gefeiert. Familie Katzenstein konnte vor den Nazis in die USA fliehen

13. Januar 2013. Die ersten Stolpersteine für vom NS-Regime verfolgten Menschen aus dem Umfeld des FC Schalke 04 und deren Angehörige verlegt Bildhauer Gunter Demnig nach derzeitigem Planungsstand im Mai 2013 an der Gewerkenstraße (früher Schalker Markt 9) in Schalke. Die Schalker Fan-Initiative, Matthias Berghöfer, dass Projekt "1904 Geschichten", Uwe Kaczmirzak und Claudia Sucur haben bereits Patenschaften für Sally und Henriette Meyer sowie für Julie Lichtmann und Berta Moss übernommen. Weitere Stolpersteine folgen, es können Patenschaften übernommen werden.

Jüdische Unterstützer und Förderer des S04 waren auch Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander. Leopold "Leo" Jacobs spielte in einer Juniorenmannschaft des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.

Franz Nathan war einer der frühen jüdischen Mitglieder und Funktionäre des FC Schalke 04, er war der Leiter des Presseausschusses. Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, "verabschiedete" der FC Schalke 04 - ganz im Sinne der neuen Machthaber - schließlich auch Franz Nathan aufgrund seiner jüdischen Herkunft. Franz Nathan konnte 1938 mit seiner Familie nach Kuba fliehen.

Begeisterte Anhänger und Sponsoren des Schalke 04 waren auch die beiden Metzgermeister Kahn und Sauer. August Kahn wurde zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenentzündung. Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet.


Holocaust-Gedenktag: Lieder und Gedichte aus Theresienstadt 

Holocaust-Gedenktag 2013: Lieder und Gedichte aus Theresienstadt

4. Januar 2013. “Wann wohl das Leid ein Ende hat” - so lautet der Titel eines Liederabends, der am Montag, 21. Januar 2013 um 19:30 Uhr im Kulturraum “die flora“ in Gelsenkirchen, Florastraße 26 beginnt.

Im Mittelpunkt des Abends - wenige Tage vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2013 - stehen die im KZ Theresienstadt geschriebenen Gedichte und Lieder der jüdischen Schrift-stellerin Ilse Weber. Die Opernsängerin Michaela Sehrbrock (Mezzosopran) und Marion Stein-götter (Klavier) interpretieren an diesem Abend Ilse Webers Werke.

Für ihre Mithäftlinge und die Kinder, die sie als Krankenschwester in Theresienstadt pflegte, geschrieben, spiegeln Ilse Webers Werke den grausamen Alltag in Theresienstadt wieder. Noch kurz vor dem Transport ins KZ Auschwitz gelang es ihrem Ehemann Willi Weber, die Lied- und Gedichttexte in einem Schuppen im KZ Theresienstadt zu verstecken.

Ilse Weber und ihr Sohn Tomás wurden am 6. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet, Willi Weber kehrte als Überlebender 1945 nach Theresienstadt zurück, um die Texte seiner Frau in Sicherheit zu bringen.

Eintritt: 10 €, ermäßigt 8 €. Info und Reservierung: (0209) 169 - 9105. Veranstalter: Gelsenzentrum e.V. in Kooperation mit Michaela Sehrbrock und Marion Steingötter.

→ Gelsenzentrum e.V.: “Wann wohl das Leid ein Ende hat…”

→ Der Rote Emscherbote: Kulturelles Überleben oder Trost und Hoffnung inmitten der Barbarei

 

21. Dezember 2012. Fortschreibung: Synagogenverbot für das Ehepaar Jordan  

In verschiedenen Medien wurde das Thema inzwischen aufgegriffen. Hier wird über den Vorfall zusammenfassend berichtet: → Jüdisches Leben in Gelsenkirchen und anderswo


Projektleitung der Stolperstein-Initiative Gelsenkirchen darf nicht in die Synagoge 

Ungeheuerlichkeit: Fotos der Jordans in der Synagoge Gelsenkirchen

Abb.: Fotos in der Synagoge Gelsenkirchen, Vermerk in kyrillischer Schrift: NICHT REINLASSEN! Den Schnappschuss von den Fotos hat uns ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen zur Verfügung gestellt   Zum Vergrößern anklicken

13. Dezember 2012. Die jüdische Gemeinde in Gelsenkirchen schreckt auch vor zweifelhaften Methoden nicht zurück. Im Stile von Fahndungsfotos wird das Pförtnerpersonal in der Gelsenkirchener Synagoge auf russisch angewiesen, die Organisatoren der Stolpersteinverlegungen in Gelsenkirchen nicht in das Gebetshaus hineinzulassen.

Die Fotos aus einer der Überwachungskameras, auf denen Heike und Andreas Jordan rot markiert sind, hängen nach Aussage von Gemeinde-mitgliedern bereits seit April 2012 in der Pförtnerloge der Synagoge Gelsenkirchen. Eine Begründung für die Ausgrenzung der Jordans gibt es nicht. Die dafür verantwortliche Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert. Es klingt angesichts dieser Vorkommnisse wie eine Farce, wenn man das Zitat über dem Eingangsbereich der Synagoge liest: "Mein Haus ist ein Haus der Gebete aller Völker." Jesaja 56,7.

Elena Gubenko, langjähriges Mitglied der Gemeinde und Vorsitzende des jüdischen Kulturvereins KINOR in Gelsenkirchen kommentiert den Vorfall: "Was hier passiert ist, kann ich nur als einen Skandal bezeichnen. Andreas und Heike Jordan werden nicht zum ersten Mal von dieser Person diskriminiert und beleidigt. Ich bin Zeugin." Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird mittlerweile über diesen Akt der Diskriminierung heiß diskutiert. In einer der zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die wir aus dem In- und Ausland erhalten haben, heißt es: "(...) Doch auch darüber hinaus ist klar: die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde sollte schleunigst zurücktreten und sich umgehend öffentlich und persönlich bei euch entschuldigen für diese Ungeheuerlichkeit! Das ist sie euch - aber auch uns allen - schuldig nach dem, was hier passiert ist!"


Gelsenkirchen, Hanukkah 1946
Jewish Community Gelsenkirchen, Chanukka 1946 

Jüdische Gemeinde - Jewish Community Gelsenkirchen, 1947

9. Dezember 2012. Hanukkah 1946 im Gelsenkirchener Hotel "Zur Post". Wer kann helfen, auf dem Foto abgebildeten jüdischen und nichtjüdischen Menschen zu identifizieren? Chanukka 1946 in the Gelsenkirchen hotel "Zur Post". Who can help to identify jewish and non-jewish people depicted in the photo? Zum Vergrößern anklicken → Email: Andreas Jordan, Gelsenzentrum e.V.


Stolpersteine für Familie Moritz Goldschmidt 

7. Dezember 2012. Auszug aus einem Bericht des Überbenden Werner Goldschmidt: "(...) Mitte März mussten alle Gefangenen zum Appellplatz kommen. Die Arbeitsunfähigen wurden nach "Dünamünde" geschickt und erschossen. Wir standen stundenlang in bitterer Kälte zur Ausmusterung. Vater wurde anschließend schwer krank und starb ohne Hilfe. Ich arbeitete in einer Autoreparaturwerkstatt. Frauen mussten in Riga Schnee schaufeln, um den Verkehr aufrechtzuerhalten. Keinerlei Esswaren durften ins Ghetto gebracht werden. Viele Menschen sind verhungert. 1943 wurde das Ghetto aufgelöst. Am Ende waren nur noch alte Leute, Kinder und Arbeitsunfähige dort, einschließlich meiner Mutter. Sie wurden alle in den Gaskammern in Auschwitz ermordet. Die russische Armee kam immer näher. Die SS begann, die Massengräber wieder auszugraben, um die Leichname zu verbrennen. Sie wollten verhindern, dass ihre Schandtaten ans Licht kamen.(...)

Für diese Stolpersteine können Patenschaften übernommen werden, Interessierte wenden sich bitte an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen, Tel.: (0209) 9994676 oder per Email an die Projektgruppe schreiben Email

Dokumentation: Familie Moritz Goldschmidt


Stolpersteine für Familie Ullendorf 

5. Dezember 2012. Das Ehepaar Ernst und Emma Ullendorf lebte bis nach der so genannten "Kristallnacht" am 9. November 1938 in Gelsenkirchen, floh dann unter dem Eindruck der Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung in die Niederlande. Dort lebten sie in Amsterdam im Haushalt von Tochter Margarete und Schwiegersohn Julius Koppel. Auch das Ehepaar Ullendorf geriet in die Mordmaschinerie der Nazis. Sie wurden verhaftet, im Camp Westerbork interniert, nach Sobibor deportiert und dort am 20. März 1943 in der Gaskammer ermordet. Einig ihr Sohn Hans-Heinrich überlebte.

Für diese Stolpersteine können Patenschaften übernommen werden, Interessierte wenden sich bitte an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen, Tel.: (0209) 9994676 oder per Email an die Projektgruppe schreiben Email

Dokumentation: Familie Ullendorf


Eröffnung der Ausstellung "Vergeben muss man, aber Vergessen ist unmöglich..."  

24. November 2012. Einen beeindruckenden Videomitschnitt von der Eröffnungsveranstaltung am 26. Oktober 2012 in der Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen hat Jesse Krauß gefertigt. Die dokumentarische Ausstellung, der wir nach einem Zitat von Herman Neudorf, dem einzigen Überlebenden seiner Familie, den Titel "Vergeben muss man, aber Vergessen ist unmöglich…" gegeben haben, rückt die Judenverfolgung im so genannten "Dritten Reich" mit der Dokumentation der Lebens- und Leidenswege der jüdischen Familie Neudorf aus Gelsenkirchen in einen konkreten örtlichen und personellen Zusammenhang. Die Ausstellung kann beim Gelsenzentrum e.V. - Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte ausgeliehen werden.


Stolpersteine sollen an die jüdische Familie Cohn erinnern  

Herman Cohn, 1996

23. November 2012. Herman Cohn wurde 1921 in Essen geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete sein Vater Siegfried erneut und zog 1930 mit der Familie von Essen-Katernberg nach Gelsenkirchen. Herman Cohn wuchs in einer gutsituierten Familie auf, dass änderte sich 1933 mit der Machtübergabe an die Nazis jedoch schon bald. Der Vater verlor viele seiner Stammkunden, die nicht-jüdische Freunde und Nachbarn begannen, sich von ihm und der Familie zu distanzieren.In der Schule wie im täglichen Leben war auch Herman wie viele andere der jüdischen Kinder in dieser Zeit, antisemitischen Übergriffen aus der nicht-jüdischen Bevölkerung Gelsenkirchens ausgesetzt. Bereits 1937 flüchtete sein jüngerer Bruder Walter in die USA.

Siegfried Cohn wurde dass Geschäft weggenommen, die Nazis nannten das "Arisierung". Unter dem ständig zunehmenden Verfolgungsdruck bemühte sich Siegfried Cohn weiter um die Auswanderung seiner Familie. In der so genannten "Kristallnacht" wurde die Wohnung der Cohns zerstört, Siegfried Cohn wurde auf der Straße fürchterlich zusammengeschlagen und konnte mehr zufällig gerettet werden. Kurze Zeit nach der Pogromnacht konnte Herman mit einem Kindertransport nach Holland gerettet werden, während die Eltern in Gelsenkirchen noch auf ihre Visa warteten. Im Dezember 1939 erhielten dann auch sie ihre Dokumente. In Rotterdam ging Herman mit den Eltern an Bord eines Schiffes, dass sie zunächst nach New York in Sicherheit brachte.

Die Familie zog später nach Chicago, dort lebt der inzwischen 91jährige Herman Cohn noch heute. "Wir hatten das Glück, rechtzeitig heraus zu kommen "sagte Herman Cohn im Gespräch mit Gelsenzentrum, "Mein Onkel Alfred, Tante Erna und die Kinder Gerda und Herbert aus Bottrop hatten das nicht. Sie starben, wie auch meine Großmutter Rosa, in den Gaskammern. Ich begrüße es sehr, dass bald Stolpersteine in Gelsenkirchen an mich und meine Familie erinnern. Diese fürchterlichen Jahre sollen nicht vergessen werden." Für diese Stolpersteine können Patenschaften übernommen werden, Interessierte wenden sich bitte an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen, Tel.: (0209) 9994676 oder per Email an die Projektgruppe schreiben Email

Dokumentation: Familie Cohn


Mit dem Kindertransport nach England  

Hanna Ramer gebürtig aus Gelsenkirchen-Schalke

19. November 2012. Ein Kindertransport nach England rettete Hanna Ramer das Leben. Die kleine Hanna, damals sechs Jahre alt, konnte noch nicht begreifen, warum sie von den Eltern in die Fremde geschickt wurde. Sie hatte fürchterliches Heimweh, wurde deshalb sogar aus Holland zunächst nach Gelsenkirchen zurückgeschickt. Ihre Eltern konnten sie erst nach der so genannten "Kristallnacht" mit einem der Kindertransporte nach England endgültig in Sicherheit bringen. So konnte Hanna überleben, ihr Vater wurde im KZ Sachsenhausen ermordet, ihre Mutter flüchtete, kurz bevor sie von Gelsenkirchen nach Riga deportiert werden sollte und ist seither verschollen. Zeitlebens hat Hanna Ramer versucht, mehr über die Leidenswege ihrer Eltern zu erfahren, vergeblich. Hanna Ramer starb zusammen mit Ihrem Sohn Jakob Beer (Er trug nach jüdischer Tradition den Vornamen seines Großvaters) bei einem Autounfall im Jahr 2000. Ihre Tochter Chava setzte die Suche nach Informationen über ihre Großeltern fort. Mit unseren Recherchen konnten wir nun etwas Licht ins Dunkel bringen. Drei Stolpersteine sollen bald an die Familie Ramer in Gelsenkirchen erinnern.


Stolpersteine - Kunst im öffentlichen Raum  

Gunter Demnig bei einer Verlegung 2012 in Schalke

Abb.: Gunter Demnig, immer mit breitkrempigen Hut und dem roten Halstuch, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat, bezeichnet sich selbst als "Spurenleger".

18. November 2012. Passanten identifizieren sie meist mit gesenktem Blick: die Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig. Jeder Stolperstein ist eine Erinnerung an ein Leben. Mehr als 38.000 Stolpersteine hat Demnig mittlerweile deutschland- weit und in mehreren europäischen Ländern verlegt. "Meine Kunst liegt jedem zu Füßen" sagt Gunter Demnig, "dort, wo die Menschen ihren Lebens-mittelpunkt hatten, ihre Heimat, ihre Wohnung, genau dort wird Vergangenheit mit Gegenwart konfrontiert."

Die Stolpersteine, sein Kunstprojekt für Europa, ist inzwischen das größte, dezentrales Denkmal der Welt, eingebunden in den Alltag. Denoch vermitteln die Stolpersteine, anders als herkömmliche Denkmale und Erinnerungstafeln, kein statisches, gleichbleibendes Geschichtsbild. Erinnern mit Hilfe der Stolpersteine ist ein kontinuierlicher Prozess, in welchem sich die Erinnerung immer wieder neu vollziehen muss. So schaffen Stolpersteine auch ein Bewusstsein für die Wandelbarkeit des Erinnerns im Fluß der Zeit.

Die an der Oberseite mit einer dünnen Messingschicht überzogenen, handgefertigten Pflastersteine tragen eine Inschrift und werden flächenbündig in die Gehwege vor den Häusern eingesetzt, in denen die in der NS-Zeit verfolgten und in den allermeisten Fällen ermordeten Menschen gelebt haben. Die Inschrift beginnt meist mit den Worten "Hier wohnte", es folgen neben Name und Geburtsjahr die Eckdaten der individuellen Leidenswege. "Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen über die Stolpersteine. Wenn man den Namen lesen will, muss man sich vor dem Opfer automatisch verbeugen", sagt Demnig.

Gunter Demnigs rotes Halstuch

Das Rote Tuch, gestiftet von der SPD Charlottenburg 1978 mit Unterstützung des Berliner SPD-Landesverbandes, ist ein antifaschistischer Jugendmedienpreis. Mit dem Preis werden Werke ausgezeichnet, "in denen antidemokratische oder neofaschistische Tendenzen in unserer Gesellschaft kritisch dargestellt, demokra-tisches Handeln der jungen Generation, insbesondere auch gegenüber Minderhei- ten, gefördert und zur Immunisierung der Jugend gegen antidemokratische Bestre-bungen in unserer Republik beigetragen wird." Gunter Demnig wurde im November 2005 mit dem "Roten Tuch" ausgezeichnet, sein rotes Halstuch symbolisiert die Zielsetzung dieser Auszeichnung.

Die Inschriften der Stolpersteine benennen nicht den vorgeblichen "Grund" der Verfolgung. Auf diese Weise möchte Gunter Demnig darauf hinweisen, dass die Menschen, die zu Opfern gemacht wurden, in ihre Nachbarschaft integrierte Bürger waren - unabhängig von ihrer Konfession, Volksgruppe und politischen, religiösen oder sexuellen Orientierung.

Ein Stolperstein markiert einen historischen Ort und verweist auf das Lebensumfeld eines Menschen. Jeder einzelne Stolperstein verweist dabei auf die Gesamtheit der bisher verlegten Stolpersteine und verdeutlicht das unfassbare Ausmaß der Verfolgung und Vernichtung. Da das Verschwinden eines Nachbarn kaum unbemerkt geblieben sein kann, verweisen die Stolpersteine somit auch auf die Mittäterschaft des damaligen nachbarschaftlichen Umfelds.

Im Juli 2009 verlegte Gunter Demnig die ersten 6 Stolpersteine in Gelsenkirchen, mittlerweile sind es 60 Stolpersteine, die in den Gehwegen der Stadt still und unaufdringlich an die Allgegenwärtigkeit und Alltäglichkeit von Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung in der NS-Zeit erinnern. Wir stellen das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen auf unserer Internetpräsenz vor und vermitteln das dokumentarische Wissen über Menschen, an die Stolpersteine erinnern, in biografischen Skizzen. Ergänzend dazu arbeiten wir an einem Buch zum Projekt, in dem die Biografien der Ermordeten und der wenigen Überlebenden im lokalhistorischen Kontext dokumentiert werden. Ein Verlag hat sich bereits gefunden.


Familie Tepper - Stolpersteine sollen erinnern  

Max Tepper, 1948

Abb.: Max Tepper kämpfte in der Jüdischen Brigade gegen die Nazis

14. November 2012. Max war der einzige Überlebende der jüdischen Familie Tepper, die zuletzt in Schalke wohnte. Die Spur von Vater Salomon verliert sich im "Durchgangsghetto" Izbica, Mutter Sara wurde 1943 in Riga ermordet, seine Schwestern starben in den Gaskammern, Dora in Auschwitz und Anna in Sobibor. Verlegt werden die Stolpersteine im nächsten Jahr am letzten Wohnort der Familie an der Schalker Straße.

Für die Stolpersteine, die an Familie Tepper erinnern sollen, kann noch eine Patenschaft übernommen werden. Stolperstein-Pate kann jeder werden - Einzelpersonen, Einrichtungen, Fraktionen, Referate, Vereine oder auch Schulen. Interessierte wenden sich bitte an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen, Tel.: (0209) 9994676 oder per Email an die Projektgruppe Heike Jordan schreiben Email

Dokumentation: Familie Tepper


Herman Neudorf-Ausstellung: Finissage in der Gesamtschule Horst  

Die Brass-Band der Gesamtschule Horst begeisterte die Zuhörer

12. November 2012. Wie man das Interesse von Jugendlichen für die offene und kritische Auseinandersetzung mit der NS-Terrorherrschaft wecken kann, hat die gut besuchte Herman-Neudorf-Ausstellung in der Gesamtschule Horst gezeigt. Am Freitag endete die Ausstellung mit einer von Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll gestalteten Finissage.

Die in der Ausstellung dokumentierten Lebens- und Leidenswege der jüdischen Familie Neudorf, ihrer Angehörigen und Freunde boten den jungen Menschen wie auch den erwachsenen Besuchern einen ganz direkten Zugang zur lokalen NS-Geschichte.

Schüler lesen Einträge aus dem Gästebuch zur Herman-Neudorf-Ausstellung

Musikalisch umrahmt wurde die Finissage von der Brass-Band der Gesamtschule Horst. Eigens für diesen Nachmittag hatten die Jugendlichen zwei Klezmer-Stücke als reine Brass-Versionen eingeübt. Eine künstlerische Annäherung thematisierte die Installation "Weg der Erinnerungen" mit Projektionen, Zeichnungen und Malerei. Auch die angebotene Möglichkeit, Eindrücke und Gedanken zur Ausstellung in einem Gästebuch festzuhalten, fand regen Zuspruch. Einige der sehr einfühlsamen und emotionalen Einträge aus dem Gästebuch lasen Schüler den Besuchern vor. Die Ausstellung kann ausgeliehen werden, Interessierte wenden sich an: Interessierte wenden sich an Gelsenzentrum Gelsenzentrum e.V.


Stolperstein für Juda Rosenberg - Verfolgt als so genannter "Rassenschänder"  

Kriminalisierung, Ausgrenzung, Dehumanisierung, Mord - die Säulen des NS-Regimes

Julius Rosenberg und seine Partnerin Elisabeth Makowiak wurden von den Nazis wegen vorgeblicher

Abb.: Julius Rosenberg und seine Partnerin wurden von den Nazis wegen „Rassenschande“ in Gelsenkirchen öffentlich an den Pranger gestellt. Tausende "Volksgenossen" beteiligten sich an der Treibjagd. Foto: Stadtarchiv Nürnberg

1. November 2012. Der Möbelhändler Juda Rosenberg, am 25. Dezember 1895 Galizien geboren, kam 1921 nach Gelsenkirchen. Juda Rosenberg hatte seit 1928 eine Liebesbeziehung mit der - wie es in den Akten des NS-Regimes heißt - "arischen Reichs-angehörigen" Elisabeth Makowiak. Bereits frühzeitig waren Juda Rosenberg und Elisabeth Makowiak deshalb der Verfolgung durch die NS-Behörden ausgesetzt.

Rosenberg wird nach einer Denunziation bei den NS-Behörden 1933 während eines gemeinsamen Urlaubs mit Elisabeth Makowiak auf Norderney erstmalig verhaftet und vorrübergehend in so genannte "Schutzhaft" genommen. Die beiden ließen sich jedoch nicht einschüchtern und bleiben auch nach Rosenbergs Entlassung ein Paar.

Von Nazi-Schergen im August 1935 wegen vorgeblicher "Rassenschande" verhaftet, werden beide nach der Freilassung am nächsten Tag in einem so genannten "Prangermarsch" durch die Gelsenkirchener City getrieben. Juda Rosenberg und Elisabeth Makowiak wurden Schilder umgehängt, auf denen stand zu lesen: "Ich bin ein Rassenschänder" und "Ich blonder Engel schlief bei diesem Judenbengel". Während das Paar bei den Verfolgungsbehörden festgehalten wurde, hatten die eifrigen "Volks- und Parteigenossen" diesen so genannten "Prangermarsch" organisiert. Juda Rosenberg wurde am 31. Oktober 1939 in Gelsenkirchen erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingewiesen, dort starb er am 18. Mai 1940. Elisabeth Makowiak verließ Gelsenkirchen, ihr weiterer Lebensweg ist nicht bekannt.

Dokumentation: Juda Rosenberg


Jahrestag: Gedenken und Erinnern an die Opfer der so genannten "Kristallnacht" 

28. Oktober 2012. Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten "Kristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer der rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden.

Gelsenzentrum e.V. ruft Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Veranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppierungen zur Erinnerung und zum Gedenken an jüdische Menschen auf, die 1938 Opfer der Novemberpogrome wurden. Wir müssen weiter aufmerksam sein, uns frühzeitig und entschlossen gegen Extremismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und jede Form von Gewalt und Ausgrenzung stellen.

Dokumentation: Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen


Herman Neudorf-Ausstellung in Gelsenkirchen-Horst eröffnet  

Rolf Steinwede begrüßt Herman Neudorf via Internet

Ein beeindruckendes und vielfältiges Programm hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern für die sehr gut besuchte Eröffnung der Herman Neudorf-Ausstellung in der Gesamtschule Horst erarbeitet.

27. Oktober 2012. Schulleiter Rolf Steinwede begrüßte den heute 87jährigen Herman Neudorf dank moderner Technik live an seinem Wohnort im fernen Halendale Beach in Florida. Der ehemalige Schüler Neudorf erinnerte sich gut daran, dass sich in dem Raum, in dem heute die Ausstellung gezeigt wird, in den späten Dreißiger Jahren die Aula des damaligen Realprogymnasiums befand.

Video-Telefonie via Internet machte es möglich: Herman Neudorf und Lebensgefährtin Anna Ostrowiak, beide überlebten den Holocaust, verfolgten die Eröffnung live vom heimischen Florida aus



Video-Telefonie via Internet machte es möglich: Herman Neudorf und Lebensgefährtin Anna Ostrowiak, beide überlebten den Holocaust, verfolgten die Eröffnung live vom heimischen Florida aus

Anschließend erklang in dem fast überfüllten Raum die "Hebräische Melodie" des jüdischen Komponisten Joseph Achron, von Michael Weissinger (Geige) und Andreas Fliege (Klavier) ergreifend und hingebungsvoll intoniert. Es folgten einfühlsam gespielte Theaterszenen, welche die Verhaftung des damals 13jährigen Herman Neudorf aus dem Schulunterricht und die Abschiebung nach Polen nachstellten.

Theaterszenen: Ende einer Kindheit

Theaterszenen: Ende einer Kindheit

Eine weitere Gruppe SchülerInnen thematisierte das Projekt Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig. Herman Neudorf und Lebensgefährtin Anna Ostrowiak zeigten sich sichtlich ergriffen und bedankten sich bei allen Beteiligten. Das Programm schloß mit einer Ansprache von Andreas Jordan, der die Ausstellung eröffnete.

Die Ausstellung wird bis zum 9. November in der Gesamtschule Horst gezeigt, Schülerinnen und Schüler erläutern als "Ausstellungsguides" die insgesamt vierzehn Tafeln. Interessierte melden sich bitte beim Sekretariat der Gesamtschule Horst an, Telefon (0209) 4503012. Eine Abschlußveranstaltung findet am 9. November ab 16 Uhr statt, hier ist der Besuch ohne Voranmeldung möglich.

Die WAZ berichtet: Holocaust. Lebens- und Leidenswege

Der Rote Emscherbote berichtet: Herman-Neudorf-Ausstellung beeindruckend in der Gesamtschule Horst eröffnet


Erinnern und Gedenken an Opfer der NS-Krankenmorde 

22. Oktober 2012. Aus Gelsenkirchen wurden etwa 350 Menschen jeden Alters von den Nazis in den Tötungsanstalten der "Aktion T4" (NS-"Euthanasie") ermordet. Während die Erwachsenen überwiegend in den so genannten "Heil-und Pflegeanstalten" Meseritz/Obrawalde, Bernburg, Weilmünster, Eichberg und Hadamar in den Gaskammern ermordet wurden, sind viele der ermordeten Kinder aus Gelsenkirchen im Rahmen der "Kinder-Euthanasie" im St. Johannes-Stift im sauerländischen Niedermarsberg und in der "Provinzialheilanstalt" Dortmund-Aplerbeck in den so genannten "Kinderfachabteilungen" meist mit überdosierten Medikamentengaben ermordet worden.

Wir suchen Angehörige, die sich mit der Widmung eines Stolpersteins für ihre ermordeten Angehörigen einverstanden sind. Name (abgek.), Vorname, Geburtsdatum, Todesdatum und Todesort sind dieser Aufstellung zu entnehmen:

Opfer der NS-Krankenmorde aus Gelsenkirchen

Aus Gründen des Datenschutzes sind die Nachnamen in der Aufstellung mit ihrem Anfangsbuchstaben abgekürzt. Bitte wenden sie sich per Email an die Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen, ihr Ansprechpartner ist Andreas Jordan: info@stolpersteine-gelsenkirchen.de oder Telefon: 0209/9994676


Stolpersteine für jüdische Mitglieder und Unterstützer des FC Schalke 04 

Tausend-Freunde-Mauer

18. Oktober 2012. Für jüdische Förderer, Funktionäre und Spieler des FC Schalke 04 und deren Angehörige, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, werden Stolpersteine verlegt. Dabei werden auch Überlebende des Holocaust und die Menschen, die Deutschland rechtzeitig verlassen konnten, mit einbezogen. Die ersten Stolpersteine für vom NS-Regime verfolgten Menschen aus dem Umfeld des FC Schalke 04 werden im nächsten Jahr in Schalke verlegt. Es können noch Patenschaften übernommen werden. Siehe auch: Artikel v. 13. November 2011


Friedensbewegte (V)  

Aufruf zur Sammel-Patenschaft

16. Oktober 2012. Gelsenkirchener Friedensfreunde haben mit einer Sammelpatenschaft einen Stolperstein finanziert. Im Mai 2013 wird der Stolperstein, der an Michael Hojnacki erinnert, in Rotthausen verlegt.

Der Schuhmacher Michael Hojnacki senior, geboren am 18. September 1881 in Trebisheim, sorgte mit einem kleinen Geschäft in der Steinfurthstraße 26 für den Lebensunterhalt seiner Familie. Michael Hojnacki war aktiv im Polenbund und er war – obwohl schon fast 40 Jahre in Deutschland – seiner alten Heimat im Osten sehr verbunden. Er war Deutscher, hatte im 1. Weltkrieg fürs Deutsche Reich als hoch dekorierter Feldwebel gedient. Wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 stellte er sich mit seiner Geige auf den Hof des Hauses an der Steinfurthstraße 26, fiedelte und sang dort die polnische Nationalhymne mit dem Text: "Noch ist Polen nicht verloren".

Hojnacki wurde von einem Nachbarn bei den NS-Behörden denunziert, verhaftet und in das Gestapo-Gefängnis Gelsenkirchen gebracht. Am 22. November 1939 wurde er in das KZ Sachsenhausen transportiert, am 27. Juni 1940 weiter in das KZ Neuengamme (Hamburg) verschleppt und am 22. Juni 1940 in das KZ Dachau verlegt. Dort starb Michael Hojnacki am 15. Juli 1940. Der Name des Denunzianten war bekannt, ihm geschah nach dem Krieg jedoch bis auf eine Tracht Prügel nichts.


Stolpersteinverlegung 8. Oktober 2012 in Gelsenkirchen  

11. Oktober 2012. Wir danken den Stolperstein-Paten, Gunter Demnig und allen anderen Menschen, die dem Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen bisher wohlwollend und unterstützend gegenüber gestanden haben.

Stolpersteine - Biografische Skizzen

Die Stolperstein-Verlegung in den lokalen Medien


Stolpersteine Gelsenkirchen


Stolpersteine Gelsenkirchen - Matinee im Kaminzimmer von Schloß Horst

Eintrag im Gästebuch von Schloss Horst: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist."


Stolperstein für Isidor Kahn verlegt  

Der neue Stolperstein für Isidor Kahn

11. Oktober 2012. Am Montag brachte Bildhauer Gunter Demnig den neuen Stolperstein für Isidor Kahn mit nach Gelsenkirchen. Mit der Erneuerung des Gehweg-pflasters Im Lörenkamp war der dort im August letzten Jahres verlegte Stolperstein verschwunden, von der ausführenden Firma versehentlich mit dem Aushub entsorgt. Die Straßenbaufirma übernahm die Kosten für den neuen Stolperstein, Mitarbeiter bauten heute Morgen den Stein an gleicher Stelle wieder ein.

Das Bodendenkmal erinnert an den jüdischen Kaufmann Isidor Kahn, der Im Lörenkamp 2 gewohnt hat, bevor er von den NS-Verfolgungs-behörden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort 1943 ermordet wurde.


Ausstellung: "Vergeben muss man, aber Vergessen ist unmöglich..."  

Ausstellung

5. Oktober 2012. An die Verlegung eines Stolpersteins für den Holocaust-Überlebenden Herman Neudorf (Abb.) knüpft eine Ausstellung an, die ab dem 26. Oktober 2012 von Gelsenzentrum in Zusammen-arbeit mit Herman Neudorf in der Gesamtschule Horst präsentiert wird.

Die jüdische Familie Neudorf gerät 1938 in die Mordmaschinerie des NS-Staates. Vater Simon stirbt 1941 im KZ Sachsenhausen, Mutter Frieda wird 1944 in Riga ermordet. Herman Neudorf wird im Oktober 1938 im Alter von 13 Jahren mitten aus dem Schulunterricht heraus verhaftet und aus seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen zunächst nach Polen abgeschoben. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Gelsenkirchen führt sein weiterer Leidensweg über eines der so genannten „Judenhäuser“ Gelsenkirchens in das Ghetto Riga, von dort in das KZ Kaiserwald weiter über die KZ Stutthof und Buchenwald in das KZ-Außenlager von Buchenwald beim Bochumer Verein und wieder zurück nach Buchenwald. Herman Neudorf überlebte einen der Todesmärsche und wird am 13. April 1945 bei Gera von amerikanischen Soldaten befreit. Der 87jährige Herman Neudorf lebt heute in den USA. Auf der Basis seiner Erinnerungen erzählt und dokumentiert diese Ausstellung Lebens- und Leidenswege der Familie Neudorf, ihrer Angehörigen und Freunde.

Die Ausstellung, die nach einem Zitat von Herman Neudorf den Titel "Vergeben muss man, aber Vergessen ist unmöglich..." trägt, rückt Judenverfolgung und -vernichtung im so genannten "Dritten Reich" mit der Darstellung der Lebens- und Leidenswege der Familie Neudorf in einen konkreten örtlichen und personellen Zusammenhang.

Ausleihe möglich!

Die Ausstellung kann von lokalen Gruppen, Schulen, Kirchenge-meinden u.a. ausgeliehen werden! Interessierte Veranstalter wenden sich bitte an:

GELSENZENTRUM e.V.
Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte
Devensstrasse 111
45899 Gelsenkirchen
Telefon: (0209) 9994676
Sekretariat Gelsenzentrum

Sowohl für die Ausstellungseröffnung am 26.10. um 16 Uhr als auch für die Finissage, die am 9.11. um 16 Uhr beginnt, entwickeln Lehrer und Schüler der Jahrgänge 10, 12 und 13 derzeit ein vielfältiges Programm: Neben musikalischen Beiträgen planen die Beteiligten Theaterszenen zum Leben Neudorfs „Das Ende der Kindheit“, eine Kunstinstallation „Wege der Erinnerungen“ sowie weitere Präsentationen zu den Themen Umgang mit der NS-Zeit und Erinnerungskultur. Schülerinnen und Schüler aus der Sek. II führen durch die Ausstellung.

Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zum Besuch der Ausstellung eingeladen. Um vorherige Anmeldung über das Sekretariat der Gesamtschule Horst (Tel. 4503012) wird gebeten. Die Vernissage und Finissage können auch ohne Voranmeldung besucht werden.




Ausstellung: die Geschichte der jüdischen Familie Neudorf


Abschluss der diesjährigen Verlegeaktion im Schloss Horst 

2. Oktober 2012. Die diesjährige Verlegeaktion von Stolpersteinen in Gelsenkirchen am 8. Oktober findet ihren Abschluß mit einer Veranstaltung, die um 18 Uhr im Kaminzimmer von Schloss Horst beginnt. Bezirksbürgermeister Joachim Gill wird ein Grußwort an die Anwesenden richten, Heike Jordan wird aus der 1947 als Broschüre publizierten Bericht "Sadismus oder Wahnsinn" von Jeanette Wolff (1888-1976) lesen. Die Politikerin Wolff beschreibt darin ihre Deportation nach Riga und den Leidensweg durch verschiedene Konzentrationslager.

Die Veranstaltung endet mit einer Auswahl von geschriebenen Gedichten und Liedern der tschechisch-jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber (1903-1944), die sie im KZ Theresienstadt geschrieben hat und die 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Die Opernsängerin Michaela Sehrbrock wird sowohl eine Reihe unvertonter als auch erhalten gebliebener vertonter Gedichte präsentieren und dabei von Marion Steingötter am Klavier begleitet. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen lädt Bürgerinnen und Bürger der Stadt zur Teilnahme ein. Info 0209 9994676


Im Oktober werden Stolpersteine verlegt 

In diesem Jahr werden in Gelsenkirchen Stolpersteine auch für Menschen, die den Naziterror überleben konnten, verlegt.

3. September 2012. Am 8. Oktober kommt Künstler Gunter Demnig nach Gelsenkirchen, 18 weitere Stolpersteine gegen das Vergessen wird er dann an 8 Orten in den Boden einlassen. In diesem Jahr werden erstmals auch Stolpersteine für ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens verlegt, die den Naziterror überleben konnten. Familien sollen so im Gedenken symbolisch wieder zusammengeführt werden.

Demnigs Stolpersteine bringen niemanden zu Fall, man stolpert nicht körperlich. Man stolpert mit den Augen, dem Kopf und mit dem Herzen über die Stolpersteine, denn die kleinen Betonquader werden flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen - damit Vergangenheit sichtbar bleibt. "Und wenn du den Namen auf dem Stein lesen willst, musst du dich vor dem Opfer automatisch verbeugen" sagt Gunter Demnig.

Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die in den Jahren des "Dritten Reichs" verfolgt, entrechtet, gedemütigt, in die Flucht getrieben und in den allermeisten Fällen von den Nazis ermordet wurden. Im Rahmen des Kunstprojektes „Stolpersteine“ des Bildhauers Gunter Demnig werden die Gedenksteine vor den Häusern ins Pflaster der Gelsenkirchener Gehwege eingelassen, in denen die Menschen einst lebten.

Matinee im Schloß Horst

Der Verlegetag findet seinen Abschluß mit einer kleinen Matinee, die gegen 18:00 Uhr im Schloss Horst beginnt. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen lädt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ein, an den Verlegungen und der Matinee teilzunehmen. Wir wünschen uns, dass viele Menschen durch ihre Teilnahme mit dazu beitragen, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus als Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft wachzuhalten.


Stolperstein Arthur Hermann
13:30 Uhr, Cranger Straße 267


Stolperstein Stolperstein Isidor und Flora Isacson
15:45 Uhr, Ringstraße 4


Stolperstein Pater Hermann Joseph Vell
14:15 Uhr, Grillostraße 57


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Stolperstein Selig Uscher, Perla, Max und Charlotte Krämer
16:15 Uhr, von der Recke Straße 10


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Carl, Ella und Lotte Posner
14:45 Uhr, Arminstraße 1


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Iwan, Marianne und Charlotte Süßkind
16:50 Uhr, Markenstraße 29


Stolperstein Stolperstein Stolperstein Benjamin, Sara und Ruth Spiegel
15:15 Uhr, Kirchstraße 65


Stolperstein Herman Neudorf
17:10 Uhr, Markenstraße 19

(Zeitangaben +/- 15 Minuten. Die Projektleitung ist am Verlegetag unter der Handy-Nr.0174 5463829 zu erreichen)

→ Lebens- und Leidenswege - Biografische Skizzen


Stolperstein mit Aushub entsorgt 

Gelsenkirchen: Stolperstein verschwunden

Abb.: Der Stolperstein, der in Gelsenkirchen an Isidor Kahn erinnerte, ist bei Bauarbeiten verschwunden

10. Juni 2012. Mit der Erneuerung des Gehwegpflasters Im Lörenkamp ist der dort von dem Kölner Künstler Gunter Demnig im August letzten Jahres verlegte Stolperstein verschwunden.

Das Bodendenkmal erinnerte an den jüdischen Kaufmann Isidor Kahn, der Im Lörenkamp 2 gewohnt hat, bevor er von den NS-Verfolgungs-behörden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort 1943 ermordet wurde.

Von einem Bürger wurden wir über den Beginn der Bauarbeiten Im Lörenkamp informiert und darauf hingewiesen, dass der dort verlegte Stolperstein augenscheinlich verschwunden ist. Nachfragen bei den Mitarbeitern der ausführenden Firma vor Ort ergaben dann, dass der Stolperstein versehentlich mit dem Aushub entsorgt worden ist. Eine noch von der Firma veranlasste Suche nach dem verschwundenen Stolperstein blieb ohne Erfolg. Telefonisch sicherte uns die Straßenbaufirma Kostenübernahme für den Ersatzstein zu, der noch in diesem Herbst verlegt werden soll.


Wer finanziert die Stolpersteine?  

Stolpersteine werden flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen - sie verursachen kein tatsächliches stolpern

Abb.: Stolpersteine werden flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen - sie verursachen kein tatsächliches stolpern. Gunter Demnig drückt es so aus: "Man soll mit dem Herzen und dem Kopf darüber stolpern"

8. Juni 2012. Im Herbst werden sie wieder in Gelsenkirchen verlegt, die mittlerweile weltweit bekannten Stolpersteine. Dieses Mal sind es 23 Stolper-steine, die der Künstler Gunter Demnig am 8. Oktober in das Pflaster Gelsenkirchener Gehwege einlassen wird.

Wer finanziert sie eigentlich, die Stolpersteine? Es sind Einzelpersonen und Gruppen, die mit der Übernahme einer Patenschaft oder einer zweck-gebundenen Spende die Verlegung von Stolper-steinen ermöglichen. Der Künstler berechnet derzeit 120 Euro für Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins. Wir suchen fortwährend Menschen, die Patenschaften übernehmen, auch für die anstehende Verlegung werden noch Paten gesucht. Selbstverständlich sind auch kleinere Beträge zur Unterstützung der Aktion willkommen. Spenden können unter Angabe des Verwendungszwecks "Stolpersteine" auf das Konto des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum e. V. überwiesen werden, auf Wunsch erhalten sie eine Spendenquittung.

Gelsenzentrum e.V.
Sparkasse Gelsenkirchen
Kontonummer: 132015927
Bankleitzahl: 42050001

Informationen zum Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen:
Andreas Jordan
Devensstraße 111
45899 Gelsenkirchen
Tel.: (0209) 9994676
E-mail: a.jordan@gelsenzentrum.de


Stadtrundgang: Auf den Spuren der jüdischen Familie Jacobs 

Stolpersteine an der Augustastraße

Abb.: Stolpersteine an der Augustastrasse

16. April 2012. Die Nachfahren der Familie Jacobs kamen aus Kanada, Israel und den Niederlanden nach Gelsenkirchen, um Lebensstationen ihrer Familie aufzusuchen. Am Sonntag trafen wir uns an der Schalker Straße und begaben uns auf Spuren-suche. Unser Rundgang führte zu den verschiedenen Stationen des Lebens- und Leidensweges der Familie Jacobs und zu Spuren jüdischen Lebens in Gelsenkirchen.

Gustav und Johanna Jacobs wohnten in den Dreißiger Jahren mit ihren Kindern Leopold und Margot zunächst an der Josephinenstrasse 75 und wurden dann 1939 von den NS-Verfolgungs-behörden zwangsweise in eines der so genannten "Judenhäuser" an der Schalker Strasse 36 eingewiesen. Am 27. Januar wurde Familie Jacobs von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga verschleppt und von dort nach Auflösung des Ghettos in das KZ Kaiserwald im Norden von Riga überstellt. Im Außenlager Strasdenhof wurden Gustav und Johanna Jacobs bei einer der Selektionen ermordet. Die Kinder Leopold und Margot wurden weiter in das KZ Stutthof verschleppt und schließlich 1945 befreit. Margot ging nach Amsterdam, während Leopold Jacobs zunächst nach Gelsenkirchen zurückkehrte.

Unser Rundgang begann hinter dem Musiktheather, dort wo sich der heute nicht mehr existierende Teil der Schalker Straße mit Haus Nummer 36 befand. Weiter ging es über die Bahnhofstrasse, einst Mittelpunkt des blühenden jüdischen Geschäftslebens, zur Augustastraße Ecke Weberstraße. Auch dort befand sich im "Dritten Reich" eines der "Judenhäuser". Hier waren Verwandte der Familie Jacobs eingepfercht, in diesem Haus war Leo Jacobs nach seiner Rückkehr zunächst untergebracht.

Natürlich wollte die jüdische Reisegruppe auch die Gedenkwand im Innenhof der neue Synagoge ansehen, bedauerlicherweise wurde der Gruppe der Zutritt zur Synagoge verwehrt. Das wurde mit Entäuschung und Unverständnis aufgenommen. Weiter ging es nach einem Zwischenstop an den Stolpersteinen in der Kolpingstraße zur alten Synagoge in der Von-der-Recke-Straße. Gegenüber erinnern zwei Stolpersteine an das Ehepaar Wollenberg. Letzte Station war die Teutstraße 14, dort lebte Leopold Jacobs, bevor er schließlich Deutschland endgültig verließ.


Stolperstein-Rundgang mit Jugendlichen 

Stolpersteine an der Bismarckstrasse

Abb.: Stolpersteine an der Bismarckstrasse. Die Jugendlichen würden gerne die Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen.

10. April 2012. Im Rahmen des Projektes "National-sozialismus und Rassismus - Aufgepasst, nicht angepasst" des städtischen Jugendzentrums Tossehof stand heute zum Auftakt der Projekttage ein besonderer Punkt auf dem Programm. Eine Gruppe junger Menschen machte sich am Morgen auf den Weg entlang einiger der in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine.

An vier ausgewählten Orten im Einzugsbereich des Jugendzentrums Tossehof wurden den Teilnehmer- Innen an den Verlegeorten von Stolpersteinen die Biographien der von den Nazis und ihren Schergen ermordeten Menschen aufgezeigt.

Heike Jordan, ehrenamtliche Projektleiterin der Stolpersteininitiative in Gelsenkirchen erinnerte entlang der Route an die Biografien der Menschen und erläuterte den Jugendlichen die Hintergründe von rasseideologischer Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung von Menschen im so genannten "Dritten Reich". Für die TeilnehmerInnen wurden so aus Opfer-gruppen wieder einzelne Menschen mit individuellen Lebens- und Leidenswegen.

Gedacht und erinnert wird mit dem Projekt Stolpersteine aller im Nationalsozialismus verfolgten Menschen-gruppen: Juden, Sinti und Roma, politisch und religiös Verfolgte, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Euthana-sieopfer und all derer, die nicht zu den zahlenmäßig größten Opfergruppen gehören. „Ich will die Namen der NS-Opfer wieder an ihren einstigen Wohnort zurückbringen.“ sagt der in Köln lebende Künstler Gunter Demnig. 1993 entstand seine Idee, NS-Opfern ein Denkmal genau dort zu setzen, wo die Menschen auch lebten - vor den Türen Ihrer Häuser. Die Idee der Stolpersteine war geboren. Mittlerweile hat Gunter Demnig mehr als 35.000 Stolpersteine in Deutschland und mehreren europäischen Ländern verlegt. In Gelsenkirchen werden Stolpersteine seit 2009 in das Pflaster der Gehwege eingelassen - gegen das Vergessen.

Download der Dokumentation: "Nationalsozialismus und Rassismus - aufgepasst, nicht angepasst"


Dr. Rainer Vollath - Erste Lesung im Ruhrgebiet 

Dr. Rainer Vollath, am Freitag las der Autor erstmals im Ruhrgebiet

Abb.: Dr. Rainer Vollath. Am Freitag las der Autor erstmals im Ruhrgebiet

2. April 2012. Am Freitag Abend las Rainer Vollath im Gelsenkirchener Kulturraum “die flora” aus seinem Buch “Zwei Lieben” - es war seine erste Lesung im Ruhrgebiet. Der Roman erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des jungen Fritz Weiss. Fritz gehört zu einer in Gelsenkirchen noch weitestgehend unbeachteten Opfergruppe des NS-Regimes: die der schwulen Männer.

Fritz Weiss ist 28 Jahre alt, als er von der Gestapo verhaftet wird. Sieben qualvolle Jahre in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Flossenbürg folgen. Doch auch nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Verfolgung schwuler Männer nicht vorbei, erst 1969 wird der “Schwulen-Paragraf” 175 StGB entschärft, 1994 endgültig abgeschafft. Rainer Vollath erzählt in “Zwei Lieben” die Geschichte des Fritz Weiss im Wechsel zwischen den Zeitebenen der Verfolgung im so genannten “Dritten Reich” und der Zeit um 1970. Spannend, lebendig und einfühlsam beschreibt der Autor, wie sich Fritz von den in der NS-Zeit erlittenen Qualen befreit und erst im Herbst seines Lebens sein spätes Glück findet.

Im Anschluss an die Lesung sprach Markus Chmielorz (Beratungsstelle Rosa Strippe Bochum) über den Eindruck, den dieses bemerkenswerte und berührende Buch bei ihm hinterlassen hat. Ein Buch, das mit dazu beiträgt, dass tausende Unbekannte, die wegen ihrer Homosexualität von den Nazis gedemütigt und ermordet wurden, nicht vergessen werden. Markus Chmielorz erinnerte auch an den Tod des letzten schwulen KZ-Überlebenden Rudolf Brazda, der so gerne rosa Hemden anzog - zur Erinnerung an den “rosa Winkel”, den er selbst und Tausende andere schwule Häftlinge im KZ tragen mussten: “Dass ist die Farbe, mit der uns die Nazis abgestempelt haben, daher trage ich besonders gerne Rosa”.

Rudolf Brazda war der letzte schwule Mann, der noch aus eigenem Erleben von Verfolgung und Leid in der NS-Zeit berichten konnte. Von der oftmals schwierigen Recherche in den Archiven berichtete an diesem Abend abschließend Jürgen Wenke. Seiner privaten Initiative ist es zu verdanken, dass im Ruhrgebiet in letzter Zeit mehrere Stolpersteine zur Erinnerung an schwule Männer, die zu NS-Opfern wurden, verlegt werden konnten. Bei der nächsten Verlegung in Gelsenkirchen im Herbst 2012 verlegt Gunter Demnig einen ersten Stolperstein für einen Mann aus unserer Stadt, der von den Nazis wegen seiner Homosexualität verfolgt und ermordet wurde - auch hier hat der Verein Rosa Strippe e.V. die Patenschaft übernommen.

Die Buchhandlung Junius hatte für die Lesung, die für die Zuhörerinnen und Zuhörer eine Bereicherung war, eigens einen Büchertisch organisiert. “Zwei Lieben” ist ein Buch gegen das Vergessen, das man sicherlich nicht so schnell vergisst. An der Realisierung der Lesung waren viele Menschen beteiligt. Allen, die zum Gelingen dieses Abends beigetragen haben, sei hier nochmals herzlich gedankt.


70. Jahrestag der Deportation Gelsenkirchener Juden in das Ghetto Warschau  

Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an das Ehepaar Wollenberg

Abb.: Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an das im Ghetto Warschau von den Nazis ermordete Ehepaar Isidor und Elfriede Wollenberg

10. März 2012. Am 31. März 1942 rollte der zweite “Sammeltransport” aus Gelsenkirchen mit 52 jüdischen Kindern, Frauen und Männern in den “Osten”. In Münster wurden weitere 400, in Hannover 500 und Braunschweig 116 Juden in den Zug gezwungen. Am Morgen des 1. April 1942 erreichte der Zug das Ghetto Warschau. Die Neuankömmlinge wurden zunächst in die außerhalb des Ghettos gelegene “Quarantäne-Station” in der Nähe des so genannten “Umschlagplatzes” untergebracht und nach einigen Tagen unter Aufsicht der jüdischen Ghetto-Polizei auf die Wohnquartiere im Ghetto verteilt. Am 22. Juni 1942 begann die Deportation der Juden aus Warschau in das Vernichtungslager Treblinka. Wer von den Gelsenkirchener Juden bis dahin die Zeit im Ghetto überlebt hatte, wurde in den folgenden Monaten nach Treblinka verschleppt und dort in den Gaskammern des Vernichtungslagers erstickt. Von den aus Gelsenkirchen in das Ghetto Warschau deportierten Menschen fehlt seither jedes Lebenszeichen, ihre weiteren Leidenswege sind unbekannt. Mehr...


Stigma "Asozial" - Erinnerung an Ausgegrenzte  

Mit dem Zwang zum tragen des schwarzen Winkels wurde den KZ-Häftlingen das Menschsein abgesprochen

Abb.: Der Zwang zum tragen des schwarzen Winkels sprach auch diesen KZ-Häftlingen das Menschsein ab

5. März 2012. Mit der Machtübergabe an die Nazis begann 1933 auch die Verfolgung und Ausgrenzung der als "Asoziale" definierte Menschen. Der Sammel-begriff "Asoziale" war eine übliche Bezeichnung für die als "minderwertig" qualifizierte Menschen aus den sozialen Unterschichten ("so genannte Ballastexistenzen"), die nach NS-Auffassung Randgruppen zugehörten sowie "schwere Leistungs- und Anpassungsdefizite" aufgewiesen hätten. Menschen und Menschengruppen wurden so als Ressourcen verbrauchende "Schädlinge" und "unnütze Esser" etikettiert, für die die als "gutwillig" und "fleißig" bezeichnete Mehrheit der "Volksgemeinschaft" zu ihrem Nachteil aufkommen müsse. Als "asozial"galt laut einem Grunderlass zur "Vorbeugenden Verbrechens-bekämpfung" vom 14. Dezember 1937: "(...) wer durch sein gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, dass er sich nicht in die Gemeinschaft einfügen (...), sich der in einem nationalsozialistischen Staat selbstverständlichen Ordnung fügen will" (...). So wurden beispielsweise Bettler, Obdachlose, Wandermusiker, Trinker, Prostituierte, Heimzöglinge, Fürsorgeempfänger oder Jugendliche und Frauen aus unteren Schichten als "Asoziale", "Gemeinschaftsfremde" und "Volksschädlinge" diffamiert, dazu gehörten auch Personen, die mit Unterhaltszahlungen im Rückstand waren (so genannte "säumige Nährpflichtige") und auch Homosexuelle.

Bedingt durch die Organisationsstrukturen der NS-Verfolgungsbehörden wirkten arbeitsteilig verschiedene Beamte am Gesamtprozess der Verfolgung, Ausgrenzung und Ermordung einzelner Menschengruppen mit. Hauptakteure in verschiedenen Funktionen waren in Gelsenkirchen unter anderem Dr. Friederich Wendenburg, Paul Schossier, Dr. Heinrich Hübner, Fritz Capelle, Heinrich Beßmann, Fritz Schenk, Heinrich Schmidtkamp, Dr. Otto Schäfer, Dr. Wilhelm Schumacher, Peter Stangier und Carl Böhmer.

Verschiedene Stellen der staatlichen Verfolgungsbehörden gingen dabei auch gezielt gegen Jugendliche vor, die sich in Familie und Schule, in den Jugendorganisationen und in ihrer Freizeit nicht so verhielten wie die Nazis es von ihnen verlangten. Dies betraf zum Beispiel Jugendliche, die gegenüber Eltern oder Lehrern aufmüpfig waren, die den Dienst in der "Hitlerjugend" (HJ) und dem "Bund deutscher Mädel" (BDM) verweigerten oder wegen Ungehorsam ausgeschlossen worden waren, die nicht so schnell und so viel arbeiten wollten wie andere, die homosexuell waren oder ein freieres Sexualleben haben wollten. Wer sich dem nicht fügte, hatte mit Zwangsmaßnahmen, Schikanen und der Unterbringung in einer sogenannten "Fürsorgeanstalt" zu rechnen. Die Entscheidung, ob ein "gemeinschaftswidriges Verhalten" vorlag, lag dabei allein bei den Ordnungs- und Polizeibehörden. Betroffen waren somit alle Personen, die nicht in das Konzept der "NS-Volksgemeinschaft" passten - dass führte natürlich auch zu willkürlichen Einweisungen in die KZ. Als Einweisungsbehörde konnte die Kriminalpolizei tätig werden, ohne dass eine Straftat vorlag - allein ein Verdacht reichte aus.


Wer sich nicht in die Nazi-Schablonen pressen ließ, wurde schnell als "Asozialer" bezeichnet und verfolgt


In das Konzentrationslager Dachau konnten bereits in den ersten Jahren des NS-Terrorregimes so genannte "asoziale" Häftlinge auf Antrag von Fürsorgeämtern eingewiesen werden. Im Rahmen der "Aktion Arbeitsscheu Reich" kam es im Frühjahr und Sommer 1938 zu einer Verhaftungswelle, die einen Höhepunkt in der "Asozialenverfolgung" des NS-Staates darstellte. Mehr als 10.000 Roma und Sinti, Juden und "deutschblütige Asoziale" wurden bei dieser "Aktion" in Konzentrationslager verschleppt, davon 6.000 im Juli 1938 in das KZ Sachsenhausen. Sie wurden in den Lagern mit einem schwarzen Winkel auf der Häftlingskleidung markiert und bildeten in den KZ eigene Häftlingsgruppen, die in der KZ-Hierarchie ganz unten standen. Die Sterberate unter diesen Häftlingen war besonders hoch.

Keine Rehabilitation und Entschädigung der NS-Opfer

Die als "Asoziale" Verfolgten galten nach 1945 nicht als NS-Opfer, sondern als Krimminelle und waren so von jeglicher Anerkennung und Entschädigung ausgeschlossen - nicht so ihre ehemaligen Verfolger, die sich über üppige Renten und Pensionen freuen konnten. Erst als es für die meisten der NS-Opfer schon zu spät war, führten einige Bundesländer Härtefallregelungen ein. Es haben bis heute 163 "Asoziale", 17 "Arbeitsverweigerer", 24 "Arbeitsscheue" und 1 "Landstreicher" jeweils eine Einmalzahlung in Höhe von knapp 2500 Euro erhalten - 205 Menschen von mehreren Zehntausend Verfolgten. Nicht die Tatsache des erlittenen Unrechts und der Verfolgung bzw. ihre Schwere entschied letztlich über die Einbeziehung in die "Wiedergutmachung", sondern Beweggründe der früheren Verfolger im Rahmen eines fortbe-stehenden gesellschaftlichen Kontextes. Die Zuschreibung "Asozial" in den Opferakten existiert noch immer, auch bei inzwischen Verstorbenen.

Stolpersteine

An die bisher wenigen namentlich bekannten, unter dem Vorwurf der "Asozialität" verfolgten Menschen aus Gelsenkirchen sollen bald Stolpersteine im Stadtgebiet verlegt werden. Recherchen der Projekt-gruppe Stolpersteine Gelsenkirchen in den Akten des KZ Dachau führten jetzt auf die Spuren der Leidenswege der Gelsenkirchener Josef Kendzierski aus Rotthausen, Walter Klüter aus der Feldmark, Erich Mosdzinski aus Buer und Heinrich Roth aus der Altstadt, die von den Nazis als "Asozial" gebrandmarkt im Konzentrationslager Dachau ermordet wurden. Das diesen Menschen geschehene Unrecht soll nicht vergessen werden.


Stolperstein für Widerstandskämpfer Karl Delbeck  

1. März 2012. Für den kommunistischen Widerstandskämpfer Karl Delbeck soll in Gelsenkirchen ein Stolperstein verlegt werden, Heidi Delbeck stimmte gestern einer Verlegung zu. Bereits in den Dreißiger Jahren wurde Karl Delbeck erstmals wegen seines aktiven Widerstands gegen das Nazi-Regime verhaftet und von der Gestapo brutal gefoltert. Die nachfolgende Haft wurde u.a. in den Gefängnissen Gelsenkirchen und Münster vollstreckt. Danach war Delbeck weiter in der Arbeiterbewegung aktiv.

Als Angehöriger der Wiederstandsgruppe um Franz Zielasko wurde Karl Delbeck im Juli 1944 vom so genannten "Volksgerichtshof" wegen "Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung" zum Tode verurteilt. Im berüchtigten Gefängnis München-Stadelheim sollte die Hinrichtung vollstreckt werden, die Vollstreckung wurde jedoch wegen eines Wiederaufnahmeantrages ausgesetzt. Während eines Todesmarsches konnte Delbeck fliehen und wurde schließlich von den Alliierten befreit.


Stadtrundgänge: Jeder Stolperstein ein Leben 

18. Februar 2012. Die Projektgruppe Stolpersteine bietet ab Frühjahr 2012 kostenlose Stadtrundgänge für Schüler, Einwohner und Gäste der Stadt entlang der in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine an. Die Rundgänge werden individuell für die jeweiligen Gruppen geplant und zusammengestellt. Bei den Rundgängen werden die persönliche Lebens- und Leidensgeschichten der Menschen, die vom NS-Terroregime gedemütigt, entrechtet, verfolgt und schlussendlich ermordet wurden, an ihren damaligen Wohnorten in Gelsenkirchen erzählt. Dauer der ehrenamtlich geführten Rundgänge etwa 2 Stunden. Mehr...

Infos und Anmeldung unter 0209/9994676 oder per Email an Email an die Projektgruppe schreiben Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Fotos erinnern an die jüdische Familie Posner aus Gelsenkirchen 

English Version Looking for relatives of Posner family - English Version

Ausschnitt aus dem Hochzeitsfoto von Carl und Ella Posner, geb. Stessmann

Ausschnitt aus dem Hochzeitsfoto von Carl und Ella Posner, geb. Stessmann. Bis zur Deportation 1942 wohnten sie in Gelsenkirchen

14. Februar 2012. Carl Posner, seine Frau Ella, eine geborene Stessmann aus Medebach und die gemeinsam Tochter Lotte wurden am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga deportiert. Carl wurde von den Nazischergen im Ghetto Riga, Ella und Lotte im KZ Stutthof ermordet. Das Ehepaar Alfons und Sabine Donat hat die Patenschaft für drei Stolpersteine übernommen, die in Gelsen-kirchen bald an die Familie Posner erinnern.

Zwei alte Fotos hat Helene Jaschinski, die Großmutter von Sabine Donat, damals kurz nach der Deportation der Familie Posner retten können. Ein Hochzeitsfoto von Carl und Ella Posner und eines, auf dem Lotte Posner mit zwei anderen Kindern zu sehen ist. "Kurz nach dem Krieg kam ein junger Mann zu meiner Oma und sagte ihr, dass Familie Posner von den Nazis ermordet worden ist. Oma hat in ihrer Aufregung damals nicht nach seinem Namen gefragt" erzählt Sabine Donat, "Die Fotos von Familie Posner hat Oma all die Jahre aufgehoben. Nach ihrem Tod sind sie dann in meine Hände gelangt. Vor vielen Jahren habe ich begonnen, nach Angehörigen der Familie Posner zu suchen, wollte die Fotos übergeben - leider bisher erfolglos. Diese Erinnerungsstücke sind doch in der Familie am besten aufgehoben."

→ Dokumentation: Stolpersteine für Familie Posner

Angehörige gesucht

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen sucht nun nach Angehörigen der weitverzweigten Familie Posner, erste Spuren weisen von Gelsenkirchen nach Kanada (Hans Posner) und in die USA/New Mexico (Sigmund Posner, Erna Wislawa Posner, Helmut Paul Posner, Herbert Posner und Hannelore Boyd, geborene Posner). Informationen bitte per Email an: Email an die Projektgruppe Heike Jordan schreiben Heike Jordan, Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


"Zwei Lieben" - Lesung mit Rainer Vollath in der "flora" Gelsenkirchen  

Zwei Lieben - von Rainer Vollath

Autor Dr. Rainer Vollath

9. Februar 2012. Am Freitag, dem 30. März 2012 liest der Autor Rainer Vollath um 19 Uhr im Kulturzentrum "die flora" in Gelsenkirchen, Florastraße 26, aus seinem zeitgeschichtlichen Roman "Zwei Lieben". Begrüßung und einleitendes Referat: Markus Chmielorz und Jürgen Wenke.

"Zwei Lieben" - Sachsenhausen, Flossenbürg, Berlin Nollendorfplatz – die Lebensstationen eines bewegten Lebens, einer bewegenden Geschichte

In seinem Buch "Zwei Lieben" hat sich Rainer Vollath einem verdrängten Kapitel deutscher Geschichte gewidmet: Berlin 1938. Der 28-jährige Fritz wird im Berliner Tiergarten von der Gestapo ertappt, verhaftet und ins KZ gebracht. Sieben Jahre verbringt er in Sachsenhausen und Flossenbürg. Was ihm beim Überleben hilft, ist seine Liebe zu dem jungen Häftling Jan aus Warschau. Bei Kriegsende trennen sich jedoch ihre Wege für immer.

Zwei Lieben - von Rainer Vollath

Aus Angst vor Repressalien führt Fritz nach dem Krieg in Berlin jahrzehntelang ein Doppelleben und traut sich nicht, zu seinem Schwulsein zu stehen. Doch dann wird 1969 der Paragraph 175 entschärft, ein frischer Wind weht in der Metropole. Fritz versucht, eine Entschädigung für die im KZ erlittenen Qualen zu bekommen – und er lernt Will kennen. Rainer Vollath erzählt in sich zeitlich abwechselnden Kapiteln den Überlebenskampf im KZ und das Aufkeimen der Schwulenbewegung in der Berliner Nachkriegszeit. In klarer, nüchterner Sprache zeichnet er das Leben eines Mannes nach, der es trotz seiner – aus einer bedrückenden Vergangenheit herrührenden – Ängste schafft, ein Selbst-bewusstsein als schwuler Mann zu entwickeln und sich seinen Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen.

Möglich wurde diese Lesung durch eine Kooperation des Vereins Rosa Strippe, der in Bochum die zweit-größte psychosoziale Beratungsstelle für Lesben, Schwule und deren Angehörge in NRW betreibt und der Projektgruppe STOLPERSTEINE des Gelsenzentrum e.V. in Gelsenkirchen. Beide Initiativen widmen sich schon seit langem der Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus. Auf Initiative der Rosa Strippe e.V. hat der Künstler Gunter Demnig im Februar in Dortmund einen weiteren Stolperstein für ein schwules Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Im Herbst verlegt Demnig in Gelsenkirchen einen Stolperstein für den im KZ wegen seiner Homosexualität zu Tode geschundenen Arthur Hermann, auch hier hat die Rosa Strippe die Patenschaft übernommen. Die Recherchen für diese beiden Stolpersteine stammen von Jürgen Wenke, der seit langem die Lebensgeschichten schwuler Männer während der NS-Zeit erforscht.


"Uns haben sie einfach vergessen..." - schwule Männer als Opfer des NS-Terrors


Lange blieb das Schicksal schwuler Männer und deren Verfolgung in der Zeit zwischen 1933 und 1945 im Verborgenen. Schätzungsweise 10.000 - 15.000 schwule Männer wurden zwischen 1934 und 1945 in die KZ eigesperrt, die wenigsten haben den faschistischen Terror überlebt. Für die Überlebenden ging die Verfolgung in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit fast nahtlos weiter. Wenn einer der wenigen Überlebenden wieder „straffällig“ im Sinne des § 175 wurde, bezog die bundesdeutsche Justiz die Verurteilung aus der NS-Zeit strafverschärfend mit ein, denn der Angeklagte galt ja als unverbesserlicher Wiederholungstäter, hatte doch der § 175 in der NS-Fassung noch bis 1969 Gültigkeit. Endgültig aus dem bundesdeutschen Strafgesetzbuch gestrichen wurde der § 175 erst im Jahr 1994.

Der Eintritt zur Lesung ist frei, um eine Spende für das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen wird gebeten.

→ Download Pressemitteilung der Rosa Strippe (PDF)

Cover- und Autorenfoto mit freundlicher Genehmigung des Querverlag, Berlin


Woche der Erinnerung 

27. Januar 2012. Die Projektgruppe Stolpersteine beteiligte sich aktiv an der "Woche der Erinnerung", einer von Gelsen-zentrum e.V. initiierten Veranstaltungsreihe zum Internationalen Holocaust-Gedenktag. Bei einer Spendenaktion konnten so 83 Euro für das Projekt in Gelsenkirchen gesammelt werden. In unserer Stadt wurden bisher 41 Stolpersteine verlegt, weitere werden folgen. Bei der nächsten Verlegung im Herbst 2012 verlegt Gunter Demnig einen ersten Stolperstein für einen Gelsenkirchener, der von den Nazis wegen seiner Homosexualität verfolgt und ermordet wurde. Erstmalig wird dann auch ein Stolperstein verlegt, der an den Leidensweg eines Holocaust-Überlebenden erinnert.


Auszeichnung für Rolf Abrahamsohn 

20. Januar 2012. Landrat Cay Süberkrüb überreichte im Kreishaus Recklinghausen die Verleihungsurkunde an Rolf Abrahamsohn. "Zur öffentlichen Anerkennung und Ehrung ihrer langjährigen Verdienste zum Wohle und Ansehen des Kreises Recklinghausen verleihen wir Ihnen die Auszeichnung Vestischer Ehrenbürger" sagte der Landrat, als er die Urkunde an Rolf Abrahamson übergab. Stehend applaudierten die geladen Gäste dem 86jährigen aus Marl, der als einzigster seiner Familie den Holocaust überlebte.

Die Laudatio auf Rolf Abrahamsohn hielt Sr. Johanna - Ruth Eichmann, eine enge Freundin von Rolf Abrahamsohn. Sie fand warme und bewegende Worte, die den alten Herren sichtlich berührten. In seiner Dankesrede betonte Rolf Abrahmsohn, wie sehr es ihn sein Leben lang schmerzt, dass er den Kindern, die mit ihm im KZ waren, damals nicht hat helfen können.

"G’tt hatte wohl damals Urlaub, sonst wäre all das Morden und Verbrennen nicht geschehen" sagte Abrahmsohn mit dem ihm so eigenen Humor, "Das alles, was ich erlebt habe, kann man nur erzählen mit etwas Humor - sonst wird man verrückt".

Eigentlich wollte Rolf Abrahamsohn nach seiner Befreiung nach Palästina gehen. Als er jedoch erfuhr, dass er unter Umständen von den Engländern auf Zypern interniert werden könnte, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. "Die Jahre im KZ und im Arbeitslager waren doch genug, nie wieder wollte ich eingesperrt sein, und so blieb ich in Marl" sagt Abrahamsohn nachdenklich. Man spürt, dass er seinen damaligen Entschluss zu bleiben, auch schon so manches mal bereut hat.


Vor 70 Jahren: Deportationszug mit Ziel Riga verlässt Gelsenkirchen  

"Es ist schwer zu sagen, wer das bessere Los gezogen hat. Denn selbst die wenigen, die schließlich überlebt haben, auch sie sind für ihr Leben gezeichnet. Sie haben jeder für ihr ganzes restliches Leben noch an dem zu tragen, was sie seelich und körperlich dort erlitten haben."

Otto Wolken, Holocaust-Überlebender

16. Januar 2012. Am 27. Januar 1942 rollte der erste "Sammeltransport" mit Kindern, Frauen und Männern jüdischer Herkunft von Gelsenkirchen Richtung Osten. Bestimmungsort der Menschenfracht war das Ghetto Riga. 359 Gelsenkirchener Juden wurden in die zum "Sammellager" umfunktionierten Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht. Auch Juden aus umliegenden Revierstädten wurden nach Gelsenkirchen transportiert. Die Gelsenkirchener Jüdin Helene Lewek wählte in der Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz angesichts der bevorstehenden Deportation die Flucht in den Tod. Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten - u.a. in Dortmund und Hannover - in den Zug gezwungen. Der Depor-tationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 Riga in Lettland.

Der überwiegende Teil der aus Gelsenkirchen und anderen Städten am 27. Januar verschleppten Juden wurden im Ghetto Riga oder in Konzentrationslagern ermordet. Zu den wenigen, die oftmals als Einzige ihrer Familien den Holocaust überlebt haben, gehören Rolf Abrahamsohn, Bernd Haase, Herman Neudorf und Elli Kamm, geborene Diament. Sie schildern hier, wie sie die Deportation aus Gelsenkirchen und die Ankunft in Riga erlebt haben.

Rolf Abrahamsohn

Der heute 86jährige Rolf Abrahamsohn aus Marl erinnert sich:

"Am Morgen des 24. Januar um sieben Uhr wurden wir in Recklinghausen lebenden Juden aus den Häusern geholt. Wir standen bis nachmittags um vier auf der Straße, bevor man uns mit Lastwagen nach Gelsenkirchen zur Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz brachte. Am 27. Januar verließ der Deportationszug mit einigen hundert Juden aus Gelsenkirchen, Reckling-hausen und weiteren umliegenden Orten die Stadt. Man hatte uns gesagt, dass wir in ein Arbeitslager kämen, damals habe ich das noch geglaubt. Im Zug war es tagsüber sehr heiß und nachts eiskalt - das war unser Glück. So konnten wir wenigstens das gefrorene Wasser von den Fenstern ablecken, damit wir nicht ganz verdursten.

Als wir am 1. Februar in Riga am Bahnhof Skirotava ankamen, wurden wir mit Gebrüll und Schlägen von der SS empfangen. Wir sollten einige Kilometer bis ins Ghetto Riga laufen, den Schwachen bot die SS scheinheilig eine Fahrt auf LKW dorthin an. Was die Menschen, die auf die LKW stiegen, nicht wussten: das war praktisch schon eine erste Selektion. Sie brauchten uns ja als Arbeiter. Wer nicht laufen konnte, konnte nach der Logik der SS auch nicht arbeiten und so fuhren die LKW mit ihrer Menschenfracht direkt zu den Erschießungsstätten im Wald von Bikernieki."

Bernd Haase

Bernd Haase, der heute 85jährig in den USA lebt, erzählt:

"Im Dezember 1941 wurden meine Mutter, meine Schwester und ich aufgefordert, unsere Habseligkeiten für eine Umsiedlung nach Osten zusammenzupacken. Wir kennzeichneten unsere Möbel und packten Bettzeug und Kleidung in Rucksäcke. Am Abreisetag packten wir noch Butterbrote ein. Es kam ein Bus und brachte uns vom Judenhaus an der Bochumer Straße zur Gelsenkirchener Ausstellungshalle. Für unsere Nachbarn fuhren wir äußerlich normal weg. In der Ausstellungshalle mussten wir dann wie Tiere auf dem strohbedeckten Boden liegen.

Nur ein kleiner Zwischenfall: Es hatte geschneit und das Auto von einem der Nazi-Bonzen kam nicht weiter. So mussten ich und ein paar Andere den Wagen bis zur Arminstrasse schieben. Doch fühlte ich mich für eine halbe Stunde frei. Am fünften Tag, früh am Morgen, mussten wir durch Schnee und Dunkelheit zum Güterbahnhof marschieren. Dort schickte uns die Gestapo in einen Personenzug, brüllend und Peitschen schwingend. Wir wurden durchsucht und unser Geld und andere Wertgegen-stände wurden uns weggenommen. Wir hatten unsere Rucksäcke mit im Zugabteil, unsere Koffer und die Haushaltsgegenstände wurden in einen angehängten Waggon gepackt. Dieser Wagen wurde später abgekoppelt und sein Inhalt an Fremde verteilt. Langsam verließ der Zug Gelsenkirchen. In Dortmund wurden weitere Waggons angehängt."

Elli Kamm, nee Diament

Elli Kamm starb 2002 im Alter von 76 Jahren in den USA. Sie erzählte:

"Im Januar 1942 pferchten sie uns zusammen in Gelsenkirchen einem großen Warteraum und steckten uns dann in Züge. Der Transport ging nach Riga, in Lettland. Die Züge waren sehr kalt. Ich weiß nicht mehr genau, es waren fünf Tage, sechs Tage. Es war so kalt. Einigen Leuten erfroren die Finger, die Zehen, die Füße, es war schrecklich. Wir hörten die Flugzeuge, es gab Schiessereien, Bombardierungen, aber jedenfalls kamen wir Ende Januar, Anfang Februar bei Riga an. Der Ort hieß Skirotava. Es fror, es war kalt. Und denken Sie daran: Bevor wir Deutschland verließen, sagten sie uns, wir könnten nur so und so viel mitnehmen.

Wir zogen zwei Unterhemden, drei Pullover, drei Blusen, drei, vier Unterhosen an, so dass, wenn sie uns das Gepäck wegnehmen würden, wir immer noch das hätten, was wir am Körper hatten und so die Möglichkeit hätten, eine Zeit lang zu wechseln. Als wir in Skirotava ankamen und die SS da stand, ich denke, Obersturmführer Lange war sein Name und einige Andere. Mit Hunden und Schnee bis zum Hals und sie schrien: "Raus, raus, raus!" Das war einfach schrecklich, ich meine so ein Chaos. Es war unglaublich. Sie befahlen uns, zu dritt oder zu viert da zu stehen und dann abzumarschieren."

Herman Neudorf

Herman Neudorf, geboren in Horst-Emscher lebt heute in den USA, erzählt:

"Am 20. Dezember 1941 erhielten wir von der Gestapo, Staatspolizeistelle Gelsenkirchen, die erste Aufforderung: 'Sie haben sich auf einen Transport zum Arbeitseinsatz nach dem Osten vorzubereiten. An Gepäck darf 10 RM mitgenommen werden. Die Fahrtkosten sind selbst zu entrichten - natürlich einfach, eine Rückfahrt war nicht vorgesehen. Vorbereitungen wurden getroffen. Medikamente, Frostschutzmittel, Winterkleidung, warme Decken und so weiter beschafft. Am 20. Januar 1942 kommt wieder ein Schreiben: 'Sie haben sich zum Transport nach dem Osten in den nächsten drei Tagen bereitzuhalten.' Nun ist es soweit.

An einem Januarmorgen um 10 Uhr morgens wurden wir von der Gestapo aus dem Judenhaus an der Markenstraße in Horst abgeholt und in einen Autobus verfrachtet, mit je einem Koffer. Im nu sammelte sich um das Auto eine Anzahl Schulkinder. Auf ihre neugierige Frage, wohin wir fahren, antwortete der Gestapo-Chauffeur: 'Zur Erholung in ein Sanatorium.' Am Sammelplatz schliefen wir eine Nacht am Boden und am nächsten Tag wurden wir verladen. Es war der 27. Januar 1942. Aber diese Mörder wußten zu gut, wohin unsere Fahrt führt. Hoher Schnee mit ca. 25 Grad Kälte. Der Zug stand bereit. Ungeheizt. Am Ende des Zuges wurden drei Wagen mit unseren Koffern, Verpflegung und Küchengeräten angehängt. Dann fuhren wir ab. Türen natürlich abgeschlossen. Vor Hannover erfuhren wir, daß die letzten Wagen "heißgelaufen" waren und abgehängt werden mußten. Nun besaßen wir nur noch das, was wir am Leibe trugen. Sechs Tage Fahrt durch Ostpreußen, Litauen, Lettland. Aborte verstopft, die Abteilwände mit einer Eisschicht überzogen.

Am 1. Februar erreichten wir unsere neue "Heimat", der Transport hielt am Bahnhof Riga-Skirotava. Auf uns warteten schon SS-Leute in dicken Pelzmänteln. Sie trieben uns mit Schlägen, Beschimpfungen und Gebrüll aus dem Zug. Die Glieder waren noch starr vor Kälte. Zum Teil mit Autos oder zu Fuß ging es ab. Ungefähr drei Stunden Marsch. Lettische Wachen hüteten uns sorgfältig und rissen einigen gute Kleidungsstücke vom Leibe herunter. Ein mit Stacheldraht umgebener Stadtteil tauchte auf. Personen mit gelben "Judensternen" konnte ich erkennen. Das war also das Rigaer Ghetto, das uns allen ewig in Erinnerung bleiben sollte. Oft wundert man sich selbst, dass man diese schrecklichen Jahre, die noch folgten, überhaupt überleben konnte."

→ Version zum Ausdrucken: Zeitzeugen berichten von der Deportation (PDF)


Das "Judenhaus" an der Markenstrasse 29 

Die Markenstrasse 29 in Gelsenkirchen-Horst. Die Fassade befindet sich im Orginalzustand. Im Erdgeschoß befand sich bis Ende der Dreißiger Jahre das Ladenlokal des jüdischen Kaufmanns  Moritz Stein, Schuh- und Lederwaren

Die Markenstrasse 29 in Gelsenkirchen-Horst. Die Fassade befindet sich im Orginalzustand. Im Erdgeschoß befand sich bis Ende der Dreißiger Jahre das Ladenlokal des jüdischen Kaufmanns Moritz Stein, Schuh- und Lederwaren.

29. Dezember 2011. Die Bezeichnung "Judenhaus" wurde in Nazi-Deutschland im Alltags- und Behördengebrauch für Wohnhäuser aus ehemals jüdischem Eigentum verwendet, in die ab Herbst 1939 ausschließlich Juden eingewiesen wurden. Die Erfassung der jüdischen Bevölkerung und ihre Konzentration in den so genannten "Judenhäusern" war eine Vorstufe für die im Herbst 1941 beziehungsweise Januar 1942 einsetzenden Massendeportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager in Osteuropa. Die "Juden-häuser" waren nichts anderes als kleinräumige Ghettos, sie standen unter ständiger Kontrolle der Gestapo. Im Gelsenkirchener Ortsteil Horst befanden sich so genannte "Judenhäuser" an der Fischerstrasse 173, der Markenstrasse 28 und 29.

In der Nazizeit wurde Juden der Besitz an Wohneigentum untersagt – sie wurden enteignet, Haus- und Grundbesitz wurde "arisiert". Am 30. April 1939 wurde das "Gesetz über die Mietver-hältnisse mit Juden" erlassen. Wie zahlreiche andere seit 1933 erschienene Gesetze und Verordnungen trug es massiv dazu bei, das Leben jüdischer Familien weiter zu sanktionieren. Juden und "Arier" sollten nicht mehr unter einem Dach wohnen. Mietverhältnisse mit Juden konnten nun nach Belieben aufgehoben werden. Mit Hilfe der Stadtverwaltung - federführend war dabei das Wohnungsamt - wurden jüdische Familien erfasst und zwangsweise in so genannte "Judenhäuser" einquartiert. Dies waren in der Regel Häuser, die sich (noch) in jüdischem Eigentum befanden. In die Wohnungen der dort lebenden Menschen wurden weitere Familien zwangsweise einquartiert, sodass immer mehr Menschen auf kleinstem Raum zusammengepfercht wurden. In Hamburg wurden beispielsweise pro Person nur sechs bis acht Quadratmeter Wohnfläche zugestanden.

Das Wohn- und Geschäftshaus an der Markenstrasse 29 gehörte dem jüdischen Schuh- und Lederwaren-händler Moritz Stein, der im Erdgeschoß bis zu seinem Tod im Dezember 1938 ein Schuhgeschäft betrieb. Im Haus wohnte bereits die Familie Süsskind, zwangsweise dort einquartiert wurden dann ab 1940/41 Angehörige der Familie Langer, Frieda und Hermann Neudorf, Auguste Bry und die Eheleute Siegmund und Wittel Heinberg.

Victor Klemperer notierte über ein Dresdner "Judenhaus": "Cohns, Stühlers, wir. Badezimmer und Klo gemeinsam. Küche gemeinsam mit Stühlers, nur halb getrennt - eine Wasserstelle für alle drei (...) Es ist schon halb Barackenleben, man stolpert übereinander, durcheinander." Klemperer schreibt in seinen Tagebüchern mehrfach über ihm berichtete wie auch selbst erlebte "Haussuchungspogrome", bei denen die Bewohner von Gestapobeamten beleidigt, bespuckt, geohrfeigt, getreten, geschlagen und bestohlen wurden. "Im Aufwachen: Werden "SIE" heute kommen? Beim Waschen…: Wohin mit der Seife, wenn "SIE" jetzt kommen? Dann Frühstück: alles aus dem Versteck holen, in das Versteck zurücktragen. (...) Dann das Klingeln ... Ist es die Briefträgerin, oder sind "SIE" es?"


Es ist ja nicht nur ein alter Kleiderbügel... 

Mitte der Dreißiger Jahre: Die Schalker Straße in Gelsenkirchen. Rechts im Bild das Geschäft der Gebr. Goldblum

Mitte der Dreißiger Jahre: Die Schalker Straße in Gelsenkirchen. Rechts im Bild das Geschäft der Gebr. Goldblum

9. Dezember 2011. "Als ich am Dienstag den Artikel zur "Woche der Erinnerung" in der WAZ las, mußte ich sofort an den Kleiderbügel denken" sagt Anita Sontopski (87). "Deshalb habe ich sie angerufen. Seit meiner Hochzeit 1947 habe ich diesen Bügel aufgehoben. Nun will ich ihn in guten Händen wissen." Es ist ein einfacher, hölzerner Kleiderbügel, den uns die alte Dame da übergibt. Einer, wie man ihn unzählige Male findet.

Doch dieser Kleiderbügel ist ein besonderer: "Gebr. Goldblum, Gelsenkirchen" steht in schwarzen Buchstaben darauf. Die Aufschrift zeugt von jüdischem Leben im Gelsenkirchen der NS-Zeit, zeugt von einer zerstörten jüdischen Existenz, von Entrechtung, Verfolgung und Enteignung.

Anita Sontopski erzählt: "Gebr. Goldblum, das waren zwei jüdische Brüder, die an der Schalker Straße, Ecke Grillostraße ein Geschäft hatten. Der eine Bruder war Herrenausstatter, der andere verkaufte Schuhe. Mein späterer Mann hat sich dort 1936 von Herrn Goldblum einen Anzug machen lassen, und zu diesem Anzug gab es damals diesen Kleiderbügel. Als mein Mann Soldat wurde, wanderte der Anzug nebst Bügel in einen Karton, der die Kriegszeit im Keller überdauerte. Erst 1947, zu unserer Hochzeit, wurde der Anzug wieder hervorgeholt. Seither bewahre ich diesen Kleiderbügel als besonderes Erinnerungsstück an die Familie Goldblum auf."

Auch die Kaufmannsfamilie Isidor Goldblum gehörte zu den frühen Unterstützern des FC Schalke 04. Bereits 1904 nach Gelsenkirchen gekommen, hatte das Ehepaar das bekannte Bekleidungsgeschäft in Schalke aufgebaut. Die Söhne des Ehepaars Isidor und Rosa Goldblum, geborene Katzenstein führten das Geschäft, bis sie 1935 und 1937 vor den Nazis in die USA flüchten konnten. Das Geschäft der Familie Goldblum "übernahm" ein "arischer" Deutscher. Den Eltern gelang erst nach der so genannten "Reichskristallnacht" im November 1938 mit der Tochter die Flucht in die USA.

"Ich kann mich gut an jüdische Geschäfte in Schalke erinnern, an Jampel, an Katzenstein, an das Kaufhaus am Schalker Markt, dass dann Szepan "übernahm", an die kleinen Geschäfte an der Gewerkenstraße. Da gab es den Herrn Blitz, der war Jude. Als Hausierer ging er mit Bett- und Tischwäsche in Schalke von Tür zu Tür. Einmal ließ er meiner Mutter eine Tischdecke da, obwohl sie kein Geld hatte. Herr Blitz kam dann alle 10 Tage und holte den Kaufpreis in kleinen Raten ab. Auch der nette Herr Blitz war eines Tages plötzlich verschwunden" erinnert sich Frau Sontopski nachdenklich. "Dieser Kleiderbügel hat mich Zeit meines Lebens an das Unrecht erinnert, dass den jüdischen Menschen in Gelsenkirchen und anderswo angetan wurde. Wenn ich nicht mehr bin, soll er nicht einfach "entsorgt" werden. Es ist ja nicht nur ein alter Kleiderbügel" sagt uns Anita Sontopski zum Abschied.

Zum Leidensweg des Ehepaar Blitz fanden wir anschließend heraus: Der aus Galizien stammende Hermann Hersch Blitz wurde am 22. November 1939 in Gelsenkirchen verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingewiesen, wo er am 26. Januar 1940 ermordet wurde. Sein Leichnam wurde eingeäschert, eine Urne an seine Frau gegen Gebühr übersandt. Die Urne wurde auf dem jüdischen Friedhof in Ückendorf bestattet. Seine Frau Cilli wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga und weiter in das KZ Riga-Kaiserwald und von von dort in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt. Cilli Blitz wurde schließlich im KZ Stutthof ermordet.

Für das Ehepaar Hersch und Cilli Blitz können Stolperstein-Patenschaften übernommen werden!
Info: Email an die Projektgruppe schreiben Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Holocaust-Gedenktag 2012 - Woche der Erinnerung in Gelsenkirchen 

Die Ausstellungshallen am Wildenbruchplatz in Gelsenkirchen dienten den Nazis im Januar 1942 als so genanntes

1. Dezember 2011. Der Internationale Holocaust-Gedenktag, der am 27. Januar europaweit begangen wird, erinnert an alle Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Rassen- und Größenwahns geworden sind. An diesem Tag wurden auch die Überlebenden des Vernichtungs-lagers Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Allein in der Mordfabrik Auschwitz starben etwa 1,5 Millionen Menschen auf grausamste Weise. Auschwitz, der deutsche Name eines kleinen Ortes in Südpolen, ist weltweit zum Synonym für die Mordpolitik der Nazis geworden.


Gedenken zum 70. Jahrestag der Deportation nach Riga

Im Januar wird in Gelsenkirchen vom 20.-27. Januar 2012 eine "Woche der Erinnerung" zum Internationalen Holocaust-Gedenktag stattfinden. Die Gedenkwoche mahnt zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der so genannten "Wannseekonferenz" (20.1.) und den 70. Jahrestag des Deportations-transportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga (27.1.), nur die wenigsten der verschleppten Menschen überlebten. Die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine werden mit in die Gedenkveranstaltungen einbezogen - wie auch die im Rahmen des Projektes "Erinnerungsorte" aufgestellten Gedenktafeln, die an Verbrechen im so genannten "Dritten Reich" erinnern.

Zum Auftakt der "Woche der Erinnerung" zeigt der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum am 19. Januar 2012 im Kulturzentrum "die flora" in Gelsenkirchen den Film "Nacht und Nebel" von Alain Resnais. Hartmut Hering wird an diesem Abend einen einführenden Vortrag halten. Am 26. Januar wird ab 19 Uhr in der "flora" der Videomitschnitt eines zeitzeugenschaftlichen Vortrages von Rolf Abrahamsohn gezeigt. Der 86jährige Überlebende des Holocaust spricht über seine Gewalterfahrungen in den KZ der Nazis. Titel des Films: "Alles weiß ich noch... und das ist das Schlimme an der Geschichte". mehr...

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei. Es wird um eine Spende für das Projekt "Stolpersteine Gelsenkirchen - Gemeinsam gegen das Vergessen" gebeten.


NS-Zeit: Juden im Umfeld des FC Schalke 04 - Stolpersteine sollen erinnern  

Tausend-Freunde-Mauer

13. November 2011. Den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, sollen Stolpersteine gewidmet werden. Die Projektgruppe Stolpersteine hat bereits Ende Januar 2011 beim Verein angefragt, ob man dort die Patenschaften für Stolpersteine übernehmen will, die den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04 gewidmet werden, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind. Ein erstes Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Vereins und der Projekt-gruppe Stolpersteine Gelsenkirchen fand im Juni 2011 statt. Eine abschließende Antwort des FC Schalke 04 steht derzeit noch aus.

Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, "verabschiedete" der FC Schalke 04 ganz im Sinne der neuen Machthaber seinen 2. Vorsitzenden, den jüdischen Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün ebenso wie den Leiter des Presseauschusses, Franz Nathan und andere "nichtarische" Funktionsträger. 1935 wurden dann auch die letzten jüdischen Mitglieder und Spieler aus dem Verein ausgeschlossen, sofern sie ihn bis dahin nicht bereits "freiwillig" verlassen hatten. Leopold "Leo" Jacobs spielte in einer der Juniorenmannschaften des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.

Nur allzu bereitwillig ließen sich auch der FC Schalke und seine Spieler ab 1933 auf das Unrechtsregime ein und profitierten dadurch auf vielfältige Art und Weise von den sich daraus ergebenden Vorteilen. So "kaufte" Fritz Szepan im November 1938 das Kaufhaus Rhode & Schwarz in Gelsenkirchen-Schalke zu einem außerordentlich günstigen Preis. Die so genannte "Arisierung" fand Eingang in die Stadtchronik, unter dem 5. November 1938 heißt es dort: "Das bisherige jüdische Kaufhaus Julius Rode & Co. ist in arische Hände übergegangen. Es wird geführt von Fritz Szepan, dem Schalker Mittelstürmer, der ein Spezialgeschäft für Textilwaren in den Verkaufsräumen eingerichtet hat."

Die ehemaligen jüdischen Inhaber des Kaufhauses am Schalker Markt, Sally Meyer und Julie Lichtmann, zum Verkauf gezwungen, wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Der Schalker Spieler Hermann Koriath konnte das Haus Margaretenstrasse 6 aus dem Besitz des jüdischen Bauunter-nehmers Max Ferse günstig "erwerben". Max Ferse und seine Frau Antonie wurden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet.

Auch die frühen Förderer und Unterstützer des FC Schalke 04 jüdischer Herkunft waren der Diskrimi-nierung und Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. So wurden beispielsweise der Metzgermeister August Kahn zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenent-zündung. Der Metzgermeister Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Die Recherchen zu den jüdischen Mitgliedern und Unterstützern Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander, die ebenfals mit dem FC Schalke 04 verbunden waren, sind noch nicht abgeschlossen.


Erinnerung an die "Nacht der Schande"  

Bericht in der WAZ über die Gedenkveranstaltung der Demokratischen Initiative

10. November 2011. Ihren Auftakt nahm die Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der so genannten "Reichskristall-nacht" an einem der Erinnerungsorte in Gelsenkirchen - die Erinnerungsorte sind ein Projekt der "Demokratischen Initiative" - am Südeingang des Hauptbahnhofs. Hier erinnert eine Tafel an die in der NS-Zeit aus Gelsenkirchen verschleppten und zum überwiegenden Teil ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen.

Professor Dr. Stefan Goch vom Institut für Stadt-geschichte betonte in seiner Ansprache, dass man auch in Zukunft weitere "Erinnerungsorte" errichten werde. Die Route des anschließenden Marsches "Gegen Hass und Gewalt" der "Demokratischen Initiative" zum Gedenken an die Opfer der so genannten "Reichskristallnacht" sorgte bei einigen TeilnehmerInnen für Verwunderung. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Veranstalter mit der gewählten Marschroute den im Bereich der Gelsenkirchener Innenstadt verlegten Stolpersteinen, die dort an das Leben, die Verfolgung und die Ermordung jüdischer Menschen erinnern, ausweichen wollten.

Nach einem Halt an der Grasreiner/Klosterstraße, dort hielt Oberbürgermeister Baranowski eine Gedenkrede, ging es weiter zur Begegnungsstätte "Alter Betsaal" der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen an der Von-Der-Recke-Straße 9. Auch den vor dem gegenüberliegenden Haus verlegten Stolpersteinen, die an das von den Nazis ermordete jüdische Ehepaar Wollenberg erinnern, schenkte jedoch keiner der TeilnehmerInnen Beachtung. "Die Stolpersteine erinnern an Orte jüdischen Lebens, sie erinnern an Menschen, die Gewalt und Hass in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 miterleben mussten, an Menschen, die in den Jahren danach zu Opfern der bis ins letzte Detail durchgeplanten NS-Vernichtungs-maschinerie wurden. Das Verhalten der Verantwortlichen kann ich nicht nachvollziehen" sagte ein Sprecher der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen.

Dagegen hatte Oberbürgermeister Baranowski noch in seiner Begrüßungsansprache am 1. August 2011 anlässlich der Stolpersteinverlegungen an der Bismarckstrasse gesagt: "(...) Wir wissen, dass das 'sich Erinnern' an die Opfer des Nationalsozialismus in Gelsenkirchen eine Tradition hat. Es ist Tradition, dass wir uns jedes Jahr versammeln zum Tag der "Reichsprogromnacht". Wir haben in dieser Stadt eine Geschichte, Orte der Erinnerung wach zu halten und wir erinnern uns durch Stolpersteine an die Opfer des National-sozialismus. (...)" Zitat Ende. Bereits im Vorfeld der Gedenkveranstaltung zum 9. November hatte die Stolpersteininitiative öffentlich ihr Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine nicht in die "offizielle" Veranstaltung der Stadt einbezogen werden. Auf die Frage nach dem "Warum" wollten am Abend weder Oberbürgermeister Baranowski in seiner Eigenschaft als Schirmherr der veranstaltenden "Demokratischen Initiative" noch Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, eine Antwort geben.


9. November 2011 - Gedenken an die Pogrome in der "Reichskristallnacht"  

Stolpersteine in der Kolpingstrasse

Abb.: Stolpersteine in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse

2. November 2011. Am 9. November 2011 jährt sich zum 73. Mal die so genannte "Reichskristallnacht". Die Ereignisse in dieser Nacht markierten einen weiteren Höhepunkt der stetig zunehmenden Diskrimi-nierung der Juden im Alltag. Auch in Gelsen-kirchen brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November Synagogen und Geschäfte, waren Menschen jüdischer Herkunft brutaler Gewalt ausgesetzt, wurden erniedrigt, gedemütigt, vergewaltigt, verhaftet und verschleppt. Wie viele von ihnen später an den Folgen der erlittenen Misshandlungen oder den Haftfolgen starben, ist heute nicht mehr feststellbar.

In unserer Stadt erinnern 28 von 41 bisher verlegten Stolpersteinen an die Leidenswege und die Ermordung jüdischer Menschen durch das NS-Regime. "Jeder dieser 28 Stolpersteine erinnert an einen Menschen, der auch von den Angriffen gegen Leib und Leben in der Pogromnacht betroffen war. Wir hätten uns gewünscht, dass die Stolper-steine mit in die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Gelsenkirchen einbezogen worden wären, führt doch die Wegstrecke des von der "Demokratischen Initiative" geplanten Schweigegangs auch an einigen Stolpersteinen vorbei" so die Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen, und weiter: "Wir rufen Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger auf, an den im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen am Abend des 9. November Kerzen aufzustellen und zu entzünden".

Von den Gelsenkirchener Juden, die den 9. November 1938 miterleben mussten, haben die wenigsten den Holocaust überlebt. Die Leidenswege der hochbetagten Überlebenden der NS-Vernichtungsmaschinerie, die heute weltweit verstreut leben, sollen am 9. November im Mittelpunkt unseres Gedenkens stehen. "Die zum Leben Verurteilten sind die wahren Opfer des Holocaust. Die Toten sind schon zur Ruhe gekommen" sagte einst die Holocaust-Überlebende Batja Gurfinkel, "Der Schmerz wird mit den Jahren nicht weniger, eher stärker."

Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen vom 2. November 2011

Nur wenige Teilnehmer bei Gedenkveranstaltung 

Nur wenige Menschen nutzten die Chance, den jüdischen Opfern des NS-Terrors ein ehrendes Andenken zu erweisen. Die Stolpersteine in der Kolpingstrasse erinnern an Fritz und Grete Goldschmidt, geb. Löwenstein und an Mathilde 'Tilla' Wertheim, geb. Goldschmidt. Sie alle wurden im KZ Stutthof ermordet.

Abb.: Nur wenige Menschen nutzten die Chance, den jüdischen Opfern des NS-Terrors ein ehrendes Andenken zu erweisen. Die Stolpersteine in der Kolpingstrasse erinnern an Fritz und Grete Goldschmidt, geb. Löwenstein und an Mathilde Wertheim, geb. Goldschmidt.

29. Oktober 2011. Die örtliche Stolperstein-Initiative erinnerte gestern Abend zum Abschluss der diesjährigen Stolperstein-Putzaktion in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse an die so genannte "Polenaktion" , einer großangelegten Ausweisungsaktion von so genannten "Ostjuden" aus dem deutschen Reichsgebiet, von der am 28. Oktober 1938 rund 17.000 Juden jeden Alters betroffen waren, daruter rund 80 Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen. Diese Ausweisungsaktion der Nazis war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Der heute in den USA lebende Herman Neudorf ist der einzige Gelsenkirchener Jude, der von der Ausweisungsaktion noch aus eigenem Erleben berichten kann. Seine Gedanken zum 28. Oktober wurden gestern an der Kolpingstrasse von Heike Jordan, die als Projektleiterin die Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, verlesen:

Herman Neudorf, geboren in Horst-Emscher

Abb.: Herman Neudorf

"An einem trüben Herbsttag nahm meine Kindheit ein tragisches Ende. Es war der 28. Oktober 1938, ich war damals 13 Jahre alt. Ich hatte mich grade umgezogen und trug meinen Turnanzug, die übliche Turnstunde am Freitag stand bevor, als plötzlich ein Polizist in unsere Klasse am Realprogymnasium in Gelsenkirchen-Horst kam. Vor meinen überraschten Mitschülern befahl er mir in barschem Ton, mit ihm zu kommen. Ich traute mich nicht, den Mund aufzumachen, ich konnte mich nicht einmal mehr umziehen. Völlig verängstigt, verwirrt und frierend folgte ich ihm zum Polizeigefängnis am Horster Stern. Dort sperrte man mich in eine Zelle, in der sich schon meine Mutter und andere Juden befanden.

Sie alle waren völlig betäubt und erschrocken. Am Abend wurden wir von Polizisten zum Bahnhof gebracht und mußten in einen wartenden Zug einsteigen, niemand sagte uns, wo die Fahrt hingehen sollte. Später fanden wir heraus, dass man uns an die polnische Grenze in die Nähe eines Ortes Namens Bentschen gebracht hatte. Nachdem der Zug angehalten hatte, warf man uns hinaus und wir standen mitten im Niemandsland an der deutsch-polnischen Grenze.

Aus den Gesprächen der deutschen Grenzer mit den Polen entnahmen wir, das wir nicht als Deutsche galten, obwohl viele von uns in Deutschland geboren waren. Da mein Vater in Polen geboren wurde, sah man seine ganze Familie als polnische Staatsangehörige an, obwohl meine Mutter in Herford und ich in Gelsenkirchen geboren worden war. Zwei schreckliche Tage folgten, ich bekam eine beidseitige Lungenentzündung. Meine hilflose und verzweifelte Mutter pflegte mich, so gut sie konnte. Glücklicherweise konnte Mutter Kontakt mit der Familie meines Vaters in Lodz aufnehmen, sie schickten uns Bahnfahrkarten, so konnten wir zu ihnen fahren. Dort erholte ich mich langsam von meiner Krankheit, dank Mutters liebevoller Pflege und der Hilfe eines Arztes.

Zwei Wochen später fand dann in Deutschland die "Kristallnacht" statt. Unser Geschäft und unsere Wohnung an der Markenstraße 19 in Gelsenkirchen-Horst wurden völlig zerstört, wir hatten alles verloren. Diese Odysee in die Hölle, die am 28. Oktober 1938 für mich als 13jähriger begann, endete auf wundersame Weise im April 1945, als ich ausgemergelt und dem Tode nahe während eines Todesmarsches von amerikanischen Soldaten befreit wurde. Meine Eltern und alle meine Angehörigen waren tot, ermordet vom Nazi-Regime".


Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (IV) 

Aufruf zur Sammel-Patenschaft

28. Oktober 2011. Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Heute, am 28. Oktober 2011, dem Jahrestag der so genannten "Polenaktion", ist die Summe von 120 Euro für eine Patenschaft erreicht.


Stolperstein-Putzaktion endet mit Gedenkveranstaltung 

Peter August Blandenier

Foto: Stolpersteine in Gelsenkirchen werden geputzt

24. Oktober 2011. Mit der Stolperstein-Putzaktion, die am Freitag den 28. Oktober um 18:00 Uhr an der Kolpingstrasse an den dort verlegten Stolpersteinen mit einer kleinen Gedenkveran-staltung ihren Abschluss findet, soll auch in diesem Jahr an die Opfer der so genannten “Polen-Aktion” erinnert werden. Bei der von den National-sozialisten als “Polen-Aktion” bezeichneten Abschiebung wurden am 28. Oktober 1938 deutschlandweit mehr als 17.000 Juden in das deutsch-polnische Grenzgebiet verschleppt. In Gelsenkirchen waren 80 Juden von der Austreibungsaktion betroffen. Diese Diskrimi-nierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte ein ersten Höhepunkt der physischen Verfolgung der jüdischen Minderheit dar und war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Etwa eine Woche nach der Ausweisung seiner Eltern im Rahmen der so genannten “Polen-Aktion” erschoss der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber und um die Welt aufzurütteln einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris. Diese Tat nahmen die Nationalsozialisten bekanntermaßen zum Anlaß, um die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren. Vor dem Hintergrund der antijüdischen Novemberpogrome 1938 sind die Vorgänge um diese bis dato größte Ausweisungsaktion in der deutschen Geschichte fast völlig vergessen. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf.


Stolperstein soll an Peter August Blandenier erinnern 

Peter August Blandenier

Foto: Peter August Blandenier

20. Oktober 2011. Peter August Blandenier wurde am 19. November 1905 in Gelsenkirchen geboren. Im Oktober 1938 legte er in Asparn a.d. Zaya in Niederösterreich sein Gelübde als Minoritenfrater ab. Schon bald schloss sich Blandenier der legitimistischen Widerstandsgruppe "Hebra" an. Am 31. Mai 1939 wurde er von der Gestapo wegen Verdachts der "Vorbereitung zum Hochverrat" festgenommen. Nach Entlassung aus der "Schutzhaft" am 20. Dezember 1939 und der Einstellung des Ermittlungsverfahrens wurde er am 4. März 1940 wegen legitimistischer Betätigung erneut verhaftet. Blandenier wurde schließlich in das KZ Dachau überstellt, wo er am 20. April 1941 starb. In seiner Geburtstadt Gelsenkirchen soll bald ein Stolperstein an den Märtyrer Peter August Blandenier erinnern.


Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (III) 

Aufruf zur Sammel-Patenschaft

15. Oktober 2011. Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Eine weitere Spende von Joseph P. Krause und Richard Weishuhn ist eingegangen. Beteiligt euch, so sind die 120 Euro für den Stolperstein schnell zusammen!

Spendenkonto der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Kinder hatten viele Fragen 

14. Oktober 2011. Eigentlich wollten Mitglieder der Projektgruppe heute lediglich Fotos für die diesjährige Putzaktion der Stolpersteine machen. Plötzlich sahen sie sich von Kindern umringt. Die Mädchen und Jungen der Klasse 5c der Gesamtschule Berger Feld, die heute Mittag ebenfalls im Nordsternpark unterwegs waren, beteiligten sich spontan an der Säuberung des dort verlegten Stolpersteins für den belgischen Zwangs-arbeiter Charles Ganty. Die Kinder erfragten dabei ganz genau den Hintergrund und Sinn des Projektes Stolpersteine und Einzelheiten zum Verfolgungschicksal von Charles Ganty. "Man soll mit dem Kopf und dem Herzen darüber stolpern - nicht mit den Füßen. Diese Steine sind oftmals das einzige, was noch an die ermordeten Menschen erinnert" erklärte Heike Jordan, ehrenamtliche Projektmitarbeiterin. Einhelliger Wunsch der Kinder: "Wir wollen auch einen Stolperstein spenden."

Die Bürste ging von Hand zu Hand, jeder wollte bei der Reinigung mitmachen. Gemeinsam reinigten und polierten die Mädchen und Jungen den Stolperstein, der schon nach kurzer Zeit wieder glänzte. "Jetzt kann man wieder darüber stolpern" sagte eines der Mädchen nachdenklich.

Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteine Gelsenkirchen

Fotos: Andreas Jordan


Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (II) 

Aufruf zur Sammel-Patenschaft

30. September 2011. Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Eine weitere Spende von Karl-Heinz Klaiber ist eingegangen. Beteiligt euch, so sind die 120 Euro für den Stolperstein schnell zusammen!

Spendenkonto der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Stolpersteine sollen an Ehepaar Isacson erinnern  

Werbeanzeige von 1927 der Firma Fisch-Engros I. Isacson, Gelsenkirchen, Ringstrasse 4.

Werbeanzeige von 1927 der Firma Fisch-Engros I. Isacson, Gelsenkirchen, Ringstrasse 4.

28. September 2011. Die Patenschaft für die beiden Stolpersteine hat Else Rogalla (82) übernommen. Ihre Mutter, eine geborene Fastabend, war als junge Frau viele Jahre als Haushälterin bei der Familie Isacson angestellt - sie nahm sogar 1921 an der Hochzeit von Betty Isacson und Leo Gompertz in Gelsen-kirchen teil. Für Else Rogalla war es ein lange gehegter Herzenswunsch, dass in Gelsenkirchen an das jüdische Ehepaar Isacson, das von den Nazis im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde, erinnert wird.


Stolpersteine: Wattenscheider Maria Sybilla Merian-Gesamtschule engagiert sich  

Stolpersteine für Albert, Irma und Gerd Kaufmann in Wattenscheid

Foto: Stolpersteine für Albert, Irma und Gerd Kaufmann

20. September 2011. In Wattenscheid finden sich bereits zahlreiche Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. An der Vödestraße 63 verlegte Demnig am Montag weitere drei Stolpersteine, die jetzt an die jüdische Familie Kaufmann erinnern.

Die Recherchen der Biografien und der Leidenswege haben Schülerinnen und Schüler (8c) der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule mit ihrer Lehrerin Dr. Andrea Kleffmann geleistet. Die aus Wattenscheid stammende Familie Albert, Irma, Günther, Elfriede und Gerd Kaufmann hatte zunächst ihren Lebens-mittelpunkt in Wattenscheid, dort wurden auch die Kinder des Ehepaares geboren. Die Familie ging 1934 nach Gelsenkirchen, wohnte hier zunächst an der Bismarckstrasse 64, ab 1935 an der Johannesstrasse 16. Günther gelang 1938 die Flucht nach Palästina. Die übrigen Familienmitglieder werden im Januar 1942 von Gelsenkirchen nach zunächst Riga verschleppt und später in verschiedenen Lagern von den Nazis ermordet. Einzig Elfriede, in der Familie liebevoll Friedel genannt, überlebt den Holocaust. Sie lebt heute unter dem Namen Friedel Magun in Mexiko-City.

Zwei weitere Stolpersteine verlegte Gunter Demnig an der Hüller Straße 2. Dort wohnten einst Isaak und Emma Salomon. Auch diese Biografien haben die Schülerinnen und Schüler der Merian-Gesamtschule recherchiert, unterstützt von Lehrerin Monika Willkowski und Stadtarchiv-Mitarbeiter Andreas Halwer. Die Kosten für die Patenschaften hat die Maria Sibylla Merian-Gesamtschule übernommen. Das jüdische Ehepaar Salomon betrieb ein Bekleidungsgeschäft am heutigen August-Bebel-Platz. Sie flohen vor den Nazis 1939 in die Niederlande, wurden dort aber von der NS-Mordmaschinerie eingeholt, verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von Westerbork wurde das Ehepaar Salomon in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort in der Gaskammer ermordet.

Die Maria Sybilla Merian-Gesamtschule mit Schulleiter Martin Breuer engagiert sich bereits seit Jahren in beispielhafter Weise für das mittlerweile größte dezentrale Mahnmal der Welt - Gunter Demnigs Stolpersteine gegen das Vergessen.

PDF   Zusammenfassung und Dokumentation: Familie Kaufmann aus Wattenscheid - eine Familie und ihr Leidensweg

Fotos: Heike Jordan

Ein Name kehrt zurück - Stolperstein für Friedrich Wessel 

Stolperstein für Friederich Wessel in Wattenscheid

Der Stolperstein für Friederich Wessel. Foto: Heike Jordan

19. September 2011. Die dürren Angaben in den Akten der NS-Verfolgungsbehörden zeichnen dem ersten Anschein nach eine kriminellen Karriere auf, die aber in Wirklichkeit eine Opferkarriere war, denn Friederich Wessel wurde allein wegen seiner Homosexualität verfolgt und ermordet.

Im KZ Buchenwald haben ihn die Nazis zur Nummer degradiert. Haben ihn gedemütigt, kahlgeschoren und entpersönlicht, in gestreifte Einheitskleidung gesteckt, mit einem Rosa Winkel als äußerlich sichtbares Zeichen seiner Homosexualität gekennzeichnet. Ständig war er der Willkür und der brutalen Folter seiner Bewacher ausgeliefert, ständig vom Tod bedroht. Als Nummer wurde er schließlich von den Nazis ermordet - in den NS-Akten wird daraus "auf der Flucht erschossen". Heute gab Gunter Demnig dem in Ückendorf geborene Plakatmaler Friederich Wessel mit der Verlegung eines Stolpersteins an der Sedanstrasse 7 in Bochum-Wattenscheid seinen Namen zurück.

Bericht von Jürgen Wenke: → Wir erinnern an Friedrich Wessel


"Eine andere als die oben erwähnte Gewalteinwirkung ist mit Sicherheit auszuschließen" 

14. September 2011. In Wattenscheid wird am 19. September 2011 der erste Stolperstein für einen wegen seiner Homosexualität im "Dritten Reich" verfolgten und ermordeten Mann verlegt. An der Sedanstrasse 7 erinnert dann ein Stolperstein an Friedrich Wessel.

Die Geldkarte aus dem KZ Buchenwald, ausgestellt für Friederich Wessel

Foto: "Geldkarte" aus dem KZ Buchenwald, ausgestellt für Friederich Wessel. "Von Friedrich Wessel konnten kein Foto, kein persönliches Schriftstück, kein Brief und andere Dinge aus seinem Besitz gefunden werden. Allerdings existiert ein einziges Dokument aus dem KZ Buchenwald, auf dem handschriftlich der Name zu lesen ist. Das ist die einzige persönliche Hinterlassen-schaft von Friedrich Wessel." schreibt Jürgen Wenke in seiner Dokumentation.

"Eine andere als die oben erwähnte Gewalt-einwirkung ist mit Sicherheit auszuschließen" - mit diesem Satz schließt ein Dokument, in dem der Lagerarzt des KZ Buchenwald, Waldemar Hoven, detailliert die Schußverletzungen dokumetierte, die Friederich Wessel bei seinem angeblichen Flucht-versuch aus dem KZ Buchenwald erlitt. Den Lebens- und Leidensweg von Friedrich Wessel hat Jürgen Wenke in einer Dokumentation zusammen-gefasst, die Friedrich Wessel, seine Herkunfts-familie und die Umstände seiner Ermordung in den Mittelpunkt stellt. Mit freundlicher Genehmigung steht die Dokumentation von Jürgen Wenke "Eine andere als die oben erwähnte Gewalteinwirkung ist mit Sicherheit auszuschließen" hier als PDF-Datei zum Download bereit.

PDF   Ein Stolperstein für Friedrich Wessel


Stolpersteine in Gelsenkirchen sollen am 28. Oktober 2011 geputzt werden  

Stolpersteine Gelsenkirchen - Putzaktion am 28.Oktober 2011

13. September 2011. Die Projektgruppe Stolper-steine lädt zur Putzaktion ein: Die 41 bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine sollen am 28. Oktober 2011 geputzt werden. Dieser Termin ist nicht willkürlich gewählt worden, mit der Putzaktion soll an die so genannte "Polenaktion" - die Massenvertreibung von Juden aus dem "Reichs-gebiet" am 28. Oktober 1938 - erinnert werden.

Mehr als 80 Juden mit polnischer Staatsange-hörigkeit allein aus Gelsenkirchen wurden am 28. Oktober vor 73 Jahren gewaltsam aus ihrem Alltag gerissen und mit Massentransporten an die polnische Grenze verschleppt. Deutschlandweit waren es über 17.0000 jüdische Bürger, die von dieser Vertreibungsaktion betroffen waren. Diese Maßnahme des NS-Regimes gegenüber den so genannten "Ostjuden" stellte einen ersten Höhepunkt der physischen und staatlich organisierten Verfolgung jüdischer Menschen dar und war der eigentliche Auftakt zur geplanten Vernichtung der europäischen Juden.

Etwa eine Woche nach der Vertreibung seiner Eltern im Rahmen der "Polen-Aktion" erschoss der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber in Paris einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Dieses Attentat nahmen die Nazis bekanntermaßen zum Anlass, um die Pogrome (sogenannte "Reichs-kristallnacht") in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren. Mit einer kleinen Gedenkveranstaltung, zu der die Projektgruppe Stolpersteine herzlich einlädt, findet die Putzaktion an den in der Kolpingstrasse verlegten Stolpersteinen am Abend des 28. Oktober 2011 um 18:00 Uhr ihren Abschluss.

Beteiligung von Schulklassen

Die Putzaktion der Stolpersteine stellt auch eine pädogisch wertvolle Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der NS-Terrorherrschaft für Schulklassen dar. Beteiligte Schülerinnen und Schüler finden so bereits im Vorfeld über die Biografien und Leidenswege der ermordeten Menschen einen ganz direkten Zugang zur lokalen NS-Geschichte. Für die Putzaktion 2011 sind Helferinnen und Helfer herzlich willkommen! Interessierte wenden sich bitte bis zum 25. Oktober 2011 an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen unter Telefon: 0209-9994676 oder per Email an: Email an Heike Jordan schreiben Heike Jordan


Arthur Herrmann: Im KZ zu Tode geschunden  

8. September 2011. Günter Demnigs Stolpersteine erinnern an alle Opfer des Naziregimes: An Juden als größte Opfergruppe, an die Vertreibung und Vernichtung der Sinti und Roma, an die Opfer politischer und religiöser Verfolgung wie die Zeugen Jehovas, an Opfer der NS-Krankenmorde ("Euthanasie") und an die Verfolgung Homosexueller. Bei der nächsten Verlegeaktion wird ein Stolperstein für Arthur Herrmann verlegt. Das ist dann der erste Stolperstein in Gelsenkirchen, der an einen wegen seiner Homosexualität verfolgten Mann erinnert.

Arthur Herrmann wurde als Homosexueller in so genannt "Schutzhaft" genommen, im KZ Buchenwald mit dem "Rosa Winkel" erniedrigt und dort zu Tode geschunden. Am letzten Wohnort von Arthur Herrmann an der Cranger Strasse 185 wird der Stolperstein im Herbst nächsten Jahres in das Gehweg-pflaster eingefügt. Bereits am 19. September 2011 wird in Wattenscheid an der Sedanstrasse 7 ein Stolperstein für den aus Gelsenkirchen stammenden Friederich Wessel verlegt, der wegen seiner Homosexuallität im KZ Buchenwald ermordet wurde.

Auf der Suche nach Männern aus dem Ruhrgebiet, die wegen ihrer Homosexualität Opfer der NS-Verfolgung geworden sind, recherchierte der Bochumer Diplom-Psychologe Jürgen Wenke in den Archiven der Gedenkstätte Buchenwald. Dabei stieß er dort auch auf den Leidensweg von Arthur Herrmann. Die Patenschaft für den Stolperstein, der in Gelsenkirchen bald an Arthur Herrmann erinnern wird, übernimmt die "Rosa Strippe" - Beratungsstelle für Schwule und Lesben in Bochum.


Friedensbewegter eröffnet Sammlung für Patenschaft (I) 

Aufruf zur Sammel-Patenschaft

3. September 2011. Auf der Veranstaltung zum Antikriegstag in Gelsenkirchen eröffnete Andreas Löbert mit der ersten Spende eine Sammel-Patenschaft für einen Stolperstein. Beteiligt euch, so sind die 120 Euro für den Stolperstein schnell zusammen!

Spendenkonto der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen


Wichtige Mitteilung  

2. September 2011. Gunter Demnig teilt mit: (...) Wir haben den Preis für die Steine 10 Jahre stabil gehalten und wurden immer wieder gefragt: Wie macht ihr das eigentlich? Aber die Preise sind in dieser Zeit zum Teil erheblich gestiegen: für Messing allein um 100%; die Fahrtkosten schlagen höher zu Buche; das HelferTeam ist größer geworden; ... Deshalb müssen wir auch den Preis für Patenschaften anheben. Ab Januar 2012 werden für jeden STOLPERSTEIN 120 € berechnet. Wir bitten um Verständnis und dementsprechende Informationen an die Paten.


Ein Stolperstein für Hermann Neudorf  

Foto: Familie Neudorf im Jahre 1928Foto: Familie Neudorf im Jahre 1928

1. September 2011. Simon Neudorf wurde im KZ Sachsen-hausen ermordet, Frieda Neudorf bei Auflösung des KZ Kaiserwald in Riga von den Nazis erschossen. Die ersten Stolpersteine in Gelsen-kirchen wurden im Sommer 2009 in Erinnerung an das Ehepaar Neudorf an der Markenstrasse 19 im Ortsteil Horst verlegt. Hermann, einziger Sohn des Ehepaars Neudorf, überlebte die Schreckensherrschaft der Nazis. Symbolisch wird die Familie wieder "zusammengeführt" - ein Stolperstein wird in Horst bald auch an den Leidensweg von Hermann Neudorf erinnern. Geboren 1925 in Horst-Emscher, verbrachte Hermann Neudorf seine Kindheit in der damals noch selbstständigen Landgemeinde Horst-Emscher, die im Rahmen der kommunalen Neuordnung seit 1928 zu Gelsenkirchen gehört. Heute lebt er in den USA und ist noch immer auf vielfältiger Weise mit seiner Heimatstadt Gelsenkirchen verbunden. Die Verlegung des Stolpersteins für Hermann Neudorf soll im Herbst 2012 stattfinden.

PDF   Aus dem Leben von Herman D. Neudorf


Stolpersteine - stumme Zeugen 

21. August 2011. Vier Stolpersteine verlegte die Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative am Samstag. Die kleinen Mahnmale erinnern jetzt im Stadtgebiet an die wegen ihres Glaubens verfogten Zeugen Jehovas Robert Mäusert und Wilhelm Gorny, an Astrid Steiner, die an den Folgen der Unterbringung in der NS-Psychatrie starb und an den Widerständler Andreas Schillack junior.

Stolpersteinverlegung Im BahnwinkelStolpersteinverlegung Im Bahnwinkel

Mit dichtem Buschwerk ist das Grundstück Im Bahnwinkel 10 bewachsen. Nichts erinnert mehr an das Haus, dass dort einst stand, nichts an Robert Mäusert, der hier mit seiner Familie gelebt hat. Das ist seit heute anders. Im Bahnwinkel versammelten sich am Samstag Morgen mehr als 50 Menschen, um der Verlegung eines Stolpersteins für den als Zeugen Jehovas in der NS-Zeit verfolgten Robert Mäusert teilzunehmen. Bereits kurz nach der Machtübergabe 1933 an die Nazis war das Ehepaar Mäusert der Verfolgung durch die Gestapo ausgesetzt.

Hintergrund war das frühe Bekenntnis von Robert und Frieda Mäusert zu den Zeugen Jehovas. Bei den Nazis galten Zeugen Jehovas als "Staatsfeinde" - sie verweigerten unter anderem den Hitlergruß und auch den Kriegsdienst. Nach Verurteilungen und Haft wurde Robert Mäusert schließlich im Oktober 1937 in das KZ Buchenwald überstellt. Sein Leidensweg führte in der Folgezeit durch weitere Konzentrationslager. Nach seiner Befreiung aus dem KZ Ravensbrück Ende April 1945 war Robert Mäusert so geschwächt, dass er am 8. Mai 1945 an den Folgen der erlittenen KZ-Haft starb. Herbert Thomas von der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas erinnerte in seinem Redebeitrag den Leidensweg von Robert Mäusert. Auch Lothar Jendrny, ein Enkel von Robert Mäusert, nahm an der Verlegung des Stolpersteins teil, der seit heute Im Bahnwinkel 10 an seinen Großvater erinnert.

Stolpersteinverlegung Polsumer Strasse Stolpersteinverlegung Polsumer Strasse  

Astrid Steiners 9. Geburtstag war der letzte, der im Kreis ihrer Lieben im Elternhaus an der Polsumer Strasse 158 gefeiert wurde. Die kleine Mädchen hatte das Down-Syndrom, in der menschen-verachtenden Sprache der Nazis "Mongoloide Idiotie" genannt. In den Augen der Nazis hatte Astrid Steiner "kein Recht auf Leben", wurde nach der NS-Rassenideologie als "lebensunwert" klassifiziert. Astrid Steiner wurde schließlich im Frühjahr 1942 in die "Heilanstalt" Aplerbeck eingewiesen und im September 1943 in die "Provinzialheilanstalt" Marsberg verlegt. 1945 starb Astrid Steiner an den Folgen der Unterbringung in der NS-Psychatrie.

"Wir haben als Kinder zusammen gespielt, wir waren Nachbarn" erzählte uns die Zeitzeugin Ingrid Sauerbaum. "Eines Tages war die "Iri", wie wir Kinder sie nannten, nicht mehr da. 'Sie ist in ein Krankenhaus gekommen' sagte uns Astrids Mutter damals. Meine Spielkameradin aus Kindertagen habe ich nie mehr wiedergesehen". Die Patenschaft für den Stolperstein hat die Familie Sauerbaum übernommen, Anke Sauerbaum verlas am Verlegeort vor dem Haus Polsumer Strasse 158 eine biografische Skizze des kurzen Lebens der Astrid Steiner. Dr. Rolf Heinrich, ehemalige Pfarrer der Lukas-Gemeinde in Hassel, erinnerte an der Polsumer Strasse mit Zitaten aus einem Buch von Janusz Korczak an das Leiden der kleinen Astrid "Iri" Steiner.

Stolpersteinverlegung Königgrätzerstrasse Stolpersteinverlegung Königgrätzerstrasse

An der Königgrätzerstrasse 20 erinnert jetzt ein Stolperstein an den Zeugen Jehovas Wilhelm Gorny. Auch das Ehepaar Gorny war bereits Mitte der Dreißiger Jahre wegen ihres Glaubens und ihrer Zugehörigkeit zur religiösen Minderheit der Zeugen Jehovas der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. Wilhelm Gorny wurde 1936 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und daran anschließend in das KZ Buchenwald überstellt. Im April 1945 wurde Wilhelm Gorny auf einem Gefangenentransport, der auf dem Weg ins KZ Dachau war, von den Amerikanern befreit. An den Folgen der in neun Jahren Haft erduldeten Misshandlungen starb Wilhelm Gorny am 16. Mai 1945. Herbert Thomas verlas an der Königgrätzerstrasse die Leidensgeschichte von Wilhelm Gorny und schloss mit einem Gedicht von Franz Wohlfart.

Zu einem unschönen Vorfall kam es nach der Verlegung an der Königgrätzerstrasse 20. Ein Hausbewohner hatte anonym die Polizei über eine "Zusammenrottung von Sektenmitgliedern" vor dem Haus informiert und auch den Hausbesitzer herbeigerufen. Dieser verlangte lautstark die sofortige Entfernung des Stolpersteins und verunglimpfte das Projekt und die Anwesenden, wobei seine Wortwahl hier nicht zitierfähig ist.

Stolpersteinverlegung Essener Strasse Stolpersteinverlegung Essener Strasse

Ihren Abschluss fand die Verlegeaktion an diesem Tag an der Essener Strasse 71, dort wurde ein Stolperstein für Andreas Schillack junior verlegt. Angehörige der Familie nahmen an der Verlegung teil. Andreas Schillack war wegen seiner Mitglied-schaft in der Widerstandsgruppe um Franz Zielasko im August 1944 von der Gestapo verhaftet worden. Im anschließenden Verfahren vor dem "Volksgerichtshof" wurde Andreas Schillack junior vorgeworfen, er habe Franz Zielasko mit Brotmarken für 600 g, einer Dose Schuhcreme und einer Tube Zahnpasta unterstützt. Aufgrund dieses "Verbrechens" wurde Andreas Schillack junior zum Tode verurteilt und am 20. Oktober 1944 in München-Stadelheim enthauptet. Heike Jordan, ehrenamtliche Leiterin des Projektes Stolpersteine in Gelsenkirchen, schilderte in ihrem Redebeitrag an der Essener Strasse auch, mit welcher Eiseskälte die Nazis minutiös die Hinrichtungen von Andreas Schillack junior und anderen Mitgliedern der Widerstandsgruppe in einem Bericht festhielten.

Fotos: Werner Neumann, Gelsenzentrum e.V.

Danksagung

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen dankt allen Menschen, die an den Stolperstein-Verlegungen im August 2011 mitgewirkt haben und so das Projekt "Stolpersteine - Gegen das Vergessen" in Gelsenkirchen unterstützt und zur Fortsetzung beigetragen haben.

Gunter Demnig und sein Team
Patinnen und Paten der Stolpersteine in Gelsenkirchen
Oberbürgermeister Frank Baranowski
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Stadtämter Gelsenkirchen
Prof. Dr. Stefan Goch, Institut für Stadtgeschichte (ISG), Gelsenkirchen
Arieh Sommerfeld, Nobert Labatzki, Regina Hölscher-Christ, Jesse Krauß, Ludwig Baum, Knut Massmann, Alexander Behrendt, Ulrich Behrendt, Mark A. Meyer, Lothar Jendrny, Inge Reiners, Dr. Michael Krenzer, Herbert Thomas, Paul Humann, Ursula Möllenberg, Karlheinz Rabas, Familie Sauerbaum, Dr. Rolf Heinrich, Pfarrer i.R., Werner Neumann, Nagirhan Varol, SchülerInnen des Deutsch E-Kurs der Klasse 9d der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, Bärbel Beuermann, Deborah Vogtmann, Volker Bruckmann, Karlheinz Weichelt

Internationaler Suchdienst ITS, Bad Arolsen. Bundesarchiv. Zentralarchiv der Zeugen Jehovas in Deutschland. Prof. Dr. Bernd Walter, LWL-Institut für Regionalgeschichte, Münster. Museum Stutthof, Polen. Archiv LWL, Münster. WASt, Berlin. Stadtarchiv Recklinghausen. Stadtarchiv Hildesheim. Stadtarchiv Freiburg. Stadtarchiv Hannover. ErPort - Dortmunder Erinnerungsportal. Gelsenzentrum - Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen.


Pater Vell - Aus der Todeszelle befreit

Rückseite eines von Pater Vell 1946 verfassten HandzettelsRückseite eines von Pater Vell 1946 verfassten Handzettels

17. August 2011. Mit der Weitergabe eines Flugblattes der Widerstandsgruppe Weiße Rose der Geschwister Scholl, in dem zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde, begann Pater Vells Leidensweg durch die NS-Mordmaschinerie. Von den Nazis deswegen zum Tode verurteilt, wurde Vell unmittelbar vor seiner Hinrichtung von der vorrückenden Roten Armee aus der Todeszelle befreit. Ein Stolperstein soll in Gelsenkirchen-Schalke bald an Pater Hermann Joseph Vell erinnern.

Vell, der ab April 1941 als Vikar an St. Joseph in Gelsenkirchen-Schalke wirkte, wurde von dem SS-Mann Wilhelm Ferlmann bei der Gestapo denunziert. Ferlmann, selbst Gemeindemitglied, gab bei der Gestapo an, von Vell eines der Flugblätter der Weißen Rose erhalten zu haben. Daraufhin wurde Vell am 1. Februar 1944 in Gelsenkirchen verhaftet und vom "Volksgerichtshof" am 6. April 1945 zum Tode verurteilt. Zur Vollstreckung des Urteils kam es nicht mehr, Pater Vell wurde am 27. April von der Roten Armee aus der Todeszelle im Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit.

Der aus Gelsenkirchen-Schalke stammende Joseph P. Krause, der mit Vell bis zu dessen Tod im Jahr 1965 in engem Kontakt stand, erreichte 1999 die Aufhebung des NS-Unrechtsurteils gegen Pater Vell. Somit war Vell zwar posthum juristisch rehabilitiert, eine moralische und gesellschaftliche Rehabilitierung ist aber in Gelsenkirchen bisher ausgeblieben. Der Stolperstein für Pater Vell soll an dessen letzten Wohnort in Gelsenkirchen-Schalke an der Grillostrasse verlegt werden. Die Patenschaft für den Stolperstein haben Joseph P. Krause und Richard Weishuhn übernommen.


Stolperstein-Patin ruft Gesprächskreis gegen das Vergessen ins Leben

15. August 2011. Am Samstag, den 20. August verlegt die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen in Hassel zwei Stolpersteine gegen das Vergessen. Die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig stoßen auch in Gelsenkirchen-Hassel auf breite Zustimmung. Die anstehende Verlegung der kleinen Mahnmale im Ortsteil am 20. August war Impulsgeber für die Gründung eines Gesprächskreises, in dem lokale Heimatgeschichte aufgearbeitet werden soll.

Ingrid Sauerbaum, die mit Ihrer Familie die Patenschaft für den Stolperstein übernommen hat, der Astrid "Iri" Steiner gewidmet wird, hat zusammen mit dem Heimatforscher Egon Kopatz einen Gesprächskreis, der kürzlich erstmalig im Seniorenzentrum an der Oberfeldinger Straße zusammenkam, ins Leben gerufen. Denn auch im Gelsenkirchener Ortsteil Hassel haben die Nazis Menschen verfolgt, gedemütigt, entrechtet und ermordet, auch dort hat der Zweite Weltkrieg gewütet. Der Gesprächskreis wird mit dazu beitragen, dass die Vergangenheit und die damit verbundenen Verbrechen der NS-Zeit nicht vergessen werden.


Stolpersteine werden verlegt

5. August 2011. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen lädt ein: am Samstag, den 20. August, werden weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt: Im Bahnwinkel 10 für Robert Mäusert gegen 11:00 Uhr, an der Polsumer Strasse 158 für Astrid "Iri" Steiner gegen 11:20 Uhr, an der Königsgrätzerstrasse für Wilhelm Gorny gegen 11:40 Uhr und an der Essener Strasse 71 für Andreas Schillack jun. gegen 12:10 Uhr. Alle genannten Zeitangaben sind Richtwerte, planen Sie bitte Abweichungen von ca. +/- 15 Minuten ein.


Jeder Stolperstein eine Geschichte  

3. August 2011. Weitere 18 Stolpersteine verlegte Gunter Demnig am Montag in Gelsenkirchen. Die kleinen Gedenksteine, flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen, künden schweigend vom Terror des NS-Regimes, von Rassenwahn und Völkermord. Sie geben den Menschen, die von den Nazis zu Nummern und Aktenzeichen degradiert wurden, mit einer individuell beschrifteten Messingplatte ihre Namen zurück. Und zwar genau dort, wo die Menschen einst zu Hause waren - vor den Türen der Wohnhäuser. Dort funktioniert Verdrängung nicht länger.

Während an den meisten Verlegeorten das Gehwegpflaster durch Gunter Demnig geöffnet wurde, hatte die Stadt diesmal die asphaltierten Flächen entsprechend für die Verlegungen vorbereitet. Wie aus dem Rathaus am vergangenen Freitag mitgeteilt wurde, wird das Tiefbauamt bei zukünftigen Verlegungen tatkräftige Unterstützung für Künstler Gunter Demnig leisten.

Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Isidor KahnGunter Demnig verlegt den Stolperstein für Isidor Kahn

An allen Verlegungeorten nahmen Stolperstein-Paten oder auch Angehörige der NS-Opfer an den Zeremonien teil. An der Küppersbuschstrasse waren es die Enkel von Oskar Behrendt, die eigens zur Stolperstein-Verlegung anreisten. Dort erinnerten Enkel Alexander Behrendt und auch Bärbel Beuermann an den Widerständler Oskar Behrendt. Am Verlegeort verteilte Ulrich Behrendt, einer der Enkel von Oskar Behrendt, Abzüge von einem Foto. Darauf zu sehen ist Oskar Behrendt, seine Brille und das Klingelschild, welches in den Dreißiger Jahren am Haus Küppersbuschstrasse 25 angebracht war. Diese Gegenstände befinden sich noch heute in Familienbesitz. Alexander Behrendt: "Für uns Kinder stand das "O" auf dem Klingelschild immer für "Oma" - unseren Opa Oskar haben wir ja nie kennengelernt."

Paul Humann, bildungspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen erinnerte am letzten Wohnort von Erich Lange an der Schwanen-strasse an das Leben und Sterben des Widerständlers. Erich Lange wurde von den Nazis 1933 in der Gelsenkirchener Innenstadt erschossen. Am Ort des feigen Mordes Am Rundhöfchen erinnerte die ehemalige Stadträtin Ursula Möllenberg an den Widerständler.

Der ehemalige MiR-Intendant Ludwig Baum sang zur Erinnerung an die im Ghetto Warschau ermordeten Eheleute Isidor und Elfriede Wollenberg an der Von-Der-Recke-Strasse das jiddische Lied von Mordechaj Gebirtig "Undzer Shtetl Brent!" Das Lied entstand 1938 und wurde zur Hymne des jüdischen Widerstandes in den Ghettos. Anschließend betete Arieh Sommerfeld die Totenklage El Male Rachamim für die jüdischen Opfer des Holocaust - wie auch am Lörenkamp. Dort erinnerte Heike Jordan an die Verfolgung und Ermordung von Isidor Kahn. Eine ehemalige Mitbewohnerin aus dem Haus Im Lörenkamp 2, die mit ihrer Schwester die Patenschaft für den Stolperstein für Isidor Kahn übernommen hatte, sagte nach der Verlegung: "Bei Herrn Demnig hatte ich den Eindruck, als führe er bei seiner Arbeit ein lautloses Gespräch mit Herrn Kahn. Als er zum Schluss den Stein säuberte, wirkte es auf mich, als ob er ihn gedanklich streichele. Ich war beeindruckt!"

An der Liebfrauenstrasse erinnerte Karlheinz Rabas an das Verfolgungsschicksal seines Verwandten Fritz Rahkob, der als Widerständler hingerichtet wurde. An der Vandalenstrasse sprach Dr. Michael Krenzer, Arbeitskreis "Lila Winkel" NRW über die Verfolgung des Zeugen Jehovas Friederich Poburski im so genannten "Dritten Reich". Dr. Krenzer hatte es auch übernommen, an der Neuhüllerstrasse an Peter Heinen zu erinnern, der ebenfalls als Zeuge Jehovas von den Nazis ermordet wurde. Hans Heinen, Neffe des NS-Opfers Peter Heinen, nahm an der Verlegung teil. An der Hohenzollernstrasse erinnerten wir mit der dortigen Steinverlegung und dem Redebeitrag von Heike Jordan an den wegen angeblicher Fahnenflucht enthaupteten Paul Kusz.

Stolpersteine an der BismarckstrasseStolpersteine an der Bismarckstrasse  

Ihren Abschluss fand die große Verlegeaktion an der Bismarckstrasse 152, dort erinnern jetzt Stolpersteine an Moritz und Toni Meyer, Hermann, Martha, Heinrich, Käthe und Ruth Hirschhorn sowie Kurt Rosengarten. Hier nahm auch Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski an der Verlegung teil. In seiner Begrüßung betonte er, wie wichtig die Erinnerung ist und fand Worte des Dankes für den Künstler Gunter Demnig und die Organisatoren vor Ort. An der Bismarckstrasse setzte Klezmer-Musiker Nobert Labatzki musikalische Akzente.

Der in den USA lebender Enkel der Eheleute Moritz und Toni Meyer, Mark A. Meyer, konnte nicht persönlich anwesend sein. Er bat Heike Jordan, seine Gedanken zu verlesen:

"Moritz und Toni Meyer waren bekannte und beliebte Bürger Gelsenkirchens. Die Eheleute betrieben ein Kurzwarengeschäft und beteiligten sich aktiv an der Gemeindearbeit. Nach der so genannten "Kristallnacht" waren sie gezwungen, aus ihrer Heimat Deutschland in die Niederlande zu fliehen. Bis 1942 lebten sie in Amsterdam. Dann wurden sie in einem Viehwaggon nach Polen verschleppt. Toni, zu krank um selbst zu gehen, wurde nackt auf einer Bahre, zusammen mit ihrem Mann Moritz, in die Gaskammer von Auschwitz gebracht. Dort wurden sie vom deutschen Staat ermordet, nur weil sie Juden waren. Ich bin ihr einzig überlebender Enkel. Ich habe meine Großeltern niemals kennen gelernt, Ich habe niemals ihre Stimmen gehört, niemals ihre Liebe gespürt. Niemals habe ich die großen Segnungen empfangen, sowie Enkel sie von ihren Großeltern erhalten.

Moritz und Toni Meyer hatten niemals ein Grab, dass ich hätte besuchen können. Keine Gedenkstätte, an der ich ihnen ein ehrendes Andenken hätte erweisen können. Für mich waren sie nur Gesichter auf einem Foto und Namen auf einer Liste von ermordeten Juden - bis heute. Die kleinen Stolpersteine, die Sie jetzt in dieser Straße verlegen, künden schweigend davon, dass hier in dieser Stadt einst zwei liebenswerte und unschuldige Menschen gelebt und gearbeitet haben, die im Namen des deutschen Volkes ermordet wurden. Die Stolpersteine versinnbildlichen mehr als nur die NS-Opfer. Sie sind Symbole für das ehrende Andenken Deutschlands an die unschuldigen Menschen, die Opfer des Nazi-Regimes geworden sind. Stolpersteine sind wichtige Symbole, um der Wiederholung des Bösen durch die Erinnerung an größtes Unrecht, dem überwältigendem Horror des Holocaust, entgegen zu wirken. Dafür danke ich ihnen, und dafür, dass sie sich an meine Großeltern erinnern".

Stolpersteine erinnern an Familie HirschhornStolpersteine erinnern an Familie Hirschhorn

Heike Jordan, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen, erinnerte auch an das Verfolgungsschicksal der Familie Hirschhorn. In ihrem Redebeitrag sprach sie auch von den Schwierigkeiten bei den Recherchen zu den Opfer-Biographien: "Das Verfolgungsschicksal der Familie Hirschhorn ließ sich nur anhand der wenigen erhaltenen Akten der NS-Verfolgungsbehörden rekonstruieren. Diese Aufzeichnungen über die Familie Hirschhorn beschränken sich auf die Orte der Inhaftierung, auf die Zuteilungen von Häftlingsnummern und auf die Angaben zum Zwangsarbeitseinsatz. Vom zunehmenden Verfolgungsdruck, von den Ängsten, Sorgen und Nöten der verfolgten, entrechteten und gedemütigten Menschen berichten diese Akten jedoch nicht. Sie erzählen uns nichts über dass unermessliche Leid, dass Hermann, Martha, Heinrich, Käthe und Ruth Hirschhorn ertragen mussten, bis sie schließlich von den Nazi-Schergen ermordet wurden".

Stolperstein-Patin Regina Hölscher-Christ trug zu Ehren von Kurt Rosengarten ein Gedicht von Jesse Krauß vor. Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde nahm an allen Orten teil, an denen Stolpersteine für Menschen jüdischer Herkunft verlegt wurden, so auch an der Bismarckstrasse. Sie war es auch, die Vorbeter Arieh Sommerfeld endsandte, der an mehreren Verlegestellen die Totenklage „El Male Rachamim“ für die etwa sechs Millionen ermordeten Juden betete. Bärbel Beuermann, Fraktionsvorsitzende Die Linke im Landtag NRW, sprach zu Beginn der Verlegeaktion an der Küppersbuschstrasse und schloss an der Bismarckstrasse die ihren Redebeitrag mit den Worten "„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg". Heike Jordan sagte in ihrem an die Anwesenden gerichteten Schlusswort: "Mit eurer Teilnahme an der heutigen Verlegung von Stolpersteinen habt ihr dazu beigetragen, die Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors als Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft wachzuhalten."

Denn eines ist sicher: Das Grauen begann nicht erst in Auschwitz, Treblinka und in anderen Lagern - es begann in unserer Stadt, in unserem Alltag, in unserer Straße, vor unserer Tür.

Videomittschnitt eines Zuschauers: Stolperstein-Verlegung an der Bismarckstrasse

Fotos: Werner Neumann


Stolpersteine in Gelsenkirchen - Verlegungen am 1. August 2011 

Stolpersteine in Gelsenkirchen 2011

18. Juli 2011. Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, an Menschen, die in den Jahren des Dritten Reiches verfolgt, entrechtet, gedemütigt, in die Flucht getrieben und schlussendlich ermordet wurden. Im Rahmen des Kunstprojektes „Stolpersteine“ des in Köln lebenden Bildhauers Gunter Demnig werden Stolpersteine vor den Häusern ins Pflaster der Gelsenkirchener Gehwege eingelassen, in denen die Menschen einst gelebt haben.

Gunter Demnig, der am 1. August zunächst in Tönisvorst Stolpersteine verlegt, wird um 14 Uhr an der Küppersbuschstrasse 25 den Stolperstein für Oskar Behrendt verlegen. Alexander Behrendt verliest das Verfolgungsschicksal des Wider-ständlers, Bärbel Beuermann (MdL) wird an die Verfolgung im NS-Staat erinnern. An der Schwanenstrasse 6 erinnert Paul Humann um 14:15 Uhr an Erich Lange. Der Widerständler Erich Lange wurde von den Nazis 1933 auf offener Strasse erschossen.

Am Rundhöfchen, dem Ort des Mordes, wird um 14:30 Uhr Lothar Wickermann bei der Verlegung des zweiten Stolpersteins für Erich Lange an die zeithistorischen Hintergründe der Bluttat erinnern. Das Ehepaar Wollenberg wohnte an der Von-der-Recke-Strasse 4, hier wird Ludwig Baum um 14:45 Uhr an das Verfolgungsschicksal der Eheleute erinnern, die im Ghetto Warschau starben. Der Kaufmann Isidor Kahn wohnte Im Lörenkamp 2, bevor er in das Ghetto Riga deportiert wurde. Im Lörenkamp 2 wird der Stolperstein um 15:00 Uhr verlegt. An diesen beiden Verlegeorten wird der Vorbeter der jüdischen Gemeinde Gelsen-kirchen das Totengebet "El Male Rachamim" für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust beten. Gegen 15:15 Uhr spricht Karlheinz Rabas an der Liebfrauenstrasse 38 über das Verfolgungs-schicksal von Fritz Rahkob, hier wird der Stolperstein für den Widerständler Rahkob verlegt.

Für den als Zeugen Jehovas verfolgten und ermordeten Friederich Poburski wird um 15:30 Uhr ein Stolperstein an der Vandalenstrasse 14, für Peter Heinen, ebenfalls als Zeuge Jehovas ermordet, um 15:45 Uhr an der Neuhüller Strasse 27 verlegt. An beiden Verlegeorten wird Dr. Michael Krenzer an das Schicksal dieser Männer erinnern. An Paul Kusz, der wegen Fahnenflucht von den Nazis enthauptet wurde, wird der Stolperstein, der gegen 16:00 Uhr an der Hohenzollernstrasse 272 verlegt wird, erinnern.

Ihren Abschluss finden die Stolperstein-Verlegungen an diesem Tag um ca. 16:15 Uhr an der Bismarckstrasse 152, wo Demnig 8 Stolpersteine für NS-Opfer jüdischer Herkunft verlegen wird. Hier werden Oberbürgermeister Frank Baranowski, der die Anwesenden begrüßen wird und auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, erwartet. Der Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Norbert Labatzki setzt bei der Verlegung an der Bismarckstrasse musikalische Akzente.

Alle genannten Zeitangaben sind Richtwerte, planen Sie bitte Abweichungen von ca. +/- 15 Minuten ein. Informationen zur Verlegung und zum Projekt unter 0209 9994676.

An der Bismarckstrasse werden auch Stolpersteine für Moritz und Toni Meyer verlegt. Mark A. Meyer, in New York lebender Enkel der Eheleute Moritz und Toni Meyer, kann leider nicht persönlich teilnehmen: Er befindet sich auf Hochzeits-reise. Stellvertretend wird Projektleiterin Heike Jordan seine Gedanken auf Englisch und Deutsch verlesen. An diesem Ort werden auch Stolpersteine für die Familie Hirschhorn und für Kurt Rosengarten verlegt. Auch hier wird der Vorbeter das "El Male Rachamim" beten. Schülerinnen der Evangelischen Gesamtschule Bismarck, die zusammen mit der muslimischen Lehrerin Nagihan Varol die Patenschaft für den Stolper-stein, der Käthe Hirschhorn gewidmet wird, übernommen haben, werden trotz Ferienzeit an der Verlegung teilnehmen. Die Stolperstein-Patin Regina Hölscher-Christ wird ein Gedicht von Jesse Krauß vortragen. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, den Verlegungen am 1. August 2011 beizuwohnen, und wünschen uns, dass viele Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens durch ihre Teilnahme dazu beitragen, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus als Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft wach zu halten.


Gesamtschule Bismarck stellt Stolperstein-Projekt vor

13. Juli 2011. Auf dem diesjährigen Sommerfest der Evangelischen Gesamtschule Bismarck stellen Schülerinnen Gunter Demnigs Projekt "Stolpersteine" vor. Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die vom NS-Gewaltregime ermordet wurden. Es sind pflastersteingroße Betonwürfel, mit einem Messingblech überzogen, die vor dem letzten Wohnort der NS-Opfer flächenbündig in das Pflaster der Gehwege eingelassen werden. Name, Jahrgang und Verfolgungsschicksal der Menschen werden von Hand in das rund 10 x 10 cm große Messingblech einge-schlagen. Über die Stolpersteine "stolpern" heißt stutzen, stehen bleiben, nachdenken. Stolpersteine verursachen selbstverständlich kein tatsächliches stolpern. Seit 2009 werden auch in Gelsenkirchen Stolpersteine verlegt.

Projektbetreuerin zum Interview eingeladen

Die Schülerinnen haben Heike Jordan, die dass Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, zum Interview in die Schule eingeladen. Elisa Reckort aus der 9c, Denise Heße und Leonie Pawelzik, beide 9d, haben das Interview geführt. Die Schülerinnen wollen nun ein großformatiges Plakat erstellen, auf dem das Gedenk-Projekt Stolpersteine thematisiert wird. Auch Auszüge aus dem Interview sollen darauf vorgestellt werden. Präsentiert wird die Gemeinschaftsarbeit auf dem Sommerfest in der Schulbibliothek. Lehrerin Nagihan Varol war es, die den Schülerinnen den Denkanstoß lieferte und den Kontakt zur Projektgruppe vermittelte. Die Jugend-lichen haben die Patenschaft für den Stolperstein übernommen, der Käthe Hirschhorn am 1. August an der Bismarckstrasse 152 gewidmet wird. Dort hatte die Familie Hirschhorn bis zur Deportation gewohnt.


Einladung zur Stolperstein-Verlegung in Gelsenkirchen

6. Juli 2011. Am 1. und 20. August 2011 werden in Gelsenkirchen weitere 22 Stolpersteine verlegt. Die Projektgruppe Stolpersteine lädt alle Interessierten herzlich zur Teilnahme an den Verlegungen ein. Uhrzeiten und Verlegeorte entnehmen Sie bitte der Einladung.

Download → Einladung zur Stolperstein-Verlegung


Stolpersteine Gelsenkirchen - Projektgruppe plant Gedenkbuch

Stolpersteine in Gelsenkirchen

2. Juli 2011. Weitere 22 Stolpersteine werden im August 2011 zu den 19 bereits in Gelsenkirchen vorhandenen hinzukommen. Standen der Allgemeinheit bisher die hinter jedem Stolperstein stehenden Lebens- und Verfolgungsschicksale der NS-Opfer ausschließlich auf der Internet-Präsenz der Projektgruppe zur Verfügung, soll jetzt auch eine Dokumentation unter dem Titel „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist ...“ in Buchform entstehen.

Jeder Stolperstein eine Geschichte

Zu Wort kommen in der geplanten Publikation auch Überlebende des Holocaust aus Gelsenkirchen, die heute überwiegend in den USA leben. Aber auch Angehörige und Nachfahren der NS-Opfer, die bisher mit einem Stolperstein gewürdigt wurden, werden ihren Teil zu dem Gedenkbuch beitragen. In die Bearbeitung und Erstellung des Gedenkbuches sollen die Patinnen und Paten der einzelnen Stolpersteine mit einbezogen werden. Neben den Texten mit lebensgeschichtlichen Eckdaten und Fotos von den im Gelsen-kirchener Stadtgebiet bisher verlegten Stolpersteinen soll auch unveröffentlichtes Material, dass überwiegend aus dem Privatbesitz von Überlebenden stammt, mit in das Druckwerk einfließen.


Gesamtschule Bismarck beteiligt sich an Stolperstein-Projekt

Ein Stolperstein für Käthe Hirschhorn

29. Juni 2011. Käthe Hirschhorn war dreizehn Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert wurde. Die Patenschaft für den Stolperstein, der an Käthe Hirschhorn erinnern wird, haben Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck übernommen. Die Jungen und Mädchen des Deutsch E-Kurs der Klasse 9d sammelten in ihrer Klasse 95 Euro, denn soviel kostet ein Stolperstein, darin sind Herstellung und Verlegung enthalten.

Martha Hirschhorn wurde zusammen mit Tochter Käthe, Sohn Heinrich und der jüngsten Tochter Ruth am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga deportiert. Vater Hermann Hirschhorn hatte man bereits 1940 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Sein Leidensweg führte über das KZ Dachau nach Neuengamme, ein Konzentrationslager am östlichen Stadtrand von Hamburg. Dort starb Hermann Hirschhorn am 18. Juni 1942, angeblich an Lungenentzündung. Heinrich wurde am 12. September 1943 in das Ghetto Riga eingeliefert und weiter über das KZ Stutthof in das KZ Buchenwald verschleppt. Er starb bei einem Bombenangriff im Außenkommando "Wille" bei Tröglitz/Rehmsdorf am 30. November 1944. Martha Hirschhorn und ihre Töchter Käthe und Ruth wurden im August 1944 von Riga in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt. Die Spuren der drei weiblichen Mitglieder der Familie Hirschhorn verlieren sich im KZ Stutthof.

"Die Gesamtschule Bismarck ist die erste Schule in Gelsenkirchen, die sich für die Stolpersteine engagiert" sagt Projektleiterin Heike Jordan, und weiter: " Ich wünsche mir, dass sich noch andere Schulen an dem Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen beteiligen. So erhalten die Jugendlichen einen ganz besonderen, persönlichen Zugang zur deutschen Geschichte zwischen 1933-1945."

An der Bismarckstrasse 152 werden am 1. August durch den Künstler Gunter Demnig 8 Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Verfolgte des NS-Regimes verlegt. An gleicher Stelle werden auch Stolpersteine für die Eheleute Moritz und Toni Meyer und für Kurt Rosengarten in den Gehweg eingelassen. Musikalisch begleitet wird die Stolperstein-Verlegung an der Bismarckstrasse von dem Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Nobert Labatzki. Der Vorbeter der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen wird das jüdische Gebet "El male rachamim" singen. An der Bismarckstrasse wie auch Im Lörenkamp werden die Verlegestellen vom Tiefbauamt (Referat 69) entsprechend vorbereitet.


Stolpersteine für 22 Gelsenkirchener Opfer des Naziregimes

14. Mai 2011. Im August 2011 werden sie wieder in das Pflaster Gelsenkirchener Gehwege eingelassen - die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. 22 weitere Stolpersteine werden dann an im Nationalsozialismus verfolgte und ermordete Menschen aus Gelsenkirchen erinnern. Am Montag, den 1. August verlegt Gunter Demnig ab 14 Uhr an zehn Orten in Gelsenkirchen insgesamt 18 Stolpersteine, 4 Stolpersteine verlegt die Projektgruppe Ende August in Eigenregie.

Verlegt wird am 1. August für Oskar Behrendt an der Küppersbuschstrasse, für Erich Lange an der Schwanenstraße und am Rundhöfchen, für das Ehepaar Wollenberg an der Von-Der-Reckestraße, für Isidor Kahn Im Lörenkamp , für Fritz Rahkob an der Liebfrauenstraße, für Friederich Poburski an der Vandalenstraße, für Peter Heinen an der Neuhüller Straße, für Paul Kusz an der Hohenzollernstrasse (Früher Plutostraße) und für die Familien Meyer und Hirschhorn sowie für Kurt Rosengarten an der Bismarckstraße. Weitere vier Stolpersteine wird die Projektgruppe Stolpersteine in Absprache mit Gunter Denmig am 20. August für Robert Mäusert Im Bahnwinkel, für Astrid "Iri" Steiner an der Polsumer Straße, für Wilhelm Gorny an der Königgrätzerstraße und für Andreas Schillak jun. an der Essener Straße selbst verlegen.

Download → Veranstaltungsflyer 1. August 2011


Stolperstein in Braunschweig erinnert an Emmy Vosen aus Schalke

14. Mai 2011. Emmy Vosen wurde am 25. Oktober 1881 in Schalke geboren, ab 1894/95 lebte sie an verschiedenen Adressen in Buer. Am 4. Juni 1903 zog sie nach Braunschweig, wo sie bis zu Ihrer Deportation in das KZ Theresienstadt auch lebte und arbeitete.

Das letzte Lebenszeichen von Emmy Vosen findet sich in Form einer Postkarte aus dem KZ Theresienstadt vom 28. Juni 1943. Sie formuliert ihre Zeilen in Kenntnis der Briefzensur durch die Nazis und beschönigt ihre Situation: "Meine sehr Lieben, heute habe ich Gelegenheit Ihnen recht herzliche Grüße zu senden. Hoffentlich geht es Ihnen so gut wie mir. Hab eine Reise, die mir unvergesslich bleiben wird, hinter mir. Bin immer noch im Haushalt beschäftigt. Mein Koffer ist abhanden gekommen, besitze 1 Hemd, 1 Schlüpfer, 1 Rock, 1 Bluse." Im folgenden Jahr starb Emmy Vosen im KZ Theresienstadt - angeblich an Typhus. Eine Recherche im Rahmen des Projektes Stolpersteine Braunschweig von Phillipp Jakob, Freie Waldorfschule Braunschweig: → Emmy Vosen


Ermordet in Auschwitz

Stolpersteine in Saarlouis

12. April 2011. In Saarlouis erinnern seit dem 8. April 2011 zwölf Stolpersteine an NS-Gewaltopfer. Darunter befinden sich auch die Stolpersteine für Hans, Marta Rosa und Helga Johanna Meyer.

Der in Gelsenkirchen geboren Hans Meyer hat im Dezember 1927 Marta Rosa Hanau in deren Heimatstadt Saarlouis geheiratet. Das Ehepaar lebte an der ehemaligen Neystrasse 2, heute Professor-Notton-Strasse 13. Dort kam im März 1929 die gemeinsame Tochter Helga Johanna zur Welt. Unter dem stetig zunehmenden Verfolgungsdruck verließ Hans mit seiner Familie schließlich Deutschland und emigrierte im Februar 1936 in die Niederlande. Als im Sommer 1942 auch in den Niederlanden die Deportation der Juden begann, wurden Hans, Marta Rosa und Helga Johanna über das Lager Westerbork in das KZ Auschwitz deportiert. Helga und Marta Meyer wurden im Oktober 1942, Hans Meyer im Februar 1943 in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Für diese drei Menschen jüdischer Herkunft wurden jetzt auf Initiative unserer Projektgruppe in Saarlouis Stolpersteine verlegt.


Stolpersteine halten Erinnerungen wach

Stolpersteine In Gelsenkirchen

20. März 2011. Der Termin für die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen steht fest. Am 1. August 2011 wird Gunter Demnig nach Gelsenkirchen kommen, um in unserer Stadt 20 weitere Stolpersteine gegen das Vergessen zu verlegen. NS-Gewaltopfer, die verschiedenen Verfolgtengruppen angehörten, werden an diesem Tag mit einem Stolperstein geehrt. Stolpersteine erinnern an die Menschen, die aus politischen, rassistischen oder anderen Gründen ermordet wurden. Es ist geplant, am 1. August in Gelsenkirchen Stolpersteine für Zeugen Jehovas, Widerständler, Menschen jüdischer Herkunft sowie einen Stolperstein für ein Opfer der NS-Psychatrie zu verlegen.

Finanziert werden die Stolpersteine über Patenschaften. Pate kann jede Privatperson werden, aber auch Einrichtungen, Vereine, Firmen, Verbände oder Schulen. So ist es die Zivilgesellschaft, die das Gedenkprojekt “Stolpersteine” trägt. Eine Patenschaft kostet derzeit 120 Euro. Damit werden ausschließlich die Materialkosten und die Verlegung der Stolpersteine durch Gunter Demnig finanziert. Jede Patin oder jeder Pate erhält, soweit möglich, Informationen über das Schicksal des Menschen, für den der Stolpersteinverlegt werden soll. Die Paten werden zur Verlegung der Stolpersteine eingeladen. Wenn Sie eine Patenschaft übernehmen wollen oder Fragen zum Projekt haben, nehmen Sie bitte mit der Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen Kontakt auf: Email an die Projektleitung schreiben Email an die Projektleitung.


Spur der Erinnerung - Stolpersteine für Angehörige der Familie Meyer

23. Februar 2011. Mark A. Meyer aus New York ist der Enkel von Abraham Rimpel und der Neffe von Rosa Rimpel. Abraham Rimpel, der ein Schuhgeschäft in Stuttgart hatte, wurde 1940 im KZ Dachau ermordet, seine Tochter Rosa in einem KZ in Polen. Seine Mutter Ottilie Rimpel, geboren und aufgewachsen in Cannstatt, ging in Stuttgart zur Schule, die sie schon bald verlassen mußte, weil sie Jüdin war. Neben seinem Großvater und seiner Tante wurden auch viele andere Mitglieder seiner Familie, die in oder nahe Stuttgart gelebt haben, von den Nazis ermordet. In Stuttgart wurden am 29. April 2010 an der Sophienstrasse 5 für Abraham und Rosa Rimpel Stolpersteine verlegt.

Der in Gelsenkirchen geboren Hans Meyer hat im Dezember 1927 Marta Rosa Hanau in deren Heimatstadt Saarlouis geheiratet. Das Ehepaar lebte an der ehemaligen Neystrasse 2, heute Professor-Notton-Strasse 13. Dort kam im März 1929 die gemeinsame Tochter Helga Johanna zur Welt. Unter dem stetig zunehmenden Verfolgungsdruck verließ Hans mit seiner Familie schließlich Deutschland und emigrierte im Februar 1936 in die Niederlande. Auf die Spur der Familie Hans Meyer sind wir bei unseren Recherchen zur Familie Moritz Meyer mehr zufällig "gestolpert". Bei der Emigration in die Niederlande wurde von den Behörden der Familienname in "Meijer" geändert, so hatte sich über Jahrzehnte die Spur der Familie in den Archiven verloren. Wir fanden heraus, dass die Familie Hans Meyer in Amsterdam gewohnt hat. Als im Sommer 1942 auch in den Niederlanden die Deportation der Juden begann, wurden Hans, Marta Rosa und Helga Johanna über das Lager Westerbork in das KZ Auschwitz deportiert. Helga und Marta Meyer wurden im Oktober 1942, Hans Meyer im Februar 1943 in den Gaskammern ermordet. Für diese drei Menschen werden auf Initiative der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen am 8. April 2011 in Saarlouis Stolpersteine verlegt. Auf Einladung der Stadt Saarlouis nehmen Heike und Andreas Jordan an den Verlegungen und dem Begleitprogramm teil.

Im August 2011 werden in Gelsenkirchen Stolpersteine an der Bismarkstrasse zur Erinnerung an die Großeltern von Mark A. Meyer, Moritz und Toni Meyer, verlegt. Familie Moritz Meyer floh vor den Nazis im März 1939 aus Gelsenkirchen in die Niederlande. Als die Judenverfolgung nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande begann, wurden auch Moritz und Toni Meyer am 20. Januar 1943 in das Durchgangs- und Sammellager Kamp Westerbork verschleppt. Am 2. Februar 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert und dort am 5. Februar 1943 in den Gaskammern ermordet. Überlebende berichteten nach dem Krieg, dass Mutter Toni durch die Deportation von Westerbork nach Auschwitz so geschwächt war, dass sie auf einer Bahre in die Gaskammer getragen werden mußte.

Sohn Paul gelang es 1940 über Rotterdam in die USA zu emigrieren. Auf der Überfahrt lernte er Ottilie Rimpel aus Stuttgart kennen. Paul und Ottilie haben am 16. November 1940 in New York geheiratet, am 19. Dezember 1946 wurde Mark A. Meyer geboren.


Längere Wartezeiten bei den Stolpersteinen

5. Februar 2011. Das Interesse an den Stolpersteinen ist generell groß. So groß, dass Gunter Demnig mit der Verlegung neuer Stolpersteine kaum nachkommt. Mit längeren Wartezeiten auf einen Verlegetermin muss gerechnet werden. Das ist nicht zu ändern, denn die Stolpersteine dürfen nicht zu einer Fließbandproduktion entwertet werden. Die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen findet voraussichtlich im August 2011 statt. Das teilte uns Anna Warda, zuständig für die Vergabe von Verlegeterminen, jetzt auf Nachfrage mit. Im Vorfeld der Verlegungen recherchiert die Projektgruppe Verfolgungsschicksale von NS-Opfern, teilweise wird das auch von den Paten übernommen. Die Ergebnisse der Recherchearbeit werden aufbereitet und dann dem Institut für Stadtgeschichte vorgelegt, dort geprüft. Erst danach kann bei Gunter Demnig ein konkreter Verlegetermin angefragt werden.


Stolpersteine im Internet

3. Februar 2011. Von Anfang an war beabsichtigt, die Geschichten der Menschen, für die "Stolpersteine" in Gelsenkirchen verlegt wurden, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen hat nun ihr Online-Angebot erweitert und PDF-Dateien online gestellt, die barrierefrei für Sehbehinderte sind und sich maschinell erfassen lassen. So können die Informationen über Verlegeorte, Lebens- und Leidenswege auch von Sehbehinderten und Blinden mittels Screenreader, Sprachgerät oder Braille-Leiste gelesen werden. "Seit heute stellen wir Hintergrundinformationen zu den Verfolgungschicksalen der Menschen, für die bereits Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt wurden, auch barrierefrei für Sehbehinderte und Blinde im Internet zur Verfügung. Nachdem die Projektgruppe bereits seit Januar auch im sozialen Netzwerk Facebook zu finden ist, haben wir nun das Informationsangebot weiter ausgebaut" freut sich Projektleiterin Heike Jordan.

Die "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig werden seit 2009 auch in Gelsenkirchen verlegt. Sie finden sich an vielen Orten im Stadtgebiet, und zwar genau dort, wo Menschen wohnten, die in der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. "Stolpersteine", das sind kleine Erinnerungszeichen, die zusammengenommen ein außergewöhnliches dezentrales Denkmal bilden. Es entsteht langsam, ist auf viele Orte verteilt und fügt sich erst im Kopf des Betrachters zu einem Ganzen. Das Projekt steht und fällt mit dem Engagement der Bevölkerung.

Denn nur wenn Patenschaften übernommen werden, können neue "Stolpersteine" verlegt werden. In Gelsenkirchen beteiligen sich zahlreiche Menschen: Privatpersonen, Vereine, Verbände, Parteien, Schulen, Auszubildende und andere mehr. Alle am Projekt "Stolpersteine" Beteiligten tragen das Ihre dazu bei, der Erinnerung an die NS-Opfer den Platz zu geben, der ihr zusteht: in der Mitte der Gesellschaft.


Gunter Demnig für Stolpersteine ausgezeichnet

25. Januar 2011. Seine "Stolpersteine" erinnern vieltausendfach an Opfer des Holocaust. Der Kölner Künstler Gunter Demnig wurde am Montag Abend in Stuttgart mit der undotierten Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet. Die Medaille wird von der Stadt Stuttgart, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs jährlich verliehen. Mit der Medaille soll Demnigs Verdienst um die christlich-jüdische Verständigung geehrt werden. Gunter Demnig will mit seinen Stolpersteinen erreichen, dass Passanten stehen bleiben und sich herunterbeugen müssen, um zu lesen, wer an der bezeichneten Stelle einst wohnte. Mehr als 27.000 der kleinen Gedenksteine hat er seit 1997 vor allem in Deutschland verlegt, aber auch in mehreren anderen europäischen Ländern.

Es gab allerdings auch Kritik an dem Projekt - so wandte sich erst kürzlich die jüdische Gemeinde im badischen Lörrach gegen die Steine, ähnlich wie die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch - sie kritisieren, dass Passanten achtlos auf die Namen der Verstorbenen trampeln könnten. Stolpersteine sind kleine Quader aus Beton, mit einer Messingschicht überzogen. Sie werden vor den Häusern, in denen jüdische und andere Opfer des nationalsozialistischen Massenmords wohnten, in die Gehwege eingelassen.



Stolpersteine Gelsenkirchen bei Facebook

16. Januar 2011. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen stellt sich jetzt auch im Internet-Netzwerk Facebook vor. "Wir können jede finanzielle und auch ideelle Unterstützung gebrauchen und sind deshalb auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen", begründet Projektleiterin Heike Jordan diesen Schritt. Seit Sommer 2009 gibt es die Stolpersteine des Kölner Künstlers Guner Demnig in Gelsenkirchen. Die Aktion Stolpersteine wird ausschließlich mit privaten Spenden finanziert. Zum Fortbestand der Aktion sucht die Projektgruppe ständig neue Paten und Sponsoren. Jeder kann mit einer Spende von 120 Euro die Patenschaft für einen neuen Stolperstein übernehmen, Teilbeträge werden zu einer Gruppen-Patenschft zusammengelegt.

In Gelsenkirchen gibt es inzwischen 19 Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus, die einst als Bürger in unserer Stadt gelebt und teilweise durch Mitwirkung in Vereinen das öffentliche Leben in Gelsenkirchen auch aktiv gestaltet haben.


Prüfung ist abgeschlossen

11. Dezember 2010. Nachdem die Prüfung unserer Rechercheergebnisse durch das ISG am 8. Dezember 2010 abgeschlossen wurde, kann nun ein Termin für die nächste Verlegungeaktion von Stolpersteinen in Gelsenkirchen mit dem Künstler Gunter Demnig abgestimmt werden.


Stolperstein-Paten müssen auf Verlegung warten

25. November 2010. Die angespannte Personalsituation beim Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen (ISG) wirkt sich auch auf die Verlegung von Stolpersteinen aus. Wie uns Stefan Goch vom ISG auf Bitte um Sachstandsmitteilung nun “mit Bedauern” mitteilte, ist mit einer abschließenden Prüfung der bereits Ende Juni der von der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen eingereichten Rechercheergebnisse für die nächste Verlegung von Stolpersteinen vermutlich erst im Dezember 2010 zu rechnen.

Die lange Bearbeitungszeit "sei dem verstärkten “Anfrage-Aufkommen” bei gleichzeitigem Personalmangel geschuldet”, so Stefan Goch. Mit einer weiteren, dritten Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen ist somit erst im Frühjahr 2011 zu rechnen.

Die von der Projektgruppe recherchierten Daten zu den einzelnen Verfolgungsschicksalen der NS-Opfer werden zunächst vom ISG auf sachliche Richtigkeit geprüft, bevor die Daten dem Kölner Künstler Gunter Demnig übermittelt werden können. Dieser fertigt dann auf Basis der Daten die einzelnen Stolpersteine an und nennt einen Verlegetermin.


Die Stolpersteine glänzen wieder

Stolpersteine - jetzt glänzen sie wieder

Stolpersteine - auf Hochglanz poliert

28. Oktober 2010. Mit einer Putzaktion der besonderen Art erinnerte der Arbeitskreis Stolpersteine Gelsen-kirchen heute an die mehr als 80 jüdischen Bürger mit polnischer Staatsangehörigkeit, die von Gelsenkirchen im Rahmen der so genannten "Polenaktion" am 28. Oktober 1938 nach Polen (Bentschen/Zbaszyn) abgeschoben wurden. Von dieser Zwangsaussiedlung waren im Oktober 1938 deutschlandweit mehr als 18.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder jeden Alters betroffen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte einen ersten Höhepunkt der physischen Verfolgung dar und war der eigentliche Auftakt zum Völkermord an den europäischen Juden. Vor dem Hintergrund der antijüdischen Novemberpogrome (die so genannte Reichskristallnacht) knapp zwei Wochen nach der "Polenaktion" sind die Vorgänge um diese bis dato größte Ausweisungsaktion in der deutschen Geschichte fast völlig in Vergessenheit geraten.

Mit Ablauf des heutigen Tages wurden alle im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine vom Reinigungstrupp des Arbeitskreises wieder auf Hochglanz gebracht. Die Putzaktion fand mit einer Andacht vor dem Haus an der Markenstraße 19 im Ortsteil Horst ihren Abschluss. Dort erinnern die Inschriften auf zwei Stolpersteine an das Ehepaar Simon und Frieda Neudorf. Mutter Neudorf und ihr Sohn Herman waren 1938 ebenfalls von der Ausweisung nach Zbaszyn betroffen. Frieda Neudorf wurde von den Nazis 1944 in Riga, Vater Simon Neudorf bereits 1941 im KZ Sachsenhausen ermordet. Herman Neudorf, der heute 85-jährig in den USA lebt, kehrte 1945 aus dem KZ Buchenwald zurück. → Herman Neudorf: Meine Gedanken zum 28. Oktober 1938


Buchvorstellung war gut besucht

Ludwig Baum und Peter Rose bei der Buchvorstellung

Ludwig Baum und Peter Rose bei der Buchvorstellung

27. Oktober 2010. Gut besucht war am Abend die Buchvorstellung "Vor meiner Haustür - "STOLPERSTEINE" von Gunter Demnig" von Joachim Rönneper. 60 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung in die Buchhandlung Junius. Ludwig Baum, ehemals Dramaturg und Generalindendant am Musiktheater im Revier - kurz MIR, las Gedichte und Prosatexte aus dem Buch, Peter Rose, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Gelsenkirchen, sprach "über die Notwendigkeit, sich zu erinnern".

→ Vortrag von Peter Rose: Von der Notwendigkeit des Erinnerns


Gemeinschaftsprojekt in Bochum - Schülerinnen und Schüler als Stolperstein-Paten

5. Oktober 2010. Auch Klassenlehrerin Tina Grewe und Schulleiter Martin Breuer waren mit dabei, als Gunter Demnig am Montagmorgen an der Dorstener Straße 204 im Bochumer Ortsteil Hamme zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 10b der Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule vier Stolpersteine verlegte.

Die Mitglieder einer Projektgruppe der Gesamtschule hatten in ihrer Freizeit recherchiert, um Informationen über das Verfolgungsschicksal der Familie des jüdischen Klempnermeisters Hermann Alexander zusammenzutragen und wurden so Paten des Projektes Stolpersteine. Das Besondere an dieser Schülergruppe sind die unterschiedlichen Nationalitäten: Eine Thailänderin, eine kurdische Alevitin, eine Türkin, eine Polin, eine Kosovo-Albanerin, eine Syrerin und vier deutsche Jugendliche haben gemeinsam in der Gruppe mitgearbeitet.

In Gelsenkirchen, anders als in vielen Revierstädten, hat sich bisher noch keine Schule an Gunter Demnigs Erinnerungsprojekt Stolpersteine, das sich seit dem Start im Jahr 1997 zum größten dezentralen Mahmal der Welt entwickelt hat, beteiligt. Eine Briefaktion im Mai 2009, die sich an die Gelsenkirchener Schulen richtete und das Erinnerungsprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig vorstellte, blieb ohne Resonanz.

Eine aktive Beteiligung von Gelsenkirchener Schülerinnen und Schülern wäre wünschenswert. Wir, der Arbeitskreis Stolpersteine in Gelsenkirchen, bieten unsere Unterstützung und Hilfe bei der Projektarbeit und Recherche an. Jugendliche können so über das Projekt Stolpersteine einen Zugang zur deutschen Geschichte zwischen 1933-1945 finden und die Erinnerungskultur in Gelsenkirchen aktiv mitgestalten. Gerade die Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte kann ein pädagogisch wertvoller Anknüpfungspunkt sein.

Der Arbeitskreis Stolpersteine hat seit Juli 2009 drei Verlegeaktionen organisiert und zusammen mit Gunter Demnig 19 Stolpersteine an 11 Orten im Gelsenkirchener Stadtgebiet verlegt. Bei der nächsten Verlegeaktion, deren Planung und Organisation bereits angelaufen ist, sollen weitere 17 Stolpersteine hinzukommen.


Das "Judenhaus" im Lörenkamp

12. September 2010. Jüdische Mieter wurden etwa ab April 1939 in die Häuser jüdischer Besitzer zwangseingewiesen. Hintergrund der räumlichen Konzentration der jüdischen Menschen auf wenige "Judenhäuser" im Stadtgebiet von Gelsenkirchen war die Erleichterung der Überwachung durch die Gestapo und war gleichzeitig auch eine Vorstufe auf dem Weg zur geplanten Deportation der jüdischen Menschen. Die "Judenhäuser" waren somit nichts anderes als kleinräumige Ghettos.

Bereits ab 1939 wurde die Belegungsdichte in den einzelnen "Judenhäusern" systematisch gesteigert. Pro Haushalt stand den Menschen nur noch ein Raum zur Verfügung, bei gemeinsamer Benutzung der Toiletten und sanitären Anlagen. Die Auswahl der Häuser und die zwangsweise Einweisung der Betroffenen erfolgte durch das städtische Wohnungsamt, ab 1941 auch durch die jüdische Gemeinde selbst. Den in den Häusern wohnenden "Ariern" wurden Ersatzwohnungen angeboten, einige wenige der nichtjüdischen Mieter nahmen dieses Angebot jedoch nicht an und wollten weiter mit ihren jüdischen Nachbarn zusammen in einem Haus wohnen.

Das kriegszerstörte Haus Im Lörenkamp 2 Anfang der 50er Jahre

Das kriegszerstörte Haus Im Lörenkamp 2 Anfang der 50er Jahre

Im Jahr 1942 gab es in Gelsenkirchen insgesamt 43 so genannter "Judenhäuser", eines davon befand sich Im Lörenkamp 2 / Ecke Kirchstrasse 15. So wurden auch in das Haus Im Lörenkamp 2, dass der Jüdin Rosa Finger gehörte, ab 1939 weitere jüdische Personen eingewiesen.

Die Witwe Rosa Finger betrieb im Haus Lörenkamp 2 ein Möbelgeschäft, sie war auch Eigentümerin des angrenzenden Hauses Kirchstrasse 15. Das Adressbuch der Stadt Gelsenkirchen aus dem Jahre 1942 verzeichnet für das Haus Im Lörenkamp 2 folgende jüdische Mieter und Mieterinnen: die Witwe Rachel Leja Finger (nach Palästina emigriert), Isidor Kahn, geboren am 22. Februar 1872, er wurde am 27. Januar 1942 ab Gelsenkirchen verschleppt und im Ghetto Riga am 2. November 1943 ermordet. Die Familie Liebenthal, bestehend aus: Moritz Moses, geboren am 11. April 1889, Ruth, geborene Kahn, geboren am 1. August 1905, Werner, geboren am 8. Dezember 1932 und Chana geboren am 4. Oktober 1938. Alle Mitglieder der Familie Liebenthal wurden am 27. Januar 1942 ab Gelsenkirchen deportiert und im Ghetto Riga ermordet. Im Lörenkamp 2 wohnte auch die Witwe Julie Herrmanns, hier sind Verfolgungsschicksal und die lebensgeschichtlichen Eckdaten bisher nicht bekannt.

Weitere Bewohnerinnen waren laut der Liste der jüdischen Kultusgemeinde vom 4. Juni 1946, betr. Deportation vom 27. Januar 1942: Sara Spiegel, gebore Finger geboren am 23. Oktober 1904, verheiratet, und Ruth Spiegel, geboren am 16. November 1937. Beide sind laut dieser Liste im Januar 1942 geflohen und spurlos verschwunden. Verschiedene Quellen berichten, das ihnen später die Emigration nach Palästina geglückt ist.

Im Versteck überlebt

Nichtjüdische ehemalige Bewohnerinnen des Hauses haben nun gemeinsam die Patenschaft für einen Stolperstein übernommen. Die ehemaligen Bewohnerinnen erzählten, das in dem Haus hinter einer Holzverkleidung im Treppenhaus längere Zeit ein jüdisches Mädchen versteckt worden ist:

"Wir mussten uns damals sehr still verhalten, wenn wir vom Spielen zurückkamen und durch das Treppenhaus liefen, um die Situation dem Kind hinter der Holzverkleidung nicht noch schwerer zu machen, da es nicht die Möglichkeit hatte, draußen zu spielen. Kurz nach dem Krieg hat meine Mutter dieses Mädchen in Gelsenkirchen wiedergetroffen. Sie sind gemeinsam in ein Café gegangen und haben sich über die schrecklichen Begebenheiten in den Kriegsjahren unterhalten. Meine Eltern haben damals bei Rosa Finger ihre Schlafzimmermöbel gekauft. Es waren übrigens sehr stabile und schöne im Vergleich zu anderen Möbeln in der damaligen Zeit. Ich besitze heute noch die Wäschetruhe und zwei Stühle daraus" erzählte uns eine der damaligen Bewohnerinnen des Hauses im Lörenkamp 2.

Stolpersteine machen uns auf die Verfolgungschicksale ehemaliger Bewohner und Bewohnerinnen unserer Stadt, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, aufmerksam. Die Stolpersteine sollen Teil unseres Alltags werden und uns daran erinnern, dass Vergleichbares nie wieder passieren darf und wir alle dafür gefordert sind. Für die Familie Liebenthal sollen ebenfalls Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt werden, auch für diese Stolpersteine können noch Patenschaften übernommen werden. Interessierte wenden sich bitte an den Arbeitskreis Stolpersteine in Gelsenkirchen.


Stolpersteine für homosexuelle Männer aus Gelsenkirchen

Paragraph 175

Paragraph 175. Im Jahr 2002 hat sich der Deutsche Bundestag offiziell bei den homosexuellen Opfern des Nazi-Regimes entschuldigt und mit einer Ergänzung des NS-Aufhebungsgesetzes symbolisch alle Urteile aus der NS-Zeit aufgehoben.

12. Juli 2010. In nächster Zeit werden in Gelsenkirchen Stolpersteine für homosexuelle Männer, die während der NS-Zeit verfolgt und von den Nazis ermordet wurden, verlegt. Dem Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen liegen nun Namen und Verfolgungsschicksale von Männern vor, die wegen ihrer Homosexualität von den Nazis entrechtet, gedemütigt und ermordet wurden. Die Nazis sahen männliche Homosexualität als ein "entartetes Verhalten an, das die Leistungsfähigkeit des Staates und den männlichen Charakter des deutschen Volkes bedrohe". Homosexuelle Männer wurden oftmals als "Volksfeinde" denunziert. Sie wurden beschuldigt, die öffentliche Moral zu zerrütten und die Geburtenrate in Deutschland zu gefährden. Hunderttausende homosexuelle Männer wurden durch den NS-Staat erfasst und verfolgt, annähernd 10.000 von ihnen wurden ermordet, darunter auch Männer aus Gelsenkirchen.

Jürgen Wenke, Vorsitzender des Vereins Rosa Strippe e.V. in Bochum, übernimmt die Patenschaft für einen Stolperstein, der an einen Menschen aus Gelsenkirchen erinnern wird, der wegen seiner Homosexualität von den Nazis verfolgt und ermordet wurde. In Kooperation mit Jürgen Wenke - der in Kürze die Gedenkstätte Buchenwald besuchen wird - werden wir gemeinsam weitere Verfolgungschicksale homosexueller Männer mit Bezug zu Gelsenkirchen recherchieren und dokumentieren.


Weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt 

Stolperstein-Verlegung am 22. Juni 2010 in Gelsenkirchen, Wildenbruchstraße

Stolperstein-Verlegung am 22. Juni 2010 in Gelsenkirchen, Wildenbruchstraße

Für Helene Lewek wurde ein zweiter Stolperstein am ehemaligen Standort der Ausstellungshalle an der Wildenbruch-straße verlegt. Hier mußte dem Gehweg-pflaster mit schwerem Gerät zu Leibe gerückt werden. Ulrich Hildebrand von Straßen.NRW stellte uns freund-licherweise den dazu notwendigen Stromanschluß zur Verfügung.

22. Juni 2010. Heute, am 69. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, wurden in Gelsenkirchen Stolpersteine verlegt. Ursprünglich sollte die Verlegung dieser Stolpersteine im Februar stattfinden. Der anhaltende starke Frost verhinderte seinerzeit jedoch die Verlegung. Die verbliebenen 9 Stolpersteine wurden heute an sechs Verlegeorten in das Pflaster der Gehwege eingelassen. Begleitet wurden die Verlegungen auch von Mitgliedern des jüdischen Kulturvereins KINOR. Die Gründerin des Vereins, Elena Gubenko, hat die Patenschaft für den Stolperstein übernommen, der am Neustadtplatz 6 an Helene Lewek erinnert.

Die Nazis hatten die Ausstellungshalle 1942 als "Juden-Sammellager" für den ersten Todestransport aus Gelsenkirchen nach Riga am 27. Januar 1942 genutzt. Auch Helene Lewek wurde dort eingepfercht. Die unmittelbar bevorstehende Deportation veranlasste sie, noch in dem Sammelager die Flucht in den Tod zu wählen. Kantor Yuri Zemski betete an der Wildenbruchstrasse für alle NS-Opfer, die aus dem "Sammellager" in den Tod deportiert wurden.

Weitere Verlegeorte waren an der Augustastrasse 7, dort erinnern nun zwei Stolpersteine an die Schwestern Zorek. An der Bochumer Strasse 45 wurde ein Stolperstein für Hulda Silberberg, die wie Helene Lewek die Flucht in den Tod wählte, verlegt. An der Kurt-Schumacher-Strasse 10 wird mit drei Stolpersteinen an die Familie Haase erinnert. Für den Widerständler Paul Bukowski wurde der Stolperstein an der Zollvereinstrasse 4 verlegt. Projektleiterin Heike Jordan verlas die Verfolgungschicksale der Menschen.

Leo Farnin, ein jüdischer Steinmetz aus der Ukraine, bereitete die Verlegestellen durch Aufbrechen des Gehwegpflasters vor und führte die ergänzenden Pflasterarbeiten aus. Die Stolpersteine selbst wurden dann von Andreas Jordan (Gelsenzentrum e.V.) verlegt. "Bei den symbolischen Verlegungen im Februar hat Gunter Demnig mir diese Aufgabe übertragen" sagte Jordan, und weiter: "Es ist eine besondere Ehre für mich, selber Stolpersteine verlegen zu dürfen". Der Kantor Yuri Zemski sang an vier Verlegeorten das Gebet "El Male Rachamim". Die heutige Stolperstein-Verlegung wurde videografisch von Jesse Krauß und fotografisch von Werner Neumann begleitet.


Gelsenkirchen: 9 Stolpersteine werden verlegt

8. Juni 2010. Am 22. Juni 2010 werden in Gelsenkirchen an sechs Orten STOLPERSTEINE des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt, die an einst hier lebende Menschen erinnern sollen. Die STOLPERSTEINE konnten im Februar wegen dem anhaltenden Frost nicht verlegt werden. Es werden am 22. Juni insgesamt 9 STOLPERSTEINE in der nachfolgend aufgeführten Reihenfolge im Abstand von jeweils etwa 30 Minuten in den Boden eingelassen.

An der Augustastrasse werden um 8:00 Uhr zwei STOPLPERSTEINE für Margit und Annemarie Zorek verlegt. Die Schwestern wohnten in der Hausnummer 7. Im Januar 1942 wurden Margit und Annemarie Zorek nach Riga deportiert. Im Juli 1944 bei einer der "Aktionen" des Dr. Krebsbach wurden die Geschwister im KZ Kaiserwald ermordet.

An der Bochumer Strasse 45 lebte Hulda Silberberg. Hier wird ein STOLPERSTEIN daran erinnern, dass Hulda Silberberg angesichts der bevorstehenden Deportation im Januar 1942 die Flucht in den Tod wählte.

Am Neustadtplatz 6 (Früher Moltkeplatz) wird der STOLPERSTEIN verlegt, der an Helene Lewek erinnern wird, die dort einst gewohnt hat. Helene Lewek wählte im Sammellager an der Wildenbruchstrasse unmittelbar vor der Deportation im Januar 1942 die Flucht in den Tod. Am Standort des Sammellagers (ehemalige Ausstellungshalle) an der Wildenbruchstrasse wird ein STOLPERSTEIN an ihren Tod erinnern.

An der Kurt-Schumacher-Strasse 10 (früher Kaiserstrasse) wohnte die Familie Haase. Das Haus der Familie steht heute nicht mehr. Sally Haase wurde 1938 verhaftet und im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er floh nach der Entlassung nach Belgien und weiter nach Frankreich. Dort wurde er über das KZ Drancy 1942 nach Auschwitz verschleppt, wo er 1944 ermordet wurde. Tochter Margot konnte mit der Hilfe von Verwandten in die USA emigrieren. Ehefrau Carola und die Kinder Bernd und Ingrid wurden im Januar 1942 nach Riga, dann in das KZ Stutthof verschleppt und dort 1945 ermordet. Bernd überlebte und emigrierte 1947 in die USA.

An der Zollvereinstrasse 4 wird mit der Verlegung eines STOLPERSTEINS an den dort einst lebenden Paul Bukowski erinnert. Am 7. August 1943 wurde Paul Bukowski als Mitglied einer Widerstandsgruppe vom "Volksgerichtshof" wegen “Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit Feindbegünstigung” zum Tode verurteilt und am 20. April 1944 in Plötzensee hingerichtet.


Weitere STOLPERSTEINE werden verlegt

6. Juni 2010. "Mir war es immer wichtig, alle Opfergruppen einzubeziehen", sagt Gunter Demnig. "Dazu gehören Juden, Zigeuner, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer gleichermaßen". So wird bei der nächsten Verlegeaktion von Gunter Demnigs STOLPERSTEINEN in Gelsenkirchen an jüdische NS-Opfer, an Zeugen Jehovas, an Widerständler und an ein Opfer der NS-Kindereuthanasie vor den letzten Wohnorten der Verfolgten erinnert. Der Arbeitskreis hat nach umfangreichen Recherchen Dokumentationen der Verfolgungschicksale erarbeitet.


Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist

13. Mai 2010. In Gelsenkirchen sind in den letzten Tagen weitere STOLPERSTEIN-Patenschaften für das jüdische Ehepaar Moritz und Toni Meyer sowie den Widerständler Fritz Rahkob übernommen worden.


Die Familie Tepper

11. Mai 2010. Salomon Tepper lebte zusammen mit seiner Familie in Gelsenkirchen, bis die Nazis ihn im Zuge der so genannten "Euthanasie-Aktion" in die Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn einwiesen. Auf Anordnung des Reichsministerium des Inneren wurden 1940 alle jüdischen Patienten und Patientinnen, die in Heil- und Pflegeanstalten des Deutschen Reiches untergebracht waren, in Bendorf-Sayn bei Koblenz zusammengefasst. Nachdem die "Euthanasie-Aktion" im August 1941 "offiziell" eingestellt worden war, erfolgte ab 1942 die Verschleppung der jüdischen Patienten und Patientinnen in die Vernichtungslager im besetzten Osteuropa.

So wurde auch Salomon Tepper Ende April zusammen mit anderen Menschen von Bendorf-Sayn in das Ghetto Krasniczyn deportiert. Seine Frau und seine beiden Töchter wurden in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet. Ein Sohn konnte in die USA flüchten. Für die jüdische Familie Tepper sollen bald an ihrem letzten Wohnort in Gelsenkirchen STOLPERSTEINE verlegt werden.

Erschlagen, erschossen und zertreten

10. Mai 2010. Mit diesen Worten beschrieb Zeitzeugin Rosa Eck in Ihren lebensgeschicht-lichen Erinnerungen den Mord an Erich Lange. Bei den nächsten Verlegungen in Gelsenkirchen soll nun der STOLPERSTEIN für Erich Lange verlegt werden. Für diesen STOLPERSTEIN ist bereits eine Patenschaft übernommen worden. Erich Lange wurde am Rundhöfchen in der Gelsenkirchener Innenstadt von SS-Leuten in der Nacht vom 21/22. März 1933 ermordet. Erich Lange, der bis 1932 Mitglied der Schutzstaffel der NSDAP (Abkürzung SS) war, hatte sich frühzeitig gegen die Nationalsozialisten gestellt und wurde Mitglied der KPD und des "Kampfbundes gegen den Faschismus". Die Nazis sahen das als "Verrat" an und ermordeten Erich Lange.


Plötzlich war die Iri verschwunden

9. Mai 2010: "Wir haben als Kinder zusammen gespielt" erzählt Ingrid Sauerbaum, die Patin für den STOLPERSTEIN, der Astrid Steiner gewidmet werden soll. Und weiter: "Plötzlich war die Iri, wie wir sie nannten, nicht mehr da. "Sie ist in ein Krankenhaus gekommen" sagte ihre Mutter damals. Nie habe ich meine Spielkameradin wiedergesehen".

Nach den Recherchen des Arbeitskreises STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen ist Astrid Steiner zunächst wegen "mongoloider Idiotie" im März 1942 im Alter von 9 Jahren in die Provinzialheilanstalt Aplerbeck eingewiesen worden, im September 1943 wurde sie in die Provinzialheilanstalt Marsberg verlegt. Dort verstarb sie lt. der Patientenakte infolge "Herzschwäche bei angeborener Körperschwäche". Für Astrid "Iri" Steiner soll ein STOLPERSTEIN an der Polsumer Strasse 158 in Gelsenkirchen verlegt werden.


Ein Stein, ein Name, ein Mensch - STOLPERSTEINE werden verlegt

3. Mai 2010. Im Februar verhinderte der strenge und anhaltende Frost die Verlegung von STOLPERSTEINEN. Lediglich vier der ursprünglich geplanten 13 STOLPERSTEINE konnten am 9. Februar verlegt werden, die verbliebenen STOLPERSTEINE sollen nun am 22. Juni 2010 verlegt werden.

Der Arbeitskreis STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen hatte sich im Februar an das Gelsenkirchener Tiefbauamt gewandt und um Mithilfe bei den Verlegungen der verbliebenen STOLPERSTEINE gebeten. Die STOLPER-STEINE sollten in Absprache mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig durch den Initiator des Projektes in Gelsenkirchen zu einem späteren Zeitpunkt verlegt werden. Der Arbeitskreis STOLPERSTEINE Gelsenkirchen wandte sich dann an das hiesige Tiefbauamt und erbat Hilfestellung beim Aufbrechen der Gehweg-Pflasterung, das wurde bisher unter Hinweis auf die angespannte Haushaltslage und der dünnen Personaldecke im Tiefbauamt seitens der Stadt abgelehnt.

Nach Protesten verschiedener STOLPERSTEIN-Initiativen aus anderen Städten der Bundesrepublik gegen die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung stellte Oberbürgermeister Baranowski dann Anfang März eine Prüfung der bisherigen Ablehnung in Aussicht, Zitat: (...) "Wir schauen unter diesem Gesichtspunkt noch einmal, ob es nicht doch einen Ansatz gibt, zu helfen." (...)

Nach einer daraufhin erfolgten Rückfrage des Arbeitskreises an den zuständigen Abteilungsleiter beim Gelsenkirchener Tiefbauamt Mitte März und erfolgten Planungsänderungen in der Sache ist eine zugesagte Antwort seitens des Tiefbauamtes leider bis heute ausgeblieben. Die Verlegungen im Juni werden nun mit der handwerklichen Hilfe eines Steinmetzes vorgenommen, der das Projekt STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen ehrenamtlich unterstützt.


Hilden: Ein STOLPERSTEIN für Tobias Kopf

STOLPERSTEIN für Tobias Kopf in Hilden.

14. April 2010.: Tobias Kopf wurde am 2. Februar 1883 in Rozniatowo (Galizien) geboren und kam 1902 nach Deutschland. 1913 kam er mit seiner Familie nach Hilden, wo er mit seiner Frau ein Schuhgeschäft führte. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten übertrug Tobias Kopf das Geschäft 1929 auf seine Frau. Durch die 1933 erlassenen "Nürnberger Gesetze" wurde die wirtschaftliche Situation der Familie Kopf zusehends schlechter. So konnte auch die Familie ab 1933 ihr Schuhgeschäft nicht weiterführen, erschwerend kam noch hinzu, dass sie polnische Staatsbürger waren. Eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung wurde im Mai 1934 vom Landrat daran geknüpft, dass die vorhandenen Steuerrückstände zu begleichen seien. Deshalb mußte Tobias Kopf Arbeit suchen.

Er verließ Hilden und ging nach Gelsenkirchen, wo er ab 1935 gemeldet war. Seine Familie blieb jedoch in Hilden. Sophie Kopf heiratete im März 1938 in Hilden Kurt Israel und wanderte unmittelbar danach zu den Schwiegereltern nach Amsterdam aus. Von dort wurde sie nach dem Einmarsch der Deutschen 1942 deportiert und am 31.08.1942 in Auschwitz ermordet.

Als Rache für die Erschießung des Nazi-Diplomaten Ernst Eduard vom Rath durch einen jungen Emigranten aus Deutschland, wies die Regierung des Dritten Reichs 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus Deutschland aus. Die so genannten "Ostjuden" wurden am 28. und 29. Oktober 1938 im Rahmen der so genannten "Polen-Aktion" über Nacht nach Polen abgeschoben. Die Nazis machten sich dabei eine Verordnung der polnischen Regierung vom 6. Oktober 1938 über die Gültigkeitsdauer polnischer Pässe zunutze. Da diese Juden nicht nach Polen hereingelassen wurden, irrten die Ausgewiesenen lange an der polnischen Grenze in der Gegend von Bentschen (Zbaszyn) umher.

Bereits Ende Januar 1939 kam es auf diplomatischen Kanälen zu einem Agreement zwischen deutscher und polnischer Regierung über eine kurzfristige Rückkehr-Erlaubnis für einige der Deportierten. Diese sollten Gelegenheit erhalten, persönliche Vermögensverhältnisse (meist vor dem Hintergrund von "Arisierungen") abzuwickeln. Marianne Kopf kam noch einmal Anfang Juli 1939 nach Hilden, seit dem 6. Juli 1939 gilt sie als verschollen.

Tobias Kopf verlegte seinen Lebensmittelpunkt dann ganz nach Gelsenkirchen, zumal er dort Verwandschaft hatte. Am 27. Januar 1942 wird Tobias Kopf zusammen mit rund 350 anderen Gelsenkirchener Juden nach Riga deportiert. Sein Name steht in der Deportationsliste vom 27. Januar 1942, letzte Wohnanschrift: Schalkerstrasse 51. In einer Liste der Jüdischen Kultusgemeinde Gelsenkirchen vom 4. Juni 1946 wird dokumentiert, dass Tobias Kopf, geb. am 2.2.83 in Rozniatow, verh., im November 1943 ermordet worden ist. (lt. Gedenkbuch BA Riga, Ghetto)

Im Juli 2009 verlegte Gunter Demnig in Hilden drei STOLPERSTEINE für Angehörige der jüdischen Familie Kopf. Diese drei STOLPERSTEINE bringen die Ermordeten symbolisch wieder an ihren Wohn- und Heimatort zurück.


STOLPERSTEINE für Zeugen Jehovas

3. April 2010. Zum Gedenken an eine weitere Gruppe von Opfern des Nationalsozialismus sollen bei der nächsten Verlegeaktion von STOLPERSTEINEn auch vier STOLPERSTEINE für Zeugen Jehovas in Gelsenkirchen verlegt werden. Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas (bis 1931 unter dem Namen "Bibelforscher" bekannt) verweigerte jede Zusammenarbeit mit dem NS-Staat, so auch den so genannten "Hitlergruß" und die Wehrpflicht und wurde schließlich 1933 verboten. Mehr als 13.000 Zeugen Jehovas wurden von den Nazis in den Konzentrationslagern inhaftiert, annähernd 2.000 wurden ermordet.

Mit Unterstützung des Zentralarchivs der Zeugen Jehovas in Deutschland konnten jetzt vier NS-Verfolgungsschicksale von Mitgliedern der Religionsgemeinschaft mit Lebensmittelpunkt Gelsenkirchen dokumentiert werden. In Gelsenkirchen erinnerte bislang kein Denk- oder Mahnmal an die Verfolgung und Ermordung von Zeugen Jehovas aus unserer Stadt.

→ Verfolgung und Ermordung von Gelsenkirchener Zeugen Jehovas


Tiefbauamt Gelsenkirchen sieht bisher keine Möglichkeit der Mithilfe

Auch der STOLPERSTEIN für Helene Lewek wartet auf seine Verlegung. Am 9. Februar 2010 konnte der STOLPERSTEIN für Helene Lewek am Verlegeort nur symbolisch niedergelegt werden.

Auch der STOLPERSTEIN für Helene Lewek wartet auf seine Verlegung. Am 9. Februar 2010 konnte der STOLPERSTEIN für Helene Lewek am Verlegeort nur symbolisch niedergelegt werden.

31. März 2010. Wir berichteten am 27.2.2010 erstmalig darüber: Nachdem aufgrund der anhaltenden Frostperiode am 9. Februar 2010 von 13 STOLPERSTEINEn nur 4 der Mahnmale verlegt werden konnten, hat sich der Arbeitskreis STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen an Herrn Stappert (Abteilungsleiter Strassenbau) gewandt und Mithilfe durch das Tiefbauamt bei der Nachverlegung der verbliebenen 9 STOLPERSTEINE erbeten. Es soll an sechs Verlegeorten das Pflaster der Gehwege aufgenommen werden, so dass die nur 10×10 cm großen STOLPERSTEINE von Gelsenzentrum e.V. verlegt werden können. Das wurde bisher unter Hinweis auf finanzielle und personelle Engpässe vom Tiefbauamt der Stadt Gelsenkirchen abgelehnt. Daraufhin wurden von verschiedenen STOLPERSTEIN-Initiativen in ganz Deutschland Protestnoten an den Gelsenkirchener Oberbürgermeister Baranowski gesandt. Dieser stellte dann Anfang März in Aussicht, man wolle in der Sache “noch einmal schauen, ob es nicht doch einen Ansatz gibt, zu helfen.” Eine daraufhin erfolgte erneute Anfrage seitens der örtlichen Initiatoren des STOLPERSTEIN-Projekts in Gelsenkirchen an die zuständige Abteilung des Tiefbauamtes blieb bisher ohne Antwort.

In rund 95% aller Kommunen unterstützen die Tiefbauämter das Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, nicht so in Gelsenkirchen. In einer Stadt, die händeringend um Imagepflege bemüht ist, sieht man sich mit fadenscheinigen Begründungen außerstande, das größte dezentrale Holocaust-Mahnmal durch die Mithilfe des Tiefbauamtes zu unterstützen, obwohl Gelsenkirchen durch die bereits verlegten STOLPERSTEINE ein Teil dieses Gedenkprojektes geworden ist.

Bei allem Verständnis für die angespannte Haushaltslage der Stadt Gelsenkirchen, wir reden hier von einem relativ geringen Arbeits- und Zeitaufwand. Die Verlegeorte sind an der Zollvereinstrasse, der Kurt-Schumacher-Strasse, der Bochumer Strasse, an der Wildenbruchstrasse, dem Neustadtplatz und der Augustastrasse. Sie liegen somit in einem räumlich und zeitlich überschaubaren Bereich. Es sollte doch möglich sein, hier entsprechend Hilfestellung bei der Verlegung der STOLPERSTEINE zu geben.


Wider dem Vergessen - Zeitzeugen gesucht

23. März 2010. Wir wollen das Gedenken an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft lebendig halten und suchen Menschen aus Gelsenkirchen, die uns ihre Erlebnisse im so genannten "Dritten Reich" schildern. Menschen, die vom Terror und der Gewalt der Nazis berichten wollen. Wie wurde der nationalsozialistische Alltag erlebt, wie ist man damit umgegangen, wenn Menschen aus dem direkten Umfeld einfach "verschwanden"? Wir haben so viele Fragen - bitte antworten sie uns. Tragen sie mit ihren lebensgeschichtlichen Erinnerungen dazu bei, das die nachfolgende Generationen nicht vergessen mögen, was unter der Hitlerschen Gewaltherrschaft geschah. Sie erreichen uns telefonisch: (0209) 9994676 oder schreiben sie uns eine Email: → STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

Unsere Postanschrift:
Gelsenzentrum e.V.
c/o Jordan
Devenstrasse 111
D-45899 Gelsenkirchen


STOLPERSTEINE: Mit der Zeitzeugin Ingrid Neumann auf Spurensuche

12. März 2010. Als Kind mußte Ingrid Neuman miterleben, wie Ihre jüdischen Spielkameraden zusammen mit den Eltern von den Nazis abgeholt worden sind. "Wir waren Nachbarn der Familie Spiegel, die Kinder Sally und Ruth waren unsere Freunde, wir spielten täglich zusammen im Hof . Eines Tages im Jahre 1942 fuhr plötzlich ein LKW in unsere Hofeinfahrt an der heutigen Kirchstrasse 65 und blieb dort mit laufendem Motor stehen. Männer in brauner Uniform sprangen heraus, zwei der Männer rannten auf den damals zehnjährigen Sally Spiegel und seine fünfjährige Schwester Ruth zu und ergriffen die Kinder. Zwei weitere Braunhemden holten die Eltern aus der Wohnung in der ersten Etage.

Genau hier stand der Lkw mit laufendem Motor, mitten in der Einfahrt, den Zaun gab es damals nicht

"Genau hier stand der Lkw, mitten in der Einfahrt, den Zaun gab es damals nicht" sagt Frau Neumann

Im Eiltempo mussten die Eltern mit wenigen Habseligkeiten versehen unter wüsten Beschimpfungen auf den LKW hochsteigen, die Kinder wurden wie Pakete regelrecht hinterhergeworfen. Ich stand wie versteinert im Hof und beobachtete das Geschehen. Damals konnte ich noch nicht verstehen, was da vor meinen Augen geschah." Der alten Dame ist auch heute noch, 68 Jahre nach diesem Erlebnis, ihr Entsetzen anzusehen.

"Die ganze Zeit lief der Motor des Lastwagens, wohl um die Angstschreie zu übertönen. Ich sehe heute noch den mit seiner Menschenfracht davonbrausenden LKW, in dem unsere Freunde weggebracht wurden. Wir konnten uns ja nicht mal von ihnen verabschieden! Es kam nie wieder ein Lebenszeichen von Sally, Ruth und ihrer Familie. Mein ganzes Leben werde ich diese schrecklichen Szenen nicht vergessen. Mögen sich viele Paten für die STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen und anderswo finden, für all die Menschen, an die kein Grabstein erinnert." Ingrid Neumann will sich dafür einsetzen, das die STOLPERSTEINE des Kölner Künstlers Gunter Demnig bald vor dem Haus Kirchstrasse 65 an die jüdischen Nachbarn von einst erinnern. Der Arbeitskreis STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen recherchiert nun den Lebensweg der Familie Spiegel und will schon bald erste Ergebnisse vorlegen.


Tiefbauamt versagt Mithilfe

27. Februar 2010. Das Gelsenkirchener Tiefbauamt sieht sich außerstande, bei den Vorbereitungen der Verlegeorte für die STOLPERSTEINE des Künstlers Gunter Demnig behilflich zu sein. Im Februar konnten wegen dem anhaltenden Frost nur vier der geplanten 13 STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen verlegt werden. Die übrigen STOLPERSTEINE sollen nun im April durch den Verein Gelsenzentrum gesetzt werden. Im Zuge der Vorbereitungen wandte sich der Initiator des Projektes in Gelsenkirchen, der Horster Andreas Jordan, der auch Vorsitzender des Gelsenzentrum ist, an das zuständige Referat und bat um Mithilfe bei der Arbeit des Pflasteröffnens. In mehr als 95% aller Kommunen, in denen die Mahnmale gegen das Vergessen in das Pflaster der Gehwege eingelassen werden, unterstützen die zuständigen Abteilungen der Tiefbauämter die Aktion, nicht so in Gelsenkirchen.

Begründet wurde die Ablehnung jüngst mit der angespannten Haushaltssituation der Stadt Gelsenkirchen und der dünnen Personaldecke im Tiefbauamt. "Im übrigen gibt es Schwierigkeiten bei der Sicherung der vorbereiteten Verlegorte", so die Begründung des Tiefbauamtes, und weiter "Man sehe keine Möglichkeit, das Projekt STOLPERSTEINE in Gelsenkichen dahingehend zu unterstützen." Lediglich die kostenlose Bereitstellung von Pflastersteinen zum Auffüllen der Verlegestellen wurde angeboten. "Das Material können Sie sich vom Baufhof bei Bedarf abholen" so der zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Andreas Jordan dazu: "Diese Haltung gegenüber dem größten dezentralen Mahnmal der Welt in einer Stadt wie Gelsenkirchen, die händeringend um Imagepflege bemüht ist, ist sicherlich kein Ruhmesblatt für unsere Stadt".


Flyer STOLPERSTEINE Gelsenkirchen 2010

25. Februar 2010. Der neue Flyer der STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen jetzt hier zum Download und ausdrucken!

→ STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen


STOLPERSTEINE symbolisch verlegt 

Frost erschwert Verlegung - neuer Termin folgt

9. Februar 2010. Vier STOLPERSTEINE hat Gunter Demnig heute in Gelsenkirchen verlegt. Der anhaltende Bodenfrost machte die geplante Verlegung von neun weiteren STOLPERSTEINEn für den heutigen Tag erst einmal zunichte. Diese neun STOLPERSTEINE sollen nun in Kürze nach der zu erwartenden Wetterbesserung verlegt werden. "Einen neuen Verlege-Termin werden wir frühzeitig bekantgeben" - so eine Sprecherin der STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen.

Mit schwerem Gerät rückte Gunter Demnig dem gefrorenen Boden vor dem Turm der Zeche Nordstern zu Leibe

Mit schwerem Gerät rückte Gunter Demnig heute dem gefrorenen Boden vor dem Förderturm der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst zu Leibe.

Die erste Verlegung konnte heute morgen bei leichtem Schneefall und Minustemperaturen in unmittelbarer Nähe des Schachtgerüstes der ehemaligen Zeche Nordstern in Horst mit dem Einsatz eines schweren elektrischen Bohrhammers im warsten Sinne des Wortes gestemmt werden. Gunter Demnig mühte sich redlich, den hartgefrorenen Boden für die Verlegung des STOLPERSTEINS für den belgischen Zwangsarbeiter Charles Ganty vorzubereiten. Ganty, der aus Jumet in der Nähe von Charleroi in Belgien stammte, wurde 1940 als Zivilarbeiter nach Deutschland "dienstverpflichtet". Er war ab Januar 1941 als Zwangsarbeiter auf der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst eingesetzt.

Wegen Arbeitssabotage von der Gestapo zunächst in ein so genanntes "Arbeitserziehungslager" eingewiesen, wurde Ganty nach Verpflichtung zu politischem Wohlverhalten im Sinne der Nazis zunächst entlassen und wegen kritischer Äußerungen am 31. August 1942 erneut festgenommen. Er wurde schließlich am 21. Mai 1943 vom "Volksgerichtshof" zum Tode verurteilt und am 7. September 1943 in Plötzensee ermordet. An den nächsten geplanten Verlegeorten an der Zollvereinstaße 4, Kurt-Schumacher-Straße 10, Bochumer Straße 45, Neustadtplatz 6, Wildenbruch-straße und Augustastraße 7 wurden die STOLPERSTEINE lediglich symbolisch verlegt, der durchgefrorene Boden ließ die Verlegung der STOLPERSTEINE einfach nicht zu. Unterstrichen wurden die symbolischen Verlegungen durch das niederlegen einer weißen Rose.

An der Hauptstrasse 16 kam dann der Bohrhammer erneut zum Einsatz und so konnten dann die drei STOLPERSTEINE für Angehörige der jüdischen Familie Grüneberg, die hier einst lebte und arbeitete, in das Pflaster eingelassen werden. Der Gelsenkirchener Kantor Yuriy Zemskyi betete singend ein jüdisches Totengebet, das El male Rachamim für die Ermordeten der Familie Grüneberg. Eine Dortmunderin, die auch eine Patenschaft für einen STOLPERSTEIN übernommen hatte, verlas das Verfolgungsschicksal der Familie Grüneberg. Die einzig überlebende der Familie, Lore Buchheim geborene Grüneberg, lebt heute 85jährig in den USA.


Vortrag in der "flora" 

Gunter Demnig beantwortet die Fragen der ZuhörerInnen

Bild: Gunter Demnig beantwortet die Fragen der ZuhörerInnen

08. Februar 2010. Gestern Abend hielt Gunter Demnig einen Vortrag in der Gelsenkirchener "flora". Eindrucksvoll beschrieb der Kölner Künstler seinen künstlerischen Werdegang und sein Projekt STOLPERSTEINE gegen das Vergessen, das mittlerweile zu seinem Lebenswerk geworden ist. Annähernd 23.000 STOLPERSTEINE hat Demnig mittlerweile flächenbündig in die Gehwege vieler europäischer Länder eingelassen. Das Projekt STOLPERSTEINE hat sich so zum größten dezentralen Mahnmal der Welt entwickelt - Gelsenkirchen ist seit der ersten Verlegung von STOLPERSTEINEN im Sommer 2009 ein Teil dieses Mahnmals.

Von links: Heike und Andreas Jordan  und Gunter Demnig

Von links: Heike Jordan, Initiator Andreas Jordan und Gunter Demnig, geistiger Vater des Projekts STOLPERSTEINE gestern Abend im Gelsenkirchener Kulturzentrum "flora"

Im Anschluss an den Vortrag stellten interessierte BesucherInnen Fragen zum Projekt STOLPERSTEINE, die der Kölner Künstler Gunter Demnig gerne beantwortete. Weitere Patenschaften für die STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen sind im Anschluß an den Vortrag übernommen worden.

Am Rande: Bei der Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsort für einen Vortrag von Gunter Demnig hatte sich der Arbeitskreis des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum entschieden, das soziokulturelle Zentrum "die flora" in Gelsenkirchen anzufragen. Üblicherweise steht diese Einrichtung der Stadt Gelsenkirchen den lokalen Trägern freier Kulturarbeit, Vereinen und Initiativen zur Verfügung.

Unsere Anfrage, die auch die Vorstellung unseres Vereins und Eckdaten zur geplanten Veranstaltung enthielt, wurde jedoch von der Leiterin der Einrichtung, Frau Apfeld, mit den Worten "Sie bekommen "die Flora" nicht" ohne Angabe von Gründen abgewiesen. "(...) der Betreiber eines lokales Internetforums oder der ehemalige Kulturdezernent Rose könne "die flora für" den Vortrag von Demnig buchen", so Frau Apfeld weiter. Daraufhin wandten wir uns hilfesuchend mit der Bitte, diese für uns nicht nachvollziehbare Entscheidung zu prüfen, an Oberbürgermeister Baranowski. Kurze Zeit später erhielten wir dann ein Schreiben von dem Kulturdezernenten Dr. Beck, in dem dieser mitteilte, dass Frau Apfeld angewiesen wurde, mit uns Kontakt aufzunehmen, um die Modalitäten einer Anmietung für den Abend mit Gunter Demnig zu klären. Auch daran wird wieder einmal deutlich, wie von verschieden Seiten versucht wird, die Umsetzung des Projektes "Stolpersteine in Gelsenkirchen" zu behindern.


Zwei STOLPERSTEINE für Helene Lewek

07. Januar 2010. Für Helene Lewek werden am 9. Februar 2010 zwei STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen verlegt. Ein STOLPERSTEIN wird am Standort der ehemaligen Ausstellungshalle an der Wildenbruchstrasse verlegt, dort entzog sich Helene Lewek der Deportation, in dem Sie die Flucht in den Tod wählte. Dieser STOLPERSTEIN wird auch an die jüdischen Menschen aus Gelsenkirchen erinnern, die in der Ausstellungshalle gesammelt wurden, bevor man Sie am 27. Januar 1942 nach Riga in Lettland deportierte. Die meisten von ihnen wurden in Riga von den Nazis ermordet, nur einige wenige überlebten das Grauen. Der zweite STOLPERSTEIN wird am letzten selbstgewählten Wohnort von Helene Lewek am damaligen Moltkeplatz 6, dem heutigen Neustadtplatz 6, verlegt.


Jeder Name ist ein Mensch, jeder Name ist eine Seele

21. Dezember 2009. Passanten können sie nur mit gesenktem Blick identifizieren: die STOLPERSTEINE des Künstlers Gunter Demnig. 20.000 Stück gibt es mittlerweile in Europa. Ein STOLPERSTEIN ist eine Erinnerung an ein Leben, dass das NS-Regime ausgelöscht hat. Der Arbeitskreis STOLPERSTEINE des gemeinnützigen Vereins GELSENZENTRUM e.V. wird am 9. Februar 2010 weitere STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen verlegen lassen.

Andreas Jordan, Initiator des Arbeitskreises STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen, dem jüngst für seine Gedenkarbeit von Yad Vashem gedankt wurde: "2009 haben wir die ersten sechs Stolperteine in Gelsenkirchen verlegt, der Arbeitskreis STOLPERSTEINE des GELSENZENTRUM e.V. recherchierte weitere Lebensschicksale von NS-Opfern aus unserer Stadt, so dass im Februar 2010 durch Gunter Demnig, dem Vater des Projektes weitere zwölf STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen verlegt werden können". Die Messing-Gedenktafeln werden flächenbündig in die Gehwege vor den Häusern, in denen die Menschen einst gelebt haben, eingelassen. "Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen über die STOLPERSTEINE. Und wenn du den Namen lesen will, muss du dich vor dem Opfer automatisch verbeugen", so der Kölner Künstler Gunter Demnig. Finanziert werden die STOLPERSTEINE durch Patenschaften, die von Privatleuten, Institutionen, Firmen, Vereinen und Verbänden übernommen werden können.

Am 9. Februar 2010 werden in Gelsenkirchen STOLPERSTEINE für diese Menschen verlegt:

Charles Ganty
Verlegeort : Am Bugapark 1 - 9:00 Uhr

Paul Bukowski
Verlegeort: Zollvereinstrasse 4 - 9:20 Uhr

Sally Haase, Carola Haase, geborene Cossmann und Ingrid Haase
Verlegeort: Kurt-Schumacher-Strasse 10 - 9:40 Uhr

Hulda Silberberg
Verlegeort: Bochumer Strasse 45 - 10:00 Uhr

Helene Lewek
Verlegeort: Neustadtplatz 6 - 10:10 Uhr
Verlegeort: Ehem. Ausstellungshalle Wildenbruchplatz/Wildenbruchstrasse 31 - 10:20 Uhr

Margit Zorek und Annemarie Zorek
Verlegeort: Augustastrase 7 - 10:40 Uhr

Paul Grüneberg, Helene Grüneberg georene Levy, Helene "Hella" Grüneberg
Verlegeort: Hauptstrasse 16 - 11:00 Uhr

(Die angegebenen Uhrzeiten der jeweiligen Verlegung können ggf. abweichen)


"Mit der Verlegung eines jeden STOLPERSTEINS kehren die Namen der Menschen in unser Bewußtsein zurück. Erst wenn auch die letzten Spuren der Menschen vergessen sind, haben die Mörder von damals ihr Werk vollendet."

Heike Jordan, Projektleiterin des Arbeitskreises STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen


Vortrag: STOLPERSTEINE gegen das Vergessen

5. Dezember 2009. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat die Einladung des gemeinnützigen Vereins GELSENZENTRUM E. V. angenommen und wird über die Entwicklung seines Projektes "STOLPERSTEINE - gegen das Vergessen" sprechen. Der Vortrag ist auch Auftakt für die am nachfolgenden Tage in Gelsenkirchen stattfindenden STOLPERSTEIN-Verlegungen. Vortragsdauer ca. 50 Minuten. Anschließend besteht die Möglichkeit, dem Künstler Gunter Demnig Fragen zum Gesamtprojekt zu stellen.

Veranstaltungsbeginn: 8. Februar 2010, 19:00 Uhr

Veranstaltungsort: Kulturraum "die flora", Gelsenkirchen, Florastraße 26

Voranmeldung erforderlich! Per Telefon unter 0209 9994676 oder per Email an a.jordan@gelsenzentrum.de

Veranstalter: GELSENZENTRUM e.V.


Düsseldorf: Jüdische Gemeinde ehrt STOLPERSTEINE-Künstler Gunter Demnig

Gunter Demnig am 13. Juli 2009 in Gelsenkirchen

Gunter Demnig sagt: "Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen über die STOLPERSTEINE. Und wenn man den Namen lesen will, muss man sich vor dem Opfer automatisch verbeugen."

23. September 2009. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat am Mittwoch für sein europaweites "STOLPERSTEIN" - Projekt, das an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, die Josef-Neuberger-Medaille erhalten. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ehrt mit der Auszeichnung nichtjüdische Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben.

Demnig verlegt bundesweit, mittlerweile auch europaweit seit mehr als zehn Jahren sogenannte STOLPER-STEINE vor den letzten Wohnungen von NS-Opfern. Auf den kleinen, flächenbündig in den Bürgersteig eingelassenen Messingplatten stehen ihre Namen, das Geburtsjahr und - sofern bekannt - das Schicksal sowie der Todestag. Für Demnig ist "ein Mensch erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist".

In der Begründung stellte die Jury fest: "Mit seinem Projekt erinnert er auf außergewöhnliche und sehr eindringliche Weise an die Opfer des NS-Regimes." Bei einer Feierstunde sagte der Gemeindevorsitzende Juan-Miguel Strauss vor etwa 350 Gästen, dass der Künstler den NS-Opfern ein Stück Würde und Individualität wiedergebe. Der ehemalige Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Werner Schäfke, stellte in seiner Laudatio heraus, dass Demnig mit seiner Aktion direkt in den Alltag der Menschen eingreife und sie mit der Vergangenheit konfrontiere. Die STOLPERSTEINE stünden so im Gegensatz zu anderen Gedenkstätten, die nicht alle Menschen erreichten.

Demnig verlegte 1996 den ersten STOLPERSTEIN in Köln, anfangs noch illegal. Erst im Nachhinein wurde die Aktion von den Behörden genehmigt. Mittlerweile hat der gebürtige Berliner in Europa weit mehr als 20.000 STOLPERSTEINE an mehr als 500 Orten verlegt. In Gelsenkirchen liegen seit dem 13. Juli 2009 die ersten sechs STOLPERSTEINE. Die nach dem ehemaligen nordrhein-westfälischen Justizminister und jüdischen Gemeindemitglied Josef Neuberger (1902-1977) benannte Medaille wird seit 1991 jährlich verliehen. Zu den bisherigen Trägern gehören unter anderem Angela Merkel und die früheren Bundespräsidenten Roman Herzog und Johannes Rau.


Patenschaft übernommen

18. September 2009. Mr. Yehuda Kaplan, USA will die Patenschaft für einen STOLPERSTEIN übernehmen, der Ida Apter gewidmet werden soll. Ida Apter ist bei der Bombardierung der Gelsenberg Benzin AG am 11. September 1944 getötet worden. Sie war von den Nazis aus dem KZ Auschwitz-Birkenau zur Sklavenarbeit in das KZ-Außenlager Buchenwald - dem Gelsenberglager in Horst - deportiert worden.


Patenschaften wurden übernommen

12. September 2009. Mr. Eugene Black, UK hat mir heute im persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass er die Patenschaft für zwei STOLPERSTEINE übernehmen will. Die STOLPERSTEINE werden seinen Schwestern Jolan und Paula Schwartz gewidmet, die Schwestern sind am 11. September 1944 bei einem Bombenangriff auf das KZ-Außenlager Buchenwald - dem Gelsenberglager in Horst - getötet worden. Ihnen war als Jüdinnen der Zutritt zu Bunkern und Splitterschutzgräben verboten.


Gedanken zur STOLPERSTEIN-Verlegung

16. Juli 2009. Pito schreibt: "Ich war mit der Erwartung gekommen, einer kleinen, feierlichen Zeremonie beizuwohnen. Die Stimmung würde ein wenig traurig sein und die Menschen ganz andächtig, aber auch glücklich, über das Zeichen, das hier gesetzt wird. Und so war es im Grunde ja auch, von allem etwas.

Doch dazu kam noch ein ganz anderes, unerwartetes Element. Günther Demnig stellte seine ollen Eimer mit den vielen Werkzeugen ab und machte sich sofort und routiniert an die Arbeit. Er hebelte den Pflasterstein aus seinem Loch, schaufelte die Erde darunter weg und setzte den STOLPERSTEIN ein. An einem der Verlegeorte passte der nicht so richtig. Also flugs zu Hammer und Meißel gegriffen und den STOLPERSTEIN unten etwas gekürzt. Kaum ist er dann ins Loch gesetzt wird er nochmal kräftig festgeklopft. Boff! Boff! Sand darüber, in die Ritzen gewischt, etwas Wasser darauf, dann Sand und Erde weggefegt, den STOLPERSTEIN noch mal abgewischt. Fertig.

Alle Anwesenden schauten dieser kleinen "Performance" fasziniert zu. Da tat ein Handwerker seine Arbeit, nicht mehr und nicht weniger. Mit seinen Händen machte er, quasi stellvertretend für uns andere, ein ganz kleines Stückchen des großen Unrechts wieder gut, das sich in diesem Lande zugetragen hat. Und durch dieses einfache und so ganz und gar unprätentiöse Arbeiten mit Stein und Erde und Sand wurde deutlich: jetzt sind diese Menschen wirklich wieder da. Sie sind in den Alltag zurückgekehrt. Sie haben Namen und sie gehören wieder dazu."


Nun gibt es sie auch in Gelsenkirchen: STOLPERSTEINE des Kölner Künstlers Gunter Demnig

15. Juli 2009. Am 13. Juli wurden an drei Verlegeorten in Gelsenkirchen 6 STOLPERSTEINE für jüdische Opfer der Shoa verlegt, an der Markenstrasse 19 in Horst für Simon und Frieda Neudorf, an der Florastrasse 84 für Regina Spanier und an der Kolpingstrasse in der City für Fritz und Grete Goldschmidt sowie für Mathilde Wertheim geborene Goldschmidt. Sie alle wurden vom Sammelort auf dem Wildenbruchplatz (ehemamlige Ausstellungshalle) am 27. Januar 1942 in den Tod deportiert.

Markenstrasse 19

Foto: Verlegung an der Markenstrasse 19, STOLPERSTEINE für Simon und Frieda Neudorf

Im Rahmen einer kleinen Zeremonie wurde den ermordeten Menschen am Verlegeort gedacht, während der Künstler die STOLPERSTEINE verlegte, verlas Andreas Jordan, Initiator des STOLPERSTEIN-Projekts in Gelsenkirchen, die lebensgeschichtlichen Daten der Menschen. An der Markenstrasse verlas er Worte und Gedanken des überlebende Sohnes Herman Neudorf, der heute in den USA lebt. Eine rote Rose mit schwarzer Schleife wird auf auf den Gehweg niedergelegt, anschließend beteten Yuriy Zemskyi bzw. Mirjam Lübke das jüdische Totengebet “El male rachamim” für die auf dem STOLPERSTEIN genannten Menschen. Während der Gebete schien die Zeit still zu stehen. Zwei Schülerinnen der Gerhard-Hauptmann Realschule, Jennifer Fischer und Franziska Dutka, begleiteten für Radio Herby (Radioprojekt der Schule) die gesamte Veranstaltung mit dem Mikrofon und interviewten Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Markenstrasse 19

Foto: Die ersten STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen-Horst erinnern an Simon und Frieda Neudorf

An der Florastrasse 84 verlas die Patin des STOLPERSTEINs für Regina Spanier, Frau Elisabeth Schulte-Huxel Auszüge aus der Lebensgeschichte von Regina Spanier und übermittelte Grüße und Dank der überlebenden Enkelin, Frau Ilse Reifeisen-Hallin, die heute in Schweden lebt.

Esther Goldschmidt, die zur Verlegung eigens aus Flensburg anreiste, verlas am Verlegeort an der Kolpingstrasse 6 einen Brief, den Sie an Ihre sel. Angehörigen Fritz und Grete Goldschmidt sowie Mathilde “Tilla” Wertheim, geborene Goldschmidt gerichtet hatte. Bewegende Zeilen, bei denen viele der Teilnehmer und Zuschauer Ihre Emotionen kaum verbergen konnten, es flossen Tränen. Die an den Verlegungen anschließende Matinee im Bildungszentrum bildete den Abschluß dieses denkwürdigen Tages. Lothar Lange führte durch die Abschlußveranstaltung, Gunter Demnig erläuterte sein Projekt STOLPERSTEINE, Peter Rose, Kulturdezernent a.D. erinnerte an den Nazi-Terror, Frau Schulte-Huxel berichtete aus dem Leben von Regina Spanier, Andreas Jordan fasste die Entwicklung seiner Bemühungen um das STOLPERSTEIN-Projekt zusammen und Esther Goldschmidt las aus den Briefen, die Ihre Tante Hilde Laut, die heute in den USA lebt, 67 Jahre aufbewahrt hatte. Briefe der Menschen, die kurz vor Ihrer Deportation und anschließender Ermordung verfasst worden sind.

Markenstrasse 19

Bild: Die ersten STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen liegen nun an der Markenstrasse in Horst

Es war ein besonderer Tag für unsere Stadt, für die wenigen noch lebenden Menschen, die das Grauen des Nazi-Terrors überleben konnten und für die TeilnehmerInnen der Veranstaltungen. Menschen, die eine Patenschaft übernehmen wollen, oder das Projekt mit einer Spende unterstützen wollen, wenden sich bitte an die Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Ein nächster Termin für die Verlegung von STOLPERSTEINEN in Gelsenkirchen ist für Februar 2010 geplant.


Heute werden STOLPERSTEINE verlegt

13. Juli 2009. Es ist soweit: Nach langer und steiniger Vorbereitungsphase werden am heutigen Montag die ersten STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen verlegt. Wie schon in fast 500 europäischen Städten wird der Künstler Günter Demnig zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus sechs dieser mit Gedenkplatten versehenen Steine ins Pflaster einlassen.

Die Verlegung beginnt um neun Uhr vor dem Haus Markenstraße 19 in Horst-Süd mit zwei Steinen für die von den Nazis ermordeten Gelsenkir-chener Juden Frieda und Simon Neudorf. Anschließend werden vor dem Haus Florastraße 84 ein Stein für Regina Spanier sowie auf der Kolpingstrasse (zwischen C&A und Kaufhof) in der City drei weitere Steine für Grete und Fritz Goldschmidt sowie Mathilde Wertheimm verlegt.

Die Aktion wird begleitet von jüdischen Vorbetern; außerdem werden für Fragen interessierter Passanten Ansprechpartner vor Ort sein. Zum Abschluss findet um elf Uhr im Bildungszentrum, Ebertstraße, eine kleine Matinee statt. Esther Goldschmidt, eine Verwandte von Grete und Fritz Goldschmidt, wird aus ihrem Buch „Vergangene Gegenwart" lesen. Auch Günther Demnig wird über seine Arbeit Informieren. Und: Mitglieder des STOLPERSTEINE-Unterstützerkreises des Internetforums Gelsenkirchener Geschichten werden über die Umsetzung und Fortführung des Projekts in Gelsenkirchen sprechen.


Grüne übernehmen Patenschaften


22. Mai 2009. Der Kreisverband Bündnis 90 / Die Grünen Gelsenkirchen haben heute die Patenschaft für zwei STOLPERSTEINE übernommen.


STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen - Der Boden ist bereitet

13. Mai 2009. Heute erschien in der WAZ Gelsenkirchen ein ganzseitiger Artikel über die STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen. Lars Oliver Christoph hat wieder mal ganze Arbeit geleistet und einen sehr bemerkenswerten Bericht geschrieben. Das hat auch zur Folge, dass durch Überlastung aufgrund der hohen Zugriffszahlen die Internetpräsenzen des GELSENZENTRUM und der STOLPERSTEINE Gelsenkirchen heute zeitweilig nicht zu erreichen sind.

Der WAZ- Artikel online: Der Boden ist bereitet


Erste STOLPERSTEINE werden am 13. Juli 2009 verlegt

10. Mai 2009. Nun steht der erste Termin für die Verlegung von STOLPERSTEINEN fest. Gunter Demnig wird am Montag, den 13. Juli erstmals STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen verlegen. "Es war ein langer Weg", freut sich Initiator Andreas Jordan, "Nun ist es soweit!"

STOLPERSTEINE sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen bündig ins Pflaster der Gehwege eingelassenen Mahnmalen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.

Gunter Demnig hat mittlerweile rund 19.000 STOLPERSTEINE in mehr als 450 Städten und Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Österreich, Tschechien, der Ukraine und Ungarn gesetzt. Nun werden auch in Gelsenkirchen erste STOLPERSTEINE verlegt.

 

06. Mai 2009. Der Arbeitskreis teilt mit: "Thomas Kopec hat die Patenschaft für einen STOLPERSTEIN übernommen."

 

03. Mai 2009. Der Arbeitskreis teilt mit: "Ludwig Baum hat die Patenschaft für einen STOLPERSTEIN übernommen."


Aktive Erinnerungskultur

WAZ Gelsenkirchen schreibt am 29. April 2009: Auf seiner Internetseite Gelsenzentrum.de dokumentiert Andreas Jordan das Schicksal von Gelsenkirchener Juden. Die Zeus-Reporterinnen trafen ihn zum Interview".

Interview "Aktive Erinnerungskultur"


VVN/BdA Gelsenkirchen: Wir unterstützen die Idee der STOLPERSTEINE für Gelsenkirchen

26. April 2009. Die Gelsenkirchener Gruppe der VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der AntifaschistenInnen) hat auf ihrer Sitzung im April 2009 die Unterstützung der Initiative "STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen" beschlossen.


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Juli 2011

↑ Seitenanfang